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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-26 · 9 (26.2.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 182 Vr. Vwrtz's Wortzen schrlN vir. 9 jüdischen Volke aber stellt die Sibylle eine glorreiche Znkunft in Aussicht, in der es ungestört um den Tempel des großen Gottes wohnen und sich erfreuen werde der Gaben des Schöpfers, der sie wie eine Mauer ringsum schirmt. Dann werden die Inseln und alle Städte es rühmen, wie sehr der Ewige jene Männer liebt. Denn Alles ist fürsorglich um sie bemüht und gewährt ihnen Stütze: der Himmel, die Sonne und der Mond. Und die Mutter Erde hüpft in jenen Tagen, und von jedem Munde ertönt der liebliche Sang: Aufs Knie! und lasset uns Alle anbeten den unsterblichen König, den großen allmächtigen Gott. Lasset uns zum Tempel senden, denn er allein ist der Herrscher. Lasset uns das Gesetz des höchsten Gottes erwägen, denn es ist das gerechteste von allen auf Erden"). Schließlich erhebt die Sibylle ihren Mahnruf gegen das „elende Hellas" und weist abermals auf die messianische Zukunft hin, wo der unsterbliche Gott die Menschen auf der ganze Erde nach einem gemeinsamen Gesetze regieren werde: „denn er selbst ist ein einziger Gott und Keiner ist außer ihm." Dann wird er auf ewige Zeiten für alle Menschen ein Reich errichten, wenn er den Frommen sein heiliges Gesetz gegeben. Und von der ganzen Erde wird man Ranchwerk und Geschenke zum Hause des mächtigen Gottes bringen. Es wird aber in Zukunft feilt anderes Haus zu erfragen sein bei den Menschen, als jenes, welches Gott den gläubigen Männern gegeben,ä) Nach dieser Sibylle wird somit die Weltreligion des messianischen Reiches zum Inhalt haben: Gott, Tempel, Opfercultus und Gesetz. Allerdings ist dasjenige, was selbst der confervative alexandrinische Verfasser des dritten Sibyllengedichtes unter „Gesetz" versteht, von welchem er prophezeit, „daß es allen Sterblichen als Führer des Lebens dienen werde",") noch immer himmelweit von der „Bürde des Gesetzes" entfernt, wie sie sich aus dem Pharisäismus in Palästina entwickelt hat. — Mit einem solchen Gesetz beschwert, hätten unsere alexandrinischen Heidenbekehrer keine größeren Erfolge in der heidnischen Welt erzielt, als die palästinensichen Schriftgelehrten. — Unsere Sibylle legt übrigens klar und bündig den In-! halt des „Gesetzes" dar. Den Mittelpunkt desselben bildet ihr: das mosaische Sittengefetz. Nach ihr zeichnet sich das jüdische Volk vor anderen Völkern dadurch aus: daß es dem Gefchlechte gerechter Menschen entsprossen, gute Gesinnung mit schönen Werken verbindet, daß es nur auf Gerechtigkeit und Tugend bedacht ist, die Habsucht meidet, richtiges Maß und Gewicht handhabt, mit heiliger Scheu fremdes Eigenthum schont, den Grenzstein des Nachbars nicht verrückt, die Armen nicht kränkt, die Witwen nicht betrübt, sondern ihnen Hilfe leistet, einen Theil der eigenen Ernte ihnen gewährend, erfüllend das Gesetz des großen Gottes: „gab doch der Himmlische Allen die Erde gemeinsam/"') Es wird ferner von den Juden gerühmt, daß sie ein heiliges Geschlecht gottesfürchtiger Menschen seien, welche den Tempel Gottes mit Hekato mb eit verherrlichen, in Gerechtigkeit leben und im Besitze des Gesetzes des Höchsten sind. Ihnen allein habe Gott verständigen Rath, Treue und trefflichen Sinn ins Herz gelegt. Sie beten nicht zu Götzen, sondern erheben die reinen Hände zum Himmel, sich früh vom Lager erhebend, verehren nächst dem Allmächtigen die Eltern und sind von keuschen Sitten.'ff So geartet war das conservative g e s e tz e s t r e u e alexandrinische Nativnaljudenthmn. Ein nationaler Jude vom gleichen Schlage, der sich ebenfalls die messianische Weltreligion ohne Tempel und Opfer nicht vorstellen kann, ist der Verfasser des fünften Sibyllengedichtes. Im scharfen Gegensätze zu seinem zeitgenössischen College», dem Verfasser des vierten sibyllinischen Gesanges, welcher kalt an der Zerstörung des Tempels vorübergeht, Tempelcultus und Thieropier verwirft, hegt er eine schwärmerische Begeisterung für diesen Cultus, eine glühende Liebe für die jüdische Ratio n, für das judäische Land und ftir die Stadt Jerusalem. Den Tempel preist er als „das ewig blühende Haus, die Wohnung Gottes, welchen die Heiligen erbaut, und von welchem man vom Herzen gehont, daß er immer und ewig bestehen werde. In diesein ward Gotr durch Opfer und heilige Hekatomben verehrt."'ff — Inder mesfianischen Zeit, wo sämmtliche Städte untergehen werden, „wird die Stadt, welche Gott wohlgefiel, glänzender als die Gestirne, Sonne ">111,702 ff. ") III, 703-775. 1G) III. 195. 'ff III, 218 f., 234—247. lS) III, 573—595. 'ff V, 400 ff. und Mond sein, geschmückt von einem heiligen Tempel, körperlich sichtbar, schön und prächtig . . ., unermeßlich groß, in die Wolken ragend, so daß alle Gerechten den hehren Glanz Gottes schauen werden. Aufgang und Untergang preist die Herrlichkeit des Allmächtigen .... Dann ist die Zeit der Heiligen erschienen, wo dieses der hochdonnernde Gott, der Gründer des mächtigen Tempels, vollfnhrt."2ff — In Zukunft wird aus Priestermund der Aufruf erschallen: „Auf, lasset uns Gott einen schönen, wahrhaften Tenipel bauen!"-') — Aber nicht blos in Judäa, auch „in Egypten wird dann ein großer und heiliger Tempel sein und darin wird das gotterwählte Volk opfern. Diesem wird Gott ein ewiges Leben verleihen."--) Von gleicher Begeisterung wie für den Tempel ist diese Sibylle für das jüdische Volk, für das heilige Land und ftir Jerusalem erfüllt. Jerusalem ist ihr die „Stadt der Seligen", „die mächtige Stadt", die „Stadt, welche Gott wohlgefiel". — Des Meres Tiefe wird in Brand gerathen, Babylon selbst und das italische Land werden untergehen, weil durch sie viele heilige Hebräer und der wahrhafte Tempel zu Grunde gingen.-ff Memphis, das vormals gewaltige, wird schweres Unheil erleiden, weil es gegen „die gottgesalbten Kinder" gerast und den „guten Männern" Unheil gebracht hat. Die Brittanier und Gallier wird Strafe treffen, denn sie haben an den „Kindern Gottes" Frevel verübt. Allen Menschen sind Mord und Schrecken bestimmt wegen der großen Stadt und des gerechten Volkes, welches stets geachtet ward, unter dem Schutze der Vorsehung stehend. — Wenn einst das persische Land von Krieg, Leiden und Pest frei sein wird, dann wird das göttliche Geschlecht der glückseligen Inden, welche mitten im Lande die Stadt Gottes ringsherum bewohnen, sich erheben . . . .-ff Den Gipfel der Schwärmerei für das jüdische Volk und das jüdische Land erreicht unsere Sibylle in folgenden Trostworten: „Quäle nicht mehr das Herz, setze nicht mehr das Schwert an die Brust, göttlicher Sproß, überreiche, einzig be- , gehrte Blume, wohlthnendes Licht, geliebtes Judäa, du herr-! liehe durch Hymnen begeisterte Stadt! Nicht mehr wird der unheilige Fuß der Hellenen umherhüpfen in deinem Lande, welches vom Geiste gleicher Gesetze beseelt ist, vielmehr werden dir vortreffliche Diener Ehre erweisen und unter heiligen Reden den Tisch bereiten mit vielfachen Opfern und frommen Gebeten .... Nur das heilige Land der Hebräer wird dieses alles bringen, honigtriefende Felsen; ambrosische Milch wird allen Gerechten fließen; denn sie haben auf Gott, den alleinigen Schöpfer des Alls vertraut in Frömmigkeit und im Glauben". — Diese Begeisterung klingt in dem folgenden Gebete der Sibylle aus : „Schone Allvater, das große und fruchtbare Judäa, auf daß wir deine Satzungen erfüllen, denn dieses hast du zuerst, o Gott, in deiner Huld erkannt, daß es im Voraus allen Menschen als Gnade "von dir erscheine, daß es einen Vorzug habe, wie Gott es bestimmt hat."-ff Also überschwängliche Liebe für das von Gott zu großen Dingen berufene jüdische Volk und für dessen zur ewigen Geltung eingesetzte nationale und religiöse Institutionen kommt hier überall zum beredten Ausdruck. Und wenn auch dabei das „Gesetz" nicht so scharf betont wird, wie im dritten Sibyllengedicht, starke Anklänge sind immerhin vorhanden. Anders der Dichter des vierten sibyllinischen Gesanges. Er vermeidet jeden Hinweis auf das „Gesetz". Natürlich: er har das nationale Judenthum und das Ceremonialgesetz vollständig abgestreist, Tempel- und Opfercultus, als des großen Gottes unwürdig, fahren lassen, und predigt dafür „andere Reinigungen". Die Jndäer liegen ihm kalt zur Seite",-") dem jüdischen Volke als solchem steht er fremd gegenüber. — Ein größerer Contrcnt, als zwischen der nationalen Begeisterung des fünften Sibyllenbuches und der eisigen Kälte gegen alles Jüdischnationale, wie sie uns aus dem vierten Buche der Sibylle entgegenweht, ist kaum denkbar. Und doch sind beide Dichter Inden, find beide vom Bekehrnngseifer und Begeisterung für ihre Religion durchglühte Juden, sind Beide Zeitgenossen und Söhne der Diaspora! -'-') V, 420-434. -2») V, 493. -'ff V, 501, ff. 23) V, 701. 154, 420, 161. 24) V, 68 f., 202, 225, 247. 2ff Y, 260-285 328 ff. 2Gj Ewald a. a. 0. 8. 46.

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