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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-26 · 9 (26.2.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 180 Dr. Vlmtz's Wochenkchrtst Nr. 9 schon lange gegrollt haben, daß die Juden hier in einem Deutschthum machten, das sie eigentlich nichts anging und von dem sie nur täglich moralische Ohrfeigen einernten. Christlich-sociales Candidalend eutsch. Die „Ostdeutsche Rundschau" veröffentlicht den Wahlaufruf eines Herrn Fr. G a st i n g e r aus Seyfrieds bei Waidhofen an der Thaya, welcher auf eigene Faust als christlichsocialer Reichsrathscandidat für die fünfte Curie auftritt. Der Wahlaufruf, welcher mit seiner schauderhaften Orthographie die Nothwendigkeit der Hebung der Bolksschulbildung so recht drastisch darlegt, hat folgenden Wortlaut: Als Kantidatt am 9. März 1897, Als Kattolischer Grist drätte ich für das gemeine Folgg for. 1. Das der Bauer stand ist heidzudage ein Beschwerlicher stand ist das ist genau zu begreifen denn wir legt im Sofiell auf das er es nicht mer er dragen kann. 2. Das der Gewerbetreiber nicht mer leisten kann als er leisten tud. 3. Das der Kleinheiller heittzudage so Gestelt ist, wein es nicht Vo Seinen Eigenen mutte her nutter Spartt Von der Hittn da fon laufen konn. 4. Das die Kattolischen Prister und die Kattolischen Lerer ir Rächt auf den christ Kattolischen Glauben erhalten und ich mit innen miht wirken wolle. Seyfrieds, am 19. Februar 1897. Franz G a st i n g e r, Hausbesitzer in Nr. 4, Seyfrieds. Jüdische Aerzte. Die englischen Blätter verkündigen in ihren Berichten aus Indien das Lob des Dr. Waldemar H a f f k i n e in vollen Tönen. Seine Methode, eine weitere Ausbreitung der Pest zu verhindern, habe sich, so heißt es, dort glänzend bewährt. Die „Times" sagt ausdrücklich: „Die Namen von Professor Koch in Berlin und Dr. Waldemar Wolfs Mordechai H a f f k i n e werden unvergeßlich bleiben in der Geschichte der Medicin." Wie eine Ironie der Geschichte liest sich nun gegenüber diesen Lobsprüchen die Biographie dieses Mannes. Er ist nämlich ein geborener Südrusse und hat die Universität in Odessa besucht. Als Jude war ihm jede akademische Carriere in seinem lieben Baterlande verschlossen, und so ging er 1888 als Professor nach Gens. Schon ein Jahr darauf wurde er als Assistent von Pasteur nach Paris berufen. Wenn nun Rußland heute von dem entsetzlichen Würgengel der Pest in seinen asiatischen Ländern befreit bleibt, so hat es dies im Wesentlichen den Forschungen und Arbeiten des Dr. Waldemar Mordechai Haffkine zu verdanken, der ein guter Jude geblieben ist und deshalb sein Vaterland verlassen mußte, weil er dort keine Stelle finden konnte. Der Sohar und Kopernikus. Ueber die Gestalt der Erde und den Kreislauf der Sonne findet sich im Sohar eine Anführung, welche neuerdings das Erstaunen und die Verwunderung der Gelehrten hervorgerufen hat. Asarja de Rossi führt in seinem Werke „Meor Enajim" diese Stelle an, welche erst vor Kurzem von Professor Wackerbart in Upsala einer Besprechung unterzogen wurde. Was Kopernikus Jahrhunderte später auf Grund seiner Beobachtungen und Berechnungen mit genialem Geiste entdeckt hat, das wurde hier, wenigstens in Bezug auf unsere Erde, mit dürren Worten gelehrt: Die Drehung der Erde, der Wechsel von Tag und Nacht, die Stellung der Antipoden und die langen Tage und Nächte an den Polen. „Die ganze Erde", so heißt es daselbst 3. B. M. 4, 1., „dreht sich wie ein runder Ball, Diese sind oben, Jene sind unten, alle diese Menschen sind verändert in ihrem Aussehen, je nach dem Klima ihres Landes; es gibt daher immer einen Ort auf der Erde, wo es Tag ist. wenn anderswo Nacht herrscht; hier ist es hell und dort dunkel. Es gibt auch Orte, wo es stets Tag und nur kurze Zeit 'Nacht ist." Eine Preisfrage. Wir ersuchen unsere Leser, genau folgende Notiz zu lesen: George Davidsohn ch. Dieser Tage ist in Berlin ein tteuer Bayreuther Genosse zu Grabe gettagen worden: George Davidsohn. Zu einer Zeit, wo Alles unter dem Banne des Philisterthums an dem Kesseltreiben gegen Richard Wagner und fein Kunststreben theilnehmen zu müssen glaubte, hatte er den Muth und den Charakter, für die Verwirklichung des Bayreuther Kunst- und Culturgedankens in Wort, Schrift und That selbstlos einzutreten. Davidsohn war der Gründer des Berliner Wag ne r-B e r e i n e s und stellte auch den „Berliner Börsencourier", dessen Chefredacteur er später ward, in den Dienst von Bayreuth. Man muß eine Ahnung haben von der Berliner Preßclique jener Tage, um diese Verdienste eines einzelnen Publicisten würdigen zu können. Und hat man sie in ihrer Größe erst erkannt, dann muß man sie umso höher anschlagen, als Davidsohn selber Jude war und keinen Augenblick in seinem Leben daraus ein Hehl machte. Wo andere Juden in feiner Witterung der Zertströmung sich taufen ließen, um ihres eigenen Vortheils willen ihre jüdische Herkunft verleugneten und sogar Antisemiten wurden, blieb Davidsohn Jude und bekannte sich stets als solcher, und dennoch trat er aus innerster Ueberzeugung für eine gegen den jüdischen Geist gerichtete Sache ein, weil er sie als eine ethische und ästhetische Nothwendigkeit für die gesammte Menschheit erkannt hatte." Und nun fragen wir, gibt es einen Menschen, der nach der Lectüre dieser für die Ehre eines Juden begeisterten Zeilen errathen würde, daß wir sie ans einem — antisemitischen Blatte citiren? Und doch ist es so. Die Notiz stand in der „Ostdeutschen Rundschau" vom 18. Februar 1897! Es geschehen wirklich noch Zeichen und Wunder. Der Einstutz des jüdischen Geistes auf die antike Welt. vn. Die religiösen Parteiungen der jüdischen Diaspora. Wie das Palästinensische Jndenthum, hatte auch die jüdische Diaspora ihre religiösen Parteiungen, mit dem Unterschied jedoch, daß die Religion in der Diaspora nicht mit der Politik verquickt war. Hatte Palästina seine Pharisäer und Sadducäer, so theilte sich das Judenthum der Diaspora in eine gesetzestrene nationale und in eine den Wortlaut des Gesetzes philosophisch zersetzende, den schrankenlosen Universalismus predigende Partei. Beide, sowohl die gesetzesfreundliche nationale, als auch die jedem Nationalismus abholde antinomistische, waren von dem glühendsten Feuereifer beseelt, mit ihrem Judenthum die Welt zu erobern. Die Einen hegten die unerschütterliche Ueberzeugung, die künftige Weltreligion werde die n a t i o n a l-jüdische mit Tempel- und Opfercnltns sein; während die Anderen nur durch Beseitigung des enge Schranken aufrichtenden nationalen Cultus und des jeden freien Schwung hemmenden Ceremonialgesetzes und durch F r e i m a ch u n g des Geistes der mosaischen Lehre von dem Buchstaben die Menschheit bekehren zu können hofften. Wer von Beiden den richtigeren Blick und das bessere Verständniß für die Zeit und ihre Bedürfnisse hatte, das lehrt das nachmalige, aus dieser radical-jüdischen Partei hervorgegangene P a u l i n i s ch e Christenthum. Hätte uns Philo auch nicht das Vorhandensein dieser beiden Parteien der vorchristlichen Diaspora scharf markirt, wir hätten es dennoch ahnen müssen. Liegt es doch in der Natur der Sache, daß bei einer Gesetzesauslegung, wie sie der jüdische Alexandrinismus in Hebung gebracht,' „welche die geschriebenen Gesetze für Sinnbilder geisttger Lehren hielt", eine radicale Secte entstehen mußte, „welche die Sinnbilder mit aller Sorgfalt aufsuchte, die geschriebenen Gesetze selbst aber mißachtet e". Wenn man, wie Philo selbst, mit so heiligem Ernst in das Gesetz hineinphilosophirt, daß die große, dem Sabbathe innewohnende Heiligkeit — in der S i e b e n z a h l gelegen sei, „welche uns die schöpferische Kraft des Ungezeugten und die natürliche Unthätigkeit alles Erzeugten lehrt", ') so folgt consequentermaßen daraus, daß mau ohne Scrupel „die gesetzlichen Gebräuche des Sabbaths aufheben darf". Wozu die jährlichen festlichen Zusammenkünfte, wenn sie einmal „als ein Bild geistiger Freudigkeit erkannt wurden?" Welcher vernünftig denkende Mensch wird fürder noch die blutige Ceremonie der Beschneidung für nothwendig erachten, wenn diese nichts weiter als ein ') Philo, de mundi opit I, 21, 23 30. Leg. alleg. I, 46 f. Vita Mos. II, 167. De Vit. contempl. H, 481. De septen. II, 281 u. a. St. Vrgl. damit Aristobul bei Euseb. praep. evang. XIII. c. 12.

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