Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 9 (26.2.1897)
- Date
- 1897-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 9 Br. Vlortz's WvrhenschrM Seite 179 spricht über die Haltung des Ministeriums Badeni gegenüber dem Antisemitismus sein tiefes Bedauern aus." (Stürmischer, lauganhalteuder Beifall. Redner wird beglückwünscht.) Hierauf stattete der Vorsitzende im Ramm des Vereins dem Referenten den Dank für fein ausgezeichnetes Referat ab. Abgeordneter N o s k e sagte: Jur Auslände diene» wir bereits zum Gespötte. Wenn sich dort solche Leute, wie wir sie hier an der Spitze haben, nur blicken , lassen würden, mau würde sie gle ch mit dem Besen hinausjagen. Es scheint aber, daß man nicht nur in den unteren Kreisen, sondern vielmehr in den hohen Kreisen die Empfindung verloren habe. Die Regierung dulde e i n T r L i b e », d a s beinahe verwerflicher sei, a t s d a s a n a r ch i st i s ch e. In solchen Zeiten müsse man aber im Kampfe ansharren, man dürfe keine Abstinenz treiben, denn das Streben der Gegner gehe ohnedies dahi«, die wenigen Freisinnigen ans den Vertretnngskörpern hinauszuekeln. (Rufe: So ist es! Keine Abstinenz!) Der Redner schloß seine Ausführungen mir der Erklärung, daß er unentwegt und unbeirrt durch persönliche Angriffe den Kampf fortsühren werde. (Langanhaltender Beifall.) Es sprachen noch im gleichen Sinne Landtagsabgeordneter Professor K i ck, Bürgerschnldirertor Baue r, Herr W e i n w u r m rc. Die beantragte Resolution wurde unter stürmischen Kundgebungen einstimmig angenolnmen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Eine demeutirte kaiserliche Aeuherung. Die „Frankfurter Zeitung" vom 20. Februar bringt folgendes Telegramm ihres Wiener Correspvudeuten: „Wie ich erfahre, hat der Kaiser beim Hofdiner am 13. Februar gegenüber dem Geheimrath Grafen W i l c z e k geäußert, daß er die ihm anläßlich des Balles der Stadt Wien in den Mund gelegte Anrede an Dr. Lueger („Mein lieber Dr. Lueger!") nicht gesprochen habe." — Diese Mittheilung stimmt mit dem von uns in der letzten Nummer publicirten Schreiben überein Der deutsche Botschafter war an der Hoftafel anwesend und vernahm die Bemerkung aus dem Munde Seiner Majestät. Die Rede des Bürgermeisters. Nachdem der deutschnationale P a ch e r seine antisemitische Rede beendet hatte, hielt der Bürgermeister folgende Rede: „Ich spreche als Bürgermeister der Stadt. Es ist der Herr Candidat in unserer Mitte erschienen, welcher Zwietracht in unsere Reihen tragen will. Wir haben das Programm der deutschen Fortschrittspartei aus unsere Fahne geschrieben, welchem die überwiegende Mehrzahl der Bewohnerschaft auhängt. Der Unterschied ist nur der, daß unsere Partei die Inden nicht ausschließt und sich nicht zu persönlichem Haß gegen die Inden hergibt. Die Zeitungen der deutschen Volkspartei beweisen in jeder Nummer, daß dieser Haß geschürt wird. Nicht eine einzige Thatsache aber, daß die Inden auch Menschenfreundliches geleistet haben, wird angeführt, im Gegentheil, Alles, selbst edle Thaten der Inden werden in den Koth gezerrt und imlautere Motive denselben unterschoben. Wir leben hier mit Inden und ich kann sagen, daß sie Gemeinsinn besitzen und alle Pflichten der Gemeindeangehörigen voll und ganz erfüllen, ja vielfach als Muster vorangegangen sind, s Bravo!) Wir haben shhin keine Ursache, den Israeliten feindselig gegenüberzustehen und sind froh, daß sie derselben Gesinnung sind, wie wir. Warum auch sollen wir sie abstoßen? Wir Deutsche müssen wie die anderen Nationen versuchen, national empor zu streben, und wenn es dort geht, ohne die Coufession zu Hilfe zu nehmen, so wird dies auch bei uns gehen müssen. Wir sind in Oesterreich in der Minorität gegenüber den Slaven und wir können einen so gewichtigen Factor nicht von uns stoßen, ilinsomehr, als die Opserwilligkeit der Israeliten sich bei jeder Gelegenheit zeigt, wenn es daraus ankommt, für das Dentschthnm einzntreten. (Beifall.) Ich spreche mich gegen die Candidatur des Herrn Pacher ans und werde gegen denselben stimmen. (Lebhafter stürmischer Beifall.)" Uin Mißverständnissen vorznbeugcn, wollen wir noch diesen trefflichen Worten eine Bemerkung hiuzufügeu. Der Herr Pacher, um den es sich hier handelt, ist nicht der bekannte Judenfresser — Paul von Pacher. Tie Vermuthuug, daß der Bürgermeister, der diese Rede gehalten, mit Herrn Strobach identisch sein könnte, wird wohl Niemand gehegt haben, der je eine Aenßeruug von diesem Herrn gehört hat. So spricht nicht der Bürgermeister von Wien, sondern H e r r Dr. O h n s v r g, d e r B ü r g e r m e i st e r v v n Aussig, wie wir einem Berichte des „General-Anzeigers" für das Elbe- und Bielethal entnehmen. Der gute To» in der antisemitische» Presse. Dr. Wähner ist Wiener Gemeiuderath, Stadtrath und Herausgeber der „Deutschen Zeitung", die einst eine! allgemeinen Achtung sich erstellte und hellte das osfieielle Lrgan der „deutschen Volkspartei" in Wien ist. Welcher Ton in diesem Blatte des W ä h u e r herrscht, ist aus nachstehender in der „Lstdentscheil Rundschau" vom 22. Februar 1897 publieirten Entgegnung eines von ihm attakirten antisemitischen Genossen zu benrtheilen. Da heißt es wörtlich: Nur den Herrn Dr. W ä h n e r möchte ich höstichst ersuchen, mir nicht gar zu unverschämt mit der „Hundspeitsche" vor der Nase herllmznfuchteln, weil mich das int Schreiben stört. Auch eatenüre ich, daß ich eines Tages die Geduld verlieren könllte lind es für diesen Herrn dann nicht gut wäre, wenn ich eine Hundspeitsche im Grisfbereiche fände, denn ich würde kaum der Versuchung widerstehen, ihn über's Knie zu legen und sein eigeiles Sitzleder damit grün und blau zn färben. Im klebrigen habe ich gerade jetzt keine Zeit, auf die Einzelheiten des gegen in ich gerichteten Gekläffes zu horchen, bin daher leider gezwungen, mich an das türkische Sprichwort zn halten: havlar — kjarawan getscher <; ans deutsch : „Der Hund bellt — die Karawane zieht weiter." Karl H r o u. Deutsche und Juden in der Bukowina. Einem in der Bllkowinaer Hauptstadt erscheinenden Tagblatte entnehmen wir folgende Bemerknngell: „Die Deutschen, die waschechten Deutschen sind hier gewaltig in der Minorität. Und doch, ist es nicht merkwürdig, daß die Amtssprache im ganzen Lande deutsch ist, daß in den Schulen deutsch die Unterrichtssprache ist, in den Vertretnngskörpern der Städte, im Landtage und Landesschnlrathe delltsch gesprochen wird? Die Hauptstadt des Landes ist deutsch, die Universität ist deutsch, kurz gesagt, das Dentschthnm dominirt, trotzdem die beiden nationalen Parteien des Landes, die Rnmänen und die Ruthenen, sich eifrig um die ihnen entschieden gebührende Herrschaft im Lande bemühen. Wer hat dem Dentschthnm diese Präpotenz im Lande verschafft? Die Juden in beu Städten. Sie bilden daselbst eine evnipacte Masse und haben die deutsche Sprache in Gegenden gebracht, wohin die berühmte deutsche Zunge noch nicht gedrungen ist. Die Juden haben nic^t zum Mindesten deswegen den Haß der anderen Nationen aus sich geladen, sie waren gewissermaßen Märtyrer für das Dentschthnm, Pionniere der deutschen Eultnr aus einem Boden, den noch kein pommerscher Musketier mit seinen Knochen gedüngt hat. Was haben hier die Juden von ihrer Tentschthümelei gehabt? Außer dem Odium der nativlialen Parteien haben sie glücklich auch das Unkraut des deutschen Antisemitismus, des verächtlichsten und erbärmlichsten überhaupt, für sich geerntet. Nun ist ein „Verein der Deutschen" in Sicht. Das sind kurzsichtige Leute, die diesen Verein iir's Leben rufen. Sie wissen nicht, daß das Dentschthnm in der Bukowina ohne die Hilfe der Inden am längsten gelebt hat. Sie verkennen die Macht der Thatsachen, die stärker sind, als die nrteutvnischen Launen eines deutschen Professors. Sie wollen die echten Deutschen vorr beit unechten scheiden. Ju Gottes Namen. Die Inden haben nichts zn verlieren; wohl ihnen, wenn sie schon längst sich voncher ungesunden Ehe mit dem Dentschthnm losgelöst hätten. L-ie sollen nur Heerschau halten, die Herren Teutschnationalen, und sie werden^ entsetzt zusammensahren, denn schwach sind ibre Reihen. Ten Juden soll diese Separirung der germanischen Arier nur willkommen sein. Sie werden politisch freie Hand bekommen und werden jenen Parteien des Landes ihre politische Hilfe anbieten, die