Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 8 (19.2.1897)
- Date
- 1897-02-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 8 Vr. Vloch's Wochenfchrifl Gette 171 Hier scheint mir der Znsammenhang dieser Documente eine fühlbare Lücke zu haben, welche durch ein Rechtsgutachten, das mir von ungefähr in die Hand gerieth, aussüllbar erscheint. Es ist dies eine „Schaale und Teschuba" ans jener Zeit, welche ich aus einer größeren Sammlung erworben habe und die ich hier in der Uebersetzung wiedergebe. Die Anfrage lautet folgendermaßen : Mit Hilfe des Herrn, sein Name sei gelobt!;! Warschau am löten Tamus 5457. ü Gott der Allmächtige beschütze unseren Lehrherrn und den von ganz Israel,!! den ehrwürdigen, allbekannten Fürsten des Gesetzes,!i und Kenner der Geheimnisse der Lehre, H erhalte ihn und segne seinen glorreichen Namen! Rabbi Moses Pinchas Charis s. L. l. u. v. s. (sein Licht leuchte und verbreite sich)!! Aeltester des Gerichtes und Oberhaupt der Schule jj der heiligen Gemeinde Lemberg und Umgebung. I. u. Z. w. w. (Jerusalem und Zioü werde wiedererbaut.)! Belehre uns Herr und Meister in einer Rechtssache, eine Frau betreffend, die zu Ende des verflossenen Monats sich in unserer Gemeinde zugetragen hat. Die Sache allein ist folgende: Ein Mann, der Priester aus dem Stamme Arons ist, nämlich der Arzt und Heilkundige Simson, aus unserer Gemeinde, verdächtigt seine Frau, daß, sei es durch Gewalt oder Ueberredung, ein fremder Mann ihren Umgang genossen hat und nach den von uns gepflogenen Erhebungen, hat er, nach unserer nnmaßgebenden Meinung alle Ursache, an der Sache zu glauben. Hier ist die vom obgenannten Simson dem Arzt vor dem hiesigen Rabbinat gemachte Aussage, sie lautet: Zur Sitzung waren wir Drei wie Einer beieinander, da kam vor uns Herr Simson der Sohn des Aron Kohn, und nachdem wir ihm nach Recht vorgehalten, die Wahrheit auszusagen, erzählte er Folgendes: „Ich kam am Eingangsabend des vergangenen Samstags von einem Krankenbesuche nach Hause und traf auf der Treppe, die zu meiner Wohnung führt, einen Manu stehen. Ich erkannte ihn vorerst der Dunkelheit wegen nicht, als ich aber ans ihn zutrat und in der Meinung, er werde mich vielleicht zu einem Kranken verlangen, ihn fragte was er wolle, sah ich, daß es mein einstiger Studiengenosse, der Andersgläubige Peter Stryczka, gegenwärtiger Hoff und Leibarzt des Königs, seine Majestät werde erhöht. Es stieg in mir sogleich ein Verdacht gegen ihn auf, denn ich hatte bemerkt, daß er seit Langem meiner Frau nachstellte und sich ihr zu nähern suchte. Denn noch vor meiner Verlobung mit meiner Frau, hatte er ihre Bekanntschaft gemacht, indem ich von der Hochschule aus durch ihn ein Schreiben au meinen Schwiegervater G. H. i. s. geschickt. Mehrmals hatte ich mir schon vorgenommen, ihn darüber zur Rede zu stellen, ich trat daher ganz dicht an ihn heran und fragte ihn, was er hier wolle? Er mochte meine überlegene Körperstärke gefürchtet haben, denn er zog sich, ohne zu antworten, einige Stufen hinauf, nach meiner Wohnungsthüre zurück; ich aber ergriff ihn unsanft beim Rockkragen und fchüttelte ihn heftig. Wir verursachten wohl einigen Lärm, denn in demselben Augenblicke trat eine Männergestalt, mir etwas ähnlich, aber, wie ich in der Dunkelheit bemerken konnte, an Körpergröße noch überlegen, aus meiner Wohnungsthüre, und ehe ich es mir versah, hatte sie mich mit Riesenstärke ergriffen und die hohe Treppe hinuntergewvrfen, wo ich mit einem zerschmetternden Bein liegen blieb. Die beiden Männer gingen nun eilig die Treppe hinab und an mir vorüber, des Schmerzes und der Dunkelheit wegen aber, war ich nicht im Stande, den Anderen, der mich hinuntergeworfen, zu erkennen. Nun kam meine Frau herunter, sie schlug bei meinem Anblick Lärm und es kamen die Hausgenossen herbei, die mich mit Mühe in meine Wohnung hiuaufrrugen. Ich verband mir den Fuß so gut ich konnte, jedoch habe ich an demselben einen Knochenbruch erlitten und bleibe zeitlebens lahm, so daß ich im besten Falle nicht ohne Hilfe einer Krücke gehen können werde." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Hirsch Mendel, Dr., Haftoroth, übersetzt und erläutert, Frankfurt a. M. 1896. Verlag von 3t. I. H o f m a n n. 571 Seiten. Der bekannte Director der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., des großen Vaters Samson Raphael H i r s ch gesegneten Andenkens würdiger Sohn, hat in der vorliegenden Uebersetzung und Erklärung der Hafthara eine schöne Arbeit geliefert, "die ohne Zweifel in den Schulen und Familien sich einen Ehrenplatz erobern wird. Das Werk entbehrt, weil für die Jugend bestimmt — dasselbe ist den Schülern und Schülerinnen der Realschule gewidmet — des kritischen 'Apparates einer gelehrten Einleitung und führt uns nach einem kurzen Vorworte sofort in medias res. Mit einem feinen und wiffenschaftlicheu Taetgefühle begabt, findet Hirsch den Zusammenhang der Sidra mit der Hafthara, sucht die Beweggründe bei der Auswahl der Prophetenstücke zu ergründen und zeigt uns auf solche Weise Zweck und Bedeutung dieser Vorlesungen in unseren Gotteshäusern. Tief durchdrungen von der Mission des Gottesvolkes und der Erhabenheit seines Schriftthums in Form und Inhalt, redet der Verfasser au der Hand dieser Prophetenstücke zu der Gegenwart, zieht treffende Parallelen zwischen Damals und Jetzt und verleiht so diesen Denkmälern früher Zeiten Aetualität. Der tief religiöse Zug, die überzeugungstreue Innigkeit eines für seinen Glauben hochbegeisterten Lehrers, die Wärme der religiösen Einpsinduug müssen jeden verständigen Leser zur Begeisterung hinreißen. Auch findet der Theologe und Kanzelredner eine gediegene Anregung zu deren Verwerthung für den religiösen Vortrag, namentlich sind die für die Festtage bestimmten Abschnitte in dieser Beziehung voll der reichsten Belehrung. Die spräche und Begriffsentwicklung schließen sich an diejenige seines Vaters s. A. an — auf dessen Werke wiederholentlich hingewiesen wird — und kommen uns 'Anfangs befremdend vor; hat man sich aber einmal in die Gedankenarbeit und in den sprachlichen 'Ausdruck eingearbeitet, dann fühlt man sich ganz heimisch. Schon seit langer Zeit ist kein so nützliches und zweckmäßiges Buch erschienen, das einem wirklichen Bedürfnisse in sv hervorragender Weife entspricht. Hier ist nicht der Ort, sich in eine Einzelkritik einzulassen, das mag den wissenschaftlichen Fachblättern überlassen bleiben, und wenn der Unterzeichnete auch den religiösen Standpunkt des Verfassers nicht theilt, so hindern ihn dies nicht, das wahre Verdienst desselben anzuerkennen. Druck und Ausstattung des umfangreichen Buches gereichen der Verlagshandlung zu großer Ehre. Rabbiner Dr. I. B l u m e n st e i n. L u x e m b u r g, Februar 1897. Sr©' rrca — auch unter dem vollständigen Titel: „Nezaeh Ysrael“. Israel is immortal aml will prevail. A discussion on the moät vital Qnestious of the Jewish People aml the Jewish Religion, by Wm. Schur, Chicago 1897. Selten ist eine Apologie des Judenihums in schönerer Darstellung, mit rückhaltlos freierer Gedankenentwicklnng geschrieben worden, als es hier in diesem clasflsch-hebräischen Bache geschehen ist. Was auch in dieser Hinsicht in vorvergangener und jüngster Zeit versucht wurde, ist eben nur Versuch geblieben, der ein Wollen und kein Können bedeutet. Selbst das bekannte Buch „Chisua Emunah“ und das viel ältere, durch seine Schärfe berühmt gewordene „Sel'er ha-Nizzachon“, welches äußerst selten und höchstens in Bibliotheken noch anzutreffeu ist, werden dem Nezaeh Israel die Palme nicht streitig machen, da beide Werke gegen die uitiverselle, analytische Behandlung des Gegenstandes, denn doch viel zu einseitig anfgefaßt sind. Schur, der zum Amerikaner gewordene Russe, verbindet die Schärfe seines Verstandes mit der in seinem zweiten Laterlande selbstverständlichen Gedankenfreiheit und geht allen positiven Religionsbekenntnissen der Welt hart zu Leibe. Gr wirft ein helles Streiflicht auf die Religion der Griechen, Römer, Inder, Paisen, Brahmanen, Arier, Germanen und Slaven ebensogut, wie auf den Islam und die jüdische Religion selbst. Mit der unerbittlichen Logik der Thatsachen, mit der Sonde des gesunden Menschenverstandes zeigt er, wo sich bei den verschiedenen Culten Tyrannei und Lüge und wo die Wahrheit, Gerechtigkeit und Gewissensfrelherheit sich festgesetzt haben. Hinsichtlich der christlichen Religion, insoweit er die theologische Seite derselben ins Auge zu fassen hat, legt er sich ebenfalls keinen Zwang auf und spricht sein Urtheil mit nüchternster Freimüthigkeit aus. Schur führt den Leier Schritt für Schritt durch ein weites Gebiet und bringt den j üd i s ch e lt Leser zu sich selbst, zu seinem angestammten, ererbten Glauben wieder zurück, von dem er nie wieder «blassen kann. Das Werk ist eine hervorragende Erscheinung ans dem Gebiete apologetischer Literatur, und es muß nur tief bedauert werden, daß das Buch nicht auch in irgend einer der europäischen Cultursprachen einem größeren Leserkreise unter den jüdischen Glaubensgenossen zugänglich gemacht ist, denn sicherlich würde es dazu beitragen, um dem Renegatenthuw, dem thörichten und leichtsinnigen Abfall vom Judenthum, den wirksamsten Einhalt zu thun uno sv mancher von den Herren Juden, deren Aufklärung sich über Religion und Cultus himvegzusetzen nicht das mindeste Bedenken trägt, müßte sich die Frage vorlegen, ob denn wirklich die Taufe ihm ein Mittel zur Seligkeit im Himmel und aus Erden bieten kann. I. Bernh. Straße r» Lehrer der deutschen französischen und englischen Literatur in Wien.