Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 8 (19.2.1897)
- Date
- 1897-02-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 8 Or. Vlortr's WochrurchrM Seite 163 Schriftsteller Herr Julius Bauer einen humoristischen Vortrag hielt. Er leitete den Abend mit einem bisher noch ungevruckter Gedichte „Mein Leichenbegängniß" -ein. In überaus geistreicher Weise wußte er jede bekannte Persönlichkeit des Künstler-, Schriftsteller- und Journalistenkreises zu treffen, ohne sich selbst zu verschonen. Der Vortragende las hierauf einige nicht minder gute Piecen, z. B. „Das wandernde Denkmal", ferner eure scharfe Satyre auf Dr. Mar Anton Löw und noch Einiges aus seinem „Nadelkissen", Alles unter solchem Beifall, daß er sich genöthigt sah, einige Stücke zuzugeben. Samstag. 13. Februar, sprach Schriftsteller Herr Dr. Bernhard Münz über I. von D ö l! i n g e r. Er entwarf in formvollendeter Weite ein getreues Lebensbild dieses Mannes, besprach die einzelnen Phasen seiner Entwicklung und schilderte in beredten Worten sein ehrliches Ringen nach Wahrheit. Besonderes Interesse erregte die Parteinahnie Döllinger's für das Judenthum, ferner seine im Wortlaut citirten Aeußerungen bezüglich des Jnfallibilitäts-Dogmas, sowie seine persönlichen, von warmer Begeisterung getragenen Ansichten über Fürst Bismarck und das geeinigte Deutschland. Samstag, 20. Februar, spricht Herr Prof. Josef Baß über ..Selbstbewußtsein nno Selbstlab". Wien. (Jubiläum des Landes-Sanitätsr a t h e s Professor D r. Ose r.) Am 11. d. M. feierte der Abtheiluugsvorstaud an der Allgemeinen Poliklinik und dirigireitder Primararzt am israelitischen Spitale in Wien, Landes- Sanitätsrath Prof. Dr. Leopold O s e r, den Gedenktag seiner fünfuudzwanzigjährigeu Thätigkeit als Primararzt. Aus diesem Anlasse wurden dem allseits verehrten Jubilar von verschiedenen Seiten herzliche Sympathiekundgebungen zutheil. Professor O s e r, geboren am 27. Juni 1839 in Nikolsburg, absolvirte die Gymnasial- und Universitätsstndien in Wien, wo er im Jahre 1862 zum Doetor der Medicin und Chirurgie promovirt wurde. Von 1862 bis 1867 war er Seenndararzt im Allgemeinen Krankenhause, habilitirte sich alsbald als Privatdocent für interne Medicin und wurde im Jahre 1885 znm außerordentlichen Professor für dieses Fach an der Wiener Universität ernannt. Seit 1872 ist er Primararzt am Rothschildspitale und Abtheilungsvorstand an der Allgemeinen Poliklinik. Im Jahre 1873 wurde Dr. O s e r ordentliches Mitglied des niederösterreichischen Landes-Sanitätsrathes; er ist im Besitze des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. Der Tag gestaltete sich zu einer großartigen Huldigungsfeier für den Gelehrten. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeiude überbrachte durch eine Deputation, welche durch die Herren Vicepräses kaiserlicher Rath Heinrich K l i n g e r, Bauräthe von G o l d s ch m i d t und S t i a ß n y. Architekt Fleischer, Joses H i e l d b u r g h ä u s s e r und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n gebildet war, die Gratulationen der Gemeinde; der Beamtenkörper überreichte durch die Herren Dr. Lieben als Secretär, Cassier Wiener und Buchhalter K o d i t s ch e k eine künstlerisch aus geführte Cigarrencassette. Weiters gratulirte die Poliklinik, woselbst Professor O s e r als Abtheilungsvorstand sich allgemeinster Sympathien erfreut, die Herren Ph. Bondy und Joses Jelinek namens des Vereins für Krankenpflege und Unterstützung handlnngsangehöriger Israeliten, zahlreiche humanitäre Körperschaften und viele Private, die zumeist mit prachtvollen Blnmenspenden sich einstellten. Den Schluß des Festes bildete ein um 5 Uhr veranstaltetes Bankett, welches die Gesellschaft der Aerzte ihrem liebenswürdigen Collegen gab. An den Jubilar ist ferner nachstehendes Schreiben gelangt: Sr. Wohlgeboren Herrn Professor Leopold O s e r, Wien. Hochgeehrter Herr Professor! Die Patienten des R o t h s ch i l d-S p i t a l e s des Saales B 6 erlauben sich Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zur morgen stattfindenden 25jährigen Dienstjubiläum s-F e i e r darzubringen und wünschen, daß Sie, hochgeschätzter Herr Professor, noch lange Jahre Ihre hervorragenden und ersprießlichen Dienste dem Rothschild-Spitale im gesunden Zustande weihen. Mit größter Hochachtung zeichnen die Patienten vom Saale B 6 Rothschild-Spital. Wien, am 12. Februar 1897. Zwei Wärterinnen haben als Deputirte aller Wärterinnen ein prachtvolles Bülmenbouquet mit zwei feinen Seidenschleisen und Widmung Mittags 12 Uhr überreicht. Eine derselben, Namens Auguste Thon, steht schon 24 Jahre mit dem Professor im Rothschild-Spitale im Dienste. Wien. (Generalversammlung des israelitischen Tempel- und Schulvereines VI., Stumpergaffe Nr. 42.) Sonntag den 14. Februar a. hielt der Verein seine VI. ordentliche Generalversammlung unter zahlreicher Betheiligung der Vereinsmitglieder ab. Vorsitzender Präsident Herr Leopold Werter begrüßte den erschienenen Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Cultusvorsteher Architekten Max F l e i s ch e r, und stellte denselben der Generalversammlung vor. .Bor Eröffnung der Generalversammlung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Präsidenten der Cultusgemeinde Gustav Simon, einen warmen Nachruf, und gab die Versammlung durch Erheben von den Sitzen der Trauer über diesen Verlust Ausdruck. Nach Verlesung des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung durch den Schriftführer Herrn Max Keller, erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, aus welchem wir entnehmen, daß dem Vereine in Folge der durch die gänzlich geänderten Statuten den Vereinsmitgliedern eingeräumten humanen und pietätvollen Begünstigungen eine große Anzahl von Mitgliedern beigetreten ist. — Die Religions- und Bibelschule wurde im Berichtjahre von über 100 Schülern srequentirt, nur mußte leider eine noch größere Zahl von Schülern wegen Raummangel abgewiesen werden. Der Bereinstempel zählt infolge des eingesührten geregelten Gottesdienstes und der Ordnung die besten Stände zu seinen Besuchern. Bei den im vorigen Jahre stattgesundenen Wahlen in den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde ist der Verein mit dem officiellen Wahlcomite gegangen, nachdem sich der Vorstand vorerst die feste Ueberzeugung verschafft hatte, daß die Wahl des bisherigen Vertreters der Bezirke Neubau und Mariahils im Vorstande der Cultusgemeinde, Herrn Cultnsvorstehers Max Fleischer, nicht n u r z w e i s e l l o s, sondern von der gesammten Wiener I u d e u s ch a s t höchst erwünscht ist, und dankt der Verein dem Vertreter der Cultusgemeinde für seine dem Vereine und allen jüdischen Vereinen stets gewährte Unterstützung. Bon verschiedenen Leuten ans verschiedenen Gründen wurde versucht, einen Mißton zwischen dem Verein und der Nachbargemeinde, VI., Schmalzhosgasse 3, zn bringen. Der Vorstand hat sich bemüht, denselben zn zerstreuen, und daß dies gelungen, beweist das Erscheinen des Cultnsvorstehers, Herrn Max Fleischer, in seiner doppelten Eigenschaft als Vertreter der Cultusgemeinde und als Präsident des israelitischen Tempelvereines für den VI. und VII. Bezirk. Cultusvorsteher Herr Max Fleischer dankt für den warmen freudigen Empfang, er freue sich immer, in diesem Vereine zn erscheinen und wird immer dem Vereine als Cultusvorsteher seine Unterstützung und als Präsident seines Vereines seine Freundschaft bewähren. Als in den Vorstand aus drei Jahre einstimmig gewählt erscheinen die Herren: Leopold Werter, Adolf Wiener, S. Weiß. Max Keller, Dr. Heinrich Gold(.?um. Leopold Jokl, Leopold Fürst, Michael Feitter und Leopold Walter. Zn Revisoren pro 1897 wurden die Herren Adalbert Bree und Salo Viertel gewählt. Wien. (43. Bericht des allgemeinen österreichischen israelitischen T a u b st u m m e n - Inst i t u 1 e s in Wien.) Im Schuljahre 1895/6 befanden sich im Institute 80 Zöglinge, und zwar 51 Knaben und 29 Mädchen. Bon diesen wurden am Ende des genannten Schuljahres 15 entlassen, während 18 Zöglinge neu ausgenommen wurden. Dem Institute war es auch heuer nicht möglich, das Gleichgewicht in den Einnahmen und Ausgaben aufrecht zu erhalten, und es sieht sich wieder vor die Nothwendigkeit gestellt, an die theilnehmenden Herzen der Glaubensgenossen zu appelliren und sie zu erneuerter Bethätiaung ihres Wohlthätigkeitssinnes aufzufordern. Für folgende im Laufe des verflossenen Jahres zugekommene Spenden wird der liest- und wärmste Dank ausgesprochen. Es spendete: Die Direktion oer Ersten österreichischen Sparcassa 300 fl., Herr Max Tbeodor Schiff 300 fl., Herr Paul Schiff 350 fl., Frau Maximilian Reitzes 100 st., Herr Richard Lieben 100 fl., das Comite des Jndustriellen- Balles 400 fl., Herr Max von Portheim 100 fl., Herr David Ritter von Gutmann 100 fl., Herr Philipp Thorsch 100 fl. zur Verwendung für die Erholung der Kinder in der Ferienzeit, Herr Philipp Bondi 100 fl., Herr Moriz Freiherr von Hirsch in Paris 1000 fl.- Herr Maximilian Paul-Schiss 50 sl., Herr Rudolf Paul-Schiff 50 fl., Herr Max Theodor Schiff 50 fl., Frau Joiephine Paul-Schiff 125 fl., Herr Jgna; Ritter von Ephrussi 250 fl., die Familie des seligen Herrn Friedrich Ritter von Boschan 100 fl.,^ die Angehörigen des seligen Herrn M. H. Weikersheim 85 fl-, Frau Friderike Nirenstein 25 fl., Herr Heinrich Nirenstein 50 fl., Frau Amalie Löwenstein-Todesco 300 fl., Frau Iva von Gutmann 200 fl.