Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 8 (19.2.1897)
- Date
- 1897-02-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 162 Dr Blortz's Wortzensttzrtst •Jir. 8 „Das „Deutsche Volksblatt" vom 10. Jänner enthält einen Artikel über das „Schächten", der mir zu einigen Bemerkungeu Veran laffung gibt. Ich will nichts davon sagen, daß Fürsten der Wissen' schaft, wie Dr. von Petten kose r, Dr. von Voll, Dr. B i r' ch o w, der verstorbene Dubois-Reymond und viele andere Gelehrte in und außer Deutschland, sowie eine große Anzahl von Großschlächtern und Metzgern das Schächten als eine humane Schlachtart bezeichnen, die dem Thierschutz und der Gesunüheitslehre Rechnung trägt, weil es eben für diesmal nur darauf ankömmt, Antwort auf zwei Fragen zu erhalten, die der Verfasser des Artikels, der nicht ohne Kenntnisse in der Sache zu sein scheint, mir vielleicht beantworten kann..'Der Verfasser sagt: „Im Pentateuch st:ht vom Schächten gar nichts". Die auf das rituelle Schlachten bezügliche Bibelstelle befindet sich im 5. Buch Mose 12, 21, wo es heißt: „Wenn zu ferne ist der Ort, den der Herr, dein Gotr, erwählen wird, seinen Namen dorthin zu setzen, so magst du von deinem Rindvieh und deinem Kleinvieh schlachten, wie ich es dir befohlen habe, und es essen in deinen Thoren nach Lust deiner Seele". Wie kommt es nun, möchte ich fragen, daß an dieser Stelle, sowie überall dort, wo von dem Schlachten durch Juden die Rede ist, das Wort sabaeb — schachten—gebraucht wird, während dort, wo vom Schlachten durch Nichtjuden, Fremde gesprochen wird, wie im 5. Bach Moses 28. 31, das Wort tobach — tödten. schlachten — gebraucht wird? Wie kommt es, möchte ich ferner fragen, daß die Samaritaner over Knthäer, für welche nur die biblischen Satzungen maßgebend siud, wie auch die Karaiten, die ebenfalls nur die Thora anerkennen und den Talmud verwerfen, das Schachten als eine re- *■ ligiöse Maßregel anerkennen? So lange mir hierauf keine genügende Antwort gegeben wird, muß ich mich mit der Erklärung begnügen, die von sämmtlichen Rabbinern Deutschlands abgegeben .wurde: „Die rituelle Schlachtmethode — das Schächten — ist eine religiöse Satzung des Judenthums, die im biblischen und nachbiblischen Schriftthum ihre Begründung hat." Im Uebrigen will ich noch bemerken, daß ich mit den Antisemiten gegen alle Mißbräuche im Erwerbsleben und gegen alle Ausbeutung des Volkes kämpfe, aber mit dem Unterschiede, daß ich dabei die ch ri st l i ch e n Wucherer und Blutegel nicht ausschließe. Es gibt gute nnd schlechte Juden, wie es gute und schlechte Christen gibt; das dürfen insbesondere wir Christen nicht vergessen, die wir doch einmal mit den Hauptsemiten Abraham, Isaak und Jacob im Himmelreiche zu Tische sitzen wollen. Correspondenzen. Wien. (S P e n d eu.) Frau Baronin Clara v. Hirsch hat dem israelitischen Cultusvorstande in Wien für das Wölflerheim in Kierling ö. W. fl. 5000 zur Verfügung gestellt. Aus Anlaß des Hinfcheidens seines Bruders, des Börsenrathes Herrn Julius Ster n, hat Herr Bice-Präsident Dr. Alfred Stern dem israelitischen Cultusvorstande eine namhafte Spende zugemittelt. Herr Adolf Stern, in Firma A. Stern u. Sohn hat aus Anlaß des Hinscheidens seiner Gattin Frau T h e r e s e Stern die jüdischen Armen mit einer gleichen Spende bedacht. Wien. (F e r i e n h e i m.) Dienstag den 9. Februar d. I. fand die feierliche Schlußsitzung des Comitös der zu Gunsten des „Ferienheim", Vereines für israelitische Feriencolonien, veranstalteten Wohlthätigkeitsakademie statt. Eine glänzende Gesellschaft hatte der Einladung Folge geleistet; außer dem vollzählig erschienenen Vereinsvorstande und den jugendlichen Mitgliedern des seit Kurzem activirten Mädchen-ComitLs des Vereines bemerkte man unter den Anwesenden. die Herren: Baurath Ritter v. Goldschmidt, den Präsidenten des Politischen Volksvereines Dr. F i a l l a, den gewesenen Abgeordneten Dr.B l o ch, Kammerrath Schefftel, Ortsschulrath Heit, Bezirksausschuß Dr. Hein, Docenten Dr. Klein, Börserath Steinhübel, Compositeur Fürst, Director Hirsch rc. rc. Besonders erfreut war man über das Erscheinen des Hosopernsängers Herrn H e s ch, welcher sich mit Gemahlin eingefnnden __ hatte. Apotheker Rothziegel erstattete in seiner Eigenschaft als Cassier der Akademie einen umfassenden Rechenschaftsbericht, der überaus beifällig ausgenommen wurde, da das Reinerträgniß im heurigen Jahre eine bisher noch nicht erzielte Höhe erreichte. Dr. Wolfgang Pollaczek feierte in einer formvollendeten . nnd mit Begeisterung ausgenommenen Rede die Präsidentin Frau Dr. Grünseld, deren Verdienste um den Verein „Ferienheim" er in gebührender Weise hervorhob. . Von Beifall umrauscht, ergriff die Präsidentin das Wort, um in temperamentvoller und geistvoller Weise das ihr gespendete Lob aus die rührige Thätigkeit und das einheitliche, zielbewüßte Zusammenwirken sämmtlicher Comitemitglieder zu übertragen. Baurath Ritter von Gold sch midt toastirte aus die Künstler, die sich gerne in . den Dienst der Humanität stellen. Die wackere Schriftführerin des Vereines, Frau Graf, lebhaft acclamirt, gab in interessanter und übersichtlicher Weise ein Bild der Gesammtthätigkeit des Vereines und hob besonders das Wirken des neugegründeten Mädchen-Co.mites hervor. Originell und wirksam war die Erwiderung der jugendlichen Präsidentin desselben, des Fräulein Jda F r e y b e r g, welche der Vorrednerin namens der von ihr vertretenen Vereinigung herzlichsten Dank für die gezollte Anerkennung sagte. Hiemit war der officielle Theil des Abends zu Ende. Es folgte sodann die Ausführung einer von den Comitemitgliedern Hugo K n e p l e r und Wolfgang Pollaczek verfaßten Gelegenheitspoffe „FerienHeimlichkeiten", die stürmischen Beifall hervorrief. Hosopernsänger H e s ch erfreute die Anwesenden durch den meisterhaften Bortrag einiger Lieder. Zum glänzenden Gelingen des Abends trugen ferner bei: Fräulein Olga Engel durch ihren lieblichen Gesang, Fräulein Albertine Bella und Herr K n e p l e r durch humoristische Vorträge. Daß dem Tanze zu huldigen nicht vergessen wurde, ist wohl selbstverständlich, und in früher Morgenstunde erst leerte sich der Saal. Damit hat die Serie von Veranstaltungen zu Gunsten der Schützlinge des „Ferienheim" für das heurige Jahr ihr Ende gefunden. Man ging auseinander mit dem Rufe: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahre!" Zg. Börserath Julius Stern. Aus Anlaß des Ablebens desselben fand in der Sitzung der Börsekammer am 13. l. M. eine Trauerkundgebung statt. Der Kammer-Präsident Herrenhausmitglied Vincenz Ritter von Miller zu Aichholz, gedachte mit warmen Worten der unvergänglichen Verdienste des Verstorbenen, der durch 14 Jahre Mitglied der Kammer, durch 21 Jahre Mitglied des Börse-Schiedsgerichtes diesen Aufgaben mit großem Eifer, mit - unerschütterlicher Ueberzeugungstreue nachgekommen sei. Einhellig wurde beschlossen, die Theilnahme der Kammer an dem schmerzlichen Verluste und die hohe Anerkennung der Verdienste des Verblichenen im Protokolle zum Ausdrucke zu bringen. In einer Beileids-Adresse, welche sohin die Börsekammer an den Bruder des Verstorbenen, Gemeinderath Dr. Alfred St.rn richtete, wird betont, daß der Eifer, die selbstlose Hingabe des Verewigten in der Erfüllung des ihm wiederholt anvertrauten Mandates, die hohe Ehrenhaftigkeit seines Charakters, die stets bekundete Collegialität, die gründlichen Kenntnisse, die unentwegt bekundete Hingabe an das Gemeinwohl dem Verewigten ein dauerndes und ehrenvolles Andenken sichern. In einer zweiten Beileids-Adresse des Schiedsrichter- Collegiums wird „der hervorragenden Eigenschaften" des Verstorbenen gedacht, der „stets ein eifriges und pflichtgetreues Mitglied des Collegiums, hochgeschätzt und geachtet wegen seiner strengen Rechtlichkeit sowie ob der Schärfe seines Ürtheiles gewesen und dem ein ehrendes Andenken gesichert sei."—In gleicher Weise sandten Beileids-Adressen der Wiener Börseverein und der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder der Wiener Börse. — Von den zahlreichen, von außerhalb der Börse an den genannten Bruder des Verewigten gerichteten Beileids-Adi essen seien hervorgehoben die des Cultusvorstandes, der israelitischen Allianz, der israelitischen Armenanstalt, des israelitischen Waisenvereines und seiner Beamten, des Schutzdamencomites dieses Vereines und dessen Präsidentin Baronin Königswarter, des Vereins zur Unterstützung armer kranker Israeliten, des Vereins zur Hebung der Gewerbe, der Humanitätsvereine,, Gomile Chessed" und „Limas Chen", des Bethausvereines Beth Israel sowie anderer Bcthausvereine, imX.,XI. und in anderen Bezirken, der Jüdischen akademischen Lesehalle, der jüdischen Studentenverbindungen Kadimah und Libanonia und noch viele andere. In den Reden, welche an der Bahre des Verblichenen Rabbiner Dr. Schmiedl im Sterbehause und Oberrabbiner Dr. Güdemann in der Ceremonieuhalle am Friedhofe h.elten, wurde, anknüpfend an den vorwöchentlichen Thora-Abschnitt, das Gleichniß mit dem Rer Tomid, der nie verlöschenden Leuchte und dem segensreichen Andenken, welches der Verstorbene zurückläßt, durchgeführt. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle.) Der 10. Februar d. I. war ein glanzvoller Festtag dieses bereits nahezu 500 Mitglieder zählenden Vereines, da an diesem Tage der bekannte