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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-19 · 8 (19.2.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
8 (19.2.1897)
Date
1897-02-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 Vr. Vwar's WortzensapttfL Seile 161 Vom Jahrmarkt des Levens. Das Duell Lueger-Tomanek. Das Wort-Duell zwischen Lueger und Tomanek, bei welchem Ersteren etwa zehnmal die Insulte: „Luge", „infame Lüge" in's Gesicht geschleudert wurde, wird nur ein Wort- Duell bleiben. Dr. L u e g e r, der in hämischer Weise daraus hinwies, daß er den „Öfficier" Tomanek schon zu behandeln wissen werde, hat die Zeugen, die ihm der — Offtcier Tomanek schickte, mit der Erklärung empfangen, er duellire sich nicht. Diese Zeugen — es waren Officiere — werden von dieser Erklärung nicht eben überrascht gewesen sein, denn es dürfte ihnen durch eine ganze Reihe von Fällen bekannt sein, daß Lueger principiell sich nicht mit Leuten schlägt, die auf dem Standpunkte stehen, Genugthuung mit den Waffen zu geben und zu fordern. Die Fälle Etienne und Weigelsperg haben ja in jüngster Zeit wieder neue Beweise sür die „principielle" Friedensliebe Lueger's gegeben. Man könnte aber die p r i ncipielle Duellfeindlichkeit Lu ege r's nur höchlich loben, wenn dieselbe eine absolute wäre. Dem ist aber leider nicht so. Lueger duellirt sich nur nicht mit Jenen, die sich schlagen wollen, er spielt sich aber aufdenmuthigen Helden und Duellfreund Leuten gegenüber auf, die in Wirklichkeit — ehrliche, principielle Gegner des Duells sind. Wir erinnern daran, daß Dr. Lueger Herrn Wrabetz, kurz nachdem dieser seiner principiellen Duell-Gegnerschaft Ausdruck verliehen, z u m Z w e ikampfe gefordert hat. Die Heldemnüthigkeit Lueger's ging damals so weit, daß er Sorge dafür trug, in den Blättern erklären zu lassen, er habe W r a b e tz gefordert! Man sieht, die Principientreue L u e g e r's zeigt sich in ihrer Eigenart auch in der Duellfrage. Lueger schlägt sich nui mit — Duellgegnern, er wird aber ein Duellgegner, sobald er einen Gegner vor sich hat, der bereit ist, zu den Waffen zu greifen. Herr Tomanek ist nur Einer von den Bielen, die diese Erfahrung bereits gemacht haben. Belauschte Baügespräche. In einem satyrischen Artikel, den G. Engels mann in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" veröffentlicht, ist auch folgendes Gespräch enthalten: Steiner: Ich gratulire Dir, lieber Lueger, heute hast Du und mit Dir alle Deine Gesinnungsgenossen den stolzesten Triumph gefeiert.... Dr. Lueger (bitter lächelnd): Glaubst Du? Ich habe das Gefühl, daß wir auch eine beschämende Lehre erhalten haben. Du begreifst nicht? Schau, wir haben uns eine Demüthigung auferlegt und haben die Juden zum Balle geladen, dieselben Juden, die wir jahraus jahrein beschimpfen und besudeln, die wir schmähen und ächten, die wir als unwürdig unserer Gesellschaft brandmarken. Wir haben sie zu uns gebeten, ja wir haben ihnen Ehrenkarten in's Haus geschickt, was gleich ist mit der devoten Versicherung: Es wird uns eine besondere Ehre sein, Sie in unserer Mitte zu begrüßen.... Aber die Beschimpften und Verachteten haben mehr Würde, mehr Selbstgefühl, mehr Selbstachtung bekundet, als wir; Keiner von ihnen hat nach der Ehre gegeizt, ciftf unserem Balle zu erscheinen.... Siehst Du, unser Triuniph hat auch die Reversseite, die uns die Juden gezeigt haben.... Steiner (nachdenklich): Hm!... Bon der Seite habe ich die Sache noch gar nicht betrachtet. Dr. Lueger: Es ist curios mit den Juden ... Es gibt Momente, wo es mir klar wird, warum ich mich einst so herzlich wohl in ihren Kreisen fühlte. Freunderl, diese von uns Verachteten verachten uns manchmal noch viel gründlicher. .. Nicht Jeder revanchirt sich so. Wir haben die englische Gasgesellschaft noch schlechter als die Juden behandelt — aber den Herrn Dr. Teltscher kannst Du doch heute hier sehen.... Er fühlt sich offenbar hochgeehrt und hofft vielleicht gar, daß er am Ende doch noch mit uns ein Geschäft macht.... Das ist aber ein echter Arier! Steiner: Wirklich curios ... Die Juden haben heute gezeigt: Die Ehre über Alles! Die Heldenthat eines „gebildeten Deutschnationalen" erregte, so lesen wir in der „Germania", in dem Rower'schen Schanklocal in der Pallisadenstraße einen nicht ungewöhnlichen Unwillen unter den vorhandenen Gästen. Man hatte zur Unterhaltung eine „Weiße" mittelst Teschin auf der Scheibe ausgeschosseu, als ein kleiner Gypsfigurenhändler eintrat und unter anderen „Kunstwerken" auch die Büste Leo Xlll. anbot, die gerade in dieser Gegend, wo viel Katholiken wohnen, gern gekauft wird. „Auf den habe ich schon lange gewartet!" rief ein junger Kaufmann (Otto Schulzen) der sich unter den Schützer befand. „Was kostet denn dein Herrgott?" - der Italiener nannte eine kleine Summe, welche der Käufer auch anstandslos bezahlte, darauf wandteer sich an die Gäste und sagte: „Kinder, unsere Scheibe ist schlecht, ich habe hier eine andere. Wir wollen auf den polnischen Herrgott schießen. Der Kerl ist nicht mehr werth". Sprach'». stellte die Figur an Stelle der Scheibe, ergriff das Luftgewehr und im nächsten Augenblick lag die Figur mit zerschmettertem Kopf auf der Erde. Diese Heldeuthat. zu der keiner der anwesenden Arbeiter fähig war, zeigt so recht die Rohheit, welche vielfach unter „Gebildeten" gang lind gäbe ist und bei jeder Gelegenheit herausgestcckt wird. Was hätte der feine Manu, der, nebenbei gesagt, ein eifriger Verehrer Bismarck'» ist, wohl gethan, wenn einer seiner Mitschützen den Heros des Jahrhunderts aus'» Korn genommen hätte? Ter Änticorruptionist im Etablissement Ronacher. Der Secretär im Rechtsbureau der Kaiser Ferdinands- Nordbahn uud ehemalige Verwaltungsrath des Szeps'schen „Wiener Tagblatt", Herr Dr. Albert Eder, beabsichtigt als clericaler Mandatswerber für die Leopoldstadt zu candidiren. Nun veröffentlichte im Hinblick auf diese Meldung das Vergani- Blatt mehrere unzweifelhaft von Herrn Dr. Eder direct inspirirte Artikel, welche sich mit den Geheimnissen des „Schöpsernen" befassen uud aus denen hervorgehen soll, daß der geuannte Secretär der Nordbahn nur aus dem Grunde in die Verwaltung des Szeps'schen „Wiener Tagblatt" getreten war, „um das Blatt in ein anticorruptionistisches Fahrwasser zu bringen". Da ihm dies jedoch nicht gelungen war, begnügt sich der Änticorruptionist bis auf Weiteres mit seiner weniger schwierigen Berufstbütigkeit im Rechtsbureau der Nordbahn, wo er sich über geeignete Verkehrsmittel für eine anticorruptionistische Wafferstraße nicht den Kopf zu zerbrechen braucht. Diese Stellung bei der Nordbalin scheint dem künftigen christlich-socialen Abgeordneten für den zweiten Bezirk Wiens auch so manch eine angenehme Zerstreuung zu gestatten, die man heuteda, morgen dort zu suchen pflegt. Sv beispielsweise wohnte Herr Tr. Eder einer Vorstellung im Etablissement Ronacher bei. Daran ist nichts Schlimmes, denn eine derartige Unterhaltung darf sich auch ein Reichsrathscandidat von Lueger's Gnaden vergönuen. Er saß in einer Loge und die Entkleidungskünste der Barrison mögen ihm großes Vergnügen bereitet haben. Auch das braucht einem clericalen Mandats- Werber nicht zur Last gelegt zu werden. Was ledoch einem stillen Beobachter, der am selben Abend zufällig gleichfalls das Etablissement Ronacher besucht hatte, besonders interessirte, das war die Nummer der Loge, in welcher Herr Dr. Eder, der Anticorruptionist, mit seiner Gesellschaft Platz genommen hatte. Es war dies die Loge Nr. 19. Und diese Loge Nr. 19 war am selben Abend auf Grund eines Ansuchens seitens der Redaction des „W i e n e r T a g b l a t t" (Szeps) gratis ausgefvlgt worden. Das Datum, an welchem Szeps' „Wiener Tagblatt" um eine Freiloge im Etablissement Ronacher angesucht und auch erhalten hat, stimmt gerade mit dem Datum jenes Tages, an welchem die Reinigungspläne des Dr. Eder im Bergani-Blatte enthüllt wurden, und in dieser der Redaction des „Wiener Tagblatt" bewilligten F r e i l o g e N r. 19 saß der Änticorruptionist — Herr Doctor Eder. Das älteste Bergwerk der Welt befindet sich nach den Forschungen des französischen Gelehrten de Morgan in Asien, und zwar auf der Halbinsel Sinai. Nach den Angaben des genannten Forschers befinden sich im Sinaigebirge Kupferbergwerke, die noch vor 9090 Jahren in Betrieb gewesen sind, nachdem sie etwa vier Jahrtausende lang ausgebeutet worden waren. Ihre Abteufung fällt ungefähr in das sechste Jahrtausend vor Christi Geburt, weshalb diese Kupferminen mir Recht als das älteste Bergwerk der Welt anzusehen sind. Nach beu von de Morg a n mitgebrachten Eczproben konnte festgestellt werden, daß die Hüttenvorgänge behufs Metallgewinnung zu jener Zeit den heutigen ganz gleiche waren und daß ferner der Kupfergehalt der Sinai-Erze sehr gering war. Zur Schächthetze. München, 6. Februar. Herr Landtagsabgeordnerer Pfarrer Dr. Frank hat an das hiesige „Deutsche Vvlksblatt" fcim it Zuschriit gerichtet:

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