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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-19 · 8 (19.2.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
8 (19.2.1897)
Date
1897-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gerte 156 Nr. 8 Vr. Vloch's Wochenschrift tischen Binnenlande entdeckt. Er hat die Gewohnheiten der unsterblichen heiligen Ibis und des göttlichen Apis genau beobachtet und den Schatten Homers heraufbeschworen, um von ihm zu erfahren, welches seine eigentliche Vaterstadt sei ..." 1") So sah der Mann aus, der die ganze damalige Culturwelt mit homerischen und anderen Borttägen beglückte, von den Städten Griechenlands bejubelt und mit den Ehrennamen „Homericus" geschmückt wurde.") Und die von diesem Menschen zur Befriedigung seiner Eitelkeit und Ostentattonssucht ausgeheckten Verleumdungen gegen die jüdische Religion, „die er" — wie es in den Clementinischen Homilien bezeichnend heißt — „sinnlos haßte, ohne sie zu kennen oder auch nur kennen zu wollen",'-) hat ein Tacitus scrupellos als historische Wahrheiten der Nachwelt überliefert! Diese Darstellung Apions bliebe jedoch eine lückenhafte, wenn wir sein Bild nicht auch in christlicher Beleuchtung vorsühren würden. Jawohl, auch das Christenthum — allerdings jenes der ersten Jahrhunderte — welches sich noch an die jüdische Mutter schmiegte und klammerte, an ihren Brüsten gierig Nahrung sog und jeden der Mutter von außenher zugefügten Schimpf als ihm selbst angethan empfand, dieses Christenthum, welches lange Zeit, als eine jüdische Secte geltend, unter dem Schatten der recipirten jüdischen Religion: sub umbracuio Jieitae Judaearumreligionie Schutz und Sicherheit genoß;") es hat Stellung gegen Apion genommen — und diese Stellung überdies scharf markirt. Der Judenfeind Apion war ihm — der A n ti ch r i st! „Die christliche Sage macht den Polemiker zu einem kläglichen Apologeten des sich auflösenden religiösen und sittlichen Lebens der anttken Welt, zu einem Schüler des Simon Magus." ") Die unter dem Namen des römischen Clemens, des Genossen der Apostel, aus uns gekommenen Homilien lassen diesen „Clemens" folgende, das Wesen und Wirken des Grammatikers Apion grell beleuchtende Reminiscenz zum Besten geben: „ . . . Während ich schlaflos auf meinem Bette lag" — so erzählt hier „Clemens" — „tauchte folgende Geschichte in meinem Gedächtniß auf. Bon Jugend auf war mein Streben auf Erkeuutniß der Wahrheit gerichtet, und da ich keine Befriedigung fand, so unterlag endlich auch mein Körper der geistigeil Sorge und ich verfiel in eine Krankheit. Gerade um diese Zeit kam Apion, mein väterlicher Freund, zu mir nach Rom. Auf seine Frage, was mir fehle, schützte ich eine leidenschaftliche Liebe zu einem Mädchen vor, da ich den wahren Grund der Krankheit dem Manne, w e l ch e r d a s Judenthum a u f's Heftigste haßte, nicht enthüllen mochte. Sein Anerbieten, .mir durch magische Mittel ihren Besitz zu verschaffen, wies ich entschieden zurück, nahm dagegen seinen Vorschlag an, sie in einem Brief zu überreden, sich mir hinzugeben. Er verfaßte noch in derselben Nacht eine Schrift: „Das Lob der Unzucht" und übergab sie mir zur Beförderung an das Mädchen." Hierauf theilt Clemens den Anwesenden den Brief mit, der die Aufforderung enthielt, sich ohne Bedenken den geschlechtlichen Freuden hinzugeben, indem er die Ehe als eine Erfindung der Menschen bezeichnete, woran sich weder die Weisen noch weniger aber die Götter gebunden hätten. Das Beispiel der Götter fordere uns auf, ein Gleiches zu thun, ja, es sei gottlos, es nicht zu wollen, da doch die Götter es gethan und der älteste aller Götter, Eros, darauf dringe. „Diesen Brief", so fährt Clemens fort, „konnte ich natürlich nicht absenden, da ja meine Leidenschaft blos eine fingirte war. Gleichwohl stellte ich mich, als wollte ich ihn dem Mädchen zusendcn, erdichtete selbst eine Antwort im Namen desselben und theilte diese an: andern Tage dem Apion mit." Auch diesen Brief liest Clemens vor. Mit Abscheu war darin jene Aufforderung zurückgewiesen. Jene vermeintlichen Götter, hieß es in diesem Brief, waren Magier und Tyrannen gewesen; zu solchen Schandthaten könne sie unmöglich durch jene lügenhaften Berichte verleitet werden, zumal sie von einem Juden gelernt habe, was gottgefällig sei. 101 Plinius, a. a. 0. XXX, 26, XXXV, 36. Gell. noct. Att. V, 14; VI, 8; VII, 8; Vrgl. Lausrakb, NZG. II. 187 ff.; Lehrs, quaest. epic. 8. 18. Creuzer, Theol. Studien u. Krit. 1853. S. 80 f. n) Seneca, epist. 88.!2j Clem. bom. V, 28: Apion, qni legem Judaeomm iniqne oderat, nec quae esset illoram fides seiebat aut volebat scire. n) Tertull. Apologet, c. 21. ") Sperling, Apion der Grammatiker, Schulprogr. S. XXII. Hierauf berichtet Clemens weiter: „Als nun ÄPion diesen Brief gelesen, da rief er ans: „Hasse ich etwa ohne Grund die Juden? Nun, da ein Jude sie in seine H än d e b ekom m en und für s ei n e Religion sie g ew o nnen hat, ist es unmöglich, sie zu r Unzu ch t z u v erleit e n, denn Jene, welche meinen, daß Gott Alles wisse, beobachten die größte Keuschheit, als ob sie nicht verborgen bleiben könnte u." „Als ich nun dem Apion die Wahrheit inittheilte, verließ er unversäumt Rom und erst gestern hat er mich zum erstenmal wieder gesehen/"") Soweit die überaus lehrreiche Clementinische Charakterschilderung. Wir wollen an dieselbe keine weitere Bemerkung knüpfen, da wir besorgen, daß jeder Versuch, dieser nach der Natur entworfenen Zeichnung nachzuhelfen, ihren starken Eindruck nur abschwächen würde. Asstmilstion und Separatismus? Sehr geehrter Herr Redacteur! Die Zuschrift des Herrn Eiben schütz ist hoch erfreulich; sie zeigt, wie bescheiden man auf Seiten der Assimilation zu werden anfängt. Es ist noch nicht lange her, daß die Gegner der Assimilation kaum zu Worte kamen, jetzt sind ihre Anhänger in die Defensive gedrückt. Herr E i b e n s ch ü tz citirt zur Bekräftigung seiner Anschauungen aus einem Programm der Allianz die Worte: „Nous sommes Frangais en France Dien merci! Ne devons nous pas vouloir qu’en Allemagne nos correligionaires soient Allemands, qu’iJs soient ßusses a Moscou, Espagnols ä Madrid, Italiens ä Rome?“ Man brauche nur fortzufahren: Autrichiens ä Vienne um einzusehen, daß diese Worte, wenn sie, was ich bezweifle, in dem gleichen Sinne geschrieben find, in welchem sie jetzt citirt werden, einen schiefen Gedanken ausdrücken, und daß Staatsbürgerthum und Nationalität verschiedene Begriffe sind. In Oesterreich ist es außerordentlich vortheilhaft, Pole und äußerst nachtheilig, Jude zu sein, aber ein ethischer Unterschied besteht nicht. Denn, da es eine österreichische Nation nicht gibt — wie übrigens auch keine schweizerische und amerikanische — so sehe ich nicht ein, weshalb sich österreichische Juden nicht ebenso zu einer Nation rechnen sollen, wie österreichische Polen. Wenn ich mich nicht sehr irre, müßte Jerusalem, als Hauptstadt eines Reiches für den österreichischen Staatsgedanken weit harmloser sein und weniger Gefahren bieten — als Krakau. Soviel zur Frage der Nationalität und des Staatswohls. Was die allgemeine Frage der Cultur betrifft, so hat Herr E i b e n s ch ü tz sehr Unrecht, Assimilation und Separatismus als Gegensätze gegenüberzustellen. Die Juden waren niemals separatistischer als zu der Zeit, in welcher sie bedingungslos Assimilanten waren. Damals, als Friedjung Schönere r's Linzer-Programm entwarf, nahmen die Juden an dem germanischen Volksprotzenthum ihren natürlichen, oder vielleicht auch nnverhältnißmäßigen Antheil. Sie waren also assimilirt und separatistisch, wie überhaupt das Volksprotzenthum nach Außen separatistisch ist und nach Innen zu assimiliren strebt. Das Verlangen unserer Mitbürger nach Assimilation hat daher keinen berechtigten Hintergrund, sondern beruht auf Eitelkeit und Herrschsucht. Ich habe nie die Ethik davon entdecken können, daß man in Berlin Magyarisiren für eine Gemeinheit und Germanisiren für eine edle That hält, daß man dem amerikanischen Senator Carl Schurz nachlobt, daß er Deutscher geblieben ist und von polnischen Juden verlangt, daß sie Deutsche werden sollen, daß man in Wien oder Carlsbad an einem Kaftan oder an Peies Anstoß nimmt, während der Europäer in der Türkei oder China an unserer unschönen und für den Orient unpraktischen Kleidung festhält. Olein.boin. V, 2—20. SchUeniaini, Die (Siementinen, S. 56 fl

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