Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Vloch's Wochrnfchrifi Seile 147 Zeit wieder die Gleichstellung und Gleichachtung aller Bürger seines Staates, ohne Unterschied der Confession als unverrückbares Princip enuncirt hat. Hierauf wurde zur Wahl von zwei Schriftführern geschritten und per Acclamation die Herren Dr. Guttmann (Tabor) und Ullmann (Reichenberg) gewählt. Der Vorsitzende berichtet, daß in dem vorbereitenden Comits sich die Majorität für die Errichtung eines Siechenhauses ausgesprochen, daß aber bei der heute Vormittag stattgefnndenen Vorberathung ein Theil der Versammlung eine Gründung, resp. Vergrößerung des Lehrerpensionssonds, einige die Gründung eines Pensionsfonds für Cultusbeamte im Allgemeinen, beantragten. Vorsitzender ersuchte die Vertreter, die verschiedenen Ansichten zu begründen. Als erster Redner trat Dr. Podwinci (Kolm) auf, der eilte Lanze für die Cnltusbeamten brach, deren klägliche Lage schilderte und behauptete, zur Versorgung der Siechen wäre ein so großer Fond nothwendig, wie er beim besten Willen nicht aufzubringen wäre, endlich auch, daß die Cnltusbeamten weit bemitleidenswerther als die Siechen wären. Hierauf ergriff Schriftsteller Kohn (Prag) das Wort, um in beredter Weise für die Errichtung eines Siecheuhanses zu sprechen. Er weist nach, daß ein Pensionsfond für nahezu 200 Gemeinden gar nicht aufbringbar sei, daß große und auch mittlere Gemeinden, welche mehrere Beamte besitzen, diese versorgen; und da kleinere Gemeinden für alle Dienstleistungen nur einen Functionär besitzen und diesen ohne allzu große Opfer in seinen letzten Lebensjahren versorgen können, würde ein Siechenhaus auch der gesammten böhmischen Judenheit, während ein Pensionsfond nur einer kleinen Minorität, den Dorfgemeinden, zu Gute käme, endlich, daß auch, vom Rechtsstandpunkte ans betrachtet, jede Körperschaft, die Jemanden anstellt, die Pflicht hat, ihn im Alter zu versorgen und es unbillig ist, diese Last auf Gemeinden zu überwälzen, welche nebst ihren Beamten auch ihre Armen unterstützen und auch Institutionen erhalten soll, die zum größten Theile dem ganzen Lande zu Gute kommen. Sieche, namentlich solche, welche im Alter allein stehen, gibt es weit weniger als Cultusbeamte, die, wie das in der Natur der Sache liegt, fast alle einmal, entweder für sich selbst oder ihre Hinterbliebenen pensionsberechtigt werden, so daß sich auch der Fond für ein Siechenhans weit leichter aufbringen lasse, als ein Pensionsfond. Kohn bestritt auch die unerweisbare Behauptung des Vorredners, daß ein Cnltusbeamter bedauerlicher als ein Siecher sei, und schildert in ergreifenden Worten die Lage eines Blinden, Taubstummen, gänzlich Gelähmten, der, Witwer, kinder- und geschwisterlos, hilfloser als ein Kind, auch dann gebieterisch das Mitleid herausfordernd, wenn er, auch bemittelt, ganz von dem guten Willen Anderer abhängig, gebieterisch das Mitleid heransfordert, wenn auch aller Mittel entblößt, aber das erbarmungswürdigste W e s e n a u f d e r ganzen weiten Gotteswelt i st. Haller (Vertreter von Landgemeinden) spricht mit großer Wärme für die Bildung eines Pensionsfonds. Dr. Dnschenes (Prag) in wohlmotivirter Rede für ein Siechenhaus. Dr. Bendiner (Prag) anerkennt das Bedürfniß eines Pensionsfonds, aber hält immerhin die Errichtung eines Siecheuhanses für weit wichtiger, bezeichnet es als unabweisliche Nothwendigkeit und belegt seine Behauptung mit Thatsachen. Nachdem andere Redner für den Pensionsfond gesprochen, denselben aber nur auf Lehrer beschränkt wissen wollen, plaidiren noch Bergmann (Gitschin), Dr. Deutsch (Komotau), Stransky (Podiebrad), Dr. Ullmann (Reichenberg) und Wertheimer für einen allgemeinen Pensionsfond. Der Vorsitzende ergriff nun das Wort und sprach ungefähr Folgendes: Der trojanische Krieg entstand dadurch, daß Paris den Apfel, den er als Preis der Schönheit zu vertheilen hatte, einer der drei Bewerberinnen reichte. Wäre ich an Paris' Stelle gewesen, ich hätte den Apfel in drei Theile zerschnitten und jeder — der Berechtigten allerdings das größte — ein Stück gereicht. Ich stelle daher den Antrag, es möge an alle Gemeinden Böhmens ein Aufruf erlassen werden, Sammlungen für den Kaifer-Jubiläumsfond zu veranstalten und jede Gemeinde möge erklären, für welchen der drei Zwecke, S i e ch e n a s y l, P e n s i o n s f o n d f ü r Lehrer, P e nsionssond für Cultus gemein d eb eam te überhaupt, sie ihren Betrag spende. Nach kurzer Debatte, in welche Dr. Schanzer (Pilsen) entscheidend eingreift, wird nach Befürwortung Dr. Lichtenstern's (Obmann der böhmischen Landesjudenfchaft) der Antrag des Vorsitzenden einstimmig angenommen. Hierauf ergriff Dr. Rosenbacher zu kurzer Schlußrede das Wort. „Ich freue mich, daß ein einstimmiger Beschluß erzielt wurde. Wenn sich auch im Laufe der Debatte verschiedene Ansichten geltend gemacht haben in einem Punkte befinden wir uns Alle, Alle in voller Uebereinftimmung: in grenzenloser Liebe und Verehrung für unseren Monarchen, Kaiser Franz Josef. Er lebe hoch!" und die ganze Versammlung stimmte begeistert, stürmisch und dreimal in diesen Ruf ein. Prag, am 5. Februar. Heute wurden die irdischen Reste des würdigen Herrn David I. Jeiteles zur Erde bestattet. Der Verewigte, ein ungewöhnlich frommer, sehr wohlthätiger und auch tadmudisch gebildeter Mann, wurde seiner Familie und der Gemeinde im Alter von 57 Jahren entrissen. Die große Betheiligung an seinem Leichenzuge bekundete die allgemeine Werthschätzung, deren sich der Verewigte zn erfreuen hatte. Dem Leichenwagen folgten nebst den Leidtragenden der Oberrabbiner und sämmtliche Rabbiner Prags und der Vorort?, der Präses, Bicepräses und zahlreiche Mitglieder der Repräsentanz, eine zahllose Menschenmenge und fast hundert Wagen. Der Dahingeschiedene hatte letztwillig angeordnet, daß an seinem Begräbnißtage alle Gemeindearmen betheilt werden, und hat hiezu einen namhaften Betrag bestimmt. Er hatte sich im Allgemeinen eine Leichenrede verbeten, dagegen gestattet, daß sein Schwiegersohn Gabriel Lieben, oder einer dessen Brüder, ihm am Grabe einen Nachruf halten könne. Dieser Andeutung entsprachen sein Schwiegersohn und dessen älterer Bruder David, Beide fromme Männer von reichem talmudischen Wissen, in entsprechender Weise. Der Verewigte hinterläßt eine Witwe, die Tochter des bekannten Talmudgelehrten Herschmann T e w e l e s, eine Tochter, die Gattin des obgenannten Gabriel Lieben, und zwei Söhne von denen der ältere I. U. Dr. und Landesadvocat, der jüngere Chem. Dr. ist. Beide sind auch streng religiöse, in den religiösen Wissenschaften wohlbewanderte Männer. Prag, am 4. Februar. Dr. L e w i n, Rabbiner, in Malaczka (Ungarn), hielt gestern Abends im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums einen Bortrag „Rabbi Mair". Der geschätzte Gast, dem ein guter Ruf voranging, rechtfertigte diesen durch eine interessant gehaltene Biographie und Charakteristik des berühmten Tanaiten. Der beifällig aufgenommene Vortrag fand namentlich bei den Damen großen Anklang. E. B. Meran. (T o d e s f a l l.) Am 3. d. M. erlag hier Herr Med. Dr. Richard Oppenhei m, Cnrarzt in Roznau und Meran, einem tückischen Leiden int 28. Lebensjahre, welches er sich in der Ausübung seines Berufes zngezogen hatte. Den Lesern dieses Blattes dürfte Dr. Oppenheim aus der Spendenliste für die Action zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und israelitischen Asplhanses in Roznau, welcher er alle seine Kräfte leihte, bekannt sein. Der Verblichene hatte seine hervorragende Stellung in der balneologischen Welt seinem unermüdlichen Fleiße und nimmerrastenden Strebsamkeit zu verdanken; die großen Entbehrungen, mit welchen derselbe während der Studienzeit zn kämpfen hatte, dürften den Keim zu seinem Leiden gelegt haben. Krank seit dem 16. Jahre, gelang es dem eisernen Fleiße des jungen Mannes, seine Studien schon mit dem 23. Jahre zn beendigen. Mit Tr. Richard Oppenheim ist ein von edlem Streben beseelter Arzt, ein guter Sohn und Bruder und ein liebenswürdiger bescheidener Mensch ans dem Leben geschieden. Besondere Theilnahme und Fürsorge widmete er seinen armen kranken Glaubensgenossen. Ehrenvoll war das Geleite, das dem von seinen Kranken verehrten, von seinen Freunden geliebten Todten zutheil wurde. Der größte Theil der Meraner Aerzte, ältere wie jüngere Cvllegen, folgten dem Sarge. Man sah unter Anderen Sanitätsrath Dr. Hausmann, kais. Rath Dr. von Kaan, viele Patienten und Freunde. Herr M. Bogl, Secretär des israelitischen Armenasyles gedachte des Verstorbenen in warmen, innigen Worten. Den Sarg bedeckten drei herrliche Blumengewinde: „Die Aerzte Merans dem verehrten Collegen", „Letzten Gruß von Deinen Freunden ans der Pension Wolf" und „Familie Karl Wolf." Möge der theuere Todte zwischen den Bergen des herrlichen Südens, wo er Genesung zu finden hoffte, friedlich ruhen, und möge es den trauernden Eltern, Geschwistern und Freunden zum Tröste gereichen, daß Dr. Oppenheim als edler Mensch eines raschen und sanften Todes gestorben ist. R. F.