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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-12 · 7 (12.2.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
7 (12.2.1897)
Date
1897-02-12
Page
– (sequence 20)
Language
German
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—IT I ^. .1;... Seite 148 Dr Blvch's WortzrnschrM Nr. 7 NoLnav. (Sechstes S P e n d e n - V e r z e i ch n i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Cnrorte RoLnau (siehe Ausruf in der Nummer 50 der „Oesterreich i s ch e n W o ch e n s ch r i f t" vom Jahre 1896) sind an Spenden eingelangt von: Albert Daniel, Jassi 5 fl. 23 kr.; Lederer & Wolf, Wien 5 fl.; Dr. Carl Spitzer, Meran 5 fl.; Charlotte Silberknopf, Wien 5 fl.; Dr. Max Beer, Oderberg 3 fl.; Dr. Arnold Lewit, Oderberg 3 fl.; Emanuel Pollak, Wien 1 fl.; Dr Fanie Tauber, Prag 14 fl.; Chewra-Kadischa, Tarnopol 5 fl.; Chewra-Kadischa, orthodox, Eperis 5 fl.; Chewra-Kadischa, Namjesto 5 fl.; Frauen-Verein, Pest 10 fl.; Frauen-Verein, Graz 5 fl.; Frauen-Verein Eibenschitz 5 fl.; Cultus-Genieinde, Auspitz 5 fl.; Cnltus-Gemeinde, Turnau 5 fl. Hiezu vom letzten Ausweis 1927 fl. 16 kr.; in Summa 2013 fl. 39 kr. Dr. L. S. S k r e i n k a, Dr. Richard Oppenhei m, Curarzt in Rvznau. Curarzt in Roznau. Marcus Neu m a n n, Mitglied des Cultus-Vorstandes in Proßnitz (Mähren). Schafft». Am 25. Jänner verschied Herr Jonas Schick, k. k. Postmeister in Schaffa. Derselbe war viele Jahre hindurch Bürgermeister, Cultusvorsteher, sowie erster Gemeinderath der vereinigten Christen- und Jsraelitengemeinde daselbst. Seit dem Bestehen der neuen Schulgesetze war er Mitglied des k. k. Bezirksschulrathes für den Landbezirk Znaim und zeichnete sich hier wie überall durch Klugheit und Scharfblick aus. Jonas Schick war ein hochbegabter genialer Mann mit scharf ausgeprägtem Familien- und Localsinn und dessen Leben bildete eine Kette gemeinnützigen und Humanitären Wirkens. So wurde über dessen Anregung hierorts 1862 ein Postamt und späterhin eine Telegraphenstation errichtet, der hiesige Tempel restaurirt rc. Für die Armen und Nothleideuden hatte er ein mitleidiges Herz und sein Streben war unentwegt darauf gerichtet, das Interesse der Gemeindefunctionäre nach Thunlichkeitzu fördern. Er hatte weitverzweigte Verbindungen und Zutritt in die angesehensten Kreise. Sein Wirken fand allgemeinen Anklang und ein ganzer Stoß Belobungsdecrete bezeugt dessen Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit. Er war viel umworben und in diversen Lebenslagen wurde sein Rath eingeholt und acceptirt. Schick war ein Cousin des verstorbenen Bezirksrabbiners Kohu in Piesling und ein Verwandter des Vertheidigers weiland Dr. Edmund Singer. Die am 27. v. M. stattgehabte Leichenfeier gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung für den Verewigten. Die Repräsentanten der Christen- und Jsraelitengemeinde, Honoratioren des Ortes und der Umgebung fanden sich im Trauerhause ein. Selbst der hochverehrte k. k. Bezirkshauptmann A. Werner aus Znaim erschien in Begleitung des Bezirksarztes Herrn Dr. N. Wolfenstein zur Leichenfeier in Schaffa. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Adolf Diamant und der hiesige Oberlehrer Herr S. Rieseufeld hielten an der Bahre angemessene Nachrufe. Radarrtz, 6. Februar. Seit längerer Zeit werden aus der Baron H i r s ch'schen Stiftung alljährlich durch Vermittlung des Czernowitzer Executiv-Comites 200 fl. angewiesen, die zur Bekleidung armer Schulkinder verwendet werden. Auch am 2. d. M. wurden im Locale .der hiesigen Talmud-Thora-Schule circa 75 arme Kinder mit diversen Kleidungsstücken betheilt, die aus dem von der erwähnten wohlthätigen Stiftung an den Cultusvorstand gesendeten Betrage angefchafft wurden. Dem solennen Acte der Vertheilung wohnten der Cultusvorstand, das Rabbinat und sonstige Gäste bei, die Alle, tief ergriffen von dem freudigen Eindrücke, der sich im Antlitze der beschenkten Kinder wiederspiegelte, den Manen des großen Wohlthäters eine pietätsvolle Thräne der dankbaren Erinnerung weihten. Ein herzinniges Gebet für das Seelenheil des unsterblichen Philantropen, gesprochen von der frommen Kinderschaar, beschloß diese für alle Anwesenden unvergeßlich bleibende Feierlichkeit. Berlin. Der P r i v a t d o c e n t D r. Arons in Berlin hat der „Neuen Hamburger-Zeitung" zufolge dem Strikefonds 35.000 Mark geliehen. Die „Kreuzzeitung" druckt die Nachricht mit großer Schrift ab. Ob wohl jemals ein Junker Arbeitern, die für die Verbesserung ihrer Lage schwer zu kämpfen haben, in ähnlicher Weise zu Hilfe gekommen ist? Weimar, 28. Jänner. An das hiesige S ta ats mi niste r i u m hat vor einiger Zeit der „M e d i c i n i s ch e V e r e i n" d e r S t u d e n t e n i n I e n a in einer sehr bezeichnenden Angelegenheit über eine Maßnahme des Rectors der Jenenser Universität Beschwerde geführt. Der Sache liegt folgender Thatbestand zu Grunde: Schon vor etwa Jahresfrist war, unterzeichnet vom „Medicinischen Verein der Universität Jena", am schwarzen Brett ein Anschlag zu lesen, der zum Eintritt in den genannten Verein aufforderte und dabei folgenden Satz enthält: „Wir nehmen nicht auf An g ehörig e d er m o sais ch e n Religio n". Als dem derzeitigen Prorector, Professor Dr. L i n ck e, diese vorsintfluthliche Wendung hinterbracht wurde, ordnete er an, daß der Anschlag sofort zu entfernen sei, mit dem Vermerk, daß der Passus ein Odium gegen die jüdische Religion enthält. Um weiteren Maßregeln vorzubeugen, schlug darauf der „Medicinische Verein" am schwarzen Brett an: „Wir nehmen aus christliche Studenten deutscher Nation". Allein auch dieser Anschlag wurde auf Anordnung des Prorectors wieder entfernt. Dabei wurde in Erfahrung gebracht, daß sich ähnliche Wendungen in Anschlägen medicinischer Vereine auf etwa einem Dutzend anderer deutscher Universitäten befinden, und daß seit etwa drei Semestern selbst in Jena, der Hochburg wissenschaftlicher Freiheit, dieser Anschlag unbeanstandet geblieben ist. Der Beschwerde führende Verein wurde nun vom hiesigen Staatsunnisterium an den akademischen. Senat der Universität verwiesen. Dieser jedoch erklärte sich für unzuständig, im Uebrigen aber mit den Maßnahmen des Prorectors einverstanden. Der Verein will sich bei dem vom Senat der Universität ansgegebenen Berdict nicht beruhigen, sondern die Sache zunächst zur erneuten Begntachtung dem weimarischen Staatsministerium übergeben, ja nöthigenfalls an allerhöchster Stelle vorstellig werden. Man ist ans die endliche Entscheidung in allen betheiligten Kreisen gespannt. Memel, 1. Februar. Eine eigenthümliche Enf fü hrungsges chichte hat sich vor kurzer Zeit in dem russischen Grenzstädtchen Ritawen abgespielt. Vor etwa vierzehn Tagen wurde zur Nachtzeit die minderjährige, 17 Jahre alte Tochter des jüdischen Landwirths M a l a m i t in Ritawen von Dienern des Fürsten O g i n s k y - R i t a w e n aus ihrem elterlichen Hanse entführt. Wie sich jetzt heraus gestellt hat, befindet sich das junge, bildhübsche Mädchen seit jener Zeit auf dem IV, Meilen von Ritawen entfernten Schlosse des Fürsten. Alle Bemühungen der Eltern, ihre Tochter zurückzubekommen, sind bis jetzt erfolglos gewesen, der Fürst hat ihnen nicht einmal gestattet, ihr Kind zu sehen und zu sprechen. Als Grund der Entführung gibt Fürst O g i n s k y an, er beabsichtige, das Mädchen — römisch-katholisch taufen zu lassen. Eine Anzeige der Eltern bei der Polizei ist bis hellte ohne Ergebniß geblieben. (!!) Breslau, im Jänner. Am 16. d. M. versammelte sich eine Anzahl jüdischer Studenten aller Facultäten zur Gründung einer „Akademischen Gesellschaft für die jüdische Geschichte und Literatur", nachdem Vorbesprechungen ergeben hatten, daß in hiesigen akademischen Kreisen die Stimmung dafür durchaus günstig ist. Herr cand. med. Bäck, der die Versammlung eröffnete, wies in begeisterten Worten daraufhin, daß der Jude überhaupt und speciell der jüdische Student nur durch inniges Eingehen auf die Geschichte und Literatur seines Volkes sich Selbstachtung und Selbstbewußtsein aneignen könne. Gerade mit der Kennt» iß unserer großen Vergangenheit und den glänzenden Erzeugnissen unserer Geistesheroen begegne man am wirksamsten allen Anfeindungen von nicht jüdischer und — jüdischer Seite Immer mehr müsse die Anschauung Platz greifen, daß „Jude" ein Ehrentitel sei, immer mehr die gebieterische Pflicht anerkannt werden, jüdische Geschichte und Literatur zu pflegen. Der von Herrn eand. med. Jeremias vorgelegte Statutenmtwurf bestimmt, daß der Verein sowohl Studenten wie ältere Akademiker umfassen soll. Mindestens alle 14 Tage finden Zusammenkünfte statt, in denen, vorzugsweise von Mitgliedern selbst, Vorträge oder Referate gehalten werden ' sollen, an die sich eine Diskussion anschließen kann. Auch soll den Mitgliedern durch Anlegung einer Bibliothek zur selbstständigen Belehrung und durch Abonnements auf jüdische Zeitungen zur Information über die Tagesereignisse Gelegenheit geboten werden. Herr- Buchhändler Jacobsohn hat sich liebenswürdigst bereit erklärt, dem Verein 30 Bände zur Verfügung zu stellen: hoffentlich werden andere Bibliotheken sich geneiat zeigen, entbehrliche Duplikate der zu gründenden Bibliothek zu überweisen. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren: eand. med. Bäck, eand. med. Jeremias, eand. ehern. Rosenzweig, cand. phil. Bamberger, cand. med. Rieger. Möge der Verein die hohen Ziele, die er sich gesteckt hat, in wackerem Streben erreichen. Er blühe, wachse und gedeihe!

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