Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 146 »iimyi a ••-"» iTmr' -u'iir^iii i >riiiiür#iirtrmrr'vjTi‘"‘I Vr. Vloch's Wochenfchrifl Nr. 7 „Wien" in rosa, weißen, blauen und dunklen Buchstaben formirte. Dieses „junge, lebende" Wien bot ein so anziehendes und friedliches Bild, wie man sich es entzückender nicht vorstellen kann. Zum Schluffe des Cotillons suchte es R a b e n st e i n e r den Damen plausibel zu machen, daß die Herren im Ballsaale nicht unentbehrlich sind, er commandirte die Damen nämlich paarweise zur Polka, und da mögen die Schönen daraufgekommen sein, daß es das „wahre Tanzen gerade nicht" sei. Wien. (Ein antisemitisch er Kutsch er.) Ein Augenzeuge berichtet uns folgende, charakteristische Scene: „Ein Jude richtete dieser Tage an den bei der S t e s a n i e b r ü ck e im ll. Bezirke postirten Einspänner Nr. 778 in höflicher Weise eine Frage. Der Einspänner antwortet hierauf mit dem Brusttöne der Ueberzeugung: „Einem Juden gebe ich keine Antwort!" Es entstand nun eine kleine Discuffion über diese Auskunft, welche beinahe mit der — Arretirung des — Fragenden geendet hätte. Doch das gehört in ein anderes Capitel. Ich möchte nur den gesinnungstreuen Einspänner fragen: „Führen Sie auch keinen Juden? Nehmen Sie von Ihm auch kein Trinkgeld? Wie er wohl daraus antworten möchte. . . . — n — Floridsdorf. Am 2. Februar 1897 fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des isr. Frauen-Vereines statt. Die Präsidentin Frau Henriette Grünwald hielt der im abgelaufenen Vereinsjahre verstorbenen Frau Fanni Kronberger aus Wien, welche während ihres hiesigen Domicils durch eine Reihe von Jahren dem Vereine als Präsidentin Vorstand und sich um den Bestand desselben große Verdienste erwarb, einen warm empfundenen Nachruf, und wurde das Andenken der Verstorbenen von Seite der Anwesenden durch Erheben von den Sitzen geehrt. Schriftführerin Frau Dr. König brachte den Rechenschaftsbericht und eine Chronik des Vereines seit dem Bestände zur Verlesung, welche sehr viele interessante Momente bot und aus welcher ersichtlich, daß die Thätigkeit und das wohlthätige Wirken des Vereines alljährlich im Steigen ist; so wurden im letzten Vereinsjahre schon über 1000 fl. für arme kranke Frauen, Apothekerrechnungen und zur Bekleidung armer Schulkinder verwendet. Der Bericht wurde mit Beifall zur Kenntniß genommen. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: wiedergewählt wurden Frau Henriette Grünwald, Präsidentin, Frau Dr. M. Schrötter, Stellvertreterin, Frau Betty Redlich, Cassierin, Frau Dr. I. König, Controlorin, Frau Johanna Grünwald, Frau Henriette Glaser, Frau Katharina Herzog, Frau Hermine Wald, Frau Rosa Winkler und neugewählt Frau Ernestine Duckes und Frau Fanny Engelmann in den Vorstand. Salzburg, 1. Februar. (Das goldene Wort eines K i r ch e n f ü r st e n.) Daß der Antisemitismus an den hohen Würdenträgern der Kirche keine Anhänger findet, dafür möge Folgendes als Beweis dienen: „Gestern stellte sich unser neugewählter Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Moriz Bach Sr. Eminenz dem Cardinal Fürst-Erzbischof Dr. Haller vor. Während des Gespräches beklagte sich der Herr Rabbiner über das stete Anwachsen des Antisemitismus, worauf Se. Eminenz erwiderte : „Das ist ja nur eine Zeitströmung, das wird bald vergehen." Daß diese Worte des hochwürdigsten Kirchenfürsten bald in Erfüllung gehen mögen, ist der Wunsch des Schreibers dieser Zeilen." Rudolf Löwy. Lemberg. In der achten Sitzung des galizischen Landtages referirte der Abgeordnete Raysk in der Angelegenheit betteffend, die Ausbildung jüdischer Religiouslehrer. Dem Referate lagen die vom Landesausschusse eingeforderten Gutachten des Rabbiners Dr. Caro und der philosophischen Facultäten beider Landesuniverfitäten zu Grunde. Das in mehrfacher Beziehung höchst interessante Referat verdient eingehend an dieser Stelle besprochen zu werden. Heute seien hier nur die vom Abgeordneten Dr. Fruchtmann noch besonders befürworteten Anträge der Referenten mitgetheilt. 1. Der Landtag fordert die Regierung beziehungsweise den Landesschulrath auf, dafür Sorge zu tragen, daß den jüdischen Frequentanten des k. k. Lehrerseminars in Lemberg Gelegenheit geboten werde, sich in diesem Seminar, ohne Gefährdung ihrer allgemeinen Ausbildung, zu Religonslehrern he^anbilden zu können. 2. Der Landtag wünscht, falls sich das Land an den Kosten der Einführung und Erhaltung dieses israelitischen Religionsunterrichtes betheiligen soll, daß der Landesvertretung der gebührende Einfluß auf die Ernennung der Professoren und auf Beaufsichtigung des Unterrichtes gewahrt bleibe. 3. Der Landtag fordert den Landesausschuß auf, mit den größeren jüdischen Gemeinden der Länder Verhandlung anzuknüpfen behufs Gründung von Stipendien für diejenigen Zöglinge des k. k. Lehrerseminars in Lemberg, welche den einzuführenden Cursus für jüdische Religionslehrer besuchen. Die Anträge d s Referenten wurden vom Landtage fast einstimmig genehmigt. Budapest, 21. Jänner. (Zwei j ü d i s ch e Gemeinderichte r.) Aus Bäcs-Almäs wird gemeldet: Ein schönes Beispiel von confessioneller Eintracht gaben die Bewohner der beiden Gemeinden Bajsa und Kis-Hegyes des Bäcser Comitats, welche bei der jüngsten Gemeinderestauration Richter jüdischer Confession wählten; in Bajsa wurde der Grundbesitzer Wilhelm Robicsek, in Kis-Hegyes der Kaufmann Josef Krishaber zunl Richter gewählt. Beide erfreuen sich in ihren Gemeinden der größten Popularität und allgemeiner Achtung. Die Wahlen erregten im Comitat großes Aufsehen. Budapest. (David v. B i s ch i tz.) Nach langem schweren Leiden ist heute der Großgrundbesitzer David Bischitz v. Heves im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Verblichene, der ursprünglich auf commerciellem Gebiete thätig war, nahm an der Humanitären Thätigkeit seiner Gattin hervorragenden Antheil und erfreute sich in allen Kreisen lebhafter Sympathien. Vor anderthalb Jahren verlieh ihm Se. Majestät in Anerkennung seiner gemeinnützigen Thätigkeit den ungarischen Adel mit dem Prädicate „Hevesi". David Bischitz wurde 1811 zu Sarbogard geboren. Nachdem er den Freiheitskrieg in den Reihen der Nationalgarde mitgekämpft und unter Anderem auch die Waffenstreckung der Generale Roth und P h i l i p p o v i ch 51t Ozora mitgemacht, kam er nach Budapest, wo er unter seiner Firma ein Großhandlungshaus gründete, das sich bald allgemeinen Ansehens.erfreute. Zn Beginn der Sechziger-Jahre pachtete Bischitz im Vereine mit seinem Bruder, sowie mit den Firmen Straffer und König und L a n y i die fürstlich Eszterhazy'sche Donnine Ozora, die unter seiner Leitung bald eine Musterwirthschaft wurde. Als Directionsmitglied der Ofner„Fabrikshof"-Mühle, sowie anderer Gesellschaften entfaltete Bischitz ebenfalls eine rege Thätigkeit. Vor mehreren Jahren zog er sich von den Geschäften zurück und widmete sich nur noch seiner Heveser Besitzung. Durch das Hinscheideu Bischitz wurden mehrere geachtete Familien der Hauptstadt in Trauer versetzt. Das Begräbniß fand unter imposanter Theilnahme statt. Im Trauerhause, Redoutenplatz Nr. 1, hatte sich ein überaus zahlreiches und vornehmes Publicum eingefunden, in dessen Reihen sich unter Anderem befanden: Minister Desider P e r c z e l, Magnatenhausmitglied Carl S v a b, Ministerialrath Dr. Joses Schmidt, Sectionsrath Franz S a r 0 s s y-K a p e l l e r, Ministerialsecretär Dr. Ludwig B a l l a i, die Reichstagsabgeordneten Dr. Moritz M e z e i, Dr. Armin Neumann, Dr. Alexander Nagy und Berthold Weiß, die Stadtrepräsentanten Paul T e n c e r, Ignaz v. Fischer und Ludwig v. Krauß, die Herren Martin Schweiger, Baron Sigmund Schoßberger, Professor Dr. Sigmund S 0 n n e n f e l d rc.; ferner der Vorstand der Pester israelitischen Cultusgemeinde mit den Herren Adler und D e u t s ch an der Spitze, eine Deputation des Pester israelitischen Frauenvereines, geführt von Frau Witwe Anton H e r z l, die Deputationen des Armen-Kindergartenvereines, des israelitischen Handwerk- und Ackerbauvereines und zahlreicher anderer Wohlthätigkeitsvereine und die Zöglinge des israelitischen Knaben- und Mädchenwaisenhauses. Die Trauerceremonie versah Oberrabbiner Dr. Samuel K 0 h n, welcher in ergreifender Rede den Wohlthätigkeitssinn des Verstorbenen schilderte. Die Beisetzung erfolgte im Kerepeser Friedhofe. Prag, 2. Februar. Heute fand hier im Saale der Productenbörse eine Berathung der böhmischen Judenschaft über die zur ewigen Erinnerung an das 40jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät unseres allgeliebten Kaisers zu errichtende Stiftung statt. Zu derselben waren Vertreter der Prager israelitischen Gemeinderepräsentanz, der böhmischen Landesjudenschast, des Gemeindebundes, zahlreicher Gemeinden (Auscha, Carlsbad, Gablonz, Gitschin, Jenikau, Kolin, Komotau, Podiebrad, Raudnitz, Reichenberg, Saaz, Smichow, Tabor, Teplitz, Weinberge u. v. A.) erschienen. Die Präsenzliste wies 81 Teilnehmer aus. Nachdem der Vorsitzende Dr. Rosenbacher (Präses der Prager Cultusgemeinde) die Versammlung in beiden Landessprachen begrüßt hatte, sprach er in schwungvollen Worten die Gefühle ehrfurchtsvoller Liebe und homagialer Treue für unseren geliebten Landesvater aus, der, wie schon so oft, in jüngster