Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Leite 144 Nr. 7 SÜKPICvt.■ Vr Vloch's Wochenschrift. Judäa — hier trat Akiba als Agitator auf. Der blondgelockte römische Kaiser Hadrian versprach in anfänglicher Milde den Juden den Wiederaufbau des Tempels zu gestatten, aber auf samaritanische und minäische Einflüsterungen hin brach er sein Kaiserwort. Empört darüber, suchten die Juden sich von Rom zu befreien, N. Akiba suchte förmlich nach einem Messias. Er machte Reisen, disciplinirte Heerhaufen. Und plötzlich trat jener Bar-Kosiba aus Kosib auf, auf den Akiba die Worte bezog: „Es trat ein Stern in Jakob auf" (eoeüab- Stern). Ein Hüne mir einer Feuerseele. Barkochba konnte eine Meile weit springen, Alles tobten, was er erreichte: ein Bild für fein strategisches Können, immer dem Feinde eine Meile voraus zu sein. Als Akiba seiner ansichtig wurde, rief er: das ist der Messias. Aber er hat geirrt. Zweimal siegte Barkochba, schon ließ er. wie einst die Makkabäer Münzen prägen, wovon das Museum zu Köln ein Exemplar aufbewahrt. Ta schickte Hadrian .den britanischen Feldherrn Ser» verus, der gewann Alles zurück, was Barkochba erobert hatte. Bethar fiel durch samaritanischen Berrath, nachdem der Feind jede Zufuhr von Lebensmitteln abgeschnitten. Barkochba fand man tobt, um» ringelt von einer Schlange und die Römer sagten: Hätten die Götter ihn nicht getobter, einem Menschensohn wär's unmöglich gewesen. Akiba sah ein, daß Johanan den Torte Recht hatte, der Messias noch nicht gekommen fei, aus Barkochba, dem Sohn des Sternes ward Barkosiba, der Sohn der Lüge. Schreiten wir hinweg, über das zur Aeli'a Capitolina gewordene Jerusalem, über die Sclavenmärkte von Gaza und Sepphoris, wo die Juden zu den niedrigsten Preisen feilgeboten wurden, über jenen Zaun, den Hadrian von Liberias bis Sepphoris, 18 Meilen lang, zog, nicht aus Holz, Stern oder Eisen, sondern aus den Knochen jüdischer Leichen, die man erst unter Antonius Pius zur Ruhe brachte. Wie einst nach der Makkabäer-Blüthezeit, so war's jetzt. Hadrian verbot jede Hebung des jüdischen Cultus, er verbot Beten, Lehren, Ordiniren der Lehrer unter Androhung der Todesstrafe. Das Judenthum schien feinem Ende nahe. Da trat Akiba auf. Er erzählte dem Volke jenes Gleichniß von den Fischen, die da sagen: Wenn wir schon in unserem Elemente, dem Wasser, bedroht sind, wie erst draußen auf dem Trockenen. Das Element des Judenthums aber ist die Thora: gibt es diese auf, so ist's verloren. Solches ließen oie Römer nicht ungestraft. Was ist der Schierlingsbecher des Sokrates gegen die Marterqua! Akiba's, dem das Fleisch mit eisernen Striegeln vom Leibe gerissen ward? Akiba lacht, da fragt der Tyrann: Bist du denn ein Zauberer, daß du solches erträgst? Ich zaubere nicht, antwortet Akiba, ich beweise blos, was ich täglich lehre. Du sollst deinen Gott lieben mit ganzer Seele; ich beweise, wie man die Seele für Gott hingeben muß. Und er stirbt mit dem Echod (Gott ist einig — einzig) auf den Lippen . . . Scheint noch ein Strahl der scheidenden Sonre nach? Jawohl; am Tage, da Akiba stirbt, wird Jehuda Hcnassi geboren, der Kenner und Sammler alles dessen, was Akiba vorbereitet hat. Im 13. Jahrhundert lebte in Wien ein Gelehrter. R. Jsak ben Moses. In der Einleitung zu seinem Werke Or Santa (AuZgestreutes Licht) erklärt er die Wahl dieses Buchtitels also: ,.Heil dir Akiba. denn dein Name ist angedeutet im Psalmvers: or serua lazzadik ulejiscbre lew simchah. Die Schlußbuchsiaben dieser 6 Worte ergeben R. Akiba. Das ist mehr als Buchstabenspielcrei, das ist ein tiefer Gedanke, wenn auch Akiba starb, wenn es auch Nacht um uns ist, noch gibt's ein Licht . . . Ich habe einst von einer Harfe Davids gelesen, die, um Mitternacht von einem Zephir bewegt, herrliche Töne von sich gab. Nacht herrscht auch in unserer Zeit, unsere Davidsharse ist eingerostet. Aber der heulende Sturm weckt sie, und ich höre wie es tönt das Lied Davids: „Erwuche, meine Ehre, erwache, Harfe und Zither, ich will den Morgen wecken". Um den Morgen zu erwecken, müssen wir in der Nacht wach sein, wach bleiben. Das ist aber nur möglich, wenn wir Frauen haben, Jdealistinnen wie Akiba's Rachel; Reiche und Vornehme, wie Kalba sabua die sich vor der Thora und der Wissenschaft beugen, wenn wir unsere Kinder unterrichten, daß ihnen säuseln und rauschen nicht nur Roms und Hellas tmd Deutschlands Haine, sondern auch die Cedern des Libanon; wenn wir hinabsteigen in das Volk und für die Moral sorgen, auf daß Niemand uns zu Leibe könne und Niemand sage, das Judenthum ist gleichbedeutend mit Unrecht, Frevel und Lieblosigkeit. Heine sagte einmal: Die Juden haben wohl Verständniß für Kostbarkeiten. Beweis dessen, daß sie, als Titus kam, in Stich gelassen die Opferschalen, die Lampen, das Silber und Gold, ja selbst den großen edelsteinbesetzten BrustschaH des Hohenpriesters, und nichts mitgenommen als ein Buch: die Th oral Das Verständniß dieses Buches aber gab uns der Geist Akiba's, der Talmud machte uns klar, was wir an der Thora haben, das Licht im Erdendunkel. Bei der Einweihung des Wiener Seminars bemerkte Ihr verehrter Herr Oberrabbiner Dr. ©übemonn, der Talmud mache die Bibel jung und modern. Ja, jung und modern muß die Thora werden, begeistert müsset Ihr eintteten für Euere Religion und Wissenschaft, das ist der Zweck, daß ein Buch geweckt aus dem Grabesschlummer, daß wir heute hier ein Auferstehungswerk vollbracht haben, die weisen Lehren der Pietät und Menschenliebe: Akiba ben Josef! (Lebhafter, langanhaltender Beifall und Händeklatschen, Redner wird allseittg beglückwünscht.) Correspondenzen. Wien. (Der Kaiser auf dem Industriellenb a l l.) Beim Cercle des Jndustriellenballes hatten nachstehende Industrielle die Ehre vom Kaiser in Conversation gezogen zu werden. Bei dem Großindustriellen Ernst Ritter v. B o s ch a n erkundigte sich der Kaiser um die Arbeiterverhältnisse. An den Fezfabrikanten I. Fluß in F r e i b e r g in Mähren, Mitglied der Handelskammer in Olmütz, wandte sich der Kaiser mit der Frage, ob er sein Etablissement in Oltnütz habe und was er fabricire. Herr Fluß erwiderte, daß er seine Fabrik in Freiberg habe und Hüte und Tuch fabricire. Der Kaiser fragte hierauf, ob der Industrielle auch exportire, namentlich in überseeische Länder. Herr Fluß antwortete: „Ja wohl, ich exportire einen großen Theil, darunter auch überseeisch." Bei Herrn Eduard G o l d m a n n, Vertreter der Firma Waldmann und Bruder, Eisenwerke in Segengottes, erkundigte sich der Kaiser über die Verhältnisse der Eisenindustrie im Allgemeinen und war sehr erfreut, zu hören, daß sich diese durch den Bau der Stadtbahn in Wien gehoben habe. Mit Herrn Arnold Grüns e l d, Ledersabrikanten in Brünn, besprach der Kaiser die Absatzverhaltnisse der Lederindustrie und erkundigte sich dann über die allgemeine Lage der Industrie in Brünn. Herr Grünfeld erwiderte, es sei Hoffnung vorhanden, daß sich auch die Tuchindustrie erholen werde. Bei Herrn Emil R. v. K u b i n s k i, Cretonfabrikanten in Holleschowitz, erkundigte sich oer Kaiser nach den Arbeiterverhältnissen und bemerkte hiebei, daß die Industrie gegenwärtig mit schwierigen Verhältnissen zu kämpfen habe. Den Glasfabrikanten S. Reich, Karlowitz, fragte der Kaiser, ob der Export im heurigen Jahre sich in den gewöhnlichen Grenzen bewege und ob Herr Reich für seine Arbeiter immer genügende Beschäftigung habe. Zu dem Inhaber des Wiener Teppichhauses S. Schein sagte der Kaiser, daß ihm die Firma bereits bekannt sei und es ihn interessiren würde, das Haus baldigst in Augenschein zu nehmen. Die verweigerte Subvention für Waisenkinder. Wien,8. Februar. An den Präsidenten des „Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der Wiener israelitischen Cultusgemeinde", Herrn David Ritter v. Gutmann, sind folgende Zuschriften eingelangt: Euer H o ch w o h l g e b o r e n! In Folge des t i e sbedan erlichen Beschlusses des nrederösterreichischen Landtages vom 5. Februar d. I., durch welchen unschuldigen armen Waisenkindern aus c o n f e s s i o n e l l e r Intoleranz eine bisher gewährte Unterstützung aus Landesmitteln entzogen wurde, sehe ich mich veranlaßt, einen bescheidenen Betrag für den humanen Zweck des unter, Ihrer Leitung stehenden „Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultus gemeinde" mit dem Ersuchen um Uebersendung der Vereinsstatuten und mit dem Wunsche beizuschließen, daß Aehnliches von vielen meinen Glaubensgenossen geschehen möge. Mit ausgezeichneter Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebenster Chlumecky. Wien, 7. Februar 1897. Dem Briefe lag der Betrag von 50 fl. bei. Eine zweite Zuschrift an den Vereinspräsidenten lautet: An den geehrten Vorstand des „Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde" Wien! Jndenr ich den in der gestrigen Sitzung des niederösterreichischen Landtages gefaßten Beschluß tief bedauere, übersende ich anliegend den Betrag von 200 fl. (zweihundert Gulden) und unterzeichne hochachtungsvoll Wien, 6. Februar 1897. Nicolaus Dumba. Ein Schreiben mit folgendem Wortlaut sandte Graf Adolph Dub s k 9: Euer Hochwohlgeboren! Indem ich den Beschluß des niederösterreichischen Landtages in Angelegenheit der Subvention für das israelitische Waisenhaus auf das Tiefste beklage, beehre ich mich, Ihnen beifolgend einen kleinen Betrag von 5v fl. mit der Bitte zu überreichen, denselben dem erwähnten Vereine gütigst zu übermitteln und mir die Statuten desselben gefälligst zukommen zu lassen. Mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung Wien, 8. Februar 1897. Adolph Dubsky. Von dem Commerzienrath Gustav Pacher v. Theinburg ist folgendes Schreiben eingelangt: Euer Hochwohlgeboren! Im Hinblick auf einen neulichen Beschluß des niederösterreichischen Landtages, dessen Mehrheit