Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 138 r w^aaMMlawiwfijgtjuijtMMnr, .’imöÄW Dr. Bloctz's WortzrnsttzrNt. Nr. 7 Der russische Bildhauer Zlntokolski. Zu der in Nr. 5 unseres Blattes erschienenen Mittheilung über den berühmten russischen Bildhauer, der vor Kurzem sein 25-jähriges Jubiläum feierte, erhalten wir von hochgeschätzter Seite eine Zuschrift, aus der wir Folgendes reproduciren: „Es ist nicht zum erstenmale, daß der Titel eines wirklichen Staatsraths an Juden verliehen worden u. zw. erfolgte dies wegen Verdienste auf den verschiedenartigsten Gebieten. Diese Auszeichnung wurde zu Theil: dem weiland Generaldirector der Discontobank in Petersburg Abraham Sack; dem ehemaligen bekannten Eisenbahnunternehmer Samuel Poljakow; dem weiland Dr. med. David W y w o dzew (be.de letzteren wurden sogar in der Folge Geheimräthe, was eine noch weit größere Auszeichnung ist); dem Rechtsanwalt Hermann Tr achte nberg, dem weiland Obersecretär des dirigirenden Senats Arnold D u n a s ch e w s k i un) Anderen mehr. Von noch lebenden Inden besitzen den Rang eines wirklichen Staatsraths die Banquiere: Baron Horace G ü n zbürg. Lasar Poljakow, der Beamte im Jnstizministerium Jacob Halperin; der Rechtsanwalt P a s s o w e r; der ehemalige Obersecretär des Senats Marcus Schaffer und andere, die Aerzte : Hirschhorn, T r a u g o t t, L ö w i n s o h n; u. s. w. Wie Sie sehen, ist die Zahl der jüdischen Exzellenzen in Rußland relativ durchaus keine so geringe. Die Bemerkung, daß die Auszeichnung Antokolski's einer spontanen Anreguag des Czaren entsprang, ist nicht richtig. Die Initiative hiezu ging von Ihrer Hoheit der Prinzessin Eugenie von Oldenburg aus, die als großherzige Beschützerin von Kunst und Wissenschaft dem Kaiser diesen Vorschlag machte. Antokolski, der in Petersburg als Professor die vollen bürgerlichen Rechte genoß, hatte aus rein künstlerischen Motiven sein Atelier nach Paris verlegt." R. I. Ueber die Rabbiner-Seminarien in Italien schreibt im „Israelit" Nr. 9 ein Berichterstatter: „Sollen wir nun auch von den Rabbiner-Seminarien sprechen? Nun so höre man, daß in denselben mit entblößtem Haupte studirt wird. Die Rabbinerdiplome gibt man den jungen Leuten, die während ihrer Studienzeit am Sabbath geschrieben haben und die auch alles Wissens bar sind. Und die Professoren? Bar eines jeden religiösen Gefühles, geben sie ihren Schülern selbst ein schlechtes Beispiel. So kenne ich eine italienische Stadt, in der ein solches Rabbiner-Seminar existirt und wo nun die Israeliten selbst, wenn sie einen unwissenden oder irreligiösen Menschen bezeichnen wollen, ganz einfach sagen: Das ist auch so ein Seminarist. Das Aergste aber ist, daß viele Rabbiner ihren eigenen Kindern gestatten, am Sabbath in den Volks- und Bürgerschulen zu schreiben und sogar am katholischen Religionsunterrichte theilzunehmen, wobei sie als Entschuldigung anführen: rr: n (Die Befehle der Regierung sind auch für uns Gebot), obgleich die Regierung gar nicht daran denkt, sie zu solchen irreligiösen Dingen zu verhalten." „Mit nur wenigen Ausnahmen finden wir fast überall diese schreckliche Irreligiosität, und das einzige Hilfsmittel dagegen scheint mir zu sein, diese gewissenlosen Rabbiner zu entfernen, diese Rabbiner-Seminare zu schließen und dann mit Gewissenhaftigkeit neue Rabbiner und neue Professoren zu bestellen und in die Seminare würdige Zöglinge aufzunehmen." Die Juden als Soldaten. Frankreich hat den Juden das glänzendste Zeugniß militärischer Tüchtigkeit ertheilt. Die letzte Volkszählung in Frankreich hat eine Bevölkerungsziffer von über 38 Millionen Menschen, darunter nicht ganz 50.000 jüdischen Glaubens, ergeben. Die französische Armee zählt in der Linie und der Reserve 408 Generäle, darunter 6 jüdischen Glaubens. Die Divisions-Generäle Lambert und See, die Brigade-Generäle A b r a h a m, B r i s a c, H i n st e r und L e w i und es ergibt sich, daß, während auf 95.000 Franzosen im Allgemeinen ein General entfällt, sich schon unter 7000 Franzosen jüdischen Glaubens ein General befindet. Die Inden in Prag. Rede des Stadtverordneten Josef Jnwald, gehalten anläßlich der Schulbudqetdebatte im Prager Stadtverordneten-Colleqiiun am 27. Jänner 1897. Löbliches Collegium! Erwarten Sie nicht, meine Herren, daß ich hier zur nationalen Vertheidigung meiner Glaubensgenossen das Wort führen werde. In dieser Beziehung hat Herr B^eznovsk? ganz Recht und kann ich ihm nichts entgegnen. Ich würde nur wünschen, daß auch über diese Sache in einem anderen Tone gesprochen werde. Den Juden wird mit Recht der Vorwurf gemacht, daß sie ihre Kinder auch dort in deutsche Schulen schicken, wo die Erlernung der deutschen Sprache ihren Kindern auch in böhmischen Schulen ermöglicht ist. Auf diesen Umstand habe ich schon hingewiesen, als ich noch Mitglied des Bezirksschulrathes war und ich gestehe, daß ich es stets als mein Ideal betrachtet habe, dahin zu wirken, daß in unser geliebtes Heimatland endlich Ruhe und Friede einziehe. Wir haben, meine Herren, auch gesehen, wie etliche edelgesinnte Männer es zuwege brachten, daß in unser Rathhaus die Einigkeit einziehe, allein ich würde auch wünschen, daß in diese Einigkeit auch unsere deutschen Landsleute eingeschlossen wären. Ich habe auch in diesem Sinne gewirkt und durch viele Jahre im Bezirksschulrathe Anträge gestellt, daß an den Mittelschulen beide Landessprachen für obligate Fächer erklärt werden. Wenn dies geschehen würde, dann glaube ich, daß die nationale Eifersucht aufhören und man ein geschlossenes deutsches Sprachgebiet gar nicht fordern würde. Es wäre das, meiner Ansicht nach, der erste aber auch wichtigste Schritt zur Förderung des Friedens in unserem Lande. Das war stets mein Ideal und wird auch fernerhin den Inbegriff meiner Anschauung in dieser Frage bilden, ob nun so oder so darüber gesprochen wird. Und deshalb appellire ich an die Herren, die im Landtage sitzen, daß sie dafür sorgen, daß endlich Ruhe und Friede in unser Land einziehe. Was würde dann das Land Böhmen sein, was würde dieses Königreich sein, welche Bedeutung würde es im Staate erlangen! Es läßt sich kaum ausdenken! Was würden wir bei den Naturschätzen und bei der Kraft der beiden Volksstämlne dnrchzuführen im Stande sein? Und doch wäre der Friede im Lande ebenso möglich, wie er hier möglich geworden ist, wenn ehrliche und edle Männer beider Parteien sich zusammenfänden und von den Rücksichten der Gleichwerthigkeit und Gleichberechtigung sich leiten ließen. Es wurde schon einmal der Versuch gemacht, allein jener Ausgleich wurde wieder verhindert. Versuchen wir es doch zum zweiten, zum dritten und zum vierten Male! Und wer es mit diesem unserem Lande gut meint, muß zugeben, daß dies nothwendig und daß dies auch geschehen muß. Gelänge es uns selbst nach vielen Versuchen, den Frieden herzustellen, wahrlich unsere Nachkommen müßten uns nur segnen. Und nun gestatten Sie, meine Herren, daß ich mich einer anderen Frage zuwende. Ich habe in der Generaldebatte nicht gesprochen und hatte auch nicht die Absicht, in der Specialdebatte das Wort zu ergreifen, denn ich bin, wie bekannt, etwas leidend. Aber mein auftichtiger Freund, welcher mir immer Anlaß und Gelegenheit, von der Sache zu sprechen, gibt, hat erwähnt, daß die Juden unverbesserlich seien und wies speciell auf den nationalen Standpunkt hin. Es sei mir nun gestattet, darauf mit einigen Worten zu erwidern. Ich bin sechzig Jahre alt geworden und kann Ihnen sagen, daß ich, wiewohl ich von Jugend auf das Christenthum ebenso wie das Judenthum zu verfolgen Gelegenheit habe, niemals wußte, wer „Semit" und wer Antisemit ist. Ich kenne wohl die biblische Legende, daß Noe drei Söhne gehabt hat: Sem, Cham und Japhet. Aber, meine Herren, daß wir wirklich von Sem abstammen. und daß das so ganz und gar ausgemacht sei, das habe ich nicht gewußt. Das habe ich erst von jenem Manne erfahren, der das Deutsche Reich der „Gottesfurcht und frommen Sitte" gegründet, einem Manne, meine Herren — wir wissen das Alle — der im Deutschen Reiche die „Stoß-ins-Herz-Politik" proclamirte und der das Motto hatte: „Blut und Eisen" und der Oesterreich allzeit zu schädigen suchte, und zwar sowohl auf politischem, als auch auf nationalem Gebiete. (Stadtverordneter T o n n e r : „Und deshalb haben wir den Dreibund.") Ich will hier aber keine Politik treiben, denn wir haben hier keine Immunität, aber so viel kann ich doch sagen, daß es dieser Mann ist, dem wir den Antisemitismus zu danken haben. Sie sehen, daß er nicht religiösen Motiven entspringt und wer das behaupten würde, wäre kein auftichtiger Mann. Wir, meine Herren, bewahren das Gebot und die Lehre des Heilands, der aus unserer Mitte hervorgegangen ist ebenso wie Sie, und