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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-12 · 7 (12.2.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
7 (12.2.1897)
Date
1897-02-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Vr Vlorh's Wochrnichrlst. Seite 137 der Wahlen sind die Einwohner vom antisemitischen gastrischen Fieber in außerordentlicher Weise ergriffen, nach den Wahlen > kommen wir und bitten dort, uns gnädigst gegen Erlag einer exorbitanten Summe ein schmales, feuchtes Zimmer mit Cabinet abzulassen. Wahrlich wenn wir uns von dem allen nicht abhalten lassen, dann zünden wir uns selbst den Holzstoß all. Vielleicht sind diese Zeilen für Manchen ein Fingerzeig, denk er Folge leisten wird. Die Schilderung, die ich von Baden entworfen habe, paßt gleichmäßig aus die meisten Ortschaften in der Nähe Wiens. Lassen wir nur eine Saison von dem Hergebrachten, bleiben wir daheim und unsere Feinde und Gegner werden erkennen, daß wir Selbstachtung haben, und nicht dazu beitragen, daß man uns ans unsere Kosten verhöhnt. Nochmals: Kein Landaufenthalt, keine Sommerfrischen! Vielleicht curirt dw° so manchen antisemitischen Hausbesitzer. E. I. Wien und Prag. Man schreibt uns aus Prag: Da jetzt auch außerordentlich viel — Ballpolitik getrieben wird, ist es vielleicht nicht uninteressant, wenn ich ihnen von dem glänzenden Erfolge berichte, den der Ball des „Spolek ceskychakad emiku-zi d ü" in Prag erzielte; derselbe fand vorigen Donnerstag auf der Sofieniufel statt und versammelte ein zahlreiches Publicum in dem geschmackvoll decorirten und reich mit Blumen geschmückten Saale. Besonderen Glanz verliehen dem Balle durch ihr Erscheinen die Herren: Bürgermeister der kgl. Landeshauptstadt Prag Dr. I. P o d l i p n y , der Rector der böhmischen Universität JUDr. I. I. H a n e l, der Decan der jur. Facultät k. k. Hofrath Prof. Dr. A. Zucker, die Abgeordneten Herr L. P o l l a k, Großgrundbesitzer aus Stetkovic, Dr. I. Scharf, Dr. I. Z a l u d, H. Korbel Consul der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Prag sammt Familie und zahlreiche Deputationen. Abgeordneter Kaftan hat seine Abwesenheit entschuldigt. Man sieht, andere Städte, andere Bälle. Der Bürgermeister von Wien Herr S t r o b a ch wäre wohl auf diesem Balle nicht zu sehen gewesen. Der ehrliche Pauschalienmakler Prinz Alois Liechtenstein. Während einer der letzten Sitzungen des alten Parlaments spielte sich in den Couloirs, wie die „Z e i t" erzählt, der folgende Vorfall ab: Auf den Eisenbahnniinister Herrn von G u t t e n b e r g, der gerade im Gespräch mit dem Hofrath H a l l w i ch dastand, tritt Prinz Alois Liechten st ein mit den Worten ungefähr zu: „E x c e l l e n z, was i st's denn m i t d e m P a u s ch a l e f ü r d en „B o l k s f r e u n d"? Ich habe Sie schon einmal darum angegangen. Worauf Excellenz erwidert: „Gut, daß Durchlaucht mich erinnern, ich werde es veranlassen". Prinz L i e ch t e n st e i n ging befriedigt weiter, und das antisemitische Wochenblättchen des Herrn P s e n n e r, der „Oesterreichische Volks freund", erhielt nach wenigen Tagen sein Pauschale vom Eisenbahnministerium, als der Generaldirection der k. k. Staatsbahnen, zugewiesen. In der Welt der Pauschalien gibt es, wie man weiß, besondere jüdische Agenten, die den pauschalienbedürftigen Zeitungen bei Verkehrs- und Versicherungsinstituten Pauschalien vermitteln. Dafür berechnen sie sich auch eine feste Provision, über deren Höhe vielfach geklagt wird. Wie beneidenswerth ist da der antisemitische „Volksfreund", der in der Person des Prinzen L i e ch t e n st e i n einen Pauschalienmakler gefunden hat, der über jeden Verdacht einer Provision so hoch erhaben ist! Der gelbe Fleck auf der Ehre. Aus Graz erfahren wir eine gar köstliche Geschichte. Die liebliche Murstadt besitzt eine glückliche Mischung von Einwohnern. Die Einen setzen sich zur Ruhe, die anderen in Wuth und die Dritten zur Wehre. Die Studenten besonders sind von einer wahrhaft großstädtischen Racenkampflust erfüllt. Vor längerer Zeit gab es zwischen zwei Musensöhnen ein Rencontre, das zu einer Herausforderung fiihrte. Die befleckte Ehre sollte mit dem so beliebten Reinigungsmittel „Blut" geruchlos geputzt werden. Der Herausforderer war der Sohn eines verstorbenen Reichsraths-Abgeordneten, dessen Name einen guten Klang hatte. Das drohende Duell kam jedoch nicht zu Stande, da der Gegner — ein Hörer der Philosophie — kurz und bündig erklärte, daß er sich mit einem Judenstämmling unter keiner Bedingung schlagen wolle. Der duellbeflissene junge Mann zog unverrichteter Hiebe ab und ließ die Sache einschlafen, das Andenken seines Vaters außergerichtlich refpectirend. Wer aber, glaubt mau, war jener Hörer der Philosophie, der einem Judenstämmling in so entschiedener Weise Genugthuung versagte °? Wer war der stramme Bruder Studio, der das arische Princiv auf die Degenspitze trieb? Nun denn, kein Anderer, als derselbige Herr v. A r ft, dem kurze Zeit nach der oben geschilderten Affaire in einem zweiten Ehrenhandel die Sarisfactions-Fähigkeit mit der Begründung abgesprochen wurde, daß er gletchialls ein Jndenstämmling sei. Wie ihm unwiderleglich nachgewieseu wurde, stammt er in dritter Linie mütterlicherseits von einem jüdischen Arzte ab — Grund genug, ihn niemals über eine arische Klinge svringen zu lassen. Sein Duellgegner huldigte eben dem Grundsätze: „Haust Du nicht Deinen Inden, hau' ich nicht meinen Inden Und so niußte derselbige Herr v. Arlt am eigeueit Leibe erfahren, was er einem Anderen Leids gethan, als ob er nicht der Enkel des berühmten Augenarztes, sondern der Svbn des Fulda'fchen Khalifen wäre. Das ist die Vergeltung, das furchtbare Walten der Nemesis Sie hat in Ehrenhändeln nur insoferne auch ihr Gutes, als dabei Auge um Atlge, Zahn um Zahn — unverletzt bleiben. Im Himmel aber, in diesem allen Menschen von ihrem wahren Schätzer gewidmeten BelnstigungSorte, trafen sich neulich die beiden Vätersväter der Duellgegner und lächelten sich freundlich an, als ob sie sagen wollten: „Wohl uns, daß wir Großväter sind Die Stiftungsschulen des Baron Hirsch. Min schreibt uns aus Gliniany : Im „Swiatlo" veröffentlicht Herr Lev Wolf, der Obmann des hiesigen Local-Eomites der Baron Hirsch- Stiftung, eine Betrachtung über die segensvvtlen Wirkungen der Hirsch-Schulen, die manches interessante Streiflicht auf die Zustände in Galizien wirft. Tie Schilderung von dem Elend und der Armuth so vieler Juden der älteren Generation, die, abgesehen von so vielem Anderen auch darum zu schwach in dem Kampfe um das Dasein find, weil sie in ihrer Jugend weder - ein Handwerk, noch die Kunst des Schreibens und Lesens erlernten, ist eine ergreifende, aber keine übertriebene. „Wie sollen", so heißt es da, „diese Armen verdienen können, wenn sie in ihrer Jugend nicht arbeiten gelernt haben °? Wenn diese Juden eine Baron Hirsch-Schule besucht, lesen und schreiben und dann ein Handwerk gelernt hätten, so würden sie — ich konnte darauf schwören — nicht so ausschauen, wie wir sie beute leider sehen. Sie würden gewiß nicht in Gliniany zusammengepfercht sitzen, sondern in die weite Welt wandern, denn der Spruch: „Handwerk hat einen goldenen Boden" har überall Geltung. — Wovon leben diese Familienväter? Tag fiir Tag bei jedem Morgengrauen verlaffeu sie ihr Heim, um das Jammern der Kinder nach Brot nicht zu hören, wandern in die Propinationsschenke, wo sie sich im warmen Locale an dem Gerüche der Spirituosen laben und zusammengepfercht stehen, bis einer von ihnen gerufen wird, um für 2 Kreuzer einen Ballen Mehl in die vierte Gasse zu tragen oder die Haut eines verendeten Pferdes abzuschinden, eine Cloake zu reinigen, Wasser zu tragen u. s. w. Und was müßte das Schicksal der Kinder dieser Armen sein, wenn sie wie ihre Väter heranwachsen müßten? Aber ein Blick in die hiesige Schule — und dasselbe gilt wohl auch von den übrigen — bietet einen erhebenden Trost. Da sieht man 150 Kinder, die aus dem tiefsten Elende emporgezogen wurden und die sicherlich dereinst besser und kräftiger für ihre Zukunft werden sorgen könnten. Wenn der Anblick des Elends, so heißt es weiter in der Zuschrift des Mannes, der selbst der Sohn eines Handwerkers ist und dankbar dessen gedenkt, der es ihm ermöglichte," daß er mit Schulbildung ausgerüstet seinen Lebensweg erfolgreich zurücklegen konnte — meiner Glaubensgenossen Thränen meinen alten Äugen erpreßt, so trocknet dieselben wieder der Anblick der Kinder in der Schule. Für Alles sorgt das Curatoxium, wie ein treuer und liebender Vater für seine Kinder sorgt. Bücher, Schreibrequisiten, Mäntel, Stiefel bekommen die Kinder — ja auch Mittags kost wird ihnen verabreicht. Ich selbst bin Zeuge dessen, wie gut das Curatorium die Schule verwaltet. In der That, wer für die geistige Ausbildung der Kinder sorgt, wer ihnen die Möglichkeit erschließt, ein Handwerk gründlich zu erlernen, den darf das Bewußtsein beseelen, ein edles Werk geschaffen zu haben, das kaum übertroffen werden kann. Wer es gut meint mit den armen Juden in Galizien, kann nur auf das Innigste wünschen, daß die Frau Baronin Hirsch auch in Zukunft unterstützr von der hingebungsvollen Thätigkeit des Curatoriums, den Schöpfungen ihres seligen Gatten, des großen Philantropen, die gleiche Sorgfalt und Liebe entgegenbringe, wie bisher. .

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