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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-12 · 7 (12.2.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
7 (12.2.1897)
Date
1897-02-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 136 Zi&tiJU+JkJVtaBSB?!;;A.'£ML£bJ^bSKSt: Dr. Vloch's Wochrnlchrifl. Nr. 7 Ganzen. Dies wäre der effective Selbstmord, die Strangulirung mit eigener Hand. Was haben in Galizien jene Musterjuden erreicht, die bei jeder Gelegenheit zur Nachahmung und Nacheiferung ausgestellt werden, ohne je prämiirt worden zu sein? Sie haben sich einfach untergeordnet, ihre Selbstständigkeit, die Freiheit des Handelns aufgegebeu, gehorchen der Parole und fügen sich gehorsam den Weisungen; man verkehrt aber mit ihnen nicht auf dem Fuße der Gleichheit, man zieht sie nicht ins Haus, sie gehören blos zum Hofstaat, aber nicht in den Kreis. Die Polen haben von jüdischen Abgeordneten gewiß nicht zu besorgen, daß sie ihnen im Club oder im Reichsrathe Opposition machen würden — ist bei alldem ein noch so perfect assimilirter Jude von einer christlichen Majorität in einen Vertretungskörper entsendet worden? Unter den 400 jüdischen Großgrundbesitzern, die in Galizien leben, gibt es ganz unbedingt eine gute Anzahl, die, äußerlich und innerlich assimilirt, an Sprache, Wissen und Patriotismus den anderen Candidaten nicht nachsteht — ist je einer von ihnen aus dem Großgrundbesitz gewählt worden? Die fünf jüdischen Abgeordneten, die letztens im Reichsrath saßen, verdanken ihre Mandate jüdischen Majoritäten, und es ist fraglich, ob sie Alle wiederkehren. Es war in den Sechziger-Jahren, die Polen im Lande noch schwach, die Ruthenen unter Führung des Erzbischofs Litwinowicz stark, und da erhielten der spätere Abgeordnete Herr Nathan Ritter von Kallir und ich eine vertrauliche Berufung nach Lemberg; es galt, unsere Mitwirkung gegen die Bestrebungen der Ruthenen bei den Wahlen in Brodh und Tarnopol zu gewinnen. Man versprach uns selbstverständlich alle Liebe und Dankbarkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Als ich jedoch die Forderung stellte, daß aus dem Grundbesitze ein Jude ein Mandat erhalte und daß der alte Herr Mayer von Kallir, unbedingt der vornehmste, hervorragendste Jude Galiziens, damals Präsident der Brodyer Handelskammer, Landtagsabgeordneter, Ritter der Eisernen Krone und Schöpfer einiger noch blühender Wohlthötigkeitsinstitnte, vom Landtage in den Reichsrath entsendet werden möge — die directen Wahlen waren noch nicht eingeführt — blickte man mich an, als ob ich etwas ganz Ungeheuerliches fordern würde, und Statthalter Graf Agenor Goluchowski verwarnte uns, nicht gar so unbescheiden zu sein! Die Verhältnisse sind seit damals, trotz der willfährigen Natioualisirung der Juden und ihrer Institutionen, dieselben geblieben. Wir kamen nicht um eine Haaresbreite weiter. Eine ganz irrige Anschauung von Freund Eibenschütz ist es, zu behaupten, Assimilation bedeute Fortschritt, und geistige Verkümmerung würde ans dem Separatismus entstehen, weil da die Juden im stolzen Eigendünkel sich von in der Civilisation vorgeschrittenen Völkern abschließen würden." Vor Allem stelle ich in Abrede, daß die Völker, unter denen wir leben, vorgeschrittener als nur seien; man beneidet und verfolgt ja eben beim Juden seine Intelligenz, seine rastlose Thätigkeit auf dem Gebiete der Kunst und der Wissenschaft. Ueberdies verstehe ich den Separatismus nicht in der Form einer chinesischen Mauer, hinter der die Inden sich verkriechen sollen. Im Gegentheile sie sollen mit vollen Segeln dem Zeitgeist folgen und im Cvntacte mit anderen Nationen in sich aufnehmen, was sie an geistigen Gütern Gutes finden, die ohnehin Gemeingut sind; sie sollen die Sprache des Landes cultiviren, moderne Sitten studiren, sich bestreben, in der äußeren Erscheinung gefällig und manierlich zu sein, aber weiter nicht! In chrem sonstigen Leben und Streben, in ihren Humanitären und culturellen Schöpfungen, in der Wahrung ihrer religiösen und nationalen Eigenart, welche das Band bildet, das die Juden in der Diaspora zusammeuhält, den Damm, an dem der brandende Haß sich unschädlich als Schaum verspritzt, müssen sie unentwegt auf ihrem Jsolirschemmel bleiben, wenn sie nicht verschluckt werden und untergehen wollen! Es sind ärgere Stürme an dem Judenthum vorübergebraust, ohne es zu entwurzeln — warum soll es jetzt gegenüber bloßem Gekläffe abdiciren? Die Polen mögen uns ein leuchtendes Vorbild sein, wie man die Ungunst der Zeiten mit Erfolg besiegen kann. Sie wurden decimirt, erdrückt, verschickt. In den Brünner Casematten, in den sibirischen Bleibergwerken klirrten ihre Ketten. In London, Paris und Zürich irrten die depossedirten Edelleute heimatlos herum; die Schlösser öde und verfallen; die Güter überlastet; das Landvolk feindlich; die Stimme des Volkes erstickt. Aber all' diesem Elend gegenüber verloren sie nicht den Muth; Männer und Frauen stenimten sich hoffnungs- und glaubensstark gegen die Härte des Schicksals, sv lange, so ausdauernd, bis sich dasselbe versöhnte, bis ihre Stellung eine dominirende getvorden, bis die Männer, die Ketten trugen, Präsidentenstühle und Ministerfautenils eroberteil und nun sitzen vier polnische Minister im Rathe der Krone! Was wäre ans den Polen geworden, wenn sie sich zu Zeiten Metternich's und Sedlnitzky's „assimilirt" hätten? Die letzte Vergangenheit hat uns keine Rosen gebracht; die nächste Zukunft tagt im Wolkenschleier, da unsere Regierung die Pest in. Indien, aber nicht die zersetzende Pest des Antisemitismus im eigenen Lande studiren und curiren lassen will — aber gerade diese Noth mahnt zum kräftigen Widerstande, zum einmüthigen Zusammenhalten und Zusammenwirken unter dem energisfen polnischen Motto: „Ni« dajmy sie!“ Teplitz, 8. Februar 1897. Leo H erzb er g - Fr än k e l. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Taschen zu! Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Anläßlich der denkwürdigen Abstimmung im Landtage, betreffend des Bettels von 200 fl. für das israelitische Waisenhaus möchte ich die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen auf die Sammlungen durch die Klosterfrauen, speciell derjenigen der Vororte, ferner auf die Sammelbögen und Sammelbüchsen, welche durch die Hausbesorger den Wohnparteien präsentirt werden, lenken. An den Erlösen dieser Sammlungen dürften doch in allerletzter Reihe unsere armen Glaubensgenossen participiren. Nachdem wir unsere zahlreichen Hmnanitätsinstitute leider nur aus eigenen Mitteln erhalten müssen, anderseits aus städtischen Mitteln unsere Glaubensgenossen am allerletzten Unterstützung zu erwarten haben (wahrscheinlich nicht einmal als Schneeschaufler), so ergibt sich diese Abstin"nz an den öffentlichen Sammlungen von selbst und wäre es nicht überflüssig, dies in Ihrem geehrten Blatte zu unterstreichen. Die Juden und die Sommerfrischen. Obgleich uns noch Monate vom Beginne der Sommersaison trennen, wird doch schon in vielen Familien die Frage erörtert: „Wohin gehen wir im Sommer? Wo nehmen wir unseren Landaufenthalt? Es ist ja Mode geworden, der kaum Jemand zu widerstehen wagt, den Sommer nicht in Wien zu verbringeu, luemt auch gar Mancher einen sehr fragwürdigen Tausch macht, indem er seine angenehme Stadtwohnung verläßt und dafür sich einen höchst ungemüthlichen Sommeraufenthalt einwirthschaftet. Ich halte es aber aus einem ganz anderen, wenn auch höchst naheliegenden Grunde für meine heilige Pflicht, meine Glaubensgenossen aus die vielfachen traurigen Erfahrungen aufmerksam zu machen, welche Inden in der Umgebung Wiens machen, wenn sie sich dort für ihr gutes, ehrliches Geld über den Sommer einqnartieren. Wahrlich, da drängt sich die Frage auf: Muß man sich diesem aussetzen? Es fällt mir nicht ein, einen Patienten von dem Besuche eines Curortes abzurathen, den ihm sein Arzt empfohlen. Aber ist die „Sommerfrische" für Gesunde so unerläßlich? Müssen wir uns die Folgen der antisemitischen Verseuchung, die für so viele Juden in der Umgebung Wiens nur bittere Erfahrungen brachten, noch mit unserem Gelde erkaufen? Im Wmter der furchtbarste Antisemit, im Sommer Philosemit, das ist die Devise vieler Hausherren aus dem sogenannten Lande! Blicken wir ein wenig hinter die Conliffen, welch' ein Bild entrollt sich da unsern Augen!? Besondere Vorliebe haben die jüdischen Familien für Baden. Die ausgezeichnete Curcapelle, welche unter K o m z a k's Leitung täglich dreimal ihre Weisen ertönen läßt, das vorzüglich geleitete Theater, resp. die Arena, die seit wenigen Jahren eingeführten Wettrennen lassen Baden als einen wirklich angenehmen Sommeraufenthalt bezeichnen. Die V e r m i e t h e r der Wohnungen aber sind, wie ja allbekannt zum großen T h e i l e, d i e ä r g st e n Antisemiten. Hat doch der Abgott der Antisemiten, Lueger selbst dort eine Villa, in welcher vielleicht die Berathungeu über das Hängen oder Kopsen der Juden gepflogen werden! Und dort sollen wir unser Geld ausgeben, dort, wo man ganze Häuserreihen entlang Zetteln affichirt sieht mit den bezeichnenden Worten: „Nur für -Christen!" Ist es nicht eine Sünde, wenn wir trotzdem dieses verpestete Städtchen anfsuchen, um dort auch noch manch anderen unangenehmen Zwischenfällen ausgesetzt zu werden? Ist es mit den anderen Sommerfrischen in der Nähe Wiens anders bestellt? Finden wir nicht überall die gleichen Verhältnisse? Während

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