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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-12 · 7 (12.2.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
7 (12.2.1897)
Date
1897-02-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 131 dienen, als wenn wir uns zur Folie der Herren Strobach, Schneider und Gregorig erniedrigen. Die Pflicht der Loyalität hebt die Pflicht männlich ernster Gesinnung nicht auf, und dieser Gesinnung im geeigneten Augenblicke, in geeigneter Weise — wenn es noththut, auch durch das Moment der Anwesenheit Ausdruck zu geben, ist unter Umständen auch eine patriotische That! Herodrs im Landtag. (Ein Erfolg der „Oefterreichifchen Wochenschrift".) Es war gewiß nicht zweckwidrig, wenn vor einiger Zeit in diesen Blättern die Anregung gegeben wurde, die confessionell jüdischen Wohlthatigkeitsvereine sollten mit ehernem Finger an die Pforten der Gemeindestubc, an das Thor des Landhauses pochen. Denn die Juden sind Steuerzahler, und dem jüdischen Geschäftsmann, der seinen Pflichten gegen Staat, Stadt und Land nicht nachkommt, rückt der Pfändungscommissär mit der gleichen, vielleicht noch größerer Pünktlichkeit an den Hals, wie im gleichen Fall seinem christlichen Nachbar. Drum sollen die Juden erproben, ob man den Muth haben wird, ihnen die mit ihrenPflichten correspondirendenRechtezuverweigern,denWohlthätigkeitsvereinen, die sich auf streng confessioneller Grundlage constituirt haben, die Brosamen einer kärglichen Subvention vorzuenthalten. Der Versuch ist gemacht worden, das Experiment ist gelungen, die antisemitische Landtagsmajorität hat bewiesen, daß Dr. Lueger seinerseits zum bloßen Strobach der Gregorigs und Schneiders herabgesunken ist, daß die so vielfach mißbrauchte Parole vom „Führen" und „Nicht geführt werden" auch innerhalb der antisemitischen Partei zum leeren, inhaltslosen Schlagwort herabgesunkeu ist. . Mit berechtigter Genugthuung freuen wir uns, daß unser Rath so tressliche Erfolge nach sich zog. Noch einige solcher Erfolge wünschen wir der antisemitischen Landtagsmajorität auf ihrem Feldzug gegen die jüdischen Waisenkinder. Diesmal wurde weiteren Kreisen so recht bewiesen, wie es mit der Objectivität und dem Anstandsgefühl unserer Gegner bestellt ist. Dieselben Herren, die den Klöstern und Stiften durch die Hinausschleuderung der Landesmittel die Sorge für den antisemitischen Wahlfond abnetzmen, haben die Stirne, nicht allein die simpelsten Begriffe von Recht mit E r n st S ch n e i d e r'schem Cirkel zu escamotiren, sondern sie scheuen auch vor der Begründung nicht zurück, welche schütz- und hilflose Waisen als Gefahr für das christliche Volk stigmatisiren. Traurig ist das Los des Waisenkindes, das des Vaters und der Mutter beraubt ist, ohne Unterschied der Abkunft, des Ranges und Standes. Vollends, wenn in Folge des Todes von Vater und Mutter Armuth und Hilflosigkeit eintreten, wenn das wachsame Mutterauge gebrochen, der schaffende Arm des Vaters erstarrt, oder wenn der Mutter der Ernährer, dem Vater die Pflegerin der Kinder entrissen worden ist. Der Dichter Asaph, welcher die schlechten und gemeinen Seelen durch den Donner seiner Stimme ausweckt, fordert Jene vor ein unerbittliches Gottesgericht, welche gegen Waisenkinder hartherzig sind und der Zorn des Psalmisten beschwört Gott, im Feuer eines unnachsichtlichen Vergelters sich zu offenbaren wider die, welche des Waisenkindes nicht schonen, welches einer blutgierigen Wölfin Mitleid einflößt. Die Erkorenen der Wiener Bürger sind mitleidsloser als die wilden Thiere. Man muß, wie gesagt, den antisemitischen Helden mehr die Gelegenheit geben, sich solcher Ruhmesthaten brüsten zu können. Diese Bethätiguug der kräftig zum Durchbruch gekommenen heimischen und christlichen Anschauungen ist das beste Heilserum gegen die antisemitische Beulenpest, und es ist sicherlich kein Zufall, wenn bei dieser Gelegenheit gerade aus Kreisen, die bisher theilnahmslos, um nicht zu sagen wohlwollend, der antisemitischen Bewegung gegenüberstanden, die energischesten Protestkundgebungen gegen Herodes im Landtage erfolgen. Auch Einer. Zu Ostern, zu Pfingsten und zu Weihnachten, da herrscht, bevor die großen bügerlichen Feiertage herankommen, in jedem Haushalt ein reges Leben und Treiben; die Möbel wer en geklopft, die Fußboden gerieben und die Fenster gewaschen. Im parlamentarischen Leben finde! zur Mahlzeit das große Reinmachen statt. Da erinnern sich die Candidaten ihrer verstaubten Gesinnungen, holen ihre vom Mottenfraß der Felonie angenagten Principien aus der Rumpelkammer hervor, ihre Ueberzeugungen suchen sie aus der schmutzigen Wäsche zusammen und sind eifrig bestrebt, sie mit mandatshungrigem Eifer glattzubügeln. Aber den Wählern ziemt es, sich diese Gesinnungsprotzen und Ueberzeugungsmeier von Potenkim's Gnaden näher anzuschouen und sich die Frage vorzulegen, ob denn wirklich all' das, was jahrelanger Schlendrian und Schlamperei, Nichtsnutzigkeit und zweideutiges Sumperthum verschuldet haben, im Handumdrehen gut gemacht und aus der Welt geschafft werden kann. Auch so Einen haben wir vorige Woche unseren Lesern vorgestellt, den Freiheitshelden Roser, den wackeren alten Achtundvierziger mit Nachsicht der Gesinnungstaxen, den vorurtheilslosen Liberalen, der nämlich das Borurtheil des Liberalismus abgestleiff hat. Dieser treffliche Mann weigert sich, eine Interpellation wegen Soldatenmißhandlung zu unterschreiben, weil der gepeinigte, mit Stockstreichen und Bajonnetstößen behandelte Recrut ein Jude ist. Der wackere Roser unterschreibt nicht. Er hat es nicht nothwendig, seinen Liberalismus, feine demokratischen, seine volksfreundlichen Gesinnungen neuerlich zu bethätigen, besonders, wenn sich die Sache um einen Juden dreht und daher bei den herrschenden Strömungen nicht ganz ungefährlich ist. Wer der Doctor Roser ist, weiß man ja znr Genüge, und jedes politische Wickelkind ist überzeugt, daß der „wackere" Lotterie- Roser ganz ebenso wie der älteste Deutschmeister, dann die schönste Anna, ^ie am Kahlenberg mit dem Tugendpreis gekrönt wird, und ähnliche Bolkssängergrößen zu den unentbehrlichsten Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens gehört. In Jbsen's „Wildente" spricht Hjalmar von seines Vaters Flinte, die zwar keinen Hahn hat und mit der man daher nicht schießen kann, die auseinanderzunehmen, zu putzen und mit Knochenfett einzuschmieren ein ebenso nützlicher wie amüsanter Zeitvertreib sei. Wenn Einer unserer liberalen Hjalmars so eine väterliche Flinte gefunden hat, so sind sie gottfroh und Preisen ihren Schöpfer. Für diese Untermittelmäßigkeiten genügt die Lebenslüge der zerbrochenen Flinte. Doctor Hjalmar Roser dankt wahrscheinlich jeden Morgen ob seines Diäten gesegneten Daseins seinem Herrn, daß er die Welt mit solch' politischen Größen bedacht hat, wie er ist. Die Flinte hat zwar keinen Hahn, und das Lotto wird nicht abgeschafft, wenigstens nicht dem Doctor Roser zuliebe, denn der Finanzminister darf sich dem Privatgenuß, Doctor Roser's jährliche Lottojeremiaden nicht anhören zu müssen, keine Million Gulden kosten lassen, aber mit der Lottoflinte läßt sich's gar rrefftich den liberalen M.rnn spielen und sich auf den demokratischen Volksfreund herausputzen. Wehe, wenn einmal das Lotto abgeschafft werden sollte! Diese Abschaffung würde nicht allein dem grauen Haus, sondern auch dem hohen Haus einen Stammgast kosten, und da ist es vielleicht für alle Fälle gut, wenn wir einer uns von schätzenswerther Seite zugekommenen Anregung folgen und Herrn Doctor Roser beziehungsweise sein lottogeschwächtes Gedächtniß an jene schöne Vergangenheit erinnern, da der Germane Roser noch Popper hieß und in der Lotterie des öffentlichen Lebens weder den Ambo des Taufbeckens, noch den Terno des Mandates, noch auch den Quaterno des schönen christlichen germanischen Namens Roser gezogen hat. Die Cultussteuer in der Wiener israelitischen CuUusgemeinde. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der in Nummer 6 der „Oesterreichischen Wochenschrift" enthaltene Artikel über die Cultussteuer war offenbar dazu bestimmt, Aufklärung und Beruhigung in jette Kreise zu tragen, welche durch die neueste Maßregel des Cultusvorstandes, die sogenannte „Neueinschätzung", in eine höchst bedenkliche, dem gegenwärtigen Vorstände gewiß nicht zuträgliche Stimmung gerathen sind. Leider muß ich jedoch gestehen, daß ich durch die Ausführungen Ihres geschätzten Blattes weder bekehrt uvch be-

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