Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 125 Erfolg gebracht, und spcciell mit der Entwicklung der Terracottenplastik ist sein Name unzertrennlich verbunden. Insbesondere in Frankreich und Deutschland hat seine realistische, originelle Ausfassung der Plastik und Decoration großen Anklang gefunden. In Paris wurden von ihm zwei große Niederlagen gegründet, ebenso in Berlin und Leipzig. Die in der Avenue de l'Opöra gegründeten Kunstgalerien, welche die Wiener Terracotten, die in der dortigen Broncefabrik erzeugten Bronzen und Marmorsiguren zur Ausstellung brachten, machten zur Zeit der Eröffnung gerechtfertigtes Aufsehen. In fachmännischen Kreisen, sowie im Publicum hat Goldfcheider's Wirksamkeit stets Anerkennung gefuuden. Seine langjährigen Mitarbeiter und seine Hinterbliebenen werden die Kunstanstalten Goldscheider's in seinem Sinne und Geiste weiterführen. Brünn. (B e r l o b u n g.) Die Tochter des köuigl. niederlättdischen Consuls mtb Großindustriellen Grünseld, Frl. Lisi G r ü n f e l d, hat sich mit dem Chef der Firma Brüder Strakosch und Gesellschafter der Hohenaner Zuckerfabrik, Felix Strakosch, verlobt. Bodenbach. (Israelitische C u l t u s g e m e i n d e Bodenbach a. d. Elbe.) Bei der am 31. Jänner 1897 vorgeuommenen Constituirung der Vertretung der israelitischen Cullusgemeinde in Bodenbach a. d. Elbe wurden gewählt: Als Vorsteher : Herr Adolf Pächter, Bodenbach; als Vorsteher-Stellvertreter : Herr Sigmund Brauner, Tetschen; als Cassier: Herr- Carl Heller, Tetschen; als Synagogenvorsteher: Herr Gottfried Pick, Bodenbach; als Gemeiudevertreter: die Herren Moritz Frankl, Bodenbach; med Dr. S. Hoffmann, Bvdenbach; D. Tanssig, Bodenbach; 1- D. Dr. Hollerstein, Tetschen; Sigm. Kantor, Bodeubach; M. Löwith, Böhm.-Kamuitz; Joses Neumann, Bodenbach. Als Ersatzmänner: Die Herren Heinrich Konirsch, Tetschen; Josef Popper, Tetschen; Alfred Popper, Tetschen; Sigmund Veit, Tetschen; Alois Zirkl, Bodenbach. Als Cassarevisoren: Die Herren Carl Soudek, Tetschen; Theodor Welleminski, Bodenbach. In die Umlags-Commission: Die Herren S. L. Jung, Tetschen; J. U. Dr. Adolf Landsmann, Bodenbach; J. U. Dr. Eduard Grünbaum, B.-Kumnitz. Podhajce. Für die Bezirke S t a u i s l a u, Buczacz, Podhajce wird zur Wahl in den Reichsrath in der V. Curie Herr Dr. Jan W a l e w s k.i, Gutsbesitzer in N o s o r im Bezirke Podhajce, wärmstens empfohlen. — Leon Alte r, Joachim T r a u n e r, Israel T r a u n e r, Adolf Falber, i>Gz3rtelnia Zydowska«. Mies» 27. Jänner. (I s r a e l i t i s ch e Cu l t u s g e m e i n d e.) Bei der Constituirung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurden die Herren JUDr. Ignatz Grüner in Mies zum Borsteher, Moritz Lederer in Mies zum BorstehersteUvertreter, Jacob Naschauer zum Cassier und Albert Bergler in Wilkischen zum Rechnungssührcr gewählt; dem Ausschüsse gehören weiter an die Herren Carl Popper in Rakalus, Moritz Steiner in llllitz, Leopold Beck in Kladrau, Gustav Adler in Schweißing und Hermann Bloch in Prostibor. Ung.-Brod. Sonntag den 31. Jänner beehrte uns Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Funk aus Boskowitz zur Abhaltung eines Vortrages (Judas II Heimat) im Vereine Chorebh. Dieser voll von Patriotismus zündende Vortrag wirkte begeisternd auf die Zuhörer Jtitb wird uns dieser vergnügte Abeild unvergeßlich bleiben. Redner wurde allseitig acclamirt. Protznitz. (Frauen- Wo hlthätigkeits-Be re i n.) Vor nicht langer Zeit feierte die langjährige Vereins-Präsidentin Frau Johanna L a s u s ihren 70. Geburtstag, aus welchem Anlasse sie wegen ihrer vielfachen Verdienste um den Verein, wie auch wegen ihres sonstigen Humanitären Wirkens Gegenstand besonderer Ehrung war. Der Verein gab derselben durch die feierliche Ueberreichung eines prachtvollen silbernen Tafelaufsatzes Ausdruck, während die Jubilarin ihrerseits ihren Dank für diese Ovation dadurch zum Ausdruck brachte, daß sie die Vereinsmitglieder zu einem Festmahle einlud, welches Sonntag den 14. v. M. im Casä Schreiber stattfand. Nebst den nahezu vollzählig ers hienenen Vereinsmitgliedern war der Einladung auch der Cnltnsvorsteher Herr Josef Singer, die Herren Sigmund Hamburger, Dr. Haas und Dr. Zweig gefolgt, ebenso nahmen die engeren Familienmitglieder der Jubilarin theil. Die Feier nahm einen sehr animirten Verlauf und erregten insbesondere die warmen, das segensvolle Wirken der Frau Johanna Lasus ins hellste Licht setzenden Worte des Herrn Cultusvorstehers, wie auch nicht minder die herzliche Rede _ des Vereinsschriftsührers, Herrn Erneft Springer, freudige Zustinlmung. Von sonstigen Einzelheiten sei noch die im Namen der Gastgeberin von deren Sohn Herrn JUC. Heinrich Lasus an die Festtheilnehmer gerichtete Begrüßungsrede erwähnt, und besonders hervorzuheben ist es, daß der älteste Sohn, Herr Georg Lasus, zum ewigen Gedächtniß an die Feier dem Cultusvorsteher zu Stiftungszwecken den Betrag von 100 fl. überreichte, welche sinllige Spende der Feier erst die wahre Weihe gab. ^roheubruck, 29. Jänner. Eine hiesige hochangesehene jüdische Familie hat einen schweren Verlust erlitten. Die Fabrikantenswitwe Frau Anna K r e i t n e r, eine betagte Matrone, welche allgemeine Verehrung genoß, ist heute in ein besseres Jenseits abberusen worden. An ihrer Bahre stehen trauernd hochgeachtete Söhne und Töchter, Enkel und Urenkel. Jaffy. Herr Dr. E. Niemirover wurde nach Vollendung seiner Studien am Seminar in Berlin zum Prediger und Mitglied des Rabbinats-Collegiums in der 40.000 Juden zählenden Gemeinde in Jassy in Rumänien gewählt und hat sein Amt bereits angetreten. Da Jassy auch zwei der alten Richtung ungehörige Rabbiner hat, ist die Wahl Dr. Niemirover's ein Beweis, daß auch bei den Juden Rumäniens trotz des Druckes, unter dem sie leben, die Sehnsucht nach moderner Bildung und europäischem Judenthum vorhanden ist. Auch den rumänischen Juden beginnt es einzuleuchten, daß Bildung frei macht. Bombay. Frau Rebekka S a l o m a n, geborene Samuel, hat die Jmmatriculationsprüfung bestanden. Großes Aussehen hat der Umstand erregt, daß die junge Dame bei dieser Prüfung als zweite Sprache das Hebräische gewählt hat. Mrs. Saloman ist eine Schülerin der jüdischen Schule der Anglo Jewish Association. Bombay. Der Gouverneur Lord S a u d h u r st hielt am 18. d. M. sein Levee ab, bei welchem folgende Herren vorgestellt mürben: Mr. S. M. Moses, Henry Salomvu, S. A. Nathan, Joses Ezekiel. Feuilleton. Belogen und betrogen. (Eine Geschichte aus dem Leben.) Eiil kleines, etwa siebenjähriges Mädchen im verblichenen Röckchen und vertretenen Schuhen trat gegen Abend eines naßkalten Herbsttages in das Thor eines großen Hauses in der .straße im zweiten Bezirke, huschte durch den weiten Hof der dritten Stiege zu und tappte mühsam die dunkle Treppe vier Stockwerke hinan, wo es schell llnd zögernd eine der vielen Gangthüren öffnete und sich durch eine finstere Küche leise in eine Kammer schlich, die durch ein Petroleumlämpchen schwach erhellt war. Mit dem Antlitz gegen die Wand gekehrt, lag in einem armseligen Bette eine Frau, deren erdfahlen Zügen das Zeichen der Sterbenskranken deutlich ausgedrückt war. Die Kteilie ging nicht 51t ihr, sondern schlich in den finstersten Winkel, kauerte sich dort nieder und legte die mageren Händchen vor das Gesicht „Regi, bist Du's?" klang es matt. „Ja, Mutier." „Hast Du was ausgerichtet?" Einen Augenblick erfolgte keine Antwort. Die Kranke wurde ungeduldig. „Hörst Du nicht? Ob Du 'was ausgerichtet hast?" „Nein! Ich Hab' Niemanden znhause getroffen." Es war ein zitterndes „Nein", es schien, als wolle sich das Wort nicht aus der Kehle des armen Kindes losringen. Die Kranke gerieth außer sich vor Schmerz und Verzweiflung. Die Aufregung gab ihr scheinbare Kräfte; sie riß sich an den zerzausten Haaren und machte Miene aufzust'chen, um ihrem Geschäfte nachzugehen, sank aber beim ersten Versuch doppelt erschöpft zurück. „Für morgen haben wir noch einige Kreuzer; wovon wirst Du aber übermorgen leben; ich werde vielleicht nichts mehr brauchen. Das Kind trat aus seinem Winkel hervor zu dem Bette hin Mid legte das Köpfchen liebkosend zu Häupten der Kranken. Das sterbende Weib riß ihr Kind in die Arme und preßte es glühend an sich. „Armer Wurm! Armer Wurm! Am besten wär's für Dich, ich nähme Dich mit mir!" Die arme Kranke war eine Witwe und Regina ihr einziges Kind. Sie ernährte sich itub ihr Kind durch einen kleinen Hausir