Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 122 Nr. 6 Dr. Vloch's Wochenfchrifi Pre^burg, 31. Jänner 1897. Am gestrigen Sabbath, den 30. Jänner, hat sich im Tempel der israelitischen Religionsgemeinde eine stille, unvorbereitete, aber desto wirksamere Feier abgespielt. Der langjährige und verdienstvolle Präses dieser Gemeinde, Herr Joses Fischer sen., hat an diesem Tage in rüstiger Frische sein 80. Lebensjahr vollendet. Die zahlreiche und sehr geachtete Familie des Jubilars .wollte jeder osficiellen Feier aus dem Wege gehen und hat daher diesen, den Erdensöhnen. nur selten beschiedcnen Tag sowohl vor der Gemeinde als auch vor den Rabbinern verschwiegen. Allein znm Morgengottesdienste erschienen sämmtliche Kinder' des Jnbilars von' hier und ans der Fremde und ebenso mehrere Mitglieder der Repräsentanz. Dies veranlaßte Herrn Rabbiner Dr. David, nachznfrageu, was denn dazu die Veranlassung sei, und er vernahm die Kunde,' daß der Vater den 80. Geburtstag begehe. Es zeugt wohl von schönem religiösen Gefühl, welches der Vater zu allen Zeiten den Kindern einprägte, daß sie bei diesem intimen Familienfeste vor Allem an das Gotteshaus dachten, um dort den Herrn des Lebens für das hohe Glück zu danken, einen Vater in solchem Alter kräftig und eitrig für Gemeinde, Judenthum und Menschenwohl wirken zu sehen. Was nun Herr Dr. David im Momente zur Ehrung des Jubilars zu thnn vermochte, das ließ er geschehen. Er überließ ihm vor Allem seine eigene Ehren-Aliah-Schlischi und ließ ihn ausnahmsweise mit vollen Namen „hoch" aufrusen mit dem Beisatz „Chazak"; ferner ließ er in den Mischeberach, den erden Gefeierten machen ließ, einige hebräische Sätze einschalten, die der Feier des Tages, der Verehrung und den "Wünschen der Gemeinde Ausdruck gaben, und da er auch zufällig eine Confirmationsansprache an den Knaben des Herrn Vorstehers Adolf Reiß zu halten hatte, so nahm er auch darin mit einigen Wendungen Bezug auf dieses seltene Ereigniß und ans das Glück, mit welchen Gott diesen Mann als Lohn feiner Thaten und seiner im jüdischen Geiste erfolgten Kindererziehung segnete. Herr- Josef Fischer hat auch vor der Thora eine Stiftung gemacht, die von Mitgliedern seiner Familie noch erhöht wurde. Es wurde ihm im Tempel von allen Seiten gratulirt und im Hause folgten noch corporativ Gratulationen nach. Wir rufen hier den hohen Greis nochmals aus vollem Herzen zu: üoi, ffrbe wecho joszif! denn gäbe es unter den Juden viele solcher Männer und Familien, die jüdischen Gemeinden und das Judenthum ständen wahrlich stärker, blühender und herrlicher da. Unsere einzige Hoffnung bleibt jedoch: Io olmon Israel, Israel wird nie verwaist sein! Dr. W. Hohenems. Am 2. Jänner d. I. waren es 25 Jahre, daß die hiesige israelitische Armenversorgungsanstalt eröffnet worden war. Bon einer officiellen Feier ward zwar Abstand genommen, jedoch der Prediger unserer Genreinde, Se. Ehrwürden Herr Dr. Aron Tänze r, Laudrabbiner von Tirol und Vorarlberg, hielt ans diesem Anlasse eine zündende Predigt, in der er die humane Bedeutung der Anstalt hervorhob, mit Dank und Wehmnth der bereits verstorbenen ersten Stifter derselben, des Herrn Josef Ro se n th a l und seiner Ehegattin der Frau Klara, geb. Löwenberg s. A. gedachte, den Dank der Gemeinde und der Armen den anderen Stiftern, dem würdigen Vorstande unserer Gemeinde, den Herren Hermann H i r s ch, Gebrüder Anton und Ivan R o s e n t h a l, Michael M e n z, sowie den in der Ferne weilenden Hohenemsern aussprach und den Segen Gottes auf die Errichter dieses Altars der Nächstenliebe herabflehte. — Se. Excellenz Herr Levin Graf Schaffgotsch, der für einige Stunden hier weilte, beehrte unfern ehrwürdigen Herrn Rabbiner mit einem längeren Besuche, in welchem u. A. auch die gegenwärtig so trüben Verhältnisse der Juden in Oesterreich zur Sprache kamen und unser ehrwürdiger Herr Rabbiner sich über dieselben, wie auch jüngst in einer Predigt, mit offener Freimüthigkeit äußerte. Nach längerem Verweilen nahm Herr Graf S ch a f f g o t f ch in äußerst liebenswürdiger Weise vom Herrn Rabbiner und feiner Familie Abschied. AoLnau. (Fünftes S p e u d e n - B e r z e i ch n i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte RoLnau (siehe Aufruf in der Nummer 50 der „Oesterreich i s ch e n W o ch e n s ch r i f t" vom Jahre 1896) sind an Spenden eingelaugt von: Wohlthätigkeits-Vereiu, Bielitz 10 fl.; Cultus-Gemeinde, Przemysl 15 fl.; Cultus-Gemeinde Karlsbad 10 fl.; Cultus-Gemeinde Zablocie 5 fl.; Julius Pollak, Wien 10 fl.: Max Wassertrilling, Proßnitz 5 fl.; Eduard Blau, Proßnitz 5; fl. Naftali Tittinger, Czernowitz 5 fl.; A. Beligradiamu, Craiova 5 fl.; Cal Amkrant, RzesLow 2 fl. 50 kr.; Carl Löw, Brünn 5 fl.; B. K., Wien 5 fl.; Hermann Bloch, Brünn 5 fl.; D. Kohir, Wien 2 fl.; Tempel-Verein, Bukarest 5 fl.; Zdoke tazil urimowes, Brünn 60 kr.; Chewra-Kadischa, Czakaturn 5 fl; Chewra-Kadischa, Triesch 5 fl.; Chewra-Kadischa, Moor 5 fl.; Chewra-Kadischa, Leipnik 5 fl.; Chewra- Kadischa, Tnrcz 2 fl. 20kr.; Chewra-Kadischa, Serajewo 5 fl,; Chewra-Kadischa, Dorna-Watra 5 fl.; Chewra-Kadischa, Tirnitz 5 fl.; Chewra-Kadischa, Valpo 5 fl.; Chewra-Kadischa, Nagy- Oroßi 1 ll. 50 kr.; Chewra-Kadischa, Tab 5 fl.; Chewra- Kadischa, Topolczau 2 fl. 20 kr.; Chewra-Kadischa, Wien, XV. Bez. 5 fl; Bnai-Lewaje, Lemberg 10 fl.; Frauen-Berein, Raab 10 fl.; Frauen-Berein, Jglau 5 fl.; Frauen-Berein, Kremsier 5 fl.; Frauen-Verein, Deweczer 2 fl. 40 kr.; Liwias-Chen- Verein, Wien 5 fl.; Chewra-Kadischa, Tetsch 5 fl.; Salo Cohn, Wien 10 fl.; Marie Brecher, Prag 3 fl.; Frauen - Verein, Stanislau 5 ft.; Kranken-Nnterstützungs-Verein, Storozynetz 6 fl.; Bnai Brith, Krakail 25 fl.; Schenker & Comp., Wien 10 fl.; hiezu laut letztem Ausweise 1674 fl. 76 kr. in Summa 1927 fl. 16 kr. Indem den edlen Spendern hiemit für ihre Hochherzigkeit der innigste Dank votirt wird, ergeht an die gutherzigen Glaubensgenossen, namentlich an die frommen Brüder- und Frauenvereine, deren Satzungen in der Hilfe für die leidende Menschheit und die Bestattung der Juden nach ritueller Vorschrift gipfeln, im Hinblick auf das bisherige ungenügende Sammlnngsergebniß der wärmste Appell, nach ganzen Kräften mitzuwirken, die angestrebten, von reinster Humanität Angegebenen Zwecke zu fördern und in dem Bewußtsein den Sofju des Allmächtigen zu finden, zur Abstellung der geschilderten erbarmungswürdigen und bejammernswertheu Scenen, welche sich alljährlich bei der Beerdignng von verstorbenen Glaubensgenossen abspielen, beigetragen und mitgewirkt zu haben, sowie daß armen jüdischen Lungenkranken während ihrer Cur in Roznau. ein wenn auch nur bescheidenes Asyl geboten werden könne. Spenden wollen gefälligst gerichtet werden an die „Oesterreichische Wochenschrift" oder an Herrn Marcus Reumann in Proßnitz. Dr. L. S. S k r e i n k a, Dr. Richard O p P e n h e i m, Cnrarft in Roznau. Curarzt in Roznau. Marcus N e u m a n n, Mitglied des Cultus-Vorstandes in Proßnitz (Mähren) Lugos. Nach so vielen stnrmbewegten Wahlgängen sahen die Mitglieder der Lugofer israelitischen Cultusgemeinde der jüngst vergangenen Generalversammlung — am 28. v. M. — in zufriedener Erwartung entgegen, da es nun gewiß war, daß sich die Stimmen der Gläubigen ans eine Person geeinigt, den ihren Seelenhirten zu nennen die hiesige israelitische Gemeinde stolz fein darf. Die Generalversammlung wurde, unter Vorsitz des Gemeindevorstandes Herrn Israel L ö w i n g e r abgehalten, dessen Resultat die e i u st i m m i g e Wahl des Kaschauer Rabbiners Dr. Simon Händler zum Krassv-Szörenyer Oberrabbiner war. Der Neugewählte wurde von dem Resultat telegraphisch verständigt. Der nengewählte Oberrabbiner des Krasso- Szörenyer Komitates ist eine überaus sympathische Persönlichkeit. Seine Erziehung, sein Vorleben und sein bisheriges Wirken lassen mit Gewißheit voraussetzen, daß er in seiner neuen Würde alle seine hervorragenden Eigenschaften der Erfüllung jener edlen Aufgaben und Pflichten widmen wird, die feiner hier harren. Agram. (Eine treffliche Rede.) Im croatischen Landtage hielt in der Sitzung vom 16. v. M. der Abgeordnete Engeny K u m i ö i c eine Rede, aus welcher wir einige Stellen, die allgemeines Interesse beanspruchen dürften, citiren wollen. Der Redner sagte u. A.: „Dr. David Staröevw sagte, er fei deshalb unser Gegner, weil die Judenrace stets dieselbe bleibt. Daun griff er auf die häßlichste Art die Juden in Croatien an, citirte aus Tacitus, daß d i e I u d e n d i e e k e lh a f t e st e n S c l a v e n seien, daß sie sich auf der ganzen Welt verbreiteten, daß sie nach Croatien kamen und hier das Volk betrugen und aussaugen, während man sie in England und Frankreich nicht finde, weil dort großer Reichthum sei und sie nur dorthin gehen, wo die größte Armuth herrsche." In einer geistvollen Art widerlegte Kumidic diese gehässigen Vorwürfe: „Meine Herren! Bei Euerem letzten Gange wird Euch jene -traurige und erhabene Hymne geleiten: Herr! erbarme dich meiner. Diese Hymne dichtete ein Jude, König David.