Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 121 Prag, 31. Jänner. Bei der Asscunrung der ehemaligen Judenstadt wurde auch das in derselben befindliche Tauchbad demvlirt und es trat an die Gemeinde die Aufgabe heran, für die Errichtung eines neuen zu sorgen, and die Gemeinde ist daher ihrer Pflicht in anerkennenswerthester Weise nachgekommen. Man hatte sich,;um großen Theile aus religiösen Giünden für die Errichtung einer sogeuallitten Regeu-Mikwah, wie solche nicht nur in den frömmsten Gemeinden Deutschlands, Frankfurt a. M. und Hamburg, sondern auch fast in ganz Palästina und in den ältesten ungarischen Gemeinden bestehen, entschieden. Das Bad wurde mit solcher Umsicht angelegt, daß cs unter allen Verhältnissen den diesbezüglichen rabbinischen Anordnungen entspricht, während man bei einem Bollbade von elemeiüaren Ereignissen abhängig ist. Ein Steigen der Grundwasser bei Ueberschwemmnugen macht die Quelle überhaupt zum Bad zeitweilig unbrauchbar, ein Fallen derselben wie dies in der letzten Zeit als Folge der Erdgrabungen häufig srattfand, verringert das vorgcschriebene Wasserquantum. Es ist die Einrichtung getroffen, daß in die Cisterne nur Regenwasser fließen kann, überdies benndet sich diese in einem geschlossenen Raume, zu welchem nur die Aufsichtsorgane die Schlüssel besitzen. Ein weiterer vollkommen unschätzbarer Vorthei! der Regen- Mikwah ist es, daß man nicht wie bei einem Quellbad gezwungen war, uuterikdisch? feuchte Räume zu benützen, sondern das Bad in Hellen, trockenen freundlichen Zimmern untergebracht wird. Die Einrichtung d e r B ä d e r i st e l e g a n t, c o mf 0 r t a b l e. D i e Benützung d e r s e l b e n i st ll n b e m i t t e ite n g r a t i s g e st a t t e t. Das Hauvtverdienst bei der Ausführung des Baues und der Einrichtung hat sich der unermüdlkche Oeeonvm der hiesigen Gcmeinderepräsentanz, Moritz H a h n, erworben. Dem Comite zur Errichtung des rituellen Bades gehörten außer dem Vorgenannten noch Advvcat Dr. Dnschanes, Ober-Rabbiner Dr. Ehrenfeld, Schriftsteller Kohn und Gemeinde-Präsident Dr. R osenb a cher an. Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld hatte, um die neuesten Einrichtungen der Bäder durch Autopsie kennen zu lernen, eine Reise unternommen. Mistelb ach. (D i e R e t ch s r a t h s w a h l i m V. U. M. B.) In kürzester Zeit werden lvir zur Wahl schreiten und alle Parteien Niederösterreichs haben bereits zu derselben Stellung genommen. Inn achten Wahlkreis, der das ganze Viertel! unterm Manhartsberg umfaßt, dürsten in der V. Curie aller Wahrscheinlichkeit nach drei Candidaten ans den Plan treten. Von Seite der christlich-socialen Partei ist der Landtagsabgevrdnete M a y e r ausgestellt, während die Dentschvolklichen den Führer der deutschnationalen Partei in Niederösterreich, den Professor Franz Richter candidiren. Als dritte Partei tritt nun die Socialdemokratie auf den Plan, welche L u t> w t g Muts ch e l als Candidaten empfiehlt. Für uns Juden des achten Wahlkreises kann es keinem Zweifel unterliegen, daß von den drei genannten Candidaten nur der Socialdemokrat derjenige sein kann, dem wir unsere Stimmen geben können. Ter christlich-sociale, wie der dentschnativnale Candrdat sind geschworene Feinde des Judenthums, wo hingegen der Svcialdemokrat die Gleichheit alles dessen anstrebt, was Menschenantlitz trägt. Einzig und allein nur kann es die Svcialdemokratie sein, die dem fortschreitenden Antisemitislnns mit Erfolg entgegentreten kann, die dieser schmachvollen Pest den Boden entzieht. Tie Aussichten des socialdemokratischen Candidaten sind die denkbar besten, besonders dann, wenn die zwei antisemitischen Candidaten gegeneinander candidiren. Wie die Dinge liegen, hieße es Miseren Feinden, die die Vernichtung des Judenthums als ihre heiligste Pflicht betrachten, in die Hände gearbeitet, wollten wir uns von der Wahl enthalten. Die Bedenken, die bei manchem Juden gegenüber der Svcialdemokratie obwalten, jittb ganz unbegründet und können die Inden ganz ruhig ihre Vertretung in die Hände der Svcialdemokratie legen, um so mehr, als kein anderer Fortschrittlicher candidirt. Darum ihr Juden des achten Wahlkreises, wählet bei den kommenden Wahlen den socialdemvkratischen Candidaten, Ludwig W u t s ch e l, der für die Gleichheit aller Bürger mit Entschiedenheit eintritt. 0. E. Brüx, den 31. Jänner. (Z u r S t e n 0 g r a p h e n h e tz e.) Sehr geehrter Herr Redacteur! Es dürste wohl am Plane sein, der antisemitischen Majorität des niedcrösterreichischen Landtages in's Gedächtniß zu rufen, daß das Aufblühen und die Verbreitung der Stenographie in Oesterreich in erster Linie einem Juden zu verdanken lst. Leovold Kohn «später Coim), geboren 1820 zu Eidlitz bei Komotau, hatte bereits 1840 mit Erlanbniß der niederösterreichischen Landesregierung am Josefstädter Gymnasium einen nnentgeltli ch e lt Unterricht in der Stenographie ertheilt, um dieselbe Zeit das „Erste österreichische Stenographen-Bnrean" gegründet, 1850 an der mit der Technik verbundenen Realschule, 1831 am Ichottengymnasinm und an den ttett errichteten Oberrealschuleu ans der Landstraße und am Schvttenselde, 1852 auch am r. k. akademischen Gymnasium, 185«! an der Commnnal-Oberrealschnle ans der Wieden, 1858 an der Wiener Handelsakademie, 1850 an der Oberrealschnle am Bauernmarkt als Lehrer und Professor der Stenographie gewirkt, war vom Jahre 1858—1871 Vorstand des „Centralvereines der Stenographen des österreichischen Kaiserstaates zu Wien", wurde 1861 mit der Bildung des Stenographenbnreans für die Landtage beauftragt, besorgte den stenographischen Dienst der Landtage in Wien, Brünn, Graz, Laibach, Klagensnrt und Czernowitz, erhielt 1860 von Seiner Majestät, unserem Kaiser, die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens und gelegentlich der Wiener Weltausstellung 187:', die „Verdienst- Medaille". Wer noch Näheres hierüber erfahren will, lese den biographischen Abriß von A. P. Kühnelt (derzeit Hofrath) zu Eonn's „Lehrb. der Kaminerstenvgraphie", dem auch obige Daten entnommen sind. Indem ich es Ihnen, geehrter Herr Redacteur, anheimstelle, diese Zeilen zu veröffentlichen, zeichne ergebenst Dr. Adolf B i a ch, Rabbiner in Brüx staatlich geprüfter Lehrer der Stenographie. TroPPav. Der rühmlichst bekannte Nikolslnirger Gelehrte, Herr Dr. Max Eisler hielt im jüd.-lit. Verein in Troppan Samstag den 23. d. M. eineir Vortrag über „Verth e i d i g e r d e r I n den i m Altert h lt tu". In der schlichten, einfachen Art eines Mannes, der ein langes Leben ernster Gedankenarbeit hinter sich hat, führte Herr Dr. Eisler in der Einleitung vorerst ans, wie unser Volk am Ende des Jahrhunderts, „dem Jahrhundert der Aufklärung", durch eine traurige Erfindung tu den dunklen Abgrund des Gewesenen hinabrolle. Erfindungen bringen selten ganz Neues, in irgend einer Form war aas jüngst Erschienene schon da. Auch die Erscheinnng, daß nach einer Zeit, in der führende Geister den Menschengeist gehoben, ein bitterer Umschlag erfolgte, sei nicht neu. Diese Folge der Erscheinungen habe aber in unserem Volke stets dieselbe Folge der Wirkungen gezeitigt. Werkkk rings Aufklärung strahlte, habe es sich zu äußerer Blüthe gehoben, wie die Blumen, die dein Licht zu sich entfaltet, und wenn die Sonne des Geistes sank und unterging, wenn die Nacht kam und mit ihrer Finsterniß die ältßere Blüthe zerstörte — dairit habe sich immer Wachsthum und Entfaltung rtach Innen gekehrt und hier am Erhalte gearbeitet, unb mit nicht minder gleicher Zähigkeit. Vom Allgenteinen ans den besonderen Gegenstand seines Vortrages übergehend, zeigte Tr. Eisler jene Blüthezeit der Inden im Alterthum, wie sie dieselbe tu Alexandrien und überhaupt tu Gegenden griechischer Zunge mitgemacht. Literarische Tenkrnale dieser Blüthezeit, wie die Septuaginta, die Werke des Philo, des Mendelssohn seiner Zeit, der jüdischen Glaubenslehre und platonische Philosophie zu versöhneir gesucht. Dieser Blüthezeit seien traurig stolze Tage gefolgt, in denen der Haß von allen Seiten hämische Anklagen gegen das jüdische Volk erhob. Aits jenen Tagen strahlt uns das Bild eines Inden entgegen, der stolz sein Volksthum vertheidigte gegen die. die es am heftigsten schmähten . . . Josephus Flavins ist es, der uns dieses Beispiel gibt. Wir leben in einer Zeit, wo wir es brauchen sollen. Die Begeisterung, die dieser Vortrag in dem sehr zahlreichen Publicum entfesselt hatte, fattd ein ausdrucksvolles Echo in einer ntarkigett Ansprache des Herrn I. 11. C. Otto E i b u- ) ch ü tz, der sich nach dem Vortrag zum Wort meldete. Herr Dr. Eisler hatte von einem Tempel in Alexandrien erzählt, sv groß, daß die Gemeinde es nicht hören konnte, wenn der Priester das Wort Gottes aussprach : deshalb stand auf einer Erhöhung in der Mitte ein Mann, der dann jedesmal eine Fahne schwenkte, und die Gemeinde sagte Amen. „Dieser Tempel," so schloß der jugendliche Redner, „dieser Tempel ist heute die ganze Erde, ans der unser Volk noch zerstreut ist. Den einigenden Ruf kaitn matt nicht hören bis in den letzten Winkel, da steht ein Mann ans. er steht hoch genug, daß alle die Fahne in seiner Hand sehen und ans der Fahne steht ein Zauberwort, ein Iammelwvrt für die jüdische Nation, imd 'sie alle erinneril sich, daß sie eines — eines Volkes sind."