Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Vloch's MochrnfchrM. Seite 119 Nisse ist er ein gewöhnlicher Mensch geblieben, engen Herzens u. s. w. Philisterhaft in seinem Urtheil über Welt und Zeit". ^S. 20: „König Johann ist aus freiem Entschluß ein Vasall des Hauses Lothringen geworden. Mag er es bleiben und als Standesherr in Böhmen ein sorgenfreies Leben führen, seine Kronschätze sind ja gerettet. In dem neuen Deutschland ist für österreichische Vasallen kein Raum. Auch ein Personenwechsel kann nicht genügen". (Folgen noch gröbere Schmähungen des damaligen Kronprinzen, jetzigen Königs Albert, und des Prinzen Georg von Sachsen, die mit Rücksicht aus das Strafgesetzbuch hier nicht wiederzugeben sind.) „Zn vergessen verstehen die Albertiner so wenig wie der Stuhl von Rom; die Sicherheit des neuen deutschen Bundes fordert, daß sie die Schuld der Väter und die eigene Schuld durch den Verlust des Thrones büßen". S. 23—24: „Vor Allem fürchten wir von einer Restauration die Entsittlichung des Volkes durch den Geist der Lüge, durch die Gleißnerei einer Loyalität, welche nach den Ereignissen dieses Sommers mindestens von dem jüngeren Geschlecht? gar nicht mehr gehegt werden kann. Man male sich die Scene aus, wie König Johann einsieht in seine Hauptstadt, wie der allzeit getreue Stadtrath von Dresden den Landverderber mit Worten des Dankes und der Verehrung empfängt, wie rautenbekränzte weiße und grüne Jungfrauen sich neigen vor der befleckten und entweihten Krone, wie ein ailderer Mahlmann die läppischen G.'sänge der varticularistischen Dichtkunst erschallen läßt: „das Veilchen blüht, die Raufe grünet wieder". — wahrhaftig, schon der G.'danke ist ekelerregend.... Im Namen deutscher Redlichkeit protestiren w'.r dagegen, daß die fratzenhafte Lüge legitimistischer Huldigung auf dem Boden des neuen Deutschland geduldet werdet S. 27: „In Tagen wie diese soll man das Herz haben, die Paragraphen des albertinischen Strafgesetzbuches zu mißachten. Preußens starke Hand wird im ungünstigen Falle die treuen Freunde zwar nicht vor dem Uebelwollm, doch vor den Mißhandlungen des restaurirten Kleinkönigthums schützen. . - . Sind jene Blätter (gemeint ist die ,,liberal-nationale", später national-liberale sächsische Presse) der Meinung, daß Sachsen unter einem unzuverlässigen preußischen Vasallen gedeihen könne, so mögen sie versuchen, die Gemüther für diese Halbheit zu gewinnen. Bekennen sie sich mit uns zu der entgegengesetzten Ansicht, so mögen sie rund heraussagen: wir wollen nicht, daß ein von Gott und den Menschen gerichtetes Hans zurückkehrt auf den verwirkten Thron/' In Folge dieser Schrift erließ der Vater des Verfassers' der greise kgl. sächsische Generallieutenant a. D. v. Treitschke, in den Zeitungen eine Veröffentlichung, ddo. Dresden, 22. August' in der er erklärte: „sammt allen den Meinigen nur mit Entrüstung und tiefen Schmerz die Aeußerungen gelesen zu haben, welche mein älterer Sohn . . . gegen das theure Königshaus sich gestattet hat." Correspondenzen. Wien. (S i tz u u g des Wiener israelitischen C u l t u s v o r st a ti d e s.) Wie wir vernehmen, wurde in der am 23 Jänner abgehobenen Plenarsitzung des Cultusvorstandes über die Frage eiltschieden, ob für die durch das Ableben des Präsidenten Herrn Gustav S i m o n erledigte Stelle eines Mitgliedes des Cultusvorstandes eine Neuwahl arlszuschreibeu sei? Diesfalls bestimmt der tz 7 des Statutes: „Scheidet ein Mitglied des Cnltusvorstaudes im Lause der Wahlperiode aus, so hat der Vorstand zu entscheiden, ob die Ersatzwahl vor oder gleichzeitig mit der nächsten Neuwahl stattfinden soll. Scheidet jedoch im Lause einer Wahlperiode ein Viertel der Mitglieder des Cultusvorstandes aus, so muß für die Abgehenden innerhalb längstens vier Wochen die Ersatzwahl ausgeschrieben werden." Dem Cultusvorstande lag rum ein Majoritätsantrag des Vertreter-Collegiums vor, dahin gehend, daß eine Ersatzwahl für die Stelle eines Cultusvorstehers n i ch t auszuschreiben sei, gegenüber dem von dem derzeitigen geschäftssührenden ersten Bicepräsidenten Herrn Klinge r gestellten Anträge aus Ausschreibung der Ersatzwahl. Nach längerer Debatte rvnrde mit allen Stimmen gegen die des genannten Vorsitzenden der Beschluß gefaßt, es sei d e rz e i t von der Ausschreibung einer Ersatzwahl Umgang zu nehmen. Des Ferneren wurde beschlossen, daß die Wahl des Präsidenten nach Ablauf der 30 Trauertage aus die Tagesordnung zu setzen sei. (Sacks'sche Stiftungen.) Wie uns seitens dehiesigen Cultusgemeinde mitgetheilt wird, sind nunmehr die Schwierigkeiten, die sich der Activirnng der Dr. Adolf Sacks'schen Stiftung für Herz- und Aorlakranke entgegengestellt hatten, behoben, und wurde nunmehr diese, sowie die Dr. Adolf Sacks'sche Stiftung für Techniker mit dem Einreichungs-Termine 3. Februar bis 3. März d. I. zur Ausschreibung gebracht. Im Uebrigen verweisen wir ans den Annoneentheil unseres Blattes. Wien, 2. Februar. Sehr geehrter Herr Redaeteur! Bezugnehmend aus das unter dem Titel „An unsere Glaubensgenossen" in Nr. 4 Ihres geschätzten Blattes veröffentlichte Eingesendet des Herrn S. B r v d erlaube ich mir hiemit, Ihren Leserkreis daraus aufmerksam zu machen, daß der Verein „ Frauenhort" schon seit einiger Zeit Die Institution der Enthebnngskarteu für Kranzspenden bei Leichenbegängnissen zu Gunsten der Armen eingeführt hat. Nach dem letzten Ausweise erhielt dieser so eminent wohlthätig wirkende Verein sl. 134 an Spenden mit der Widmung „Anstatt eines Kranzes". Ist es nicht schöner und edler, das Andenken eines geliebten Verstorbenen dadurch zu ehren, indem man sein Scherslein zur Linderung der Noth armer Glaubensgenossen beitragt, als kostbare so schnell verwelkende Blumen auf ein Grab zu legen °? Die Sitte der Kranzspenden wurzelt nicht in der jüdischen Religion, die im Gegentheile Einfachheit und Prnnklosigkeit bei Leichenbegängnissen vorschreibt, und wie sehr dieses Gebot der Stimmung in den betheiligten Kreisen entspricht, geht wohl am besten ans der Thatsache hervor, daß die Fälle, wo die leidtragenden Familien im Sinne des Verstorbenen Kranzspenden dankend ablehnen immer bänfiger werden. Im Interesse unserer armen Glaubensgenossen, ans denen jetzt die Ungunst der Zeiwerhältnisse schwerer denn je lastet, wäre es zu wünschen, daß die von Herrn S. B r o d und dem „Frauenhort" angeregte Resorin der Ehrung des Andenkens geliebter Verstorbener in weiten Kreisen Eingang stnden würde. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ein Mitglied des Vereines „Fr au en h o r t". Wien. (Die B ü r g e r m e i st e r v v n W i e n und P rag oder T e u t o n e n u n d Slav e lt.) Anläßlich der Installation zum Bürgermeister von Prag sagte Dr. Podlipny in seiner Rede: „Ich wiederhole, daß ich mich bestreben werde, auf daß im Interesse der Gerechtigkeit das Recht gehandhabt werde, welches keinen Unterschied kennt zwischen Nationalität, Sprache oder Coinession, Stand oder Berus. In diesem Sinne hat der Slave seit jeher die Freiheit anfgesaßt. die Freiheit, das Recht und die Gerechtigkeit, und in diesem Sinne fasse auch ich mein Amt ans. Ich will mich bestreben, daß es Niemanden geben soll, dem Unrecht geschieht." Dein Bürgermeister von Wien dagegen ist es Sache des Prineips und der Herzensneigirng, die confessionellen Gegensätze auf's Unerträglichste zu verschärfen und Recht und Gerechtigkeit, insoweit es Inden betrifft, mit Füßen zu treten. Wien. D e r V e r e i it z n r V e r s o r g n n g hilf sbedürstiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, versendet nachstehenden Aufruf: Je größer seine Bedrängniß, je mehr sucht das Jndenthum Zuflucht im eigenen Hanse, Kräftigung in sich selbst. Unsere Armen und Hilfsbedürftigen, znrückgedrängt von den allgemeinen Institutionen, sind zilnehinend nur auf die specisisch jüdischen angewiesen. Unter den zumeist in Anspruch genommenen Anstalten steht unser Verein in erster Lime, und es zeigt in der Thar seine Anrufung seit einer Reihe von Jahren die Tendenz unverhältnißmäßiger Steigerung, einer solchen, welcher die zu Gebote stehenden Mittel nicht das Gegengewicht zn halten vermögen. Wer aber hätte den Mnth, der gebeugten, rarhlvsen Witwe mit bedauerndem Achselzucken zu erwidern, luer das Herz, vaterlos gewordenen Waisen die Pforte zn verschließen, sie ihrem Schicksale zu überlassen °? Ist es ja doch von se unser Stolz gewesen, den Satz der Schrift zn bekräftigen: ..Israel hat keine Waisen!" Und dies sollte aufhören '? Geiviß, es tvird — trotz des betrübenden Anscheines — nicht dazu kommen, daß jenen Aermsten und Verlassenen an der Stelle ein ,,Olein" entgegenschallen soll, die am ehesten berufen ist, wahrhaste Milde walten zn laffeil. Gewiß, unser Ausruf wird Widerhall nudelt in den Herzerl der Menschenfreunde, die gerne dem Attribute: „Vater der Waisen, Sachwalter der Witwen" nacheiseru werden. Wir apvelliren an alle Glaubensgenossen, die gewohnt sind, ihrem Freud und Leid durch Wohlthun ein edles Relief zu geben, und wir bitten