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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-05 · 6 (5.2.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 11H Nr. 6 L»r. Vioar's Wochenschrift Interpellationen die geschäftsordnuugsmäßig vorgeschriebene Untermtzung bei Len Jungczechen. Allein schon nach der Saybuscher Affaire weigerten sich dieselben, solche Interpellationen zu unterschreiben, in Lenen es sich um den Schutz der Rechte jüdischer Staatsbürger handelte. Zur Unterstützung der vorstehenden Interpellation wollte sich nun Dr. Kronawetter a» solche Mitglieder der liberalen Vartei wenden, die ihm — abgesehen vom Ciubzwang — ihrer ganzen Vergangenheit nach als im Herzen wirklich freisinnig schienen. Er suchte vor Allem den Abgeordneten Dr. Roser, den berühmten „Lotterie- Roser", aus. Dieser Mann hatte sich zur Zeit Schrankh's den Wiener Demokraten angeschlossen, war Mitglied der „Demokratischen Gesellschaft" geworden und hatte stets freiheitliche, volksfreundliche und vorurtheilslofe Gesinnungen zur Schau getragen. Und was antwortete der tapfere Deutschböhm?, der Vorkämpfer der neuen „deutschen Fortschrittspartei" dem Abgeordneten Dr. Kronawetter? Der in Ehren grau gewordene Herr Roser zuckte bedauernd die Achseln und erklärte rund und nett, daß er eine Interpellation, die einen Juden betreffe, nicht unterschreiben könne. — Wir stellen hiemit den Abgeordneten Dr. Roser, der aus solche Weise seiner eigenen Vergangenheit ins Gesichl schlägt, öffentlich an den Pranger. Wessen Herr Roser sich geweigert hatte, das thaten dann, als die Geschichte bekannt wurde, andere Mitglieder der Linken und der deutschböhmischen Vereinigung, welche sonst stets die demokratische Partei bekämpft haben. Die Schmach dieser Weigerung wird Herr Roser nie mehr von sich abwälzen können. Ja so sind sie! Cis und Trans. Ein Mahnruf an unsere ungarischen Glaubrnsbrüder. Wer von unseren Glanbensbrüdern die Ausstellung in Budapest besucht hat, wird mit Stolz und Befriedigung wahrgenommeir haben, daß jüdischer Fleiß und jüdischer Geist in nicht unerheblichem Maße zürn Erfolge derselben beigetragen haben. Allerdings war das nur möglich durch das zielbewußte Walten einer Negierung, lvelche, unbekümmert uni das Gekläffe einer kleinen Partei (der ungarischen Volkspartei), vom Wege des Fortschrittes nicht abgewichen ist. Das vor Kurzem zusammengetretene neu gewählte ungarische Parlament hat abermals den Beweis dafür erbracht, daß nur im freiheitlichen Sinne in Ungarn regiert werden kann und jede Unterftrömnng vorläufig nicht aurzukommen vermag. „Ach, wenn es nur immer so bliebe" heißt es im Liede — wem es gut geht, der glaubt nicht, daß es schlecht werden kann, und wer an der wohlbesetzten Tafel sitzt, vergißt, daß Hunger weh thut. Wer hätte in Cis nur noch vor ein paar Jahren gedacht, daß es so kommen rvird? Wohl ertönte gerade in diesen Blättern sehr oft der Mahnruf, er ist aber eindruckslos verklungen! Tie Meisten von uns hielten es für Uebertreibung, Schwarzseherei, aber leider, ärger noch, als vorausgesagt, ist es gekommen. Können wir uns von aller Schuld freisprechen? Gewiß nicht, weil wir einerseits zu apathisch der Bewegung gegenüberstanden, anderseits vom Erreichten so verblendet waren, daß wir keine Hand rührten, bis die Hochfluth in ihrer ganzen Gewalt da war. Mit einem Worte, wir fühlten uns zu wenig als Jude n. Jedoch überall, wo Licht ist, gibt es auch Schatten; so hat der schwarze Schatten der antijüdischen Strömung uns zum! Lichte "der Solidarität verholfen. Das gleiche Schauspiel beobachten wir jetzt in der anderen Reichshälfte. Tort geht es unseren Brüdern sehr gut, sie sind frei und gleich vor dem Gesetze, spielen politisch und social eine hervorragende Rolle und haben wahrlich allen Grund, auf ihr Vaterland stolz zu sein. Werden aber dort nicht dieselben Fehler begangen, wie bei uns? Wiegen sich die ungarischen Brüder nicht zu viel im Gefühle der Freiheit und Gleichheit? Eine ganz kleine, von Bielen als harmlos angesehene Partei ist aber rastlos thätig. den Juden das Errungene zu verbittern und womöglich zu entreißen. Rom ist niemals zurückgewichen, die Geschichte zeigt uns das nur zu klar. Zugegeben, die ungarische Volkspartei ist noch nicht mächtig genug, um einen entscheidenden Einfluß im Parlament auszuüben, aber sie existirt und das genügt: sie schürt, wühlt und unterminirt. Die Stetigkeit ist das Schreckliche an Der <Badje, sie können warten, haben Geduld und Ausdauer, bis ihre Zeit heranbricht, aber vom Ausgeben des gesteckten Zieles ist keine Rede. Und darin liegt die große Gefahr. Deshalb müssen unsere Brüder von Trans stets mit diesem Factor rechnen und daraus bedacht sein, daß die Reaction eintreten kann. Das einzige Schutzmittel bleibt für uns die Solidarität, das Zusammengehen in allen die jüdischen Interessen berührenden Fragen. Die Arbeiter hören nicht aus, ihre vielfach berechtigten Ansprüche geltend zu machen, es fehlt auch nicht an Männern, welche an geeigneter Stelle für sie das . Wort ergreifen. Die ganze Arbeitergesetzgebung der letzten 20 Jahre ist lediglich auf das solidarische Vorgehen der Arbeiter zurückzuführen. Warum sollten wir das nicht zu Wege bringen? Allerdings gehören noch andere Dinge dazu, den Feind zu bekämpfen, und da ist es in erster Linie uothwendig, daß wir bescheidener werden, uns nicht vordrängen und, von Eitelkeit geleitet, führende Rollen anstreben; überlassen wir das den Anderen; mit Klugheit und Mäßigung läßt sich so Manches erreichen; geben wir der Oeffentlichkeir keinen Anlaß, uns anzugreifen, und vermeiden wir Alles, was Aergerniß erregen könnte. Dazu gehört aber auch einfachere Lebensweise und Einsck ränkung des Luxus. Das Geld nimmt der Arier den Juden mit Wonne ab, schimpft aber und verdächtigt, wenn er eine gut gekleidete jüdische Frau sieht. Es muß daher Alles, was Neid erregt, vermieden werden. Wie oft hört man das Lied von den schönsten Palästen, welche die Finanzbarone besitzen, von den zahlreichen, prächtigen Schlössern und Lusthäusern der Anderen wird gar nicht gesprochen, warum? Weil sie dem Anblicke der Masse entrückt sind. Muß man sich gerade im vornehmsten Theile der Stadt ansiedeln und den Neid der Masse provociren? Jnsolange es dem Volke gut geht, ist so etwas gegenstandslos; kommen aber schlechte Zeiten, wird darauf hingewiesen mit dem Schlager: Wer hat das Geld des Volkes? Die Juden! Unsere ungarischen Brüder mögen das alles nicht vergessen. In den guten Tagen soll Einhalt geschehen, mögen sie nicht allzusehr aus die, wenn gesetzlich noch so oft proclamirte Freiheit pochen. Vor dem Aijn hora muß man sich in Acht nehmen. Selbstverständlich muß der Erziehung jene Pflege und Sorgfalt zugewendet werden, welche es ermöglicht, daß sich die Heranwachsende Jugend selbst zu schützen in der Lage ist, und da möchten wir unsere ungarischen Brüder auf das H a n dw e r f, welches noch immer seinen goldenen Boden hat, aufmerksam machen. ,An Juristen, Aerzten und Kaufleuten besteht kein Mangel, allenthalben besteht da sogar Ueberproduction. Die jüdische Mutter, die davor zurückschreckt, ihr Sohn soll in harter Arbeit sein Brod verdienen, bedenke, daß die Vornehmsten in Israel dazu gehörten, unsere Weisen zumeist Handwerker waren. In unserer Reichshälste wird es dem jüdischen Knaben recht sauer, in die „Lehre" zu gehen, das ist für ihn eine wahre Sturm- und Drangperiode, aber drüben jenseits der Leitha da könnte jetzt ein tüchtiger Handwerkerstand herangezogen und ansgebildet werden, der gewiß der Entwicklung des Landes von Nutzen wäre. Der Vorwurf, der Jude trachte nur mtf leichte Weise zu erwerben, muß auf diese Art hinfällig und der großen Masse klar gemacht werden, Daß alle diese Anwürfe u n w a h r und erlogen sind. Jetzt ist es an der Zeit, in Ungarn den Schutzdamm gegen die anströmende Fluth auszurichten, ein Zögern könnte vielleicht von schlimmen Folgen begleitet sein. Salomon W e i u st e i n, I. Bez., Hohenstaufengasse Nr. 17. j Treitschke's Vaterlandsliebe. (Ein Beitrag zum Capitel der deutschen Treue.) In dem Buche „Die deutsche Krisis des Jahres 1866, vorgeführt in Actenstücken, Auszeichnungen und quellenmäßigen Darstellungen von Wilhelm Hopf (Melsungen, W. Hopf's Verlagsdruckerei, 1896") findet sich nämlich auf Seite 351 folgender Passus: Der Sachse Heinrich v. T r e i t s ch k e verlangt in einem Pamphlet dre Vertreibung des Königshauses nnb die Annexion des Königreichs, 31. Juli 1866. (Heinrich von Treitschke, die Zukunft der tlorddeutschen Mittelstaaten, ddo. 30. Juli. Berlin, Georg Reimer, 1866.) S. 8: „Scharfe, besonnene Prüfung der Thatsachen führt zu dem Ergebniß. Jene 3 Dynastien (von Sachsen, Hannover, Kurheffen) sind reif, überreif für die verdiente Vernichtung; ihre Wiedereinsetzung wäre eine Gefahr für die Sicherheit des neuen deutschen Bundes, eine Versündigung an der Sittlichkeit der Nation". Consiseirt. S. 13: „König Johann ist unzweifelhaft der achtungswertheste Mann unter den vertriebenen deutschen Fürsten, doch die begeisterten Lvbsprüche, die man seinem Geiste zu spenden liebt, halten dem scharfen Blicke nicht Stand. Mit einer Fülle gelehrter Kennt-

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