Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-05 · 6 (5.2.1897) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021175--06428-3030709
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 6 Vr Bloch's WocheMchrifi. Seite 115 den wäre. Der Dichter enthüllt uns die ganze Größe der in dem damaligen Heidenthum herrschenden, religiösen Strömung, welche alle Kreise ersaßt hatte. Wer nicht, wie Horaz, außerhalb der Religion überhaupt stand, war ihr verfallen, er war «uus malt omni. — Der Sabbath und seine gottesdienstlichen Belehrungen hatten es ihnen angethan. Man strömte in die jüdischen Bethäuser und es war damit soweit gekommen, daß die Frage: „Wohin des Weges, in welcher Proseuche treffe ich dich zur stehenden Redensart geworden war. — — Es war eine ganz merkwürdige Trinität, zu der sich da Synagoge, griechische Bibel und Sabbath zusammengefuudeu und behufs einheitlichen Vorgehens in der Mission der Heidenbekehrnng unzertrennlich verbunden hatten. Diesen fleischgewordenen breieinigen Geist der jüdischen Diaspora sehen wir den befruchtenden Samen in die weite Welt hinaustragen, ihn, allen Hindernissen trotzend, über Land und Meer ausstreuen. — Nicht lange dauert es, nnd die Saat geht auf, schießt mächtig in die Halme und gelangt zur üppigen Reife. Es gilt eine große, eine reiche Ernte. — Diese Ernte aber wird von dem in die Fußtapfen der jüdischen Diaspora tretenden und dieselben unentwegt verfolgenden Christenthum eingeheimst. „Alle rituellen Fragen beiseite lassend," sagt Renan „setzte das Christenthum die monotheistische Propaganda des Judenthums fort. Die Kraft, welche dem Judaismus bei deil Frauen von Damaskus, im Serail des Königs Abenerig, bei der Königin Hellena von Adiabene, bei so vielen anderen frommen Proselyten Erfolg verschafft hatte, dieselbe Kraft führte das Christenthum durch die Welt. In diesem Sinne ist in Wahrheit der Ruhm des C h r i st e u - t h ums mit dem des Indent h u ms v e r - s ch m o l z e n."-ft Assmnlatwn oder Separatismus? K r a k a u, 20. Jänner. * *) Es gibt nichts Vollkommenes hienieden. Auch das Bose ist es nicht. Und so hat auch das Nebel sein Gutes. Die Wahrheit dieses alten Erfahrungssatzes findet neuerdings ihre Bekräftigung in der gegenwärtigen judeufeiudlichen Strömung, die wohl von ehrgeizigen Strebern und gewissenlosen Speculanten zu ihren unlauteren Zwecken dnrch den stets wirksamen Appell an die niederen Instinkte des Mob weidlich ansgebeutet wird, die aber andererseits die ersprießliche Folge bewirkte, daß das jüdische Fühlen und Denken, der jüdische Patriotismus, sichtlich bedeutend gestärkt wurde. Allerdings sind hie nnd da einige faule Blätter vom Stamme Israel abgefallen. In der Regel ist es kindische, geradezil drollige Eitelkeit, welche kleingeistige „Söhne Abrahams" gerade jetzt mitten im Kampfe gegen die der Civilisation und Humanität hohnsprechenden Judenverfolgungen zur feigen Fahnenflucht veranlaßt, ohne zu bedenken, daß sie, durch die gebrauchte „Kaltwasserkur" zum Heile ihrer kranken Seele, in der christlichen Gesellschaft noch lange nicht als socialgleichberechtigt angesehen, vielmehr nur zn oft als aufdringliche „Entrnfe" betrachtet werden, und so aus der „Scylla in die Charybdis" geratheu! Ich kann nicht umhin, hier eine Aeußerung mitzutheilen, die ich neulich von eillem vorurtheilsloseu, sehr intelligenten Katholiken mit Bezug auf diese jüdischen Ueberläufer gehört habe: „Ich achte — sagte derselbe — einen braven „Inden" viel mehr, als die getauften, die größtentheils ans lächerlicher Scham über die Religion ihrer Väter von dieser abtrünnig wurden. Und ist es doch durchaus keine Schande, Jude zu sein, und einem Volke anzugehören, vor dem Chateaubriand in seinem Werke „Cenis du Christianisme" sagte, „daß es ein symbolischer Auszug des ganzen Menschengeschlechtes ist, nnd in seinen Erlebnissen Alles, was im Weltall vorkömmt und Vorkommen kann, repräsentirt." (Genie du Christianisme, 5. Buch, 1. Capitel.) Diese schwachköpfigen jüdischen Apostaten — die übrigens die unglücklichsten Geschöpfe sind, indem sie in fortwährender Angst leben, 2i) Juveu. Sat. III, 295: Ede, ubi consistas, in gna te riuaero proseucha. 55) Renan, Ies Apotres. 8. 260: . . . . En ce sens, la gloire du Christianisme est vraiment confondue avec celle du judaisme. *) Anmerkung der Redaction: Die „Oesterreichische Wochenschrift" hatte seit je es als ihre Pflicht angesehen, allen Parteien des Jndenthnms den Raum zur Vertretung ihrer Priucipien zu gewähren, und zwar selbst dann, wenn die Redaction nicht in der Lage ist, jenen Principien und Argirmentationen beizustimmen. in dem netten ungewohnten christlichen „Miliett" bei der geringsten Veranlassung au ihre semitische Nase' unangenehm erinnert zu werden — diese lächerlichen Apostaten gehören jedoch nur zn den Ausnahmen. Im Allgemeinen macht sich seit der antisemitischen Bewegung in der gesamulteu Jndenheit das Gefühl der Zusammengehörigkeit im gesteigerteti Grade bemerkbar, angesichts der drohenden Gefahr, die nach langen Leiben endlich schwer erzielten freiheitlichen Errungenschaften nun neuerdings zu verlieren! Es ist nun die Frage, wie sich die Inden jetzt gegenüber ihren christlichen Mitbürgern zu verhalten haben? In gerechter Erbitterung über den, trotz des gewaltigen tägliche'.l Fortschrittes aus allen wissenschaftlichen Gebieten itird der lichtvollen Cnltnr der Gegenwart geradezu unverschämt ninsichgreiienden ReligionS- und Racenhaß tritt nun eine beträchtliche Anzahl unserer Glaubensgenossen mit einem wahren Feuereifer für eine Idee ein, die als Ausfluß tiefer Entrüstung wohl begreiflich ist, die aber alle Mängel des aufbrausenden Zornes besitzt, der bekanntlich nie überzeugenden Vernnnftgründen zugänglich ist. keinen Gegenstand objektiv zu benrtheileu vermag, und deshalb in vorliegendem Falle, den jüdischen Interessen entschieden schaden muß ' Wir meinen die Bestrebungen des „Zionismus", müssen aber gleich ausdrücklich bemerken, daß wir darunter durchaus nicht den Plan der Gründung eines Judenstaates verstehen, der - wie wir bereits in einem früheren Artikel in diesem geschätzten Blatte betont haben — mag er auch eine unrealisirbare Utopie sein, nichtsdestoweniger als erhabenes poesievolles „Ideal" getvürdigt und hochgeschätzt werden muß wie überhaupt die ganze altehrwürdige messianische Hoffnung als ein solches unleugbar nothwendiges, lebenerhaltendes „Ideal" der jüdischen Nation erscheint. denn ein Volk ohne Ideale gleicht einem Körper ohne Seele! — Was jedoch die Kritik jedes nüchtern Denkenden heraus fordert, ist das — besonders hier zn Lande — mit dem „Zionismus" verbundene Streben nach nationalem „Separatismus", der ein Zwillingsbruder der nationalen „Exklusivität" ist, die den Juden von ihren Feinden stets zum Vorwürfe gemacht wird, und sogar den Philosophen Ludwig Fenerbach in seinem Werke: „Das Wesen des Christenthnms" zu dem höhnischen Aussprache veranlaßte: „Die Griechen sahen sich in der weiten Welt um, um ihren Gesichtskreis zu erweitern!. Die Inden beten noch heute mit gegen „Jerusalem" gekehrtem Gesicht." «Das V. des CH. 68 S. 146.) Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier alle Nachtheile näher zu erörtern, welche durch Exclnsivität nnd Separatismus herbeigeführt werden. Beide müssen unvermeidlich nationale und geistige Verkümmerung zur Folge haben. Ein von Natur aus so begabtes Volk, das sich ans blöder Genügsamkeit oder stolzem Eigendünkel dem Verkehr mit in der Civilisation fortgeschrittenen Nationen entzieht, oder — was hievon die naturgemäße Folge ist — ihre geistigen Produkte vornehm verschmäht, muß früher oder später in den Zustand jener unentwickelten Geschöpfe verfallen, die — mit Darwin zn sprechen — von den anderen vollkommeneren Lebewesen „im Kampfe um's Dasein" vernichtet werden! Deshalb haben auch, wie die Geschichte lehrt, diejenigen Nationen, die berufen waren, an dem Werke der geistigen Entwicklung der Menschheit thätigen nnd schaffenden Antbeil zu nehmen, nie unterlassen, die intellectnellen und cultnrellen Errungenschaften vorgeschrittener Völker sich zu eigen machen. So räumte bekanntermaßen das sonst sehr stolze alte Rom dem eroberten Griechenland die Herrschaft auf geistigem und civilisatvrischem Gebiete stets neidlos ein nnd schöpfte ans Mangel an eigenen ausreichenden castalischen Quellen und einer sozusagen originalen Philosophie verständnißvoll aus dem reichen Born hellenischer Poesie und Weisheit. Das Sichaneignen der ideellen Güter anderer Nationen gewahrt man auch bei den Franzosen, Engländern nnd Deutschen. In Erkenntniß dieser kulturgeschichtlichen Thatsache haben auch die größten Denker im Jndenthnme, zum Heil und Gedeihen desselben, es nie verschmäht, die geistigen Erzeugnisse der zeitgenössischen Culturvölker in rationeller Weise zu beuützeu. Ja die wahrhaft wunderbare Erscheinung in der Weltgeschichte, daß von allen Nationen des Alterthums nur die jüdische nicht nur unversehrt erhalten ist, sondern auch trotz der viellnrnderrjährigen Leiden in sozusagen phouixartiger Verjüngung immer neues, kräftig pnlsirendes Leben bekundet, rührt eben von dem Umstande her, daß die hervorragenden Geister in Israel in jeder Geschichtsepoche das Beste aus dem Wissen der gebildeten Nationen sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.