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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-05 · 6 (5.2.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Vr. Vloch's Wortzenfitzrtfl Seite 111 Dr. Carl Lueger — ein Iudenflämmling. Das „Deutsche Volksblatt" weiiz sich nicht vor Grimm und Empörung zu fassen, weil wir in unserer letzten Nummer die Stelle aus einer alten Chronik citirten, die auch von der jüdischen Ahnmutter des Dr. Lueger berichtet: Geschmackvoll, wie das Berganiblatt ist, heißt es, wir hätten eine „Helle Freude darüber, Lueger in den jüdischen Schmutz hinabzuziehen" und wir wären glücklich über den Nachweis, „daß ein Ahn Lveger's mit einer Jüdin verheiratet war". Wir halten uns nicht lange bei diesen infamen Suppositionen auf und möchten nur Eines betonen: Die Juden haben wahrhaftig keinen Grund, einen Stolz darein zu setzen, daß in den Adern Lueger's jüdisches Blut fließt .... Wir setzen auch keinen Stolz darein, die Ersten zu sein, die auf diese Stelle in der alten Chronik hingewiesen haben. Das „Deutsche Volksblatt" behauptet, daß bereits Professor Piss! im Vorjahre in der in Klosterneuburg erscheinenden „Zeitung für Stadt und Land" dieselbe Stelle der Chronik citirt habe. Nun, das wäre allerdings kein Wunder. Die betreffende Chronik erschien in den Publicationen der Wiener Akademie der Wissenschaften, welche bekanntlich Jedem zugänglich sind, der der Kunst des Lesens mächtig ist. Die Klosterueuburger „Zeitung für Stadt und Land" ist uns, wie wir zu unserer Beschämung gestehen müssen, bis zum heutigen Tage gänzlich unbekannt gewesen und auch der Name Pisst ist uns ein völlig fremder. Wir mochten aber im klebrigen dessen historischen Forschungen schon deshalb mit keinem Worte nahe treten, weil wir noch niemals von denselben etwas vernommen haben. Das Wellblatt von Klosterneuburg hat leider, wie uns scheinen will, für die Verbreitung des Pifsl'schen Ruhmes noch zu wenig gethan. Wir möchten aber dem „Deutschen Volksblatte" bei dieser Gelegenheit auch noch bekennen, daß bei dem Studium der alten Chronik unker Interesse weniger von dem Namen Lueger gefesselt wurde als vielmehr von dem Berichte über das Verhalten jener unglücklichen Juden, die durch die finsteren Dämone des Glaubenshasses einem gräßlichen Tode geweiht wurden. Uns, und wohl Jeden, der menschliches Gefühl im Herzen trägt, ergreift auf das Tiefste das Schicksal dieser Armen, die ihr Leben lieber Preisgaben, bevor sie ihren Glauben verriethen, die den Scheiterhaufen bestiegen, um nicht dem Gott ihrer Väter abtrünnig zu werden. Alle, Alle, Greise und Jünglinge, Frauen und Mädchen, gingen ruhig und gottergeben, ohne alle Pose des Heldenthumes, das Bekenntniß des Einig-Einzigen auf den Lippen, in den Flammentod, den die patentirten Verehrer der Religion der Liebe über sie verhängt hatten. Zu Wien allein hat man „Verprent 240 Person". Wie viele haben durch das Opfer ihrer religiösen Ueberzeugung Leben und Vermögen gerettet? Eine Einzige! Alle, Alle wurden Märtyrer ihres Glaubens, eine Einzige ausgenommen, die berufen war, die Stammmutter L u e g er's, des grimmigen Judenhassers, zu werden. Uns greift das Schicksal dieser schlichten, glaubenstreuen Menschen ans Herz, die für ihre Ueberzeugung starben, ohne dabei selbst von dem Gedanken getröstet zu werden, daß sie dereinst als Märtyrer heilig oder selig gesprochen würden. Sie starben als Juden, weil sie nur als Juden hatten leben wollen. Und noch Eines erschütterte uns beim Studium der alten Chronik. Wir sagten uns: So starben Bekenner einer Religion, Abkömmlinge eines Bolksstammes, denen der erstbeste freche Lump, wenn er sich stolz Antisemit nennt, jede ideale Regung, jedes edle, bessere, höhere Gefühl abspricht. Das sind die Juden, die, verkommen, in Habsucht, nichts als bas gemeine Geld lieben, für das sie Alles, Alles zu opfern bereit sind. . . . Das, Herr Vergani, lag uns am Herzen, als wir die alte Chronik lasen. Der Name Lueger interessirte uns nur so nebenbei. Mit dem Schauer der Ehrfurcht, dem ideales Menschenthum uns einflößt, lasen wir von den Hunderten, die ihr Leben für ihren Glauben opferten und nur einen Augenblick verweilten wir bei dem Namen der Einen, die ihr Volk, ihren Glauben, ihren Gott verließ, um ihr Leben zu retten. — a— Gezüchtigte Antisemiten. Ein toller Spaß! Zum Todtlachen! Das sind ja Witzbolde ersten Ranges, die Herren des Dermaliums, gottbegnadete Humoristen, denen das mieselsüchtigste Gemüth nicht widerstehen kann . .. Und sie sind wirklich gerecht und objektiv. Nach allen Seiten vertheilcn sie gleichmäßig Licht und Schatten. Sie ignoriren jüdische Wohlthätigkeitsvereine und aus der anderen Seite bekommt kein Kleingewerbetreibender etwas für die Commune zu thun. Wenn sie keinem Juden das Zuständigkeitsrecht verleihen, so züchtigt dafür ihre wuchtige Hand die intimsten Parteigenossen und ihren Freunden in der schwarzen Kutte zuliebe opfern sie bereitwilligst ihre Kerntruppen, treiben sie ihr eigenes, wohlerprobtes Stimmvieh ins Schlachthaus. Gezüchtigte Antisemiten! Diese provisorischen Unterlehrer und Substituten, denen die gegenwärtigen Machthaber im Ralhhaus den Brotkorb hoch hängen, so hoch, daß sie beruhigt verhungern können, sind gute alte Bekannte. Wir kennen die Herren aus den Wählerversammlungen der Antisemiten. Sie sind cs, die sich zuerst für den Pfützendust der „weißen Nelke" begeisterten. Die piepsenden Stimmen dieser kaum der Schulstube entwachsenen Jünglinge erschollen am lautesten, wenn „Hoch Lueger!" gebrüllt wurde. Wenn die älteren Herren, jene ergrauten Männer, die noch der verflossenen, Dank der geschmähten Judenliberalen vorübergegangenen Tage gedachten, da die Pfarrersköchin den Lehrer präsentirte, ernannte und investirte, hatten gut abmahnen! Es half Nichts! Diese jungen Leute, die nichts gelernt und darum.auch. nichts zu vergessen hatten, überschrieen die Mahner. Ihre Bolen waren die ersten Stasfeln, aus denen die Luegers und Strobachs zur Macht emporklommen. Jetzt sind lang', lang' wieder keine Wahlen im zweiten W a h l k v r p e r. Jetzt kann man auf die begeisterten Lehrer-Jünglinge verzichten, jetzt braucht mau viel uolhweudiger die Finanziers in Kalksburg und anderwärts, denn alles Schnorren genügt nicht, um den Wahlsonds so groß zu machen, daß er den Ansprüchen und Bedürfnissen unserer H a m m e r st eins genüge. Aber die Schwarzen geben Nichts umsonst. Sie verlangen eine Gegenleistung und die ist wirklich ausgiebig. Die Kuttenträger machen kein schlechles Geschäft. Die Zeitungen melden, das; sich der Bezirksschulrath veranlaßt gefunden habe, alle au den Wiener Volks- und Bürgerschulen in B erweudung stehenden provisorischen Unterlehrer und Substitukeu mit Ende Jäuuer ihrer Dienstleistilugeil zu eutheberr und gleichzeirig ihre Remunerationen und Zulagen einzustellen. Platz für die Zöglinge des katholischen Lehrers-minars! Raum für die clericale Schule. Unmerklich ist der Uhrzeiger, von dem einmal Fürst Liechtenstein in Bezug ans die consessionelle Schule sprach, weit genug vorgerückt. Das ist ein Ziel, des Angstschweißes einiger edlen Antisemiten werth! Frau v. Suttnrr's neueste Votschaft vdm Völkerfrirden.*) Es ist etwas Herrliches um den unerschütterlichen Glauben an den Sieg eines weltbeglückenden Gedankens. Selbst der Kleingläubige, den der stete Kamps mit einer unsäglichen Niedrigkeit und Rohheit fast zrc der Ansicht zwingt, daß das Niederträchtige das Mächtige sei, läßt gegenüber dieser festen Zuversicht einer hohen Seele den Kleiumuth fahren und läßt den sonst trüberl Sinn durchleuchten von der sonnigen Hoffnung ans bessere Tage. Manzoni hat in seinem berühmten Roman dafür ein originelles Bild: Der feuchte, ausgedrückte Docht eines Lichtes wird an die Flamme einer großen Fackel gehalten, anfangs dampft, knistert, spritzt dieser feuchte Docht und will nicht Feuer fangen, bis er endlich doch sich entzündet und, gut oder schlecht, brennt. So ergeht es uns gegenüber Frau v. Suttner, dieser großen Schwärmerin; wir sehen täglich die Gemeinheit in siegreichem Fortschritt, den Triumph der schlimmsten und wildesten Jnstinete, so eine rechte Inbrunst des Haffes und der Verfolgung gegen Menschen, die seit Jahrhunderten in diesem Lande wohnen, deren persönliches Wohl und Wehe mit dem dieses Landes auf das Innigste verknüpft ist; da hören wir von den Höhen die begeisterte Botschaft des kommenden Lichtes; wir sträuben uns gegen diese Kunde, wie jener feuchte Docht sich gegen die Fackel wehrt, aber am Ende nimmt sie uns doch gefangen und wir ergeben uns freudig dem schönen Zukunststraume, der ja wohl doch nicht immer ein Traum bleiben wird, da selbst so nüchterne Männer, wie Lessing und Kant diese Hoffnungen gehegt und verkündet haben. Unser Mendelssohn ist in diesen Fragen ein Philister, der an der Weltgeschichte kein Wohlgefallen hatte, aber sie auch nicht verstand, wenn er in seinem „Jerusalem" Lessing's Idee vom Fortschritt der Menschheit, jene Idee, die Lessing als sein philosophisches Vermüchtniß in der „Erziehung des Menschengeschlechts" darthut, säst in's Lächerliche zieht. *) Der Kaiser von Europa, nach dein Englischen des F. A. Fawkes, von Bertha v. Suttner. . MJCHM»*

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