Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 5 Vr. Vloch's Wochrnfchrifi Seite 105 Lew in, Rabbiner zu Malaczka. in einer meisterhaften Rede die Vcrdienste des Verstorbenen in ergreifender Weise würdigte und dem Schmerze der Gemeinde und dem seinigen Ausdruck gab. Nach Absingung einiger Trauer Choräle durch den Malaczkaer Tempel-Chor wurde der Sarg aut den vierspännigen Leichenwagen gehoben und unter Boranschreiten derMalaczkaer Feuerwehr, deren gründendes Mitglied der Verstorbene war, setzte sich der unabsehbare Leichenzug in Bewegung. Am Friedhofe ergriff Herr Rabbiner David Lewin aus Jllawa das Wort und gab dem Verluste, den das Judenthum durch den Tod des edlen Mannes erlitten, in einer gediegenen, ergreifenden Rede Ausdruck. Znm Schluffe hielt Herr k. u. k. Baurath S ti a ßn y aus Wien in Namen der Freunde und Bekannten in schwungvollen, tiefemfpundenen Worten dem alten Freunde den! Nachruf. Nun wurde der Sarg in die Familiengruft getragen und ij zur ewigen Ruhe bestattet. Durch seine edlen Werke hat der fromme und biedere Verstorbene sich in seiner Gemeinde ein bleibendes Andenken gesichert. Möge sein edles Wirken Nachahmung finden! Sch. R. Berlin. Der deutsche Kaiser hat dem Claviervirtuosen und Componisten Julius Schulhof in Berlin den Titel eines; Professors verliehen. Berlin. Baron Henri de Rothschild, ein Sohn des; Baron Gustave de Rothschild, ist mit Frau und Kind hier ani gekommen und hat im Hotel „Bristol" Unter den Linden i Wohnung genommen. _ j Baron Henri de Rothschild ist bekanntlich Arzt; er ist zu! dem Zwecke hergekommen, die philantropischen Einrichtungen für arme Kinder zu studiren. Die junge Baronin ist eine geborene Weißweiler aus Frankfurt am Main. Brüssel. Herr Josef Hmm S a le m ist zum Kanzler des hiesigen türkischen Consulats ernannt worden. Heidelberg, 15. Jänner. In dem hiesigen Crematorinm wurden im vorigen Jahre insgesammt 93 Leichen verbrannt, davon 18 katholische, 6 altkatholische, 3 i \ v a e t i t i i cfy e, die übrigen evangelische. Paris. (Ein Heine-Denkmal in Paris.) Im Pariser „Journal" wurde vor einigen Tagen von Alexander Hepp der Gedanke angeregt, Heinrich Heine in Paris ein Denkmal zu;i errichten. Wie man hört, ist nun ein Comitö in der Bildung ) begriffen, das die nöthigen Geldmittel für ein Heine-Denkmal ansbringen soll. Paris. Robert Rothschild, der Sohn des Baron Gustave Rothschild, ist von einem Wagen überfahren worden. Die Verletzungen, die er davongetragen, sind nicht gefährlich. Paris. „Le Journal" macht seine Leser auf den bevorstehenden 100. Geburtstag Heinrich Hein e's aufmerksam und ermahnt Frankreichs Dichter, ein Cvmite zu gründen, das an dem Tage eine Feier arrangiren solle, »pour disputer cette gloire ä I’Allem agne.» London. Baronin Clara de Hirsch hat für die jüdische Kinderbewahranstalt 200 Pfund gespendet. London. Dem Decemberberichte des Handelsministeriums entnehmen wir, daß die Zahl der in den verschiedenen Häsen des Vereinigten Königreiches Angekommenen im Jahre 1896 aus 35.4-31 gegen 30.528 im Jahre 1895 gestiegen ist, Matrosen nicht inbegriffen. London. Die jüdische Schulbehörde ist in argen Nöthen. Die Anforderungen, die an sie gestellt werden, sind auch ungeheure. Im Jahre 1889 wären 2900 Kinder im Verzeichniß angeführt; 1892 waren es schon 4329 und 1896 gar 5619. Wenn nur die allernothwendigsten Ausgaben gedeckt werden sollen, müssen 1532 Pfund einkommen. Liverpool. Ihre Leser werden sich der großartigen David Lewis-Stiftung (David Lewis Trust) in der Höhe von 60.000 Pfund (dreiviertel Millionen Gulden) noch erinnern. Die Curatoren dieser Stiftung haben für das Krankenhaus neuerdings 20.000 Pfund ('/, Million Gulden) bewilligt. Für den Bau der hiesigen jüdischen Schule der jüdischenglischen Allianz (Anglo Jewish Association) hat Frau Bai M o t l a b a i 500 Rupeen gespendet. Sydney. Die hiesigen jüdischen Fcanen haben einen Verein gegründet, der den Zweck hat, die finanzielle Lage der Gemeinde zu verbessern. Der Verein heißt „Selbstverleugnung" (Seit' Deuial Fmid) und hat kürzlich 700 Pfund (mehr als 8000 fl. aufgebracht. Constantinopel. Der Herausgeber der jüdischen Zeitung „Tiempo", Herr Fresco, hat vom Sultan den Medschidje- Orden IV. Claffe erhalten. Die gleiche Auszeichnung wurde Herrn G e r s o n, dem hiesigen Director des Credit Lyonnais zntheil. Kiew. Herr Lazar B r v d s k y hat der hiesigen Technischen Schule 50.000 Rubel geschenkt. Petersburg. Gelegentlich des 25jährigen Künstlerjubilänms Antokolsky's ist derselbe vom Czar zum wirklichen kaiserlichen Rath ernannt worden, ’ißitt dieser Ernennung, der znm erstenmale eilt Jude theilhastig geworden ist, ist der Titel „Excellenz" verbunden. Feuilleton. Ein Weihnachtsabend. ^Nachdruck verboten.) Erzählung von Josef Ol Mützer. „Keines Menschen spotte. Fleht er z»l seinem Gotte, Bon Andacht fromm erfüllt. All' die verschiedenen Namen Sind blos ein bunter Rahmen lim eines Gottes Biio! Leise Abendschatten senkten sich nieder und immer ruhiger, feierlicher wurde es in den tagsüber buntbewegten Straßen. Die Laternen iverden entzündet und aus den Geschästslocalen und Schausenstern strömt uns grell ein Meer von Licht entgegen. Die Arbeit in den Werkstätten und Fabriken ruht schon ganz, und nur eilende, bepackte, froh und glückselig dreinschauende Menschen beleben die Straßen und Plätze. Gilt doch der Brarich heute bei Arm und Reich, zu beglücken und zu erfreuerl und wieder beglückt zu werden. Hat doch ein Jeder aus dieser großen, schönen Erde wenigstens Einen, den er beschenken, beglücken, erfreuen kann. Und ein Gefühl von Glück und Freude und Zuversicht und Hoffnung überkommt Jeden, und Alles eilt froh nach Hanse zu seinen Lieben. Und heute werden die Fenster absichtlich nicht verhängt, überall strömt uns ein wundervolles Licht entgegen, aus den Dachsensterchen der Hütte und den großen Spiegelfenstern der Paläste, überall dasselbe schöne, trauliche Licht der W e i h n a ch t s b ä u m e, die den draußen leise niedersallenden Schnee beleuchten, daß es glitzert und srmkelt, und eine feierliche Stille senkt sich nieder auf die Stadt. Ja! Weihnachten ist es auf Erden, glückselige, langersehnte Weihnachten! * * * Da keucht einsam und allein die Häuserreihe entlang ein alter, armer, fremder Jude, der heute in des reichen Levy Haus zum Abendessen ward geladen. Die Nacht wird er beim armen Hansirer Mendel in der Borstadt zubringen. Sind sie doch Alle wohlthütig und mitleidig und nicht nur untereinander! Durch das ihm aus einem Fenster entgegenströmende Licht geblendet, blieb er stehen und blickte hinein in die Stube. Da stand ein großer, schöner, schwer beladener Weihnachtsbaum und darunter klatschten fröhliche Knaben und Mädchen in die Hände; ein stattlicher Herr küßt glückselig seine Kinder und sein schönes Weib! Des armen Juden Herz zitterte bei diesem Anblick und zwei große, heiße Thrünell rannen ihnr über die gramdurchsnrchten Wangen. Ach! Wie war er doch auch so glücklich gewesen! Wie hatte er seine Frau und sein Kind so ehrlich und redlich ernährt und so grenzenlos geliebtUnd wie batte er glücklich noch vor einem Jahre die Tempelweihkerzchen entzündet — seine letzten frohen Weihnachten! Wie stand noch damals sein treues, gutes Weib verklärt an seiner Seite und schmiegte sich sein kleines Töchterchen so traulich an ihn! Doch nun ist Alles vorüber! Sein geliebtes Weib ist nach langer Krankheit einem tückischen Leiden erlegen und sein kleines, theueres Töchterchen wurde von einer gefährlichen Kinderkrankheit dahingerafft, Alles in einem Jahr! Er selbst, durch diese und andere Schicksalsschläge gealtert, verarmt und krank geworden, mußte sein kleines Häuschen den Gläubigern überlassen und zog nun, ohne irgend Jemanden auf der großen weiten Welt zu haben, ans dem nordischen Galizien aus, als Bettler, um bei seinen Glaubensgenossen ein Essen oder einige Kreuzer zu erbetteln. Ach! Wie demüthigend war das für ihn, den einstmals geachteten, selbst wohlthätigen Kaufmann; doch es gibt ja so 'kKMMm.m*