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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-29 · 5 (29.1.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 102 Dr. Block s Wochenschrift Nr. 5 London. Die Frau Bürgermeisterin hat am Mittwoch iu der jüdischen Volksküche persönlich, von ihrer Tochter und Miß Winkfield unterstützt, Suppe an die Armen vertheilt. London. Die jüdische historische Gesellschaft in England (jewish Historica! Society of England) wird am 7. Februar den Tag der Wiederzulastnng der Juden in England (Resettlement Day) feierlich begehen. Der Abend verspricht ungewöhnlich interessant zu werden. Dr. Richard Garnett vom Britischen Museum, Mr. Frederic Harrison, Mr. Lucien Wolf haben Vorträge angekündigt. Der Letztere wird über Anierika und die Wiedereinwanderung der Inden in England, Mr. Frederic Harrisou über Oliver Cromwell, der Pionuier der religiösen Duldung, lesen. Zum Schüsse wird der Oberrabbiner Dr. Adler, der Präsident der Gesellschaft, die Makkabäerpreise den Verfassern der Essays über Meuasse ben Israel überreichen, welchen dieselben zugesprochen wurden. Essex. Mr. Herbert H. Raphael ist als liberaler Candidat ins Parlament für Romfort designirt worden. London. Ein neuer jüdischer Verein unter dem Namen „Jüdische Selbsthilfe" (Jewish Seit Help) ist im Osten von London gegründet worden. Er verfolgt den edlen Zweck, erstens, Juden vom Gericht möglichst sernzuhalten und ihre Differenzen durch schiedsgerichtliche Entscheidungen zu schlichten, Znsammenkünste geselliger und religiöser Art zu arrangiren, billige koschere Restaurationen zu gründen, für bildende Vortrags- und Concertabende zu sorgen, Lesezimmer zu gründen und eine Verbindung zwischen Arbeitgebern im In- und Auslande herznstellen. Der Verein ist zur Feier des Ereignisses gegründet worden, daß die Königin Victoria die längste Regierungszeit in der englischen Geschichte erreicht hat; die Inden im Osten von London wollten Ihrer Majestät durch Gründung dieses Vereins ihre Liebe und Dankbarkeit beweisen. Vergangene Woche ist der Großrabbiner Dr. Adler dem Counts beigetreten, das Sammlungen für Indien eingeleitet hat. In den letzten paar Tagen sind neuerdings über 4000 Pfund (gegen 50.000 st.) von Glaubensgenossen gezeichnet worden, darunter von Meffrs. Bareato 500 Pfund, Bischoffsheim Sassoon und Comp., Gebrüder Spyers je 250 Pfund, Mr. Reumann 210 Pfund, Lord Pirbright, Haarbleicher und Schuman, Hardy Nathan, Heilblut, Syuwus und Comp., Hirsch und Comp., Gebrüder Levy und Knowles, Samuel Lewis, Lewis And Marks, Mosenthal's Söhne, Gebrüder Ochs, Samuel, Gebrüder Seligmann je 105 Pfund, Mocatta, Montefiore, Rafael je 100 Pfund :c. :c. :c. Couftantinopel» 20. Jänner. (B o m Goldenen Horn.) Im letzten Berichte aus der türkischen Hauptstadt, den diese Blätter enthielten, war von der Haltung der Juden der Türkei gegenüber dem patriotischen Werke der nationalen Subscription die Rede. Zugleich wurde mitgetheilt, auf welche Art die schöne Handlungsweise unserer Glaubensgenossen dieses Landes beleuchtet wurde. Die Sprache, die in dieser Hinsicht geführt wurde, war voll des Lobes und der Anerkennung. Seitdem haben nun die meisten Zeitungen der türkischen Hauptstadt von Neuem die Gelegenheit ergriffen, über denselben Gegenstand zu sprechen. Anlaß dazu gaben zwei Briefe, die zwischen dem Großrabbinat und dem Ausschuß der Zeichnungen zu Gunsten der militärischen Anstalten gewechselt wurden Die beiden Schreiben sind ein beredter Beweis für die immer warme Antheilnahme der Juden an den Schicksalen des Landes, welches sie bewohnen, für ihre stets bereite Hilfe, die Zeitumstände manchmal gebieterisch fordern, ja für ihre Opferwilligkeit und Gebensfreudigkeit. und sie legen rühmendes Zeugniß ab für das wahrhaft herzliche Einvernehmen zwischen den israelitischen Unterthanen des osmanischen Reiches und der hohen Regierung des Großherrn der Türkei. Wir theilen hier den Wortlaut des beim Großrabbinat der Türkei eingelaufenen Schreibens des erwähnten Ausschußes mit: „Die großmüthige Vermittlung und die patriotischen Anstrengungen, die Ihre Hochwürden entfalten, um die treue jüdische Nation mit dem edlen Werke zu verbinden, sind zu Füßen des Thrones unseres hochherzigen Padischah niedergelegt worden als das glänzendste Zeugniß; - der Treue Ihrer Hochwürden und des israelitischen Volkes!" Gezeichnet vom Minister Mahmud Pascha, haben diese Worte allgemein den besten Eindruck gemacht und alle jüdischen Gemeinden der Türkei bestreben sich, die Wünsche, die ihr geistliches Oberhaupt an sie gerichtet, in schönster Weise zu erfüllen. Die jüdischen Blätter des Orients veröffentlichen die Namensliste mit den Gaben. Bis Mitte dieses Monats hat Constantinopel 16.140 Piaster, Adrianopel 8180 Piaster, Salonichi 360.000 Piaster, Smyrna eine ähnliche Summe gezeichnet. Die Begeisterung ist überall allgemein, wo sich ein Ausschuß gebildet, um die Gaben zu diesem Zwecke zu sammeln. Nun schicken aber viele reiche Juden ihre Spenden direct an die oberste Commission, so daß ihre Zeichnungen auf den mitgetheilten Listen fehlen. Diese Woche, am 19. Jänner, wurde auch von den Inden im ganzen osmanischen Reiche der Geburtstag des Sultans mit großem Jubel gefeiert. Zu wiederholten Malen wurde an dieser Stelle von den unermeßlichen Wohlthaten gesprochen, die von der großen Philantropin der Judenschast der Hauptstadt der Türkei erwiesen wurden. Die edle Baronin von Hirsch hat nun hier von Neuem Beweise ihrer unerschöpflichen Güte gegeben. Das neueste Werk von Menschenfreundlichkeit betrifft diesmal fast ausschließlich die christliche Bevölkerung von den Ufern des Goldenen Horns und des Bosporus. Eine bedeutende Persönlichkeit der hiesigen französischen Colonie hat von der großmnthigeu Frau Baronin von Hirsch verschiedene Summen von 1000 und 5000 Francs erhalten, die an die Wohlthätigkeitsanstalten unserer Stadt, die sich unter dem Vorsitz der Frau Cambon, Botschafterin von Frankreich, befinden und vom Wohlthun und der Menschenliebe der Damm von Peru uhö von Galata unterhalten werden, vertheilt werden sollen. Das Haus der Gebrüder Allatini in Salonichi, die als große Menschenfreunde dem Judenthame Elne machen, hat an S. S. Monsignore Ormanian, armenischen Patriarch, die Summe von 100türkischen Pfund gesendet, die unter die Armen von Haskeuy vertheilt werden soll. Das Patriarchat hat hierauf beschlossen, an die hochherzigen Geber einen Dankbrief abzuschicken. Der Glaubensgenosse Elia Essen di Chaki, Unterchef im Amt der auswärtigen Angelegenheiten, ist von Seiner Majestät dem Sultan zum Range eines zweiten Geheimrathes ernannt worden. Herr Elia Effendi Chaki ist der Schwiegersohn Sr. Excellenz Ahron Effendi von Leon. Ein fürstliches Geschenk an eine Jüdin machte hier viel Aufsehen. Seine königliche Hoheit der Fürst Ferdinand von Bulgarien hat der Frau Burla, der Gattin des Leiters der israelitische» Schule von Prawady, als einen neuen Beweis von Achtung und Wohlwollen, eine goldene Brosche von sehr kunstvoller Arbeit mit dem Namenszuge Seiner königlichen Hoheit geschenkt. Madame Burla hat diese Gunst durch die Dienste, die sie dem Werke der Erziehung der Jugend erwiesen, verdient. Sydney. Sir William Windeyer ist in den Ruhestand getreten und an seiner Stelle wurde Henry Emannel Cohen zum Präsidenten des oberstell Gerichtshofes von Nen-Süd-Wales ernannt. Er ist, mit Ausnahme des Sir Julian Salomons, welcher vor einigen Jahren diese Stelle bekleidete, aber schon nach wenigell Tagen demissionirte, der erste Jude der aus diesen hohen Posten berufen wurde. Henry Emannel Cohell wurde 1847 in Port Maquarie geboren und erhielt eine gewöhnliche Erziehung, keine Universitätsbildung. Er trat als Commis in das Geschäft der Meffrs. David Cvheir & Cv. in West-Maitland und assoeiirte sich später mit einem seiner Brüder in Bathurst. 1868 ging er nach London, lvo er Ins studirte, 1871 wurde er bereits in die Advocateuliste eingetragen. Darauf kehrte er nach Nen-Süd-Wales zurück, wo er Staatsanwalt wurde. 1882 wurde er Jnstizminister. Drei Jahre später kehrte er dem politischen Leben den Rücken und lebte nur seinem Berufe. Mr. Cohen ist der Schatzmeister der jüdisch-englischen Allianz (Anglo Jewisb Associatio;) in Sidney und im Vorstand der Philanthropischen Gesellschaft und des Montefiore-Heims. Canada. In Toronto, Bondstreet wird eine sehr hübsche Synagoge errichtet, die schon im Frühjahr eröffnet werden wird. Der Tempel, welcher im maurischen Style erbaut wird, dürfte nach der Fertigstellung ungefähr 75.000 Gulden kosten. Im Erdgeschoß werden etwa 300 Kinder, im Tempel selbst 800 Andächtige Platz finden. Der Rabbiner hofft, daß die ganze jüdische Gemeinde sich in dem neuen Tempel concentriren werde. Es gibt noch einen Tempel ntit streng orthodoxem Ritus und außerdem eine Chewra für russische und polnische Juden. Bemerkenswerth ist, daß die Christen sehr bedeutende Summen zum Tempelbau beigetragen haben; von den Juden hat sich Keiner ausgeschlossen. Meffrs. Benjamin, zwei Brüder, spendeten allein 20.000 Gulden. Die hiesige Zeitung „Toronto World", spricht in höchst anerkennender Weise von dem Rabbiner Mr. Lazarus, einem ehemaligen Schüler des Jews College in London und betont, daß auch Andersgläubige, kurz, alle Menschen, welche mit ihm in Beriihrung kommen, die "größte Hochachtung vor ihm empfinden.

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