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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-29 · 5 (29.1.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5 Vr. Vloch's WmtzrnfchrM Seite 101 Aufforderung war, wie uns verbürgt mitgetheilt wird, nicht nur die Zusendung vieler Briefe, sondern auch der Besuch eines Criminal-Polizei-Commiffärs bei der Drucker - Firma. Dort stellte er eine Art Verhör an; ob er ans eigener Initiative gekommen war oder in höherem Auftrag, ob er vielleicht gar vermitteln wollte, daß die fragliche Firma sich dem „Preisausschreiben" anschließen wollte, das der Deutsche Verein erlassen, wissen wir nicht bestimmt. Jedenfalls nahm der Herr Criminal- Polizei-Commissär ein sehr lebhaftes Interesse an der Sache und besonders schien es auch ihm — gleich dem Deutschen Verein — nicht ganz glaubhaft, daß die Antisemiten so etwas gethan haben sollten. Die Druckerei-Firma, eine der größten der hiesigen Stadt, ist die frühere Verlegerin des „Frankfurter Journals", das sie heute noch druckt. Sie hat den löblichen Hinweis nicht beachtet, sondern schreibt jetzt im Einverständniß mit anderen Adressaten selbstständig eine Belohnung von 200 Mark aus, indem sie gleichzeitig ein Facsimile der Handschrift beifügt. So wird es hoffentlich den angestellten Bemühungen gelingen, den Schuldigen zu ermitteln, um nachznweisen, daß es Keiner von den edelsten aller Parteien — der antisemitischen — gewesen ist, der sich solcher Niederträchtigkeiten gegen seine ch r i st l i ch e n Mitbürger schuldig machen konnte. ' Wiesbaden, 24.. Jänner. In dem, wie telegraphisch ge" meldet, vorgestern gestorbenen Sir Isaak P i t m a n, geboren 4. Jänner 1813 zu Trowbridge, verliert England nicht nur den Begründer des verbreiteten englischen Stenographiesystems, sondern auch den Reformator der englischen Orthographie. Pitman war von Hans aus Handlungsgehilfe und bildete sich durch eifriges Lesen der englischen Classiker. Nach einer kurzen Schullehrerthätigkeit trat er in seinem 25. Lebensjahr, 1837, mit dem von ihm erfundenen phonetischen Stenographiesystem vor die Oeffentlichkeit. Er nannte es ..Stenographie soundhand“, dann „Phnnetic-shorr-hand und „Pbonograpby“ (Lautschrift!. In Bath hat Pitman 1851 ein „Phonetic-Institnte“ mit Unterrichts-, Druck' und Verlagsanstalt begründet. Sein System fand 1838 in Australien, 1844 in Nordamerika und Kanada Eingang. Sein „Ob^nerie - Jonrnal* erscheint als Wochenblatt mit einer Auflage von 24.000. — Die Königin verlieh vor einigen Jahren dem einstigen Handlungsgehilfen uttb Volksschullehrer die Ritterw ü r d e. Isidore Gold b l u m, Villa „Goldene Kette". Hamburg. Ueber Ludwig August F r a n k l hielt am Dienstag, den 12. d. M., Abends, auf Veranlassung des Hamburger Vereines für jüdische Geschichte und Literatur in der Aula des Wilhelm-Gymnasiums Herr Dr. L e i m d ö r f e r einen fast zweistündigen Vortrag. Die große Aula war bis zum letzten Platz dicht gefüllt und auch die Galerie mußte den Zuhörern zur Verfügung gestellt werden. Unter gespanntester Aufmerksamkeit des aus Beamten, Gelehrten, Schriftstellern und Vereiusmitgliedern bestehenden Auditoriums gab der gelehrte Redner ein aus gründlichen Forschungen beruhendes Lebensbild des österreichischen Dichters, der sich um die deutsche Literatur große Verdienste erworben hat. Geboren zu Chrast in Böhmen am 3. Februar 1810 entstamult L. 8t. F r a n k l einer ans Fürth nach Böhmen eingewanderten deutschen Familie. Seine Gymnasialstudien absvlvirte er in Prag und Leitomischl, woselbst er sich in Balladen- und Dramendichtungen, allerdings Anfangs mit wenig Erfolg, versucht hatte. Als er die Uuiversität in Wien bezog, um unter großen Entbehrungen Medicin zu studiren, gewann die lyrische Poesie bei Frankl die Oberhand. Im sogenannten „silbernen Kaffeehaus" durch Grillparzer, Lenau, Bauernfeld und Andere augeregt und besonders von dem Orientalisten Hammer-Purgstall und seinem intimen Freunde Anastasius Grün unterstützt, führte er sich in die deutsche Literatur vortheilhaft ein. Seine vorzüglichsten Werke, die der Vortragende einzeln bespricht, sind: „Das Habsburglied", „Christosoro Colombo", „Don Juan d'Austria", „Tragische Könige", „Balladen und Legenden", sowie zahlreiche Epen, welche 1880 bei Hartleben in Wien als „Gesammelte Werke" herausgegeben wurden. In Padua erwarb Frankl mit einer gelehrten Schrift das Doctorat der Medicin. An seinen „Sonntagsblättern" arbeiteten die größten dichterischen Zeitgenossen. Das Jahr 1848 führte Frankl in die politische Bewegung; sein Werk „Die Universität" ist in einer Million Exemplaren gedruckt und von 27 Componisten in Musik gefetzt worden. Seinen Berus als Arzt gab er ans und nahm ein Commrmal-Amt bei der israelitischen Gemeinde an, das er 43 Jahre verwaltete. 1850 erfolgte seine erste Orientreise zur Gründung einer Schule in Jerusalem. Er schrieb bald darauf die in mehrere Sprachen übersetzten Werke: „Nach Jerusalem" und „Aus Aegypten". Seinen Briefwechsel mit Anastasius Grün, seine Urheberschaft der Denkmäler Bethoven's, Mozart's, Gluck's, Schiller's und Anderer in Wien, die Anlegung von Bibliotheken, Alles das schilderte der Redner in geistvoller, bilderreicher Sprache und gab Proben aus Frankl's Poesien. Der Kaiser von Oesterreich erhob F r a n k l in den erblichen Adelsstand mit dein Prädicat „Ritter von Hochwart", nachdem Frankl auf der „hohen Warte" ein Blindeuinstitut gegründet hatte. Zahlreiche Werke der Wohlthätigkeit beweisen, daß Frankl seinen Dichterruhm durch seine Philantropie überstrahlte. Redner entwarf noch ein Bild des Familienlebens Frankl's, gab eine Charakteristik seiner'individuellen Persönlichkeit, die ein ideales Vorbild ist fiir die Vaterlandsliebe, Duldung und Humanität und schloß mit einer warmherzigen Anregung, dem am 12. Mürz 1804 verstorbenen Dichter ein würdiges Denkmal zu setzen. — Lebhafter Beifall folgte den interessanten Ausführungen des hervorragenden Redners, der vielfach gebeten wurde, feine "Arbeit als einen Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. Moskau. «Die I u d e n i n R u ß l a n d.) Seit den Berathungen des Ministeriums über die Lage der Juden in Rußland beginnt sich dieselbe zu bessern. Dies geschieht freilich in dem langsamen Tempo, das hier jede Resormmaßregel aufweist, aber ein neuer und besserer Geist ist doch in dieser Richtung bemerkbar. So hat die Regierung eben in den einzelnen Bezirken das Gebiet, in dem die Juden sich ansiedeln dürfen, erweitert, auch der Senat hat wieder ein Votum zu Gunsten der Juden verlautbart. In Kiew wurde ein Kaufmann jüdischen Glaubens von der dortigen Polizei ausgewiesen, nachdem er sich etwa sechs Wochen dort aufgehalten hatte. Er petitionirte, ihm einen fechsmonatlichen Aufenthalt zu gestatten, die Kreisregierung in Kiew entschied, daß ein so langer "Aufenthalt nicht vom Polizeimeister, sondern nur von höheren Autoritäten der Regierung bewilligt werden könne. Der Senat entschied null dieser Tage, daß jüdische Kausleilte erster Gilde das Recht beständigen Aufenthaltes in Kiew haben, daß der Bescheid der Gouvernements-Regierung zu annulliren sei und der Petent keiner besonderen Aufeuthalts-Erlaubniß bedürfe. Lodz. (Wie die Juden s i ud.) Aus Lodz in Rußland wird uns von besrelmdeter Seite vertraulich mitgetheilt: Ein österreichischer Jude, geboren zu Brody in Galizien, seit 20 Jahren in Lodz in Rußland wohnhaft, Namens I. W., hatte vor 14 Jahren seine Zahlungen einstellen müssen. In Folge der Judenexcesse und Plünderungen zn Kiew und Elisabethgrod, wo er als Cvmmisfionär bei zahlreichen Kausleuten stark engagirt war, ist er damals in Calamität gerathen. Seither haben sich seine Verhältnisse gebessert und Herr I. W. hat im letzten Monat an alte Gläubiger per Cassa 35.000, sage s ü u f u n d d re i ß i g ta u s e n d Rubel ausbezahlt. Er hatte viele Mühe, sümmtliche Gläubiger oder ihre Rechtsnachfolger und Erben aufzusuchen; einzelne derselben waren bereits tobt, und die Erben mußten eruirt werden, andere waren weggezogen. Herr I. W. hat es zu Stande gebracht, sie alle aufzufinden. Einer feiner Gläubiger, dem er 800 Rubel schuldig war, wurde aus einem Dorfe als Weberarbeiter eruirt. So sind die bösen Juden! Paris, 10. Jänner 1807. Der Verwaltungsrath der „Jewish Colonisation Association", hat in seiner am 17. d. M. abgehalteneu Sitzung folgenden Beschluß gefaßt: 1. Die zur Einführung der Viehzucht bei den Colonisten von Mcsesville (Argentinien) erforderlichen Summen zu bewilligen. 2. Den Colonisten von Katra (Palästina) die zur Herstellung eines Wafferwerkes nöthigen Kosten zu gewähren. 3. In den landwirthfchaftlichen Schulen in Palästina und in Tunis, ferner in der Handwerkerschule zu Jerusalem, ebenso in der „Ecvle Orientale" in Auteuil (Lehrerbildungs - Anstalt) russische Zöglinge zu placiren. 4. Den iic den Vereinigten (Staaten als Farmer angesiedelten russischen Familien mit Hypothekar-Darlehen zu Hilfe zu kommen; die Beförderung in New-"Aork etablirter russischer Familien nach verschiedenen Fabriks-Districten zu unterstützen; zur Vergrößerung der vom Baron Hirsch-Fond in New-Aork begründeten Handwerker-Schule beizutragen.

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