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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-29 · 5 (29.1.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Serie 100 Dr. Vlortz's Wochrnschrift. Vir. 5 Tatsachen zu beweise n. Der Kläger erhob dagegen keinen Protest, weil ihm daran lag, zu zeigen, daß ein Nachweis der behaupteten unwahren Thatsachen nicht möglich ist. Der Richter gab oem Anträge statt und so ereignete sich bei der heutigen Verhandlung der vereinzelt dastehende Fall, daß bei einer Berichtigungsklage der Inhalt der im Sinne des § 19 P. G. eingesendeten Berichtigung bezüglich der berichtigten Thatsachen unter gerichtlichen Beweis gestellt wurde. Dr. Zatka erschien, wurde beeidet und sagte so aus, daß der Richter in seinem Urtheile coustatirte, daß der angetragene Wahrheit sbeweis vollständig mißlungen sei. Der Redacteur Franz X. Reitterer wurde zu 70 st. Geldstrafe, bei Nichteiubringlichkeit zu vierzehn Tagen Arrests verurtheilt. Das Erscheinen der „Volkswehr" wird so lange eingestellt, bis sie die Berichtigung bringt. Bemerkenswerth ist das Ergebniß der Verhandlung auch insoferne, als constatirt wurde, daß die „deutsch "- nationale Führung der Budweiser Antisemiten sich nicht scheute, mit dem Führer der südböhmischen Czechen in Verbindung zu treten, als es galt, einen um ben Fortschritt und das Deutschthum in Budweis verdienten Mann anzugreifen. Przemysl, 24. Jänner 1897. Löbliche Redaction! In Ihrem geschätzten Blatte sind schon wiederholt verschiedene Heldentbaten der Militär-Polizei erzählt worden, aber ein Fall, wie er sich hier am Donnerstag den 21. d. M. ereignete, steht unter civilisirten Völkern wohl noch einzig da! Abends gegen 9 Uhr hat das Leichenbegängniß eines armen Juden, der nach anderthalbjährigem, schwerem Leiden gestorben ist, stattgesunden. Als der Conduct in der frequentirtesten Straße, am sogenannten „Platz am Thor", ankam, stellte sich ihm ein Polizeisoldat mit der Aufforderung entgegen, man soll die Leiche sofort ins Spital tragen und bei Tage beerdigen. Im Nu harte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die die Leichenträger umringte. Letztere mußten die Tragbahre auf die Erde fetzen, da sie der Polizeisoldat festhielt und sie jetzt ohnehin durch das furchtbare Gedränge weder rückwärts noch vorwärts konnten. Man denke sich den Schmerz der Familie, die ihren theueren Tobten auf der schutzlosen Tragbahre wußte, die Oiefahr lief, zertrümmert zu werden! Alle, die zugegen waren, waren empört, daß man heutzutage nicht einmal einen Todten schont. — Am schlimmsten erging es den Leichenträgern. Einem derselben versetzte der Polizeisoldat einen Stoß ins Gesicht und einem andern riß er ein Büschel Haare aus dem Barte. Eine Frau, die bis zu ihm vorgedrungen war und um Freilassung der Leiche bitten wollte, warf er rücksichtslos zu Boden. Alle Anwesenden waren derart aufgebracht, daß der Soldat wirklich froh fein kann, mit heiler Haut davongekommeu zu sein. Um den Rückzug ausführen zu können, ging er auf einen angesehenen hiesigen Bürger, der zufällig Zeuge dieser Tragödie war, zu und forderte ihn ohne jeden Grund auf, mit ihm zum Polizei-Commissär zu gehen. Erst jetzt konnten die Leichenträger ihren traurigen Gang fortsetzen. D. G. Prag, 23. Jänner. Professor Dr. Zucker tritt wieder in das parlamentarische Leben ein. Die I u n g c z e ch e n werden ihn in ihre Candidatenliste für den Reichsrath anfnehnien. Alterthümliche und kunsthistorische Funde im Prager Ghetto. Die Banunternehmer, welchen von der Prager Stadtgemeinde die Demolirung eines Theiles der Josefstadt vergeben worden war, haben dem Prager Stadtrathe angezeigt, daß sie bisher eine große Menge werthvoller alterthümlicher und kunsthistorischer Funde aus der Meisel-, Würfel- und Joachimgasse dem städtischen Museum übergeben haben. Görz 22. Jänner 1897. Die hiesige Jsraelitengemeinde hat in kurzer Zeit zwei ihrer vornehmsten Mitglieder verloren. Am 27. November v. I. starb der wegen seiner Biederkeit und Wohlthätigkeit allgemein beliebte Moise B o l a f f i o, 77 Jahre alt, betrauert von 4 Söhnen, welche in geachteten bürgerlichen Stellungen sind und zu Ehren des Gedächtnisses an ihren Vater dem Tempel 1700 fl. spendeten. Der Verblichene bekleidete mehrere Ehrenstellen, auch die als Gabai der Jerusalemspenden, lebte strenge nach den mosaischen Gesetzen und war sehr wohlthätig; daher auch bei dessen Beerdigung sich die Trauer der ganzen Gemeinde kundgegeben hat. Am 1. Jänner d. I. starb Advocat Dr. H e n r i c o Luzzatto, Bicepräsident der Görzer Advocatenkammer im- 59. Lebensjahre. Er hinterließ eine Witwe mit fünf Kindern welche den Wohlthätigkeitsanstalten der Stadt und der Judengemeinde einige hundert Gulden spendete. Der Verblichene war Vorstandsmitglied der israelitischen Gemeinde, ein warmer Anhänger des Judenthums, übte Wohlthätigkeit, wo nur zu helfen war, ohne Rücksicht auf Nationalität und Confession. Bei seinem Conducte betheiligten sich nicht nur unsere hiesigen Glaubensgenossen. sondern auch viele Honoratioren der Stadt, der Stadtrath mit dem Bürgermeister an der Spitze, der Bezirkshauptmannstellvertreter, Se. Excellenz Landmarschall Graf v.K o r o n i n i und Dr. Payer, Präsident der Advocatenkammer, Herr Dörfler, Präses der hiesigen Jsraelitengemeinde. Beide Letztgenannten hielten Grabreden, welche die große Zahl der Anwesenden innigst bewegten. Berlin. (P ro c e ß g e g e n S tö ck er.) Alls Berlin wird uns telegraphirt: Freitag wird die Klage des P f a r r e r s W i t t e gegen den vom Schöffengerichte zu 600 Mark Geldstrafe, eventuell entsprechender Gefängnißstrafe verurtheilten Stöcker in zweiter Instanz vor der Strafkammer verhandelt. Der Proceß wird in politischen Kreisen gespannt erwartet. Zur neuen Verhandlung wird auf Antrag Witte's der jetzt im Zuchthanse befindliche Baron H a m m e r st e i n abermals als Zeuge vorgeführt werden, voraussichtlich auch der jüllgst verurtheilte L e ck e r t. Ferner hat Witte die Geheimräthin Wageuer, Witwe des „Kreuzzeitung"-Wagener, geladen. Breslau, 18. Jänner. (P a l ä st i n a - A u s st e l l u n g.) Am Sonntag, 26. Jänner, wird hier im Hause O h l a u e r - straffe 12, I, eine Aus st ellun g der Erzeugnisse jüdischer Dörfer i n P a l ä st i n a eröffnet werden. Zur Ausstellung gelangen Sämereien, Weine, Liqueure, Parfülns, Rohseide, Schnitzarbeiten u. A. m. Die Erzeuger aller dieser Producte sind Auswanderer ans Rußland und Rumänien, die sich vor etwa 10 Jahren in Pal ä st i n a niedergelassen haben, um sich dort mit viel Geschick und großem Erfolge dein A ck e r b a ll zu widmen. Die A u s st e l l u ri g, zu welcher Jeder ln a n lt freien Zutritt hat, wird von einem Brest a u e r Verein zur Unterstützung ackerbautreibende r Inden i n P a l ä st i n a u n d S y r i e n v e r.a n st a l t e t. Frankfurt am Main, 26. Jänner. Der Vortrag des Wiener Gerneinderathes Lncian B r u n n e r im Frankfurter Demokratischen Verein fand vor dichtgefülltem Saale statt. Warm begrüßt, erörterte der Gast die Gestaltung der geine r tili ch e n Verhältnisse i n O e st e r r e i ch, die Gegenwart und Zukllnft des Kleingewerbes und warnte vor einer Nachahmung der legislatorischen Jnteressen-Begünstigung, wie sie auch in Deutschland von gewisser Seite angestrebt werde. Lebhafte Zustimmung in Wort und Beifall folgte den ruhigen und sachlichen Darlegungen des Wiener Gastes. Frankfurt a. M., 19. Jänner. Eine ganze Reihe hie" siger christlicher Firmen ist um die Weihnachtszeit mit Schmäh- und Drohbriefen gemeinster Sorte bedacht worden. Ich habe einige dieser Briefe gesehen, sie überbieten an Niederträchtigkeit Alles, was ich bis jetzt in dieser Richtung kennen lernte. Man kann sich doch kaum im Unklaren darüber sein, daß Antisemiten die Urheber dieser Briefe sind; trotzdem nahm die „Deutsch- Sociale Neformpartei" die Gelegenheit wahr, sich öffentlich bemerkbar und Reclame zu machen. Sie erließ eine Entrüstungsannonce. Die Antisemiten verstehen es ja so gut, sich zu entrüsten. 100 Mark Belohnung werden vom „Deutschen Verein", berühmt durch die Herausgabe des „Deutschen Adreßbuches", ausgesetzt für denjenigen, „wer uns oder der Königl. «Staatsanwaltschaft die Thäter so bezeichnen kann, daß dieselben gerichtlich belangt werden können". Rührend dabei ist die hohe Meinung, welche die Antisemiten von dem hochentwickelten Anstandsgefühl ihrer „Genossen" haben. Sie sagen nämlich in jener Annonce: „Wer die Anhänger unserer Bewegung und die Mitglieder unseres Vereines kennt, wird zwar ohne Weiteres wissen, daß Niemand von denselben im Stande ist, ein solches Bubenstück zu verüben", um dann gleich in dem Nachsatze: „und aus dem Styl dieser Drohbriefe ist fiir den Eingeweihten auch ohne Weiteres ersichtlich, von welcher Seite dieselben aufgegeben worden sind, um unsere Bewegung zu discreditiren," zu beweisen, wie es in der That mit dem antisemitischen Anstand bestellt ist. Wer gemeint ist, braucht kaum commentirt zu werden. Später forderte eine hiesige Drucker-Firma mittelst Annonce diejenigen auf, welche antisemitische Schmäh- und Drohbriefe erhalten hatten, ihr dieselben zur Verfügung zu stellen. Die Folge dieser

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