Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 98 Dr. Vloch's Vvchenichrtft. 4tr. 5 tempels verwies, die unter der Aegide des Verstorbenen vor sich gegangen und den Vorstand veranlaßte, dem Präses durch ein eigens für diesen Zweck zusammengestelltes „Mischeberach" den Dank abzustatten. Nun wurden die üblichen Gebete verrichtet, woraus die Feier mit dem Kaddisch und einem Chor endete. J. Am 22. d. M., Abends, hielt im Tempel des IX. Stadtbezirkes Herr Dr. Gelbhaus eine Gedenkrede aus den verewigten Präsidenten Herrn Gustav S i m o n. Der Vorstand der Tempelgemeinde, die engeren und weiteren Ausschüsse waren vollzählig erschienen. Ein zahlreiches Publicum aus allen Bezirken füllte die Räume des Gotteshauses. Herr Dr. Gelbhaus schilderte die Glaubenstreue und Stammesliebe des Verblichenen, die er als Israelit und als Gemeindevorsteher vetbätigte. Gleich den führenden drei Persönlichkeiten Moses, Aron und Mirjam, fuhr der Redner fort, durch deren Tugenden Israel die labende Quelle, die schützende Wolkensäule und das himmlische Brod, nach der Lehre der Waisen, zu Theil wurde, brachte der Verewigte seiner Gemeinde ebenfalls diese Gaben. Den dürftigen Kranken war seine Hilfe ein labender Quell. Den Waisenkindern war er eine schützende Wolkensäule und den Sterbenden brachte seine Barmherzigkeit iu der letzten Lebensstunde das himmlische Brod. Die Rede machte aus alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Mit einem Gebet für das Seelenheil des Verewigten schloß die weihevolle Feier. Im israelitischen B e t h a u s v e r e i n Brigittenau wurde für den verstorbenen Präses der Cultusgemeinde der Trauergottesdienst abgehalten, welchem der Sohn des Verstorbenen, der Gesammtvorstand des Vereines als auch ein sehr zahlreiches Publicum beiwohnte. Herr Rabbiner S o r hielt eine Predigt, in welcher er die Eigenschaften des Verstorbenen hervorhob. Der Synagogenbau-Verein für den IV. und V. Bezirk veranstaltete über Anordnung seines Präsidenten, des Redacteurs Herrn Adolf Lichtblau, einen Trauergottesdienst für den verewigten Präses der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Gustav S i m o n, welcher auch die Würde eines Ehrenpräsidenten des genannten Synagogenbau-Vereines bekleidete. Zu dieser Trauerseier, welche im Margarethener Tempel abgehalten wurde, hatten sich zahlreiche Theilnehmer eingefunden. Man bemerkte außer den Söhnen und Töchtern des Verblichenen die Vorstandsmitglieder der Cultusgemeinde, Herrn Hildburgh ä u s s e r, Architekten Fleischer, Secretär Dr. Lieben und Friedhofsverwalter Bäcker, Herrn H o f m a n n. Vorstand-Stellvertreter des Tempelbau-Bereines, den Industriellen Hacker und zahlreiche Damen. Die Ceremonie wurde mit dem Abendgebete eingeleitet. Hierauf intonirte Cantor Tauber den Psalm 49. Rabbiner Reich hielt sodann eine tiefdurchdachte geistvolle Rede, welche die Zuhörer mächtig ergriff. Nachdem das Seelenlicht für den Hingeschiedenen angezündet worden, schloß die Feier mit den üblichen Trauergebeten. Wien, 22. Jänner. (Eln attaquirter Hausirer.) Vor dem sürsterzbischöflichen Palais in der Rothenthurmstraße steht feit langer Zeit der Hausirer Samuel Sch older und bietet Spielwaaren feil. Der Portier sieht dies nicht gerne. So oft deshalb Scholder mit seinen Spielzeugen etwas Lärm schlug oder gar einer Vogelpfeife irgend welche Töne entlockte, erzürnte der Portier darüber und faßte dies, wie er sagt, als „Provocation" auf; es kam deshalb zwischen ihm und dem Hausirer zu Reibereien. Davon wußte der Geschäftsdiener Josef Knot, und auch er war deshalb auf Scholder schlecht zu sprechen. Am 1. December v. I. verlieh Knot, der erstatteten Anzeige zufolge, seinem Ingrimm gegen den jüdischen Hausirer in folgender Weise rohen Ausdruck. Unvermuthet trat er auf Scholder zu, schrie ihm „Saujud" ins Gesicht und versetzte ihm eine so wuchtige Ohrfeige, daß der Hausirer aus Mund und Nase heftig blutete. Im nächsten Augenblicke nahm Knot Reißaus und rannte, was er konnte, gegen die Jasomirgottstraße. Hinter ihm drein kam eine kolossale Menschenmenge. Einer zerbrach sogar einen Stock an dem Kopse Knot's. Angeblich soll dies Dr. Victor A d l e r gewesen fein, wenigstens wurde gegen ihn in diesem Sinne die Anzeige erstattet. Endlich erschien ein Wachmann, und dieser wurde aufgefordert, die Verhaftung Knot's vorzunehmen; allein er Ihat dies nicht, sondern begnügte sich mit der Aufnahme des Nationale. Heute nun hatte sich Knot vor dem Sttafrichter des Bezirksgerichtes Innere Stadt, Adjunrten Dr. Langer, wegen wörtlicher und thätlicher Ehrenbeleidigung und leichter Körperverletzung zu verantworten. Der Angeklagte erklärte sich nichtschuldig; er sei dem Scholder nur ein wenig an den Mund gefahren, damit er nicht allzu sehr schreie. — Richter: Was für eine Veranlassung hatten Sie zu diesem Rencontre? — Angeklagter: Der Hausirer hat mir einige Tage vorher „Henk' Dich auf!" zugerusen. — Richter: Haben Sie „Saujud" gesagt? — Angeklagter: Gott sei mein Zeuge, das Hab, ich nicht gethan. Mehrere Zeugen bestätigten sodann vollinhaltlich die Anklage. — Portier Leopold Bauer vom füesterzbischöflichen Palais gab an, daß ihn Scholder öfter dadurch „provocirt" habe, daß er entweder links oder rechts vom Thore stand und auf einem Spielzeuge pfiff. Scholder selbst erzählte, daß die Gehässigkeit des Angeklagten gegen ihn schon von lauge her datire. Knot habe ihm immer gesagt: „Der Lueger wird euch Juden schon nach Palästina treiben." — B e r» theidiger: Sie werden auch nicht ruhig gewesen sein? — Privatbetheiligter Scholder: Ich leide genug tagtäglich. Die jüdischen Hausirer müssen sich heute gar oft beschimpfen lassen, bis sie die paar Kreuzer verdienen. Wenn man da Jedem antwvrten wollte, hätte man viel zu thun. — Der Richter verurtheilte den Angeklagten wegen Ehrenbeleidigung zu ach tu n d v i erz i g Stunden Arrests. Bon der Körperverletzung wurde Knot freigesprochen, da der Angegriffene keine sichtbaren Merkmale und Folgen davongetragen hatte. In der Urrheilsbegründung hieß es ausdrücklich, daß das Benehmen Scholder's keineswegs ein provocaiorisches gewesen sei, daß sich vielmehr Knot äußerst roh benommen habe. Der Verurtheilte meldete die Berufung an. Prüfungseommission für das Lehramt der Stenographie. Der Minister für Cultus und Unterricht hat die Herren: Karl W e i z m a n n, Revisor im reichsräthlichen Stenographenbureau, Leiter des communalen Stenographenbureaus und Lehrer an der Allina'schen Handelsschule, und Emil K r a m s a l l, Rechnungsrevident im Unterrichtsministerium, zu Mitgliedern der Wiener Prüfungscomntissiorl für das Lehramt der Stenographie ernannt. Budapest. (Journalisten beim BischosBubics). Am letzten Sonntag empfing Bischof Sigmund B nb ics eine Deputation des K a s ch a u e r Journalisten- und Schriftstellervereins „Otthon", welche dem gelehrten Kirchenfürsten als Ehrenmitglied des Vereines ein Exemplar des „Kassai Almanach" überreichte, berauch zwei werthvolle Aufsätze des Bischofs enthält. Der Bischof empfing, wie wir in der „Pannonia" lesen, die arls den Herren Dr. Leopold Glück, Dr. Ignaz Hohe nflite r, Sigmund Kovacs, Johann Kreß, Bela L a d a n y i, Ludwig Ries, Adolf Ungar und Koloman B a r g a bestehende Deputation mit der liebenswürdigsten Freundlichkeit, dankte auf das Verbindlichste für den Almanach und versicherte die Deputation, daß es ihm jedesmal ein besonderes Vergnügen bereite, die Schriftsteller und Journalisten der Stadt bei sich zu sehen und mit ihnen in anregender Weise zu conversiren. Hierauf lud Ludwig Ries den Bischof zu der vom „Otthon" zu arrangirenden Unterhaltung ein. Seine Excellenz dankte für die Einladung und bemerkte, daß er sich in Gesellschaft der geistigen Intelligenz immer sehr wohl fühle, daß er aber nicht mit Bestimmtheit Zusagen könne, da er gerade für jene Zeit vom Ministerpräsidenten eine Einladung erhalten habe und längere Zeit fernzubleiben gedenke. Der Bischof zeigte seinen Gästen einige Schätze seiner werthvollen Bibliothek, worauf sich die Mitglieder des „Otthon" vom Bischof empfahlen, der noch den Wunsch aussprach, daß sie im Frühling, wenn seine Bibliothek - zugänglich sein wird, ihn besuchen und dieselbe besichtigen mögen. In Budapest werden jüdische Journalisten von einem Kirchenfürsten geehrt, in Wien dagegen werden jüdische Stenographen aus dem Landtage hinausgedrängt. Brünn. (Auflösung des Gaues IX. des Bundes deutscher Radfahrer Oesterreichs.) Aus Brünn wird uns berichtet: Vorigen Sonntag fand ein ordentlicher Hauptgautag des Gaues IX des Bundes deutscher Radfahrer Oesterreichs statt, an dem aus Wien die Herren Balduin Groller, Heinrich Schrötter, Willy K o h n und Josef A d a m e tz theilnahmen. Die Gauleitung beanttagte durch ihren ersten Vorsitzenden, Herrn Dr. Wladimir Lustig, mit Rücksicht auf die antisemitischen Vorgänge im Bunde die Auflösung des bisher freisinnigen Gaues IX. Der Anttag wurde mit 37 gegen 7 Stimmen angenommen. Die fteisinnigen deutschen Radsahrervereine Mährens streben nunmehr die Gründung eines selbstständigen Landesverbandes an. Brün«. (Jubiläum eines Stationsvorst a n d e s.) Der Jnspector der Nordbahn, Herr Hermann Epler, vollendet soeben sein 25. Dienstjahr als Stationsvorstand in Brünn. Die großen Verdienste, welche sich der in weitesten Kreisen hochgeschätzte Beamte während dieser langen Zeit bei den bekannten schwierigen räumlichen Verhältnissen der hiei sigen Bahnhofanlage um den Verkehr erworben hat, bieten den