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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-29 · 5 (29.1.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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i)it. 5 Vr. Vlor^'s Wochrnsrhrtfl Seite 97 Auch wenn ein Streich daneben geht und ein Kämpe im Streit verwundet wird, sollte nicht gleich ein so großes Geferres angestimmt! und Las Hohngelächter der Feinde verdoppelt werden. Das thut dem s Herzen wehe. Aber trösten Sie sich und verzagen Sie nicht. Mir ist es in Wien vor Jahren ebenso gegangen; es hat mich jedoch im Kampf nicht irre gemacht." — Nun! Herr Sedlatzek tröstet sich und bleibt wach!" 9(1)0, wenn ein Antisemit sich schwerer, mit längerer Gesängnißstrase geahndeter Verleumdungen schuldig macht, dann nennt das Dr. Deckert euphemistisch : „E i n S t r e i ch g e h t d a n e b e n." Da sage noch Einer, der Herr Pfarrer sei nicht tolerant! Jüdische Dankbarkeit. Das katholische „Echo der Gegenwart" in Aachen hat am 5. Jänner eine Studie über den rheinischen Dichter Wilhelm Smets veröffentlicht, in der sich folgender Passus befindet: „Er hatte sich entschlossen, Priester zu werden. Es fehlten ihm jedoch die Mittel, diesen Entschluß auszuführen, zumal durch den Tod seines Oheims von Aachen aus keinerlei Unterstützungen zu erwarten waren. Da wurden ihm solche durch eine eigenthümliche Wendung zugeführt. In einer jetzt vergessenen Posse „Unser Verkehr" von Sessa wurde am Judenthum gerade das getadelt und verspottet, was auch den Christen heilig ist. Smets trat in seinem Kunsturtheile heftig und unumwunden gegen diese Posse aus, verrief sie für nichtswürdig und hatte den Erfolg, daß das Stück nicht mehr gegeben wurde. Die Juden zeigten sich ihm sehr dankbar und ließen ihm durch ihren Rabbiner die Summe zum Studium der Theologie in barer Münze anbieteu. Ablehnung wurde versucht, aber der Jude bat so rührend» drang so liebevoll in den Christen, daß dieser die Gabe endlich annahm. Smets zog nach Münster in Westphalen und dann mit seinem Lehrer Hermes von dort an die neugegründete Universität Bonn. Am 8. September 1824 wurde er zum Priester geweiht. Die geistliche Oberbehörde erkannte in ihm den Mann des Geistes, des Wortes, des Strebens und der That, und sie berief den jungen Cleriker als Caplan und Sonntagsprediger an die hohe Domkirche zu Köln, die wohl nie eine größere Zuhörerzahl umfaßte, als wenn Smets predigte." Wir können noch hinzufügen, daß Wilhelm Smets ein Jugendfreund und Studiengenosse von Heinrich Heine gewesen ist. Damals war das studentische Zusammenleben in Deutschland eben ein anderes als heute. Die Mischehe. Die Sprache der Statistik ist eine so zwingende, daß man ihr gegenüber auf jede Polemik verzichten muß. Prüfen tvir die Ergebnisse der Statistik, soweit sie sich auf die Resultate der Mischehen beziehen, so kommen wir unbedingt zu der Erkenntniß, daß dieselbe nicht nur von unheilvollem Schaden für das Judenthum begleitet ist, sondern auch, daß sie auch ans anderen Gründen zu beklagen ist. Allerdings liegen uns blvs die diesbezüglichen statistischen Ziffern aus Preußen vor, allein die Schlüsse, die sich aus denselben ergeben, müssen auch verallgemeinert ihre Geltung behalten. Der relative Rückgang der Juden in Deutschland ist seit fünfzehn Jahren durch jede Volkszählung coustatirt worden. Die Mischehe ist es, die hiezu in erster Linie beiträgt. Bon 53.679 Ehen in Preußen, an denen Inden, resp. Jüdinnen in den letzten 20 Jahren betheiligt waren, sind circa 10'/., Percent Mischehen. Beinahe die Halste der Mischehen entfällt aus Berlin, d. h. jede vierte von Inden daselbst geschlossene Ehe ist eine Mischehe mit Nichtjnden. Die Folgewirkuug der Mischehen sind aber fast immer Gleichgiltigkeit oder völliger Abfall vom Judenthnm, und es ist eine Thatsache, daß nur der vierte Theil der Kinder, die aus Mischehen hervorgehen, im Judenthum erzogen wurden. Hiezu kommt noch die höchst merkwürdige Erscheinung, daß der Kindersegen bei Mischehen ein verblüffend geringer ist und in keinem Berhältniß zu jenem steht, der bei Ehen zwischen Inden oder bei Mischehen zwischen Katholiken und Protestanten wahrzunehmen ist. Schließlich aber erweisen gleichfalls die statistischen Daten, daß die Mischehen zwischen Juden und Christen die unglücklichsten sind, da sie das größte Contingent z u d e n — Ehescheidungen stellen. Daraus ergibt sich mit überzeugender Gewißheit, daß die Mischeheil beiden Theilen nicht jenes Glück bringen, das sie wohl bei Eingehung derselben erhofften, und daß die Reue zu spät gekommen sei. Der Hinweis auf die Religion und ihre Gebote hat nur selten I die Kraft, die Eheschließung zwischen den Angehörigen verschiel dernen Glaubens zu hindern, vielleicht hat die Sprache der statistischen Ziffern eine größere Beweiskraft. Sie zeigt ja nicht nur, daß das Judenthum durch die Mischehe großen Gefahren ausgesetzt ist, sondern auch, daß sie selten Glück und Befriedigung im Gefolge hat. Correspond enzen. Tvien. (Mechaniker Schneider als Scharfrichter.) Namentlich in der 5.Curie wird der Wählersang seitens der Autise- . miteu mit großem Eifer betrieben. Unlängst fanden sich in i Schwarzinge r's „Dianasaal" in Meidling Riechaniker j Schneider und dessen fürstlicher Gönner Prinz! L i e ch t e n st e i n ein, um vor einer zumeist ans christlichj socialen Arbeitern bestellenden Versammlung in gewobnt niedriger j und brutaler Weise die antisemitische Heilslehre ’>u predigen, j Wiederholt kam es vor dem Saaleingang zu turbulenten Scenen -; hier walteten die handfesten Ordner ihres phpsisch anstrengenden j Amtes, denn sie hatten die Hände voll zu thim, um den Svcialz demokraten, die als Wähler der fünften Curie Interesse hatten, I der Versammlung beiznwvhnen. den Eintritt zu verwehren, i Schneider machte der Versammlung die freudige und über- •; raschende Mittheilung, daß der Führer der antisemitischen Partei, Dr. Lueger selbst, sich bereit erklärt habe, ein Mandat aus der fünften Curie in Meidling anznuehmcn. Dieser Mittheilung j folgte begreiflicherweise Beifall. Dieser steigerte sich aber zum Orkan, als dieser Mensch — sit venia ver'x> erklärte, er werde im künftigen Reichsrathe einen Gesetzentwurf einbringen, dahin lautend, daß den Inden sowohl das aerive, wie das passive Wahlrecht zu nehmen sei, daß Wahlmißbräuche mit dem Tode durch den Strang zu ahnden seien und daß er selbst zum Urtheilsvvllftrecker bestimmt werde. „Mich selbst soll man anshängen," fuhr Schneider fort, „wenn ich nicht mit vollem Eiter meines Amtes walten werde." Hoffentlich wird man ihn l beim Wort nehmen. Lvien. iT r a u e r g v t t e s dien st f ü r w e i l. G n st a v S i m v n.k In erhebender Weise, würdig der Berj anstatter, sowie des Heimgegangenen, fand Donnerstag, 21. d. M.,! im Stadtternpel ein dem Andenken des verstorbenen Präsidenten, J Gustav Stmo n, geweihter Trauergottesdienst statt, der sich i zu einer spontanen Kundgebung der Draller um den allgemein I ob seiner biederen Charakttr-Eigenschafterr, gepaart mir dem! Inbegriff des unserer heiligen Religion voll und ganz ergebenen, hochgeachteten Mann gestaltete. Das Gotteshaus, dem Anlasse entsprechend schwarz drapirt, konnte kalim die Zahl derer fassen, welche herbeigeeilt waren, dem durch Pier Tecennien in hervorragendeil Stellungen thätigeu eberc verblichenen Präses, welcher es vom Bethanscommissär bis zur höchst zil verleihenden Ehreustelle brachte, ihre aufrichtige Pietät, sowie den Ausdruck der wahren Trauer uni dessen Hiuscheiden zu bezeugen. Unter den Anwesenden bemerkte man nebst den Familienangehörigen des Verstorbenen die Reichsrathsabgeordneten L n z a t t o und R o s k e, die Gemeinderäthe Bauraih von Golds ch m i d t, Seiler, Banralh S r i a ß u n, Tagleicht und Z i ss e v e r, die Bezirksausschüsse Fischet, H aide r, Tr. H e i n und W a l d st e t u, den gesummten Cnltnspvrstaud mit dem Bicepräfes, kaiserlichen Rath Klinge r an der Spitze, iBicepräses Tr. Alsr. Stern, war wegen schwerer Erkrankung seines Bruders verhindert), den Bethansvorstand in empöre mit dem Alterspräsidenten Jacques B r anbei» an der Lwitze, die Herren R » s s v mtö A butt in Vertretung der türkischisraelitischen Gemeinde, die Rabbiner Tr. G elbh a u s. Dr. Schmiedl und Tr. S v r, den Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" Tr. B l o ch, Religionsschulinspector Dr. Nt. K a n i tz, Militärseelsorger Tr. L a n g s e l d e r, die Professoren Dr. B ü ch l e r und Dr. M ü l l e r von der jüdisch-theologischen Lehranstalt, Secretär Tr. Lieben mit sämmtlichen Beamten der Eultusgemeinde, Spitalverwalter Professor Dr. O s e r und Armenarzt Dr. K o r a n y i, Dr. W a h r m a n n, Director Heller vom Blindeninstitut, den langjährigen. Freund des Verstorbenen Wilhelm Edlen von Glase r, Amanlielisis Tr. M ü n z, kaiserlichen Rath L e i nk a u s, Commereialrath U. S t i a ß n y, den Vorsteher der Armenanstalt Joses Jelinek, zugleich als Bicepräfes mit dem Präsidenten PH. B o n d y als Repräsentanten des Vereines für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten, die Obercantoren B a u e r und Scho r, die Eantoren Blatt und Petersilk a, die Obmänner mit den Vorstandsmitgliedern sämmtlicher israelitischer Vereine Wiens, sowie zahlreiche Andächtige re. Nachdem Obercantor Singer den 49. Psalm vorgetragen, hielt Oberrabbiner Dr. G ü d^e m a n n die Gedenkrede, welche die ausgebreitete Wirksamkeit S i ni^o n's schilderte, und namentlich aus die Restaurirung des Stadt

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