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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-22 · 4 (22.1.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
4 (22.1.1897)
Date
1897-01-22
Page
– (sequence 20)
Language
German
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59»9HSB9!ffB57! Seite 84 Vr Vloch's Wochenschrift. ^ir. 4 Obwohl dieser Tag, der so heiß ersehnte, einmal anbrechen wird? Ein kräftigerer Windstoß zerstreute ans einen Augenblick den Nebel, und aus demselben kam plötzlich ein kleiner, in grünlich goldenem Lichte strahlender Stern zum Vorschein . . . War es vielleicht ein Stern der Hoffnung? Wer weiß? Literatur. („Friihschein.) Vier Geschichten vom Ausgange des großen Krieges, veröffentlicht unter diesem Titel I. I. D avid. Der Dichter, der dieses Buch geschrieben, gehört zu den interessantesten Erscheinungen der zeitgenössischen Literatur; er ist eine Individualität von ganz eigenartigein Gepräge; er hat sich einen hochragenden Platz errungen, ans dem er allein steht. So wie I. I. David als Lyriker Accente angeschlagen hat, die ihn zu jenen vereinzelten Sängern in dem ungeheueren deutschen Dichterwald machen, deren Lieder ebenso bedeutende als originelle Geistes- und Empfindungswelt offenbaren, so sind auch seine plastischen Werke Schöpfungen eines durchaus selbstständigen, seine eigenen Wege wandelnden Geistes. In jeder Zeile verräth sich der- Poet, der in die Tiefen der menschlichen Seele untertaucht und ihre geheimsten Regungen enthüllt. Das Erwachen der zartesten Gefühle, wie das verheerende Walten übermächtiger, dämonischer Leidenschaften zeichnet David mit gleicher Meisterschaft. Und so wie er die stumme Sprache der Natur zu deuten und zu beleben versteht, sagt er uns mit einem Satze oft mehr über das Denken und Fühlen der Personen, die er uns vorführt, als viele Romanschreiber in ganzen Capiteln es vermögen. Die Sprache I. I. David's, diese knappe, kurze, jedes überflüssige Wort vermeidende Sprache birgt einen unendlichen Reichthum von Gefühlen und Gedanken, die den Leser mit unentrinnbarer Gewalt fesseln. Man erkennt den Künstler, der aus einem Marmorblocke Gestalten meißelt, die in herrlicher Schöne, in reinen, tadellosen Linien, frei von jedem störenden Zierwerk, vor unserem Auge erstehen. Das jüngste Buch I. I. David's, (das in prächtiger Ausstattung im Verlage von G. H. M e y e r, Leipzig, erschien), gehört zu den reichsten Darbietungen des Dichters, in der wir alle seine Vorzüge wiederfinden. Vier Geschichten, deren Schauplatz die von Kamps und Greueln erfüllte Zeit des siebzehnten Jahrhundertes bildet, sind hier zu einem Ganzen vereinigt. Der Dichter hat schärfer und besser als es der glänzendste Culturhistoriker vermöchte, ein Bild der Zeit und ihres Einflusses auf die Mens hen entworfen, daß wir glauben, die Vergangenheit erstehe vor uns auf's Neue. Die letzte der Geschichten heißt „Frühschein". De'' Dichter scheint in heimlicher Vaterliebe diese für die beste gehalten zu haben, da er den Titel derselben dem ganzen Buche vorangestellt hat. Wir können uns da der Meinung des Dichters anschließen, der nichtwie Andere die zärtliche Vorliebe dem Schwächlichsten seiner Sprößlinge zugewendet, sondern mit klarem Blicke den wohlgetroffensten erkannt hat. Wir kennen wenige Erzählungen, die sich mit dieser an dichterischer Gewalt vergleichen ließen. Damit, daß wir ihren Inhalt erzählen, würden wir nur Weniges zur Kennzeichnung ihres Werthes beitragen. I. I. David gehört zu jenen Dichtern, die man nicht durch das kennen lernt, was über sie geschrieben wird, sondern nur durch das, was sie selbst schreiben. Er unterscheidet sich auch hierin von so vielen Anderen, die nur groß erscheinen, so lange man die Urtheile über ihre Bücher und nicht diese selbst liest. Briefkasten. M. S. in N. D.is Abonnement lauft bis letzten Jänner 1897. L. GS. Der Karlsbader Rabbiner heißt Dr. Ziegler, ein zweiter Rabbiner in Karlsbad Namens Schulhof ist uns nicht bekannt. H. W. aus Wien. Daß das Cass Hirsch in Olmütz weder das „Deutsche Volksblatt" noch den „Kikeriki" auflegt, nehmen wir mit Befriedigung zur Kenntniß. M. N. Wie die Sachen stehen, wird Dr. W ä h n e r nicht allzu bös gewesen sein, daß bei Gericht das Wort des Herrn Kreisel citirt wurde: Der Dr. Wahner ist bei mir nur der Hausknecht, er muß thun, was ich will." L. G. Wenn mau wissen will, was die Antisemiten werth find, so muß man nur den Anfichten Glauben schenken, welche die Herrschaften vor Gericht über einander äußern. N. H. Es wäre gar nicht überraschend, wenn Schneider jetzt auch den Bürgermeister S t r o b a ch zum „Judenknecht" stempeln würde. Die Stampiglie hat er dazu. a. l. Dr. Lueger wird, so hoffen die Aerzte, jetzt gelegentlich seiner Leidenschaft für alte Weiber Zügel anlegen. M. H. Die alte Geschichte. Die wohlthätigen Juden dürfen das Geld testieren und die Christen bekommen es. Dr. B. H. Als Fürsterzbischof G r u s ch a gegen die Verwahrlosung der Kinder sein Wort erhob, wurde die Frage aufgeworfen : Was thut der hohe Clerus, um der Verwahrlosung der Großen, die durch den Antisemitismus befördert wird, entgegenzutreten. Dr. A. Biach, Brüx. Sie haben recht, es handelt sich um den Dichter I. P. Hebel und nicht um Friedrich Hebbel, An meine Glaubensgenossen! Vor ungefähr 2 Jahren gab ich in einer Versammlung der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union die Anregung, anstatt der modern gewordenen Kränze bei Leichenbegängnissen officielle En th eb ungs k arten einzuführen. Diese Anregung, deren praktische Berwerthung, unter Hinweis auf die Resultate anderer Gemeinden und auf die ergiebige Einnahmsquelle für unsere Wohlthätigkeits-Jnstitute gründlich motivirt wurde, veranlaßte die Versammlung zu dem einmüthigen Beschlüsse, daß die Vereinsleitung der Ü n i o n dieser Idee zur Verwirklichung verhelfe. Aus sachlichen Gründen wendete sich Letztere an die C h e w r a - K a d i s ch a, die mich nach 2 Sitzungen zum Referate einlud und ein Dreier-Comite, bestehend aus den Herren Emil H o r n e r, Dr. Marcus Spitzer und meiner Wenigkeit, bestimmte, ein Elaborat auszuarbeiten und Eirthebungskarten anderer großer Gemeinden vorzulegen. Selbstredend unterzogen wir uns pflichtgemäß dieser Arbeit, seitdem sind nun circa 2 Jahre verflossen, ohne daß ein Elaborat von uns abverlangt wurde. Die Gründe des Ueberganges zur Tagesordnung - über diesen gewiß nützlichen Vorschlag sind ,,7 minoan Ich halte jedoch die rasche Realisirung der Idee für zeitgemäß, für echt religiös und für ein Bedürfniß unserer israelitischen Humanitären Institute, die in Zukunft wahrscheinlich noch dürftiger nach neuen Einnahmsquellen lechzen werden, als die Bevölkerungszahl sich vergrößert und zunimmt. Es ist auch zu befürchten, daß die bevorstehende Erhöhung der Cultussteuer die Spenden für Vereine und Wohlthätigkeitsanstalten trotz der Großherzigkeit vieler unserer Glaubensgenossen spärlicher gestalten könnte. Darum wende ich mich an die berufenen Vereine und Corporationen, welche sich ein hohes Verdienst um unsere Gemeinde sichern wollen, die praktische Einführung der Enthebungskarten bei Leichenbegängnissen in Wien sofort in die Hand zu nehmen, mfjMm ir:nbi damit eine neue reiche Quelle von Einnahmen unseren uns am Herzen liegenden jüdischen Wohlthätigkeits-Jnstitutionen raschest zugeführt werde. Hochachtungsvoll S. B r o d. Wien, 20. Jänner 1897. Qorrssponclsnt perfecter Stenograph, wird für ein technisches Bureau gesucht. Offerte unter »A. K. Z.« an die Administration dieses Blattes. BS^ WT unv Ziehung ^am unwiderruflich 20. Februar. ^8 ''Innsbrucker losr ä 50 Kreuzer. 5001 Haupttreffer 75.000 Kronen. Lose empfehlen Central - Wechselstube des Wiener Bankverein I., Herrengasse 8 Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.

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