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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-22 · 4 (22.1.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
4 (22.1.1897)
Date
1897-01-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 80 Dr. Vlvch's Wochenschrift Nr. 4 christlichen Mitbürger gab Zeugniß von der Beliebtheit und der Werthschätzung, deren sich der Verstorbene erfreut hatte. Der Verstorbene gehörte zu den ältesten Juden unserer Gemeinde, zu den ersten jüdischen Ansiedlern unserer Stadt, in der früher, als in einer Bergstadt, der Aufenthalt nicht gestattet war. Er hatte in früheren Jahren durch längere Zeit das Amt des Cultus- Vorstehers bekleidet und gehörte auch jetzt dem Vorstande an. Seine Wohlthätigkeit beschränkte sich nie auf die Confessiou, sondern er spendete stets, wo es nöthig war, sowohl an Juden, als an Christen. Bei dieser Gelegenheit konnte man mit Freuden constatiren, daß die jüdische Bevölkerung in schönster Harmonie mit ihren christlichen Mitbürgern lebt; denn man sah alle Stände vertreten, Beamte, Professoren der Staatsrealschule, Bürger und selbst Officiere. Einige christliche Mitbürger scheuten selbst das schlechte Wetter und den weiten Weg nicht, um ihm das letzte Geleite auf dem eine Stunde entfernten Friedhof zu geben. Der Gesammtvorstand unserer Gemeinde, mit dem Herrn Vertreter der Beerdigungsbrüder fuhr bis auf den Friedhof, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die rituellen Functionen im Trauerhause und auf dem Friedhofe versah der hiesige Rabbiner. Brüun. (Versammlung der israelitischen Religionslehrer.) Dem Vorsitzenden-Stellvertreter dieser Versammlung, Herrn Dr. Max Grünfeld in Brünn, ist seitens der k. und k. Cabinetskanzlei folgendes Schreiben zugegangen: „Seine k. und k. apostolische Majestät haben der Versammlung der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen für ein am 28. December 1896 aus Brünn an Allerhöchst denselben gerichtetes Huldigungs-Telegramm den Allerhöchsten Dank auszusprechen geruht." Holleschau, am 19. Jänner. Vor einem überaus zahlreichen Auditorium hielt Sonntag den 17. d. M. Herr Albert Löw aus Budapest einen Vortrag über den jüdischen Adel. Herr Löw führte, unter Anwendung mehrerer Stellen aus der heiligen Schrift, dem Talmud und dem Midrasch, aus, daß das Judenthum durch den angestammten Herzensadel, durch die Beibehaltung der Nationalität und durch die Heilighaltung des sittlich reinen Familienlebens stets ein vornehmes Volk war, und dieser nicht durch Geburt ererbte, sondern durch eigene Vorzüge erworbene Adel des Herzens und der Intelligenz bis auf den heutigen Tag bei uns nicht ausgestorben ist. Die Zuhörer, welche mit gespannter Aufmerksamkeit dem gediegenen und interessanten Vortrag folgten, spendeten dem Redner durch langanhaltenden Applaus reichlichen Beifall. Zum Schluffe dankte unser ehrwürdiger Herr Rabbiner Herrn Löw im eigenen und im Namen aller Zuhörer für den bereiteten Genuß. Herr Löw beabsichtigt diesen Vortrag demnächst im Drucke erscheinen zu lassen und den Ertrag desselben der hiesigen Talmud-Thora-Anstalt zuzuwenden. Butschotvitz. Bei der am 17. Jänner l. I. stattgefundeneu Generalversammlung des Israelitischen Kranken- und Leichenbestattungsvereines „Gennies Cbasodim“ wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Leopold S t i a ß n y (Präses); Moritz N o w a t s ch e k (Präses-Stellvertreter); Salomon Jelinek (Cassier). In den Ausschuß erscheinen folgende Herren als gewählt : Josef Selka, Josef P i s k a t y, Lipman Jelinek, Josef Morawetz, Sigmund Wiesner. Radnitz, 11. Jänner. (Israelitische Cultusgemeinde.) Gestern wurden gewählt die Herren: Julius Popper zum Vorsteher; Carl K a tz zu dessen Stellvertreter; Hermann Wallner zum Cassier; Leopold Kohn zum Rechnungsführer; Adolph Fischl zum Tempelvorsteher; Eduard P o l l a k in Stupno, Nathan T a u s s i g in Heiligenkreuz und Marcus Lederer in Prinetic zu Beiräthen. Wischau. H.,r R dac eurl i*a|j n Sie sich auch einmal von uns berichien, wo es unfern „Alten" nicht ganz geheuer zu Mulhe ist. Man konnte sich nicht mit dem Gedanken befreunden, einen Verein zu gründen, der schnurstracks den Zielen unserer „Liberalen", dieser aufrichtigen Freunde der Juden, znwiderlief. Drum Opposition dieser Idee! Und doch fanden sich Männer, die energisch an dem einmal gründlich durchdachten Gedanken festhielten und ibn zur Ausführung zu bringen suchten. In der vor Kurzem einberufenen Versammlung sprach man viel von der Einheit und Verbrüderung der Juden — alles eitler Tand und leerer Flitter, mit dem man die Außenseile zu schmücken suchte, während doch der innere Kern bereits in seinem Entstehen von Fäulniß ergriffen war. Die Grundbedingung dieses Vereines, das unbedingte Festhalten an einem alten Zopf, dem deutschen Hause, ist nicht nur ein Widerspruch in sich selbst, es charakterisirt leider auch das ganze Wesen der Wischauer Juden. Sie erblicken allerdings in den „liberalen Judenfreunden" ihre principiellen Gegner, von denen sie im Grunde - ihres Herzens gehaßt und verachtet werden, von Venen sie blos deshalb geduldet werden, weil sie sie materiell und mit ihrer überzeugungslosen Gesinnung unterstützen — allein die Schamlosigkeit hat schon so weit platzgegr'ffen, daß die Juden die Unbillen, die ihnen zugefügt werden, nicht sühlen. Ich brauche nur an die traurige Rolle zu erinnern, welche die jüdischen Gemeiuderathsmitglieder ui ihrer 'Assimilationsgier anläßlich des Festgottesdienstes am Tage der'Bürgermeisterwahl spielten. Diese Schmach und manches Andere haben wohl diejenigen Herren vergessen, welche bei der Constituirung'des jüdischen Vereines als Grundbedingung seines Seins die Parole ausgaben: Haltet fest an dem alten Zopf l Diejenigen Herren, welche noch ein gefühlvolles Herz haben, die es aufrichtig meinen mit ter Sache des Judenthums, die müssen auch energisch dafür eintreten, daß ihre Sache nicht zum Hohn wird. Und urtheilen Sie selbst, wann sie nicht zum Hohn wird! Bester eine geringe Anzahl von Männern, alseine Schaar von Weibern! R- N. Jaroslau. Die hiesige Judenschast hat durch den Heimgang des Herrn Julius Wohl einen herben Schicksalsschlag erlitten. Herr Julius Wohl, einer sehr achtbaren Familie Prags ' entstammend, kam als Jüngling in seinem 17. Lebensjahre geschäftlich nach Jaroslau, woselbst er sich etablirte. Während seines 25jährigen Aufenthaltes hier, erwarb er sich verdienterweise die Sympathien aller Gefellschaftsschichten Jaroslaus in vollstem Maße, und wenn man ihm nach jeder Richtung hin nur Lobendes nachzurühmen hat, muß man seiner übermäßigen Gutherzigkeit und seinem übergroßen Wohlihätigkeitssinne die vollste Bewunderung zollen, denn er pflegte mit vollen Händen jedem Bedürftigen unter die Arme zu greifen, aus reiner ungekünstelter Herzensgute hat er seine reichliche Unterstützung speciell solchen — die im Geheimen litten und nur noch nach Außen als lebensfähig galten — zutheil werden lasten; unzählige Familien haben ihm ihre Existenz bis heute noch zu verdanken, sie weinen ihm auch tiefempfundene Thräuen nach, denn nicht nur, daß derartige Familie» ihn um Unterstützung je angingen, vielmehr war es ihm Herzensbedürfniß, sich stets nach solch Gefallenen zu erkundigen und ihnen indirect seine hilfreiche Hand zu bieten. Dabei war seine Bescheidenheit eine musterhafte, nicht nur, daß er sich niemals um irgendwelche Ehrenstelle bestrebt, schlug er fast permanent jeden ihm angebotenen Ehrenposten aus. Als Chef wird er von seinen ihm untergeordneten Beamten in jeder Beziehung mustergilt'g geschildert und tief betrauert. Als Gesellschafter und Freund bewährte er sich voll und ganz. Ihm war kein Opfer zu groß, sobald es galt, Jemandem seiner Freunde irgendwie iem Wohlwollen zu documeutireu, wofür er unzählige Beweise geliefert. Zeit seines Lebens hat er nur wohlthälig gewirkt. Julius Wohl ist im Mai v, I. zum Leidwesen seiner edlen Eltern, seiner Geschwister und Bekannten erkrankt, besuchte auf ärztliches Anrathen im Sommer Marienbad, kehrte von dort wieder leidend zu uns zurück. Da sich sein Zustand immer verschlimmerte, fuhr er im November neuerdings nach Wien, um nicht mehr zu uns zurückzukehren, denn am 10. d. hauchte er, trotz der liebevollsten. zärtlichsten, sorgfältigsten Pflege seiner Eltern — dort nach vielem Leiden seine edle Seele aus. Der Schmerz, der sich über unsere Stadt in Folge dieser traurigen Nachricht verbreitet, ist nur zu fühlen und keineswegs zu beschreiben. Aus der Mitte seiner Freunde fuhren die Herren Heinrich Strisower. Jsak Margulies und Jose Blumenseld zum Leichenbegängnisse nach Wien, um dem Dahingeschiedenen die Verehrung unserer Stadt und senier Bürger zu documentiren. Nzza. In der hiesigen englischen Colonie herrscht eine überaus frohe Stimmung: Baronin Hirsch hat außer den zwei Millionen Francs für das Institut Pasteur die gleiche Summe zur Gründung eines Hospitals für schwindsüchtige Kinder bestimmt. Die Baronin hat Dr. Goldschmidt, welcher jetzt nnt der Princeffin von Monaco in der Riviera weilt, beauftragt, sich nach einem passenden Orte an der See umzuschauen. Eine Bestätigung dieser Nachricht ist abzuwarten; es ist möglich, daß eine Verwechslung mit der Spende der Baronin behufs Errichtung eines Heims für Lungenkranke in England vorliegt Nordhausen. Das „Deutsche Wochenblatt", eine antisemitische Zeitung, hat nach einer nicht besonders ruhmreichen Existenz von 9 Monaten seine Thätigkeit eingestellt. Odessa. Der auch im Auslande bekannte russische Bankier, Herr O. C h a y e s, Handelskammer- und Gemeinderath zu Odessa, sowie Ritter mehrerer vaterländischer Orden, ist zum! kaiserlich russischen Commercienrathe ernannt worden. | Diese Würde wird in Rußland nur sehr selten verliehen,; weshalb diese Auszeichnung an Bedeutung gewinnt. So gibt es

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