Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 4 (22.1.1897)
- Date
- 1897-01-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. VLochs WochrnLchrM Sette 79 der Firma A. Hermann Frankl's Söhne, fand Sonntag den 17. d. M., um 10 Uhr Vormittags, vom Tranerhanse: U., Circusgasse 34, unter zahlreicher Theilnahme aus allen Kreisen statt. Der Heimgegangene genoß vermöge seines Charakters und seines humanen Sinnes allgemeine Achtung und der Familie sind aus Anlaß des herben Tranerfalles zahlreiche Kundgebungen der Sympathie und Theilnahme zugekonimen. Wien. Der E i n z e l v e r e i n Zion gibt hiemit kund, daß am D i e n st a g den 26. I ä n n e r ein Vortrag von dem bekannten hebräischen Schriftsteller Herrn R. A. Brandes über „D ie jüdischen Z u st ü n d e in Babylonien und die e r st e Rückkehr unter Serubabel und D a n i e l", im Vereinslocal: ll., Rembrandtstraße 11, abgehalten wird. Beginn halb 7 Uhr Abends. Gäste willkommen. Wien. (Verein z ur H eb un g d e r Gew e r b e in W i e u.) In einer am Montag den 18. d. stattgehabten Monatsversammlung des Vereines, deren Tagesordnung die Betheiligung der Mitglieder an der Ausstellung 1898 in Wien zur gründlichen Berathung zum Gegenstände hatte, hielt bei Beginn der Vorsitzende Herr S. B r o d dem verstorbenen Cultuspräsidenten Gustav Simon einen warmen, tief empfundenen Nachruf. „Nicht als Präsidenten der israelitischen Wiener Gemeinde, nicht als gewesenen Beirath der Reichs- und Residenzstadt Wien", sagte der Redner, „betrauere und beklage ich den Dahingeschiedenen in diesem Kreise, sondern als Angehörigen unseres Standes und Berufes, als Angehörigen des von gewisser hochmüthiger Seite noch immer über die Achsel angeschauten Handwerkerstandes beklage ich es, von diesem unseren Vorbilde für immer Abschied nehmen zu müssen. Als armer Handwerksbursche, als schlichter Klempnergeselle wanderte er vor vielen Jahren von Hessen nach Wien, in eine fremde, ihm unbekannte Stadt. Als schlichter Arbeiter half er auch bei der Dacheindeckung unseres Stefansdomes fleißig mit. Später wandte er sich mit Vorliebe und Verständniß der Silberwaarenerzeugung zu und durch ganz besondere Willensstärke, Fleiß und Ausdauer brachte er es endlich nicht nur dahin, dieser früher handtverksmäßig geübten Branche zur großen Industrie in Oesterreich zu verhelfen, sondern als wohlhabend gewordener, hochangesehener Bürger wurde er von all' feinen Mitbürgern mit hohen Ehrenst llungen ausgezeichnet. Die höchste Ehre wurde ihm von seiner großen Religionsgemeinde erwiesen, er ward zum Präsidenten der großen Wiener Cnltusgemeinde einstimmig gewählt. Dies der einstige, nach Wien als Klempnergehilse eingewanderte Gustav S i m o n." Wien. (Frauen-Wohlthäligkeits - Verein für den IV. u n d V. B e $■ i r k.) Das schon seit einer Reihe von Jahren hochangesehene Kränzchen des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines sür Wieden und Margarethen, als Rendezvous der tanzlustigen Damen- und Herrenwelt bestens bekannt, dessen Reinerträgniß humanen Vereinszwecken gewidmet ist, findet im Laufe des Carnevals u. zw. am 28. Februar (Faschingsonntag) in Ronacher's Prachtsaal statt, und werden von Seite des DamencomitSs alle Anstrengungen gemacht, um auch heuer den ausgezeichneten Ruf dieses Tanzfestes zu bethätigen. Wien. Herr Jacob Nagler, der als Cantor in Dukla, Rzeszow, Zloczow und schließlich in Kolonien wirkte, wird am Samstag den 23. d. M. im Vereine „Liwias Chen" den Gottesdienst leiten und eventuell hier dauernd angestellt werden. Wien. (Spenden für das Inserat: „I n st ü n d i g st e Bitte!") Eine arme Familie, deren Oberhaupt brustleidend ist und deshalb keinen Erwerb findet, um seine 9 Kinder zu ernähren, sind uns zu den bereits ansgewiesenen Spenden von 29 fl. zugekommen: Bon den Gästen des Herrn M. Libesny in Brünn 2 fl. 20 kr., Karl Stein in Zwittau 2 fl., in Summa 33 fl. 20 kr., welche wir ihrer Bestimmung zugeführt haben. Wien. (T a n z i n sti t n t H e i m a n n.) Am 6. Februar 1897, 9 Uhr Abends, findet das diesjährige Schüler- und Familienkränzchen der Tanzschule H e i m a n n im Festsaale des „Hotel Continental", ll.. Taborstraße, statt. Karten sind im Institute, II., Praterstraße Nr. 43, erhältlich. Wien, 19. Jänner. (E i u 0 t a a t s ft i e i d) in der „Schiffschu l".) Die Besucher des Bethauses in der Schiffgasse wurden Freitag Abends, als sie sich zum Abendgottesoienste einfanden, mit der Nachricht überrascht, daß an Stelle des verewigten Rabbiners Salomon Spitzer ein neuer Rabbiner vom Borstande bestellt wurde. Trotz des schneearmen Winters wurde durch den Staatsstreich des gar nicht gewählten „Vorstandes" sozusagen über Nacht ein Rabbiner aus der „unteren Medine" in die Schiffschul hineingeschneit. Diele langjährige Mitglieder und Inhaber von Sitzen in der Schiff schul schüttelten ungläubig die Häupter mit der Frage: Was. ein neuer Rabbiner, ohne eine Proberede gehalten zu haben, das ist ja unmöglich! „Das ist ja möglich!" belehrt sie der Berichterstatter, mit dem Finger auf den bis jetzt verwaisten Sitze des seeligen Rabbiners Spitzer hindeutend: „Sehern Sie, dort sitzt er schon! — „Wer ist er?" fragt der Betreffende weiter. — „Es ist der Rabbiner aus Nagy- Miyaly, haben Sie noch nichts von ihm gehört?" — „Nein, ich kenne so ziemlich alle halbwegs bekannten Rabbiner, doch vom Rabbiner aus Nagy-Mihaly habe ich noch nie etwas gehört, und Andere wahrscheinlich auch nicht." — „Er muß ja doch ein berühmter Rabbiner sein, weil er keine Probepredigt halten wollte", meint ein Anhänger desselben, worauf ein Anderer wieder an ihn die Frage richtete, warum der Herr Rabbiner nicht morgen, Samstag, predigt, da er doch bereits acceptirt ist. „Er wird morgen — wenn auch nicht in der Schiffschul — doch aber in der Wohnung seines Schwagers zu Scholeich-Seudoth eine Derascha halten, zu welchem Zwecke vom Vorstände 40 Kilo Fische bestellt sind." — „So", replicirte der Andere, „eine Derascha mit Fisch, die muß gefallen." Dieser interessante Dialog wurde durch den Beginn des Maariwgebetes unterbrochen, doch dauerte eS nicht lange, als eine neue Ueberraschung folgte. Der Cantor hatte kaum das Kriath Schema beendet, als der neue Rabbiner aus Nagy-Mihaly mit schmetternder Stimme das Lemaan jirbu recitirte. Neues Erstaunen seitens der Beter; der verewigte Rabbiner Spitzer, versichert ein Mitglied der Synagoge, war doch gewiß mindestens so viel als der unbekannte Rabbiner aus Nagy-Mihaly, hat während seiner dreißigjährigen Amtsthätigkeit von dem Rechte des Lemaau jirbu niemals Gebrauch gemacht, und der neue, von einem unberufenen und ungewählten Vorstande ernannte Rabbiner „trillert", kaum, daß er warm geworden, das Lemaan jirbu, daß die Mauern der Synagoge erdröhnen! „Das ist anstatt der Probe-Derascha", antwortet ihm sein Nachbar. Am Sabbath Morgen, als mail den neuen Rabbiner mit dem Titel More Morenu haraw zur Thora rief, war das Erstaunen ein allgemeines. „Dieser Rabbiner muß doch eiu berühmter Mann sein", sagen Viele, „nicht einmal dem seeligen Rabbi Salomon Spitzer wurde die Ehre zu Theil, mit diesem Titel zur Thora gerufen zu werden, der gehört ja gewöhnlich nur dem Ortsrabbiner." Samstag Abends stehen die „Radlech" vor der „Schiffschul": „Nun", srägt Einer den Anderen, „waren Sie bei der „Derascha?" — „Wunderbar!" antwortete dieser. — „Was war wunderbar?" — „Die Fische und das Bier." Diese Auskunft konnte man von Bielen hören. Ueber die Derascha wußten sie wenig zu sagen, desto mehr von der schönen Begrüßungsrede des Sohnes eines verdienstvollen Vorstandsmitgliedes, auf welche der Herr Rabbiner leider nichts zu antworten wußte. Er konnte ja nicht wissen, daß man ihn noch begrüßen werde . . . Thatsache ist, daß bei dem größten Theile der Besucher der Schiffschul große Verwunderung über das eigenmächtige Vorgehen eines Vorstandsmitgliedes bei dieser Rabbinerwahl herrscht, und daß diese Affaire noch viel Staub auswirbeln und zu großen Streitigkeiten innerhalb dieses Beihausvereines Anlaß geben wird. Wie klug war Herr Rabbiner Dr. Breuer als er — wenn auch spät, aber doch — die Annahme dieses Rabbinerpostens bereute. Eine Gemeinde, die sich einen solchen Staatsstreich gefallen läßt, verdient keinen anderen als den „berühmten" Rabbiner aus Nagy-Mihaly. Veritas. . Budapest. Die naturwissenschaftliche Abtheilung des Sieben bürgischen Cultur - und M us e n m v e r e i n s hat den Bergrath A. S i l b e r st e i n zu ihrem E h r e n m i t g l i e d e ernannt. Horazdtowitz. Am 3. Jänner fand die Generalversammlung der hiesigen Chewra - Kadischa statt, die sehr zahlreich besucht war. Der Verein prosperirt unter der Leitung seines Obmannes des Herrn Wilhelm L. Kohl und erfüllt als eminenter Humanitätsvereiu vollkommen seine Aufgabe. Während der Festtafel, welche dem „Küchenchef" Herrn Valentin P o l l a k alle Ehre machte, besprach Herr Religionslehrer M. F r i e d m a n n die erhabenen Ziele dieser ältesten aller Associationen in treffender Weise. Unter den eingelaufenen Begrüßungstelegrammen heben wir das des Ehrenmitgliedes Herrn Rabbi M. Stark aus Prag-Weinberge hervor, das sich durch besondere Innigkeit auszeichnete. Bei der Constituirung des neugewählten Vorstandes gingen aus der Urne die Herren Eduard Münz als Obmann, Wilhelm L. Kohl als Obmannstellvertreter und Moritz Steiner als Schriftführer hervor. — In der Generalversammlung der Ortsgruppe „Zion", welche 54 Mitglieder zählt, wurde der frühere Gesammtausschuß wiedergewählt. — Auf Grund der neuen Statuten constitüirte sich der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wie folgt: Herr jur. Or. D. Poppe r, Vorsteher, die Herren H. Steiner, Vorsteherstellvertreter, M. K o h n sen., Cassier, Carl Münz als Schriftführer und M. Stern, Tempelvorsteher. Kuttenberg, 19. Jänner 1897. Gestern wurde hier der allgemein geachtete Kaufmann, Herr Wilhelm Pollak zur letzten Ruhestätte getragen. Die große Betheiligung an dem Leichenbegängnisse sowohl von Seiten der Glaubensgenossen, als der