Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 4 (22.1.1897)
- Date
- 1897-01-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 78 Nr. 4 ■ .. ■ | 1 "| lUfiT'i * i I 1 iT Vr. Vloch's Wochenschrift. politische Carriere offen; der Ober-Polizeicommissär in Stockholm, Herr Rubensohn, und das Parlamentsmitglied, Herr F r e n k e l, sind Juden. An der Universität zu Upsala studiren ungesähr 40 und ebenso in Lund und an der medicinischen Facultät zu Stockholm eine entsprechende Anzahl Juden, wobei auf den Umstand, daß der Percentsatz der jüdischen Studirenden den der Berölkerungszahl weit übertrifft, keine Rücksicht genommen wird. Während ihres verhältnißmäßig kurzen Aufenthaltes in Schweden haben sich die Juden mit der Bevölkerung des Landes insoferne assimilirt, daß das Schwedische ihre Umgangssprache ist, und sie unterscheiden sich in der Aussprache desselben nicht von der eingeborenen Bevölkerung; die meisten Juden des Landes kennen auch keine andere Sprache. In den jüngsten 10 bis 15 Jahren haben sich mehrere polnische Juden angesiedelt, welche ihren deutschen Jargon sprechen, ihre Kinder jedoch, welche die öffentlichen Schulen besuchen (der Schulbesuch ist in Schweden obligatorisch) sprechen das Schwedische geläufig. Obschon veraltete Borurtheile sonst in so wenigen Jahrzehnten nicht völlig schwinden, ist das Berhältniß zwischen Christen und Juden in Schweden schon jetzt höchst befriedigend. London. Zur Feierndes 70. Geburtstages des Mr. F. D. Mocatta werden umfassende Vorbereitungen getroffen. Eine ganz ungewöhnliche, noch nicht dagewesene Auszeichnung steht ihm bevor: Lord Rothschild wird dem Jubilar ein Album überreichen, das seines Gleichen rricht auf Erden hat. Achttausend Personen haben ihre Namen in das Album geschrieben, mehr als 250 öffentliche Körperschaften darunter. Jüdische Gemeinden vom fernen Osten (Jerusalem) bis zum Westen (Jamaica) drücken ihrem hochverehrten Glaubensgenossen ihre Anerkennung aus, alle Hauptstädte Europas haben sich beteiligt. Unter den Namen sind viele von Mitgliedern der königlichen Familie, ferner der des Erzbischofs von Canterbury, des Cardinals und Erzbischofs von Westminster und Hunderte von Männern ersten Ranges. Man will durch Ueberreichung dieses Albums dem Philantropen in deutlicher unverkennbarer Weise zeigen, daß er sich die Hochachtung und Werthschätzung einer ungeheuren Anzahl von Menschen aller Stände und jeden Bekenntnisses. die Liebe sehr Vieler, Aller, die ihn persönlich kennen, erworben hat, daß man sehr wohl weiß, wie er sein Leben voll und ganz dem Wohle der leidenden Menschheit gewidmet und niemals persönlichen Ehrgeiz gezeigt hat; sein Lebenslauf war eine einzige Anstrengung, alles Gute zu thun, das in seinen Kräften stand. Das Alles wissen die Juden von England sehr wohl, sie wollen es Friedrich D. Mocatta beweisen, und sie werden in ihrem Bestreben von Nichtjuden auf das Wärmste unterstützt. Den Schmuck der Außenseite des ungeheueren Albums hat der berühmte Maler S. I. Solomons in künstlerischer Weise entworfen. Mr. Frederic Mocatta ist seit Sir Moses Montefiore der bedeutendste Philantrop in England, und wir wollen seine Thätigkeit auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit kurz skizziren, ein ausführlicher Bericht über sein Wirken wäre gleichbedeutend mit einer Geschichte des Fortschrittes der Gemeinde in den letzten fünfzig Jahren. Schon lange, bevor er sich von Geschäften zurückzog (1874), hat Mocatta sich eifrig mit dem Studium socialer und philantropischer Fragen beschäftigt. Seine Menschenliebe ist ihm eine praktische Wissenschaft, der er sein Leben gewidmet hat. Der Zustand der arbeitenden Classen, ohne Unterschied des Glaubens, die Verbesserung ihrer Wohnungen, die Unabhängigkeit der Armen, die Regelung der öffentlichen und privaten Wohlthätigkeit unter Juden und Christen — all diese Dinge haben seine Kräfte in Anspruch genommen, ohne sie zu erschöpfen. Er bemühte sich ferner, die jüdisch-englische Allianz (Anglojewish Association) und die jüdische Gemeindevertretung zu vereinigen, was ihm auch theilweise gelang. Sein Bestreben, das jüdische Lehrerseminar in London (Jews College) mit dem Montesiore College in Ramsgate zu verschmelzen, sind bekannt. Mr. Mocatta ist Vicepräsident der „Anglo Jewish Association." Mitglied der Alliance Israelite, desgleichen des rumänischen Comites, das 1872 gegründet' wurde. 1881/82 war er einer der Ersten, die sich für die Auswanderung der russischen Juden interessirten und einsetzten. Er und Mr. Laurence Oliphant wurden vom Mansion House-Cvmite zum Studium der Lage der Verfolgten auf den Continent entsendet. Er besuchte Wien, Brody, Berlin zu dem Zwecke. In Berlin hatte er in dieser Angelegenheit eine Audienz bei Kaiserin Friedrich, der damaligen Kronprinzessin; das Resultat der Audienz war die Versicherung der Behörden, daß den Auswanderern, die der Weg durch Deutschland führte, kein Hinderniß in den Weg gelegt werden würde. Mr. Mocatta ist Mitglied von einer Unzahl literarischer und wissenschaftlicher Vereine, des Kunstvereines, der königlichen Geographischen Gesellschaft rc. rc. Tausende von Menschen haben in ihrem Unglück einen bereitwilligen Helfer in Mr. Mocatta gefunden, Tausende segnen seinen Namen. Er ist noch in der Vollkraft des Schaffens und arbeitet rüstig und fleißig wie immer bis spät in die Nacht. Daß er noch recht lange gesund und glücklich sein möge, um sein edles Wirken fortsetzen zu können, das wird an seinem 70. Geburtstage der inbrünstige Wunsch aller Jener sein, welche ein solches nur dem Guten gewidmetes Leben zu schätzen wissen, ein Leben, das der Sache des jüdischen Volkes, dein Wohle der Menschheit im Allgemeinen gewidmet ist. Vermischtes. Wien. Wie uns mitgetheilt wird, ist an jedem Mittwoch Nachmittag zwischen 3 und 5 Uhr ein Mitglied des Präsidiums der Cultnsgemeinde im Amtslocale, L, Seitenstettengasse 4, anwesend, um Anregungen, Wünsche und etwaige Beschwerden entgegenzunehmen. Wir haben in der letzten Nummer ein Verzeichniß der Stiftungen, welche bei der Israelitischen Cultnsgemeinde in diesem Jahre zur Ausschreibung gelangen, mitgetheilt. Demnächst werden wir in die Lage kommen, auch eine Liste jener confessionellen Stiftungen, welche nicht in der Verwaltung der Cultnsgemeinde stehen, zur Kenntniß zu bringen. Wie«. (Auszeichnun g.) Seine Majestät der Kaiser hat dem Chef der Hof-Weingroßhandlungsfirma Emannel Pollak & Sohn in Wien, Herrn Cultusvorsteher Wilhelm P o l l a k, in Anerkennung seiner verdienstlichen commerciellen und gemeinnützigen Wirksamkeit taxfrei den Titel eines kaiserlichen R a t h e s allergnädigst zu verleihen geruht. Der deutsche Kaiser hat den Badearzt zu Carlsbad, Sanitätsrath Dr. Jaqües Mäher und den Badearzt zu Teplitz in Böhmen, Dr. Ignaz Hirsch, zu geheimen Sanit ä t sr ä t h e u ernannt. Lvien, 18. Jänner. Der Architekt Oscar Marmorek vermälte sich gestern mit Fräulein Nelly Schwär z. Dem Trauungsacte wohnte ein den besten Kreisen angehöriges zahlreiches Publicum bei. Wien. (B e r l o b u n g.) Fräulein Paula Hause r, Tcchter des Herrn Jacob Hause r, in Firma Hauser & Sobotka, hat sich mit Herrn mul. Dr. Heinrich Haase verlobt. Wien. (V e r l o b n n g.) Frl. Ernestine H o f b a u e r, Tochter des Herrn Bernhard Hofbauer, Chef der Firma Adolf und B. Hofbauer in Wien, hat sich mit Herrn Ignaz Schiff in Wien verlobt. Wien, 18. Jänner. (Israelitischer B e t Haus- Verein Brigittenau.) Bei der am 16. d. M. stattgefundenen Vorstandssitzung wurde vom Obmanne des Vereines, Herrn Hermann E l t b o g e n, dem verstorbenen Präses der Cultnsgemeinde, Herrn Gustav Simon, ein sehr warm gehaltener Nachruf gewidmet. Gleichzeitig wurde beschlossen, Montag den 25. d. M., um 5 Uhr Nachmittags im Bethause, II., Webergasse Nr. 20, für den Verstorbenen eine Trauerandacht abhalten zu lassen. Wien. (T r a u e r f e i e r.) Der Vorstand des Synagogenban-Vereines für Wieden und Margarethen veranstaltet Sonntag den 24. Jänner um 4 Uhr Nachmittags im Margarethener Tempel, V., Margarethenstraße 73 für den Heimgegangenen Cultus - Präses Gustav Simon eine solenne Trauerfeier. LrZien. Freitag den 1. d. M. verschied in seiner Wohnung, Wien, VI., Gumpendorferstraße 133, Herr Simon Fleckles im 87. Lebensjahre. Der Verblichene, der einer altjüdischen Prager Familie entstammte, war ein Neffe des weitberühnlten Rabbiners Eleasar Fleckles in Prag. Herr Simon Fleckles, welcher zwei Söhne und eine Tochter hinterläßt, war der Typus des braven, glaubensstarken Juden, ein Mann voll Biederkeit, von makellosem Charakter. «rien. Das Leichenbegängniß des verstorbenen Herrn Salomon Frank l, gewesenen Mitbegrünoers und Gesellschafters