Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 4 (22.1.1897)
- Date
- 1897-01-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte 74 Dr. Vloch's Wochenfthrtst. Nr. 4 du unartig sein, und lügen oder saufen und stehlen?" — „Mutter, Hülsmeyer stiehlt!" — „Hülsmeyer? Gott bewahre? Soll ich dir auf den Rücken kommen? wer sagt dir so schlechtes Zeug?" — „Er hat neulich den Aaron geprügelt und ihm sechs Groschen genommen." — „Hat er dem Aaron Geld genommen, so hat ihn der v e r f l u ch t e Jude gewiß zuvor darum betrogen. Hülsmeyer ist ein ordentlich angesessener Mann und die Juden sind alle Schelme." — „Aber, Mutter, Brandes sagt auch daß er Holz und Rohr stiehlt!" — „Kind, Brandes ist ein Förster." Diese Worte der Mutter hatten sich in Friedrichs Seele fest eingegraben. Die Juden galten ihni als verflucht, als Schelnre und Betrüger. Von diesem Vorurtheile konnte er sich nicht mehr befreien und eine öffentliche Beschämung von Seite des Juden reichte hin, Friedrich einen Mord an demselben begehen zu lassen. Ueber 100 Jahre sind verflossen, seit diese Begebenheit sich zugetragen. Das Borurtheil aber gegen die Juden hat sich noch bis heute sortgeerbt; der gemüthsrohe Schimpf „Verfluchter Jude" kann auch heute am Ende des 19. Jahrhunderts noch recht oft genug gehört werden und diese Gemüt h s r o h h e i t, sie wird n i ch t e h e r s ch w i n d e n, als bis nicht nur von Denkern und Dichtern, sondern in er st er Reihe auch von jenen Männern, denen die religiöse Erziehung obliegt, wahre und echte Liebe ins kindliche Herz gepflanzt und gelehrt werden wird, daß alle Menschen ein Recht haben, selig zu werden und daß vor Gott kein Mensch, weß Glaubens auch immer, verflucht sei! Möge die streng katholische Dichterin Annette von Hülshoff hierin zum Vorbilde dienen! Correspondenzen. Wien. (Wohlthätigkeits-Verein. „Frauenhort", IX., Müllnergaffe 21.) Unter äußerst zahlreicher Beteiligung seitens der Mitglieder — der Saal war gedrängt voll — fand am 17. Jänner d. I. im Ceremoniensaale des Tempels im IX. Bezirk die II. ordentliche Generalversammlung des „Frauenhort" statt". Die Sitzung wurde von der Präsidentin Frau Rosa Zifferer mit einer warmen Begrüßung der Anwesenden eröffnet; sie constatirt die Beschlußfähigkeit der Versammlung und wirst dann einen Rückblick auf die Thätigkeit des Ausschusses in der abgelaufenen zweijährigen Geschäftsperiode. Sie hebt den Umstand hervor, daß keine Unterstützung jemals! ohne die gewissenhafteste persönliche Recherche verabfolgt wurde und daß der Ausschuß nicht nur die momentane Roth zu lindern bestrebt war, sondern auch dauernd zu helfen suchte, indem er erwerbslos Gewordenen Beschäftigung oder Stellen vermittelte, oder den erkrankten Ernährerinnen ihrer Familien — jungen Arbeiterinnen und Familienmüttern — zu mehrwöchentlichen Euren verhaft. Sie bespricht den alljährlich stärker werdenden Andrang zur Kinderbekleidung des „Frauenhort", welcher Umstand zum Theile wohl auch auf die von der Schriftführerin, Frau Rosa Feigenb au m, angeregte Bekleidung armer Schulkinder mit Ausschluß der Oeffentlichkeit zurückzuführen ist. Bei der Vergebung der Arbeiten zur Kinderbekleidung wurden nach Möglichkeit die Vereinsschützlinge berücksichtigt. „Viel hilfebringender würde dieser Verdienst freilich für dieselben sein", meinte die Präsidentin, .könnten wir ihn in die stille, arbeitslose Zeit verlegen. Um das zu ermöglichen, wäre es überaus entgegenkommend, wenn die steundlichen Spender uns die Gaben, die sie uns sonst im October zukommen lassen, schon möglichst in den ersten Monaten des Jahres zur Verfügung stellen wollten. Sie würden dadurch unser gutes Werk zu einem noch segensreicheren gestalten und uns in der angestrebten Absicht, der Armuth nicht durch Almosengeben, sondern durch Arbeitsvermittlung zu helfen, wesentlich unterstützen. Mögen Sie deshalb eingedenk -sein: „Doppelt gibt, wer schnell gibt". Die Präsidenten spricht nun allen Gönnern und Förderern des Vereines den Dank aus, sowie auch dein Rabbiner Herrn Dr. Gelbhaus, der an geweihter Stätte dem humanitären Wirken des „Frauenhort" sympathische Worte der Anerkennung gezollt hatte. Sie bespricht sodann das erschütternde Ereigniß des vergangenen Jahres, den Tod des großen Philanttopen Baron Moriz v. Hirsch-Gereuth, beklagt das Ableben mehrerer Gründer des Vereines und fordert die Versammlung auf, das Andenken der Tobten durch Erheben von den Sitzen zu ehren. (Geschieht.) Hierauf erstattet die Schriftführerin, Frau Rosa Feigenbaum, den Jahresbericht. Wir entnehmen demselben, daß die Zahl der Mitglieder, ttotz' der ungünstigen Zeitverhältnisse, keine Verminderung erfahren hat und daß der Verein circa 6000 fl. an Unterstützungen verausgaben konnte. Zu den bedeutendsten Spendern zählt Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth mit 1000 fl., das Comite des Balles der Jndustiellen mit 200 fl. und die Subvention der Ersten Oesterreichischen Sparkasse mit 100 fl., 184 fl. spendeten mehrere Damen und Herren zuni Andenken an verstorbene Freunde mit der Widmung: „Anstatt eines Kranzes auf das Grab". Diesen Umstand bespricht der Bericht noch in folgender Weise: „Möge doch die Ehrung des Andenkens verstorbener Freunde in dieser Form gebräuchlicher werdet:! Wir ehren das Andenken geliebter Verstorbener weit mehr, wenn wir in ihrem Namen Gutes thun, als wenn wir ihnen kostbare, so schnell verwelkende Blumen aufs Grab legen". Dann gedenkt der Bericht dankbarst der collegialen Mithilfe des Philantropischen Vereines bei größereil Unterstützungen von besonders würdigen Vereinsschützlingen und spricht °seinen besonderen Dank ans: Den verschiedenen Curverwaltnngen für die Verleihung von Freiplätzen, den Bahndirectionen, der Donau- Dampfschiffahrts-Gesellschaft für die Verleihung von Freikarten für die kranken Schützlinge, der Gesellschaft „Steyrermühl", die in Anerkennung des gemeinnützigen Wirkens des Vereines demselben sammtliche Papiere und Drucksvrten gratis liefert, sowie der Presse, insbesondere dem Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", Herrn Dr. I.'S. Bloch, für die stete Förderung der Vereinssache. Schließlich wird an die Mitglieder der warme Appell gerichtet, den Verein in seinem Bestreben, seine Schützlinge durch Zuweisung von Arbeit von den Geldunterstützungen unabhängig zu machen, zu unterstützen, zu welchem Behufe hie Mitglieder gegebenen Falles bei Besetzung von Posten sich an den Verein wenden mögen; „denn", fährt der Bericht fort, „eine Geldnnterstützung — und sei sie auch bedeutender — schafft noch nicht das sociale Elend hinweg, sondern nur die befreiende Thätigkeit ehrlicher Arbeit, „und ein Werdender ist dankbar". Hierauf erstattet die Cassierin, Frau Regine Bettelheim, den Eassabericht. Derselbe weist u. A. folgende Ziffern aus: Jahresbeittäge der Mitglieder 3295 fl., Spenden bei verschiedenen Veranlassungen 2568 fl., zum Fonds 1525, im Tempel 804 fl. Sowohl der Jahresbericht als auch der Eassabericht wurden von der Versammlung beifälligst zur Kenntniß genommen und genehmigt. Nach Berichterstattung des Revisors Herrn Julius K o p st e i u wird dem Ausschüsse das Absolutorium ertheilt. Herr Bettelheim begrüßt den Ausschuß im Namen des Tempelvereines im IX.Bezirk. Er bespricht das Wirkendes „Frauenhort" und seines Präsidiums, das zur Nachahmung anregt und dem Tempel die Weihe gibt. Herr Julius Kopstein bespricht den soeben verlesenen Jahres- und Eassabericht, der ein getreues Bild des Waltens des Ausschusses inr abgelaufeuen Jahre darstellt. Er appellirt an die Mitglieder, ihre Sympathien die dem Vereine zu solcher Blüthe verhaften, demselben gu bewahren, denn es sei eine ethische Pflicht der Gesellschaft, den Verein in seinen Humanitären Bestrebungen zu unterstützen. Die Präsidentin dankt für die freundlichen Worte und geht zu Punkt 5 der Tagesordnung, „Anträge", über, indem sie folgenden Antrag stellt: „Der Ausschuß hat einstimmig beschlossen, zu beantragen: Die General-Versammlung wolle die um den Verein „Frauenhort" so hochverdiente Frau Baronin Clara v. Hirsch-Gereuth^znm Ehrenmitgliede ernennen." Der Antrag wird unter großem Beifall einstimmig angenommen. Docent Dr. Feilbogcn bespricht die Thätigkeit des „Frauenhort" in anerkennender Weise und wünscht eine Erweiterung, resp. Ergänzung des Wirkungskreises der Frauen auf humanitärem Gebiete durch Heranziehung der Mädchen. Die Präsidentin schreitet nun zu Punkt 6 der Tagesordnung : „Neuwahl des Ausschusses." Sie dankt den Mitgliedern für das den: Ausschüsse bisher bewiesene Vertrauen und dankt bei dieser Gelegenheit auch dem Ausschüsse für seinen Eifer und seine Pflichttreue, worauf sie die Versammlung ersucht, zur Neuwahl zu schreiten. Herr Commercialrath Sigmund Neustadtl ist über diese Abschiedsrede ganz erschrocken und glaubt im Sinne