Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 56 Vr. Vloch's Wochenfchrist. Nr. 3 „Ich kann schon allein gehen", sagte der Dichter. „Laß' los!" - Plötzlich war er des Scherzhaften seiner Lage inne geworden. „Soll ich vielleicht Indenzoll zahlen, weil ich Hebräisch gelernt habe? Es ist mir äußerst schmeichelhaft, daß Ihr mich für einen Inden hält, also für einen guten Hebräer. So, als ob ich ein geborener Jude wäre", meinte er pfiffig lächelnd. „Aber zahlen thue ich doch nicht. Und nun schnell zum Richter." Lächelnd ließ sich Hebbel znr Stadt führen. Alles verspottete ihn, die Kinder liefen ihm nach. Eine ganze Schaar Neugieriger hatte sich um ihn gesellt. Jeder' versuchte ihn auf irgend eine Art zu kränken. Endlich stand er vor dem Richter. Dieser wollte ihn mit Prügelsuppe bewirtheil und dann unfreiwillig beherbergen. Nun fing der Spaß doch an, unangenehm zu werden. Hebbel legte seine Univerfitätszeugnisse und seinen Paß vor. Der Richter stutzte, überzeugt war er nicht. Jetzt wollte er den Studenten bestrafen, weil er sich für einen Anderen ausgegeben hatte. Nun war Hebbel's Geduld Zu Ende. Endlich wurde er mit groben Worten vom Richter und Zöllner als Reifefegen entlassen. . Sofort kehrte er dem Städtchen den Rücken. „Segringen, Dich vergesse ich nicht." Er vergaß es auch nicht m spätern Jahren. Was ist das für eilte Welt, in der man von seinem Mitmenschen,, weil er anderen Glaubens ist, einen Leibzoll verlangt, wie von einem Stück Rieh. Das Rieh hat es besser, denn es braucht den Zoll nicht selbst zu entrichten. Der Mensch über muß erröthen über die Schmach, die mau ihm anthut. Der Dichter hat es noch lange überlebt, daß der Jndenzoll abgeschafft wurde. Er schloß sich mit besonderer Zuneigung den Juden an und lernte ihre Innigkeit, Dankbarkeit und Herzensgüte kennen. Daß es Biele gab, die von einem Schachergeist herumgetrieben wurden, störte ihn nicht. Er erzählte gern Witze und Schwänke von Juden, und war einer der Eifrigsten, der in Aufsätzen, wie über Mendelssohn und über den Sanhedrin in Paris und vielen anderen dazu beitrug, seine Glaubensbrüder über die Juden auszuklären. Er wollte ihnen zeigeu, daß wahre, echte Menschenliebe alle mit warmer Innigkeit umfassen muß, ganz gleich, welch Glaubensbekenntniß ihnen heilig ist, daß inan erst Menschen kennen lernen, ihre Art und Weife begreifen muß, um sie richtig zu benrtheilen. . Wenn nur Alle, die Bornrtheile gegen Inden hegen, einmal nur eine Stunde Jude fein möchten. Sie würden ihre Bornrtheile lassen und Liebe und Gerechtigkeit, Duldsamkeit und Frieden würden alle Menschen einen. Siehe Hebbel's Werke, Ausgabe 1843. Literatur. „Unterhattungsbücher" (Sifre Schaschui.n.)UnterMitwirkung vieler Literaten in zwanglosen Nummern redigirt von Jsak Fernhof zu Buczacz in Galizien. Es ist ein überaus glücklicher Gedanke, die Schätze der jüdischen Literatur und Wissenschaft durch eine billige Ausgabe den breiteren Volksschichten zu ^schließen._ Ans den zwei bis jetzt erschienenen Bändchen (Preis eines jeden Bändchens 12 k r.), die sich durch eine Fülle inhaltsreicher Bilder, Novellen, Feuilletons, Gedichte^ Anmerkungen und Exegesen auszeichnen, ist ersichtlich, wie Herr Jsak Fernhos in glühender Liebe und Begeisterung die hebräische Literatur zu fördern bestrebt sei. Möge ein Jeder aus unserer Milte der sich für das Verbleiten der hebräischen Literatur interessirt, dem' Hern: Herausgeber beistehen, seine Ausgabe zu verbreiten. Man darf wohl die Schwierigkeiten nicht verkennen, mit denen ein hebräischer Red acte ar zu kämpfen hat. M. M. Briefkasten. Dr. F. G. Für die „Oesterreichische Wochenschrift" ungeeigret. C. E. P. in Rom. Herzlichen Dank und Gruß. . A. B. (£. Für uns ungeeignet. Professor .H. in Wien. Herzlichen Dank. L. Z. Die von antisemitischen Blättern colportirte Geschichte über das angeblich cynische Fest bei Madame Maurice E p h r u s s i trägt deutlich den Stempel der Erfindung an sich. Dr. £♦ B. Der berühmte russische Sänger Charles G o r d o n hat in allerr Städten, in denen, er bisher erschien, wahre Triunrphe erregt. Mehrere Leser (Reutitschein). Sie haben das gründlich mißverstanden. Wir haben ja „die seltsame Zuschrift" durch den Titel allein genügend charakterisirt. R. B. Es war ja doch ganz vernünftig, daß Lueger sich schließlich lieber einem jungen Arzte als einem — alten Weibe anvertrattte. B. Z. Wien. Wir empfehlen Ihnen undfallen Freunden den Fiaker Josef Heller, Wien, II., Triefterstraße 27 auf's Wärmste. M. B e r g a n i soll sich geäußert haben, daß, wenn es nach ihm ginge, für die Antisemiten alle Gesetze der deutschen Sprache aufgehoben werden müßten. L. V. Wir veröffentlichen das Verzeichniß der Werke dieses Gelehrten. Arthur G. Ob die Verschnupfung des Genannten auf Cilli und die Komensky-Schnle allein zurückzuführen sei, ist uns nicht bekannt. A. L. Es ist leichter, einen solchen Vortrag zu hallen, als ihn — anzuhören. Dr. H. F. Mechaniker Schneider will begreiflicherweise von einer „Ehren- Afsaire nichts hören. S. K. in Jungbunzlau. Der andere Bericht kam früher und ging sofort in Satz. Fortuna Goldminen Actien-Gesellschaft. Die am 20. December v. I. abgeschlossene Subscription auf die Actieu dieser Gesellschaft hat unserem Vernehmen nach einen glänzenden Erfolg gehabt. Es wurden — wie bekannt — 40.000 Actien zu 25 Kronen zur Subscription aufgelegt, doch wurde dieser Betrag namhaft überzeichnet. Das Emiffions-Syndkcat ist mit der Repartirung bereits fertig geworden. Diese Arbeit hat deshalb längere Zeit in Anspruch genommen, weil kleine Subscribenten, die nur wenige Actien zeichneten, sich massenhaft meldeten. Diese kleinen Zeichnungen wurden in vollem Mcßeberücksichtigtund nur größere Posten, bei weichen es augenscheinlich ans einen speculativen Nutzen abgesehen wurde, sind einer Reduction unterworfen worden. Dies war umsomehr nothwendig, da diese Actien bereits durch die Vermittlung der Wechselstuben mit einem bedeutenden Aufgelde lebhaft gehandelt werden. Die Versendung der Actien ist im Zuge, und es wird jeder Subscribent noch im Laufe dieses Monates die subskribirten Stücke erhallen, vorausgesetzt, daß der Rest des Subscriptionsbetrages im Sinne der Subscriptionsbedingungen bis 15. Jänner d. I. erlegt wird. In den Gruben der Gesellschaft wurde die Arbeit trotz der streng winterlichen Witterung mit voller Kraft begonnen. Bis die nach den modernsten Errungenschaften der Technik eingerichteten Maschinen ankommen, wird an der Vertiefung der Schachte und an der Erweiterung der Stollen gearbeitet. Das Pochmaterial wird bereits gebrochen, damit, sobald die Maschinen ankommen, mit der Ausscheidung des Goldes sofort begonnen werden kann. Concurs. Die Stelle eines Bezirksrabbiners für die israelitische Cultusgemeinde St. Pölten ist vom 15. August 1897 an neu zu besetzen. Bewerber um diese Stelle, welche österr. Staatsbürger sein müssen, wollen ihre Gesuche mit Beischluss ihrer Documente über den verlangten akademischen Grad, über ihre bisherige Wirksamkeit nebst einem Curriculum vitae bis spätestens 15. Februar a. c. au den gefertigten Cultusvorstand einsenden. Der jährliche Gebalt beträgt 2000 Kronen nebst den üblichen Emolumenten. Für die Ertheilung des Religionsunterrichtes, zu welchem der Rabbiner verpflichtet ist, besteht eine staatliche Subvention von 520 Kronen. Reisespesen werden nur dem Accepthtea vergütet. Für die israei. Cultusgemeinde St. Pölten: M. Frank, Yorsteher. Danksagung. Den löblichen (Lultusvorständen, sowie allen (Lollegen, Schülern und Freunden, die mir anläßlich meines 50. Geburtstages Glückwünsche zukommen ließen, spreche ich hiemit meinen herzlichsten Dank aus. gtaUMtiev Dp. Ad. FrankL-Grrirr Kvrrnsier Erzieherin, Israelitin mit Sjährigem Zeugniss, den deutschen und hebräischen Unterricht vollkommen selbstständig leitend, der französischen Sprache in Wort und Schrift mächtig, tüchtig in allen Handarbeiten, in allen Zweigen des Hauswesens bewandert, sucht Stelle zu grösseren Kindern nur in rituellem Hause. Gefällige Anträge unter; „Sch.“ Ayrenhoffgasse 8, Thür 15. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef 8. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lercheifelderstc. 46.