Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 3 Pr. BLortz's WoitzrMrtrrM Seite 51 gethan, und Sache des betreffenden Lehrers wäre es gewesen, sofort dagegen höheren Orts Beschwerde zu erheben. Daß manche Kinder ohne Kenntniß des Hebräischen auf wachsen, liegt weder am Lehrplan, noch an der 'Schule, da sind ganz andere Verhältnisse zu besprechen, die — sagt man — nicht nur in Galizieu, sondern auch in anderen Krvnländern die traurige Thatsache verschulden. Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Redacteur, deu Ausdruck meiner Hochachtung, mit der ich die Ehre habe zu sein Ihr ergebenster Rabbiner Dr. Jech. Caro, Jnspector des israel. Religionsunterrichtes an den öffentlichen Lehranstalten in Lemberg. Lemberg,9.Jänner. (Handelskammerwahlen.) Beiden jetzt vorgenommenen Ergäuzungswahlen von 18 Mitgliedern der hiesigen Handelskammer wurden zwei Antisemitenführer, von denen der Eilte, der ehemalige Reichraths-Abgeordnete N i e m c z y n o w s k i, letzthin auch bei den Wahlen in deu Lemberger Gemeinderath iic der Minorität geblieben ist, nicht wiedergewählt. An deren Stellen treten nunmehr in die Kammer zwei jüdische Industrielle, auf welche bei der Wahl gerade doppelt so viel Stimmen entfielen, als auf deren antisemitische Gegencandidaten. Unter deu iit die Handelskammer Gewählten befinden sich ailch der bisherige Präsident Herrnhausmitglied Dr. Zdislans v. M a r chw i c k i und der Vice-Präsident Jacob Piepes, solvie Reichsraths-Abgeordneter S z c z e p a n v w s k i. Krakau. Sonntag den 10 d. M. fand hier im israelitischen Tempel die Trauung des hiesigen Universitätsprofessors Doctvr Leon S t e r u b a ch mit Fräuleirr Epstein statt. Die Trauung, zu der ein zahlreiches Publicum erschienen war, vollzog sich unter üblichem Ceremoniel. Im Tempel waren erschienen: Der Abgeordnete O ch r y m o w i c z, der Bicepräses der Handelskammer A. M e n d e l s b u r g, der Vicebürgermeister aus Drohobycz, G o l d h a m m e r, viele Universitätsprofessoren, Gemeinderäthe und Handelskammerräthe. Der israelitische Cultusvorstalld beglückwünschte das ^-Brautpaar durch den Präsidenten und Gemeinderath Dr. Leon H o r o w i tz und den Vicepräsidenterr Gemeinderath Hirsch Landau. Professor Dr. S t e r n b a ch, eine Capacitüt aus dem Gebiete der Philologie, ist eine Zierde der hiesigen Universität und ist bereits seit Jahren Mitglied der hiesigen Akademie der Wissenschaften. Derselbe hat bedeutende Arbeiten aus dem Gebiete der Philologie publicirt, die durch ihre Originalität und Gründlichkeit Aufsehen bei den Gelehrten des In- und Auslandes erregt haben. Professor Sternbach hat bereits mehrere Studienreisen mit großem Erfolge unternommen. Ans den jungen Professor setzt die Gelehrtenwelt große Hoffnungen. Die diesjährigen Haudelskammerwahlen geben wieder den Antisemiten Gelegenheit, gegen die Juden zu Hetzen. Zahlreiche Pamphlete mit den niedrigsten Verleumdungen, Verhetzungen gegen die Juden sind auf der Tagesordnung. Wie rücksichtslos die Antisemiten Vorgehen, zeigt die Candidatenliste derselben, die keinen einzigen Inden enthält, trotzdem 80 Percent der Wähler Juden sind. Interessant ist, daß au diesen Hetzereien ein junger Fabriksbesitzer, der sich taufen ließ und den Namen geändert hat, großen Antheil nimmt. Doch die Inden gehen einig und geschlossen vor und hoffen auch deshalb auf den Sieg. Die Wahlen finden Montag den 18. d. M. statt, und hat der Statthalter Fürst S a ng u s z k o zu Mitgliedern der Wahlcommission von unseren Glaubensgenossen die Handelskammerräthe Joses Falter, Moritz D a t t n e r und den Bicepräsidenten der Cultusgemeinde, Handelskammerrath Hirsch Landau, ernannt. Berlin, 4. Jänner. Heute vor hundert Jahren, am 4. Jänner 1797, wurde hier in Berlin der Aftrononi W i lhelm Beer, ein Sohn von Herz und Amalie Beer, ein jüngerer Bruder des Componisten Giacomo Meyerbeer und älterer Bruder des Dichters des „Struensee", Michael Beer, geboren. Wilhelm Beer war Inhaber eines seinerzeit hochgeachteten Bankhauses, und seine glänzende Vermögenslage gestattete ihm, seiner Lieblingswissenschaft, der Astronomie, sich mit voller Hingabe zu widnien. Er besaß eine eigene Sterinvarte und ein mit allen Erfindungen und Entdeckungen damaliger Zeit ausgerüstetes astrophysikalisches Institut. Aus Grund seiner besonders eingehenden Untersuchungen des Mondes gab er mit denk berühmten Astronomen Johann Heinrich von Müdler im Jahre 1834 eine Mondkarte heraus und schrieb drei Jahre später einen Comnlentar dazu. Wilhelm Beer starb am 27. März 1850 Hierselbst. Sein Grab befindet sich aus dem Friedhof in der Schönhauser Allee. Berlin, 13. Jänner. Gestern verhandelte das Schöffengericht in Saarbrücken über die von Stöcker gegen den Redactenr Schwuchvw angestrengte Klage wegen Ehrenbeleid i g u n g. Bevor der Angeklagte den Beweis der Wahrheit antreten konnte, dessen Zulassung von dem Gerichte beschlossen war, zog Stöcker die Klage zurück und wurde zur Tragung der Proceßkosten v e r u r t h e i l t. Auf dem gewesenen Hosprediger bleiben also die schweren Anwürse sitzen, die er nicht von sich abzuschütteln vermochte. Diese Anwürse waren von dem Verklagten nur in der „Neuen Saarbrückener Zeitung" reproducirt worden; ihr Urheber war Freiherr v. S t u m m, welcher sie in der bekannten Neunkirchener Rede gegen Stöcker geschleudert hatte. Und dies ist das eigentliche politische Moment in der Sache, denn der wirkliche Gegenstand der Klage war jene von Schwuchow abgedruckte Stumm'sche Rede, in welcher auch die Erklärung enthalten war, daß der Kaiser die ch r i st l i ch - s o c i a l e Agitation aus das schärfste mißbillige. Indem Stöcker die Klage zurückzog, verhütete er die Vernehmung des als Zeuge geladenen Freiherr» v. Stumm, der von dem Kaiser ermächtigt gewesen feilt soll, über die Unterredung, in welcher der Kaiser jene mißbilligendeAeußerung gethan hatte, vorGericht rückhaltlos auszusagen. Die Kläglichkeit des christlich-socialen Heros im Priestergewaude wird durch den Ausgang dieses Processes wieder einmal drastisch in Eriunerung gebracht. Berlin. 5. Jänner. Die heutige Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wurde mit der Neuwahl des Bureaus eröffnet. Gewählt wurden dieselben Herren. Zum Vorsitzenden: Herr Hermann Landsberger, zum ersten Stellvertreter'Herr Justizrath Tiktin, zum zweiten Herr Gustav Löwenberg, zum ersten Schriftführer Herr Geheimer Sanitätsrath Marcuse, zum zweiten Herr L-iegsried Leichtentritt. — Die Zuwendung des Herrn Otto Adam von 6000 Mark an das Hospital wird angenommen — Zweien Verwandten des in Wiesbaden verstorbenen Herrn Felix Blumenthal werden aus dessen Nachlaß, so lange sie minoreun sind, je 200 Mark jährlich, beim Eintritt der Mündigkeit je 3000 Mark jährlich bewilligt. — Dem gegnerischen Rechtsanwalt im Proceß Löwenstein werden die Kosten von 26 Mark 55 Pfennig von der Gemeinde vergütet. — Die Reparaturen in der neuen Synagoge betrugen 1472 Mark 59 Pfennig. — Dem Verein für freiwillige Krankenpslege jüdischer Curgäste in Franzensbad wird der jährliche Beitrag von 150 Mark auf 200 Mark erhöht und zum Bau eines Curhospitals ein einmaliger Beitrag von 300 Mark bewilligt, ebenso wird für eine freiwillige Feuerwehr in Weißensee ein einmaliger Beitrag von 50 Mark gemährt. Berlin, 3. Jänner. (Die S ch a d ch o n i m.) Die Civilkammer des Landgerichts zu Nürnberg hat dieser Tage ein interessantes Urtheil gefällt. Es handelte sich um eine Klage aus Bezahlung von 5600 Mark fiir Heiratsvermittlung; die Zahlung war durch einen Schein zugesichert worden. Nach dem preußischen Landrecht und gemeinen Recht war bisher die Zulässigkeit der Einklagung dieser Heiratsvermittlungsgebühren angenommen, und das Reichsgericht hat sich auch vor 4 Jahren in diesem Sinne ausgesprochen. Von der beklagten Seite wurde jetzt geltend gemacht, daß nach dem im Jahre 1900 zur Einführung koulmenden Bürgerlichen Gesetzbuche eine derartige Forderung nicht klagbar sei, indem Bundesrath und die Mehrheit des Reichstages einen derartigen Vertrag als den guten Sitten zuwiderlausend betrachteten. Das Volksbewußtsein sei schon jetzt dieser Ansicht, und es sei daher die Klage abzuweisen. Der Gerichtshof stimmte durch Abweisung der Klage dieser Anschauung bei. Die Schadchonim werden in Zukunft nicht anders können, als sich an „Din Thora" zu halten. London. Der letzte Band der „Nationalen Biographie" (Dictionary of National Biography) bringt einige interessante Artikel über die Familie Rothschild, aus denen wir Einiges kurz wiedergeben. Meyer Amschel war der Sohn Amschel Moses', eines kleinen Banquiers, der in der Judengasse im Hause „Zum rothen Schilde" wohnte. 1745 geboren, war er ursprünglich zum Rabbiner bestimmt, widmete sich aber dem Banksache. 1770 heiratete er und bekam 10 Kinder. 1801 wurde er zum Hofmakler des Landgrafen Wilhelm von Hessen ernannt. 2 Jahre später lieh er der dänischen Regierung 20 Millionen Francs, wobei sein reicher Schutzherr betheiligt gewesen sein soll. Er starb im Jahre 1812, als die finanzielle Größe seiner Familie bereits