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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-15 · 3 (15.1.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
3 (15.1.1897)
Date
1897-01-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 52 Dr. VLvrtz's Wochrnfchrtst. Nr. 3 eine Thatsache war. Sein Sohn Nathan Meyer kam 1707 nach England, wo er die Geldtransactivnen der englischen Negierung Mit ganz Europa führte. Er hat nicht, wie oft behauptet wurde, die Nachricht von dem Ausgang der Schlacht bei Waterloo nach England gebracht, aber er hatte die Nachricht um einige Stunden früher als irgend Jemand in England. Einer seiner Agenten wartete nämlich in Ostende, fuhr mit einer Nummer der holländischen „Gazette" über den Canal und erreichte London am Morgen des 20. Juni. Später lieh Nathan Meyer de Rothschild der englischen Regierung 15 Millionen Pfund Sterling zu dem Zwecke, die Sclavenbesitzer in Westindien auszuzahlen. New-Aork. Großes Aussehen machte hier die Ansprache Sr. Ehrwürden des Herrn Madison C. Peters, die derselbe letzten Sonntag Abends an ein überaus zahlreiches Publicum in seiner Kirche richtete. Die Veranlassung und der Ausgangspunkt seiner Predigt war der Bericht des Presbyteriums von New-Pork, in welchem die jüdische Moral abfällig beurthcilt wurde. Der ehrwürdige Herr' begann seine Rede mit dem Geständniß, daß er die Inden liebe und daß die Interpretation christlicher Lehren durch jüdische Rabbiner oft ein gründliches Verständnis) dieser Lehren beweise. Dann las er einen Theil eines Briefes von Harry Ward Beecher an Cleveland vor, in welchem derselbe einen Juden für den Gesandtschaftsposten in der Türkei empfiehlt. Er sprach von dem Patriotismus der New-Porker Juden, von denen er einige namhaft machte, und erging sich in Lobeserhebungen über die menschenfreundlichen Thaten eines Montefiore, eines Baron Hirsch. Die „Gesetze Moses", sagte er firner, beweisen ihre Wirksamkeit zur Genüge dadurch, daß sie das moralische und physische Wohl einer Nation fordern, welche sie strenge befolgt. Jesus sei ein Jude gewesen, desgleichen die Apostel. Einer der größten modernen Philosophen, die gründlichsten Kenner des Aristoteles und anderer Weisen, die Mehrzahl der großen modernen Musiker — sie seien Alle Juden. Er sprach ferner von jüdischen und christlichen Financiers und hob hervor, daß die Ersteren große Industrien schaffen, während die letzteren große Vermögen verschwendeten; ja viele von den christlichen Financiers wagten sich ohne Tetective nirgends hin, aus Furcht, daß diejenigen, die sie bitter benachtheiligt hatten, ihnen ein Leid anthun könnten. In Amerika, fährt der edle Redner fort, seien die Juden in Kunst und Wissenschaft Allen voran; die Kinder der Juden in den öffentlichen Schulen erweisen sich als die besten Köpfe als ehrgeizige, strebsame, ernste, fleißige Schüler, und er, der Redner, würde au Stelle des Sprichwortes „reich wie ein Jude" sagen, „weise wie ein Jude". Er tadelte die Versuche, die Kinder jüdischer Ettern zu bekehren, auf das Schärfste und fügte hinzu, daß er wohl den Juden den Rath geben würde, sich nutzem Volke, in dessen Mitte sie leben, zu assimiliren, daß er aber niemals die Juden aufforderu würde, den Lehren des Alten Testaments untreu zu werden. . Ter Redner schloß mit einem Berichte über seinen Besuch der jüdischen Colonien in Vineland, Woodbine und Alliance, entwarf in raschen Zügen ein Bild des Lebens, an das die jüdischen Ackerbauer sich gewöhnten und sprach rühmend von den Erfolgen, die sie an denselben Orten aufzuweisen hatten, welche Andere entmuthigt verlassen hatten. Vermischtes. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e l i t i s ch e U it i o n.) Samstag, 10. Jänner l. I. findet im Restaurant Khuner, 1. Bez., Schottenring 10, eine Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilnngen des Vorstandes; 2. Vortrag des Herrn Doctor D. Leimdörfer aus Hamburg: „Akiba, der tragische Heros der Rabbiner"; 3. Anträge und Interpellationen. Wien. Der Verein „Frauenhort" versendet die Einladung zu der Sonntag, den 17. Jänner 1897, 11 Uhr Bormitttags, IX., Mülluergasse 21, stattfindenden I!. ordentlichen Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Eröffnung der Sitzung. 2. Erstattung des Jahresberichtes. 3. Cassabericht. 4. Bericht der Revisoren. 5. Einläufe und Anträge. 6. Neuwahl des Ausschusses. Etwaige Anträge sind vor der Sitzung dem Ausschüsse gefälligst anzumelden, da dieselben sonst, der Geschäftsordnung entsprechend, nicht berücksichtigt werden könnten. Wien. (S p e n d e.) Herr Philipp Thorsch widmete der Cultusgemeinde 24.000 Kronen zum Ausbau des dritten Stockes des Altersversorgungshauses in der Seegasse. Es wäre sehr zu wünschen, daß dieses hochherzige Beispiel Nachahmung finde, damit das Altersversorguugshaus ehestens ausgebaut und mit Pfleglingen besetzt werden kann. Wien. (B e r i ch t i g u u g.) In unserem Berichte, betreffend die Wahl des Vorstandes für den „Israelitischen Bet- Haus-Berein Brigittenau" hat sich ein Fehler eingeschlichen. Es wurde zunl Obmann Herr Hermann Eltbogen und nicht Ellbogen gewählt, was hiermit richtiggestellt wird. Berichtigung. (W i e n e r L e h r e r - C o n f e r e n z.) Zu der in Nr. 2 unter obiger Bezeichnung erschienenen Notiz werden wir von authentischer Seite aufmerksam gemacht, daß laut Erlaß des k. k. niederösterreichischen Landesschulrathes vom! 10; Juli 1872, Z. 2213, eine Geschäftsordnung für die Bezirks-Lehrerconferenzen thatsüchlich besteht. Wien. Bei der am 30. December 1896 stattgehabten Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines Favoriten wurden die Herren I. S. Straßberg, E. Friedniann, Moritz Bruckner und Adolf Engl in den Vorstand wiedergewählt. Am 7. d. M. constitnirte sich der Vorstand des israelitischen Tempelvereines Favoriten und wurden zum O b m a n n Herr Carl S e l i g m a n n, Obmann des Tempelbau- Comites, z u m Obmann-Stellvertreter Herr I. S. Straßb e r g, Obmanu-Stellvertrter des Tempelbau- Comites, und zum 'Schriftführer Herr E. F r i e d m a n n, gleichfalls Obmann-Stellvertreter des Tempel-Baucomites, gewählt. Wien. Der Frauen-Wohlthätigkeitsverein Brigittenau hat mit dem am 6. d. veranstalteten Tanzkränzchen ein glänzendes Resultat erzielt. — Dieses bescheiden benannte „Kränzchen" gestaltete sich zu einem veritablen Elite-Ball. Ein distinguirtes Publicum füllte die weiten Räume des Festsaales im Hotel „Continental" bis auf das letzte Plätzchen. Die „Patrouessen" auf der prächtig decorirten Estrade gewährten eilten schönen Anblick, und Alle, die erschienen waren, um ihr Schärflein zum nwhlthätigeu Zweck beizutragen, huldigten dem Tanzvergnügen bis in den frühen Morgen. Vom Publicum wurde der Präsidentin Frau Theresia Spitz allgemeine Anerkennung gezollt, und als beim Cotillon die Damen durch den Tanzmeister Herrn Durand zu Initialen der Präsidentin (T. s) gruppirt wurden, da wollte der Jubel schier kein Ende nehmen. Das Reinerträguiß dieser Veranstaltung dürfte den Betrag von 700 st. übersteigen. Um das Gelingen des Kränzchens haben sich die beiden Obmänner Dr. Freund und Herr Spitz, sowie die Herren Dr. W e i n st e i n, Dr. G r ü n, Herr K o h n, Ott e, und Renner ebenso alle anderen Herren und Damen des Comites besondere Verdienste erworben. F. Wien. (L i t er a r i s ch e r G e s e l l i g k e i t s - V e r e i u jüdischer M ä d ch e n „M o r i a", Wie n.) Am 6. d M. fand die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt, in welcher die Präsidentin, Frl. Natalie Pollak, den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr erstattete. Derselbe zeigte die wirkungsvolle Thätigkeit des scheidenden Ausschusses, wofür demselben das Absolutorium ertheilt wurde. Man schritt hierauf zur Neuwahl, die folgendes Ergebniß hatte: Gewählt wurden als Präsidentin Frl. Camilla Wagner, Vicepräsidentin Frl. Rosa Westreich; 1. Schriftführerin Frl. Rosa Feith, 2. Schriftführerin Frl. Wortmann; Cassierin Frl. Kraus. Außer den genannten Damen erscheinen noch in den Ausschuß gewählt: Frl. Poppenscheller, Frl. Zughaft, Frl. Keßler und Frl. Fränkel. Für den nächsten literarischen Nachmittag, der Sonntag den 17. d. M. im Vereinslocale, I., Schottenring 23 stattfindet, ist ein ebenso interessanter als lehrreicher Vortrag angemeldet und ergeht hiezu an jüdische Frauen und Mädchen die freundliche Einladung. Beginn präcise 3 Uhr. W. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle.) Vor einem dichtgedrängten Auditorium fand am 9. d. M. im Vereinslocale der Jüdischen akademischen Lesehalle ein Vortrag des Bortragsmeisters am Deutschen Volkstheater Herrn Konrad Pekelmann statt. Unter den zahlreich erschienenen Gästen befanden sich auch viele Damen. Mit vollendeter Meisterschaft brachte Herr Pekelmann ein längeres Gedicht von Ibsen zum Vortrage und entfesselte mit dem virtuos gelesenen vierten Act der „Volksfeinde" von Ibsen laute Beifallsstürme. Auch der Humor kam durch den Vortrag einiger Gedichte von Baumbach, Stettenheim. Ernst Klein und Eckstein auf seine Rechnung und wurden auch diese Darbietungen des Vortragsmeisters mit nngetheiltem Beifall aufgenommen. Samstag den 16. d. M. spricht Herr Adolf Gelber über die Frau in dem Märchen von „Tausend und eine Nacht".

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