Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 3 Seite 45 Dr. Vloch's Wochenschrift beständig und erwies öffentlich durch die Schrift, d a ß I e s u s der C h r i st sei." 32) Wären wir auch nicht unterrichtet über den Bekehrungseifer der Juden der Diaspora, wüßten wir nichts über die Art, wie er sich bethätigte, dieser Bericht der Apostelgeschichte allein genügte, uns einen orientirenden Einblick in das mit heißem Bemühen geübte Bekehrungswerk der griechischen Juden zu gewähren. Was den alexaudrinischen Juden Apollos treibt, weite Missionsreisen über Länder und Meere zu unternehmen — ein Beispiel, das uns die Apostelgeschichte gelegentlich aus zahllosen zur Kenntniß bringt — wir haben es bereits von der Sibylle erfahren, welche ungeachtet aller ihr in den Weg tretenden, schier unüberwindlichen Hindernisse, ungeachtet der sie wiederholt niederwerfenden Ermattung sich immer von Neuem aufrafft, getrieben von dem mächtigen Drang, die Menschen aus den Fesseln des finsteren Aberglaubens zu erlösen. Die Apostelgeschichte führt uns hier einen Mann vor, der, vertraut mit der Schriftauslegung der jüdisch-alexandrinischen Schule, als deren Apostel er in die weite Welt hinanszieht. Er besitzt alle Eignung für sein Lehramt: „er ist nrächtig in der Schrift, unterwiesen den Weg des Herrn, redetmit brünstigem Geist und lehrt niit Fleiß von dem Herrn". Die Religion, die er verkündet, ist die messianische, den Messias zeichnet er den Propheten nach, von einem Erscheinen Jesu a b e r hat er noch keine Ahnung! Wäre aber dieser Apollos nicht in der Folge eine mächtige Säule des Paulinischeu Christenthums geworden, wir würden von seiner vorchristlichen, rein jüdischen propagandistischen Thätigkeit ebenso wenig erfahren haben, wie von derjenigen der zahllosen anderen griechischen Juden. Wer hätte jemals etwas von der Existenz des bekehrungseifrigen jüdischen Kaufmannes Ananias, eines Sohnes der jüdischen Diaspora, erfahren, hätte sich nicht unter den von ihm für das Jndenthum gewonnenen Heiden, die Königsfamilie von Adiabene befunden. Aber auch die Art und Weise, wie Apollos ins Christenthum hinübergleitet, ist typisch. Denselben Weg sind nach ihm aus beit gleichen Motiven zahllose Juden und Heiden, selbst Gelehrte an§ den Philosophenschulen gegangen. Er predigt eine messianische Weltreligion, verkündet den Messias, den er lebendig im Geiste herumträgt, wie er ihn in den Propheten gelesen zu haben glaubt wie ihn die Sibylle herbeisehnt. In Ephesus zäh lt er die von Paulus zum Christenglauben bekehrten Eheleute Aquila und Priscilla zu seinen Zuhörern, welche in ihm einen der Ihrigen erblickten, obgleich — und das ist hier von Wichtigkeit — dasjenige, was er lehrt, reines a l e x a n d r i n i s ch e s, vom C h r i st e n t hu m u o ch g a u z u n b er ü hr t e s I u d e n t h u m i st. Hier erst wird ihm berichtet, „daß der von ihm gepredigte Messias bereits in der Person Jesn erschienen sei". Diese „Enthüllung" mag ihn ja anfänglich überrascht haben; gänzlich unglaubwürdig erschien sie ihm nicht, weil die messianischen Vorstellungen und Begriffe nicht ans den Traditionen der Pharisäer, sondern aus den alexaudrinischen Schulen geschöpft waren. Wäre nun der Alexandriner Apollos ein pharisäischer oder auch nur ein pharisäisch angehauchter Jude gewesen, er würde bei aller griechischen Bildung die Kunde - von dem erschienene n Messias nimmer gläubig hiugenonnnen haben. Alle die zahllosen und wirksamsten, der Rüstkammer des jüdischen Alexandrinismus entlehnten Beweise für die Messianität Jesu helfen dem für sein Christenthum glühenden Justin Martyr nichts gegenüber dem pharisäisch geschulten palästinensischen Juden Tryphon und seinen Genossen. Und diese waren nicht einmal StockpharisÜer. Denn ihnen besteht die ganze jüdische Religion in der Beobachtung der Sabbath- und Festtage und der Beschneidung. Wo jedoch an der Einheit Gottes gerüttelt, indem neben ihn ein zweites göttliches Wesen gestellt wird, da wehrt sich der pharisäische Jude mit aller Macht und weist entrüstet alle diesbezügliche Schriftauslegung zurück: „Heilig sind die Worte unseres Gottes" — erwidert Tryphon auf die von Justin vorgeführten Schriftsteller: — „euere Auslegungen aber sind e r k ü n st e l t, wie das von dir Vorgebrachte beweist, ja sie enthalten sogar Gotteslästerungen".34) Und auf einer anderen Stelle im Dialog mit dem Juden Tryphon ruft dieser aus: „Du sprichst, o Mensch, viele Lästerungen aus, da Du behauptest, 32) Apostelgeschichte XVIII, 24—23. 33) Vergleiche Jos. Antiqq. XX, 2, 3, 4. 34J Justin. Dial. <5. Trypy. c. 78. der Gekreuzigte sei bei Moses und Aaron gewesen, habe mit ihnen aus der Wolkensäule gesprochen, sei dann Mensch geworden und nach dem Krenzestode in den Hinunel gestiegen, daß er einst wiederkommen werde und daß man ihn anbeten müsse."-I Und wiederum: „Du vertrittst eine paradoxe, durchaus unbeweisbare Lehre. Denn wenn Du sagst, daß dieser Christus zu allen Zeiten Gott gewesen, hernach als Mensch geboren wurde und doch kein von Menschen gezeugter Mensch sei: so ist dies nicht nur widersinnig, sondern auch thöricht."2? Bei einer andern Gelegenheit fällt er ihm in's Wort: „eine unglaubliche und ganz und gar unmögliche Sache ist es, daß ein Gott habe geboren und Mensch werden können."3'') Und wo Justin seine eigene Bekehrung zum Christenthum schildert und zeigt, wie er durch einen Greis für die jüdischen Propheten und durch diese für Christus entflammt wurde, ruft ihm der Jude Tryphon die merkwürdigen Worte zu: „Ihr folgt einem leeren Gerüchte /und bildet euch selbst einen Christus!"3") Anders Apollos, der Sohn der Diaspora. Die Hyvostasirung verursacht ihm nicht die mindeste Scheu; er kann sich im Gegentheil eine unmittelbare Einwirkung Gottes auf die Welt gar nicht vorstellen. Seine alexandrinisch-philosophische Denkweise ist an „göttliche Mittelkräfte", an den vermittelnden Logos gewöhnt, und den Messias, den er predigt, erwartet, er gleichfalls vom Himmel herabkommend?) - Da wird ihm ganz unerwartet von Paulinischen Christen zu Ephesus die Kunde, daß der von ihm gepredigte Messias schon vor längerer Zeit erschienen sei — und er klammert sich an dieselbe, trägt sie in die Welt hinaus und überwindet auch schon beständig die Juden, indem er öffentlich durch die Schrift erweist: „daß Jesus der erwartete Christ sei".'") Natürlich: dem Judenthum des Apollos hatte ja von vornherein zu einem Christenthum nichts weiter als der Messias — der Christ — gefehlt. In der Thcck sehen wir denn auch, daß dem Apostel Paulus selbst das von dem Messias getragene Jndenthum des Apollos identisch mit seinem Christenthnm war. Ruft er doch den streitenden Christen, welche sich in „Paulische" und „Apollische" Parteien theileu, zu: „So Einer sagt: ich bin Paulisch, der Andere aber: ich bin Apollisch, seid ihr da nicht fleischlich? Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig geworden, und dasselbe, wie der Herr einem Jeglichen gegeben: Ich habe gepflanzet, Apollo hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. Der aber pflanzet, und d e r d a begießet, i st Einer wie der Ander e."“) Also die christlichen Pflanzungen des Paulus hat Apollos begossen, sie mit seinem jüdischen Alexandrinismns befruchtet und für gebildete griechische Kreise zugänglich gemacht: in der Sache selbst aber „ist der da pflanzet, unb der da begießet, Einer wie der Andere." So war denn mit Apollos vollends der jüdische Alexandrinisnms schon im Urchristeuthum zu Worte gekommen. Salvmon Vnber. Unter reichen Ehren und ungewöhnlichen Ovationen wurde vor wenigen Tagen in Lemberg der siebzigste Geburtstag Salomon Bnber's gefeiert. Tie Stadt und die israelitische Gemeinde haben sich in gleichem Maße an der Feier dieses Festes betheiligt, denn der Jubilar gehört zu den besten inib angesehensten Bügern der Stadt, der als Mitglied und Förderer aller Humanitären Institute sich allgemeiner Verehrung erfreut und er hat noch ganz insbesondere der Cultusgemeiude durch Jahrzehnte hindurch mit seinen geistigen und rnateriellen Kräften gedient. Aber damit wäre die Bedeutung dieses Festes noch lange nicht nach Gebühr gewürdigt. Männer von Charakter, Humanitütsgefühl und Opferwilligkeit fiir die öffentlichen Interessen Dial. c. Tr. e. 33. Dia!, c. Tr. c. 48. 3;t Dia!, c. Tr. c. 68. 3s) Dial. c. Tr. c. 8. 3J) Vergleiche Lrac. Sibyll. III, 46 t. und Ili, 652 f. Bei Phcko, de execrat. II, 435 f. heißt es, daß die Juden in der inessianischen Zeit „von einer göttlichen über alles Menschliche erhabenen und von allen Anbern unsichtbaren Gestalt werden glsiibrl werd-.n." 40) Apostelgeschichte XVIII. z8. ") 1 Corinth III, 8.