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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-15 · 3 (15.1.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
3 (15.1.1897)
Date
1897-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 44 Vr. Vlvch's Wochenschrift. Nr. 3 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber, wir hören sie mit unseren Zungen die großen Thaten Gottes reden."Z4) Diese Erzählung allein ist so klar und erschöpfend, daß man bezüglich der Ausdehnung der jüdischen Diaspora in dem letzten vorchristlichen Jahrhundert auf weitere Belege füglich verzichten kann. Dieser großen Ausbreitung entsprechend, war auch der Erfolg der jüdischen Propaganda. Wo immer die Juden in der Diaspora Fuß zu fassen begannen, die heilige Schrift war ihre unzertrennliche Begleiterin, überall streuten sie den Samen der jüdischen Lehre aus, welcher allenthalben früher oder später aufging und kräftig in die Halme schoß: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang", sagt Philo-Z, „hat fast jedes Land, jedes Volk, jeder Staat eine Abneigung gegen die fremden Gesetze und glaubt das Ansehen der heimischen zu erhöhen, wenn es die anderen geringschätzt. Nicht so verhält es sich mit unserem Gesetze: Denn es unterwirft sich alle Menschen und ermahnt s i e z u r T u g e n d : Barbaren und Hellenen, die Bewohner des Festlandes und der I n s e l u, d i e N a t i o n e n des Ostens und des Westens, Europa u n d A s i e n, alle Völker der Erde... Daß nun die Heiligkeit unserer Gesetze nicht nur von den Juden, sondern auch von allen Völkern bewundert wird, geht auch aus dem Folgenden hervor: Ursprünglich wurden die Gesetze in chaldäischer Sprache geschrieben und blieben lange Zeit in dieser Sprache, ohne daß ihre Schönheit den andern Menschen bekannt wurde. Als aber durch ihre tägliche und ununterbrochene Ausübung und Bethätigung seitens ihrer Bekenner auch die Anderen sie beachten lernten, da verbreitet sich ihr Ruhm über die ganze Erde. Denn wenn auch das Schöne für kurze Zeit durch Neid verdunkelt wird, so tritt es doch zur rechten Zeit in Folge der Vorzüglichkeit seiner Beschaffenheit wieder glänzend hervor." Weiters berichtet Philo, daß noch zu seiner Zeit alljährlich ein großes Fest auf der Insel Pharos gefeiert wurde, „wohin nicht nur Juden, sondern auch viele Andere wallten, um ihre Verehrung gegen den Ort, dem die griechische Uebersetzung der Bibel ihren Ursprung verdankt, zu bezeugen und dem Allmächtigen für die sich immer erneuernde Wohlthat zu danken."2G) In vollständiger Uebereinstimmung mit Philo berichtet Josephus: „Kein Jude wird von seinem Vaterlande so weit getrennt, noch einen grausamen Herrn so sehr fürchten, daß er das Gesetz nicht mehr als diesen fürchten würde.... Und so haben diese Gesetze auch anderen Menschen i m m e r m e h r d i e B e g i e r d e z u r N a ch a h m u n g e i n g e s l ö ß t. Die ausgezeichnetsten nämlich unter den griechischen Philosophen haben scheinbar die väterlichen Sitten bewahrt, in ihrem Thun und Philosophiren jedoch sind sie Moses gefolgt, indem sie in gleicher Weise über Gott dachten und die Einfachheit des Lebens und die gegenseitige Freundschaft lehrten. Aber s e l b st unter den Völkern entstand seit langer Zeit große Neigung, unsere Frömmigkeit nachzuahmen. Es gibt keine einzige griechische oder nichtgriechische Stadt, kein einziges Volk, wohin sich nicht die Sitte des siebenten Tages, w e l ch e n w i r feiern, verbreitettjätte und wo nicht die Fasten, Lichterseste und viele unserer Speisegesetze beobachtet würden. Sie versuchen aber auch unsere gegenseitige Eintracht, Freigebigkeit mit unserem Besitzthum nachzuahmen. Das Wunderbarste aber ist, daß das Gesetz, stärker als der Anreiz zur Sinnenlust, sich selbst unzerstörbar festgesetzt hat, und wie Gott durch die ganze Welt sich ergießt, so ist das Gesetz durch die ganze Menschheit geschritten. Jeder, der seine Vaterstadt und sein Hans selbst betrachtet, wird meinen Worten beistimmen.Und würden wir auch nicht selbst die Vorzüglichkeit aller unserer Gesetze einsehen, wir würden schon durch die Menge ihrer Nachahmer gezwungen, auf sie stolz zu sein. -7) Auch die Apostelgeschichte zeigt uns an einem gelegentlich angeftihrten Beispiele, welche Verbreitung die heilige Schrift unter den Heiden der damaligen Zeit gesunden. Da wird uns nämlich erzählt, daß Philippus einem Kämmerer d e r K ö n i g i n Co nd a c e s im Mohrenland, welcher das Fest in Jerusalem be¬ 24) Apostelgeschichte II. 5—11. 25) Vita Mos. II, 137 ff. 26) Daselbst 140 t. 2‘) Jos. contra Ap. II, 38, 39. Vergleiche auch c. Ap. II, 10, sucht hatte, auf der Rückfahrt begegnet, im Wagen sitzend, vertieft in das S t u d i u m des Propheten I e s a i a.2S) Ueberall, wo die Juden in der Diaspora sich frei entwickeln und große Gemeinwesen bilden konnten, schloßen sich ihnen allmälig zahlreiche Heiden als „Proselyten", „Judengenossen" an. So war dieses in Antiochien der Fall. „Die Ansiedlung der Juden daselbst", berichtet Josephus * 2"), „wurde vorzüglich von den Königen nach Antiochus begünstigt. Antiochus Epiphanes hatte zwar Jerusalem erobert und den Tempel geplündert, aber seine Nachfolger stellten die geraubten ehernen Tempelgeräthe den Juden in Antiochien zu und schenkten sie ihrer Synagoge. Auch verliehen sie ihnen gleiches Bürgerrecht, wie den Griechen. Ebenso menschenfreundlich behandelt von den späteren Königen, vermehrten sich die Juden sehr und schmückten ihr dortiges Heiligthnm mit prachtvollen Einrichtungen und Geschenken. Da nun eine große Menge von Griechen zu ihrem G o t t e s d i e n st ü b e r t r a t e n, so machten sich dieselben gewissermaßen zu einem Bestandtheil ihrer Gemeinde." Was hier Philo und Josephus übereinstimmend von dem Einflüsse der jüdischen Lehre auf das Heidenthmn berichten, wird seinem ganzen Umfange nach von Strabo bestätigt. Da, wo er über die Ausbreitung der Juden spricht, fügt er hinzu: „Es ist dahin gekommen, daß Egypten und Cyrenäa, die unter ihre Führung gekommen, sowie viele andere Städte die Sitten derselben n a ch a h m e n, der großen Schaar der Juden besonders zugethans i n d und mit i h n e n mächtig werden, indem sie nach d e n althergebrachten Sitten der Juden leben."3") So finden wir in der ganzen weiten Diaspora hart an der Schwelle der christlichen Aera ein neues Jndenthum aufgeblüht. dessen Evangelium die griechische Bibel, dessen Ziel die Weltreligion ist. Das Jndenthum der Diaspora hat den harten Boden des Heidenthums beackert, hat in diesen Boden auch die Saaten gestreut, die bald in vollen Halmen aufschossen und die christlichen Missionäre haben die reife Frucht nach Hause getragen. Dieses Judenthum der Diaspora ohne Jerusalem, Tempel und Opfercultus, dem die Satzungen des pharisäischen Rituals, seine schweren „mündlichen" Vorschriften fremd', zum Theil ganz unbekannt geblieben, war ein Christenthum, das den Messias erwartete, oder ein Jndenthum, welches alle nationalen Schranken längst niedergerissen. Dieser kosmopolitische Geist der Diaspora hatte aber seit geraumer Zeit auch in Judäa Einlaß gefunden, und selbst in Jerusalem gab es nicht Wenige der Vertreter dieser Richtung. Sie hatten hier ihre Synagogen und Conventikel, in denen viel und oft leidenschaftlich über religiöse Dinge gestritten 31), die Waffen zum Kampfe gegen den Pharisäismus geschmiedet wurden. Aus diesen Kreisen recrntirten sich die ersten und eifrigsten Anhänger der später entstandenen Christusgenleinde. So rührig aber auch die erste Messiasgemeinde war, es brauchte doch eine beträchtlich lange Zeit, bis die Kunde von dem Entstehen dieser Gemeinde auch nur nach Alexandria, dem geistigen Mittelpunkt der jüdischen Diaspora, drang und dort Glauben fand. Das Christenthum gelangte überhaupt erst zum Bewußtsein seiner Weltmission, als hellenistische Juden, wie der Tarse Paulus, der Alexandriner Apollos und der Cypriote Barnabas, ihre Fahne aufzuhiffen begannen. Nach vielen Richtungen hin ungemein belehrend und die Geistesarbeit der gebildeten Juden der Diaspora beleuchtend, ist, was nur in der Apostelgeschichte über Apollos l-ffen. Da heißt es: „Es kam aber gen Ephesus ein Jude mit Namen Apollo, der Geburt von Alexandrien, ein beredter Mann und mächtig in der Schrift. Dieser war unterwiesen den Weg des Herrn und redete mit brünstigem Geiste und lehrte mit Fleiß von dem Herrn — und wußte allein von der Taufe Johannis. Dieser fing an ftei zu predigen in der Schule (Synagoge). Da ihn aber Aqnila und Priscilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch fleißiger aus. Da er aber wollte in Achaja reisen, schrieben die Brüder und vermahnten die Jünger, daß sie ihn aufnähmen. Und als er dargekommen war, half er viel Denen, die gläubig waren geworden durch die Gnade. Denn er überwand die Juden 2S) Apostelgeschichte VIII, 27—40. 29) Bell. Jud. VII, 3, 3. 30) Apud. Jos. Antiqq. XIV, 7, 2, 31) Aposte gcschichte VI, 9f.

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