Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 46 Nr. 3 Vr. Vlych's Wochenschrift. verdienen sicherlich den Tribut der allgemeinen Achtung, aber Salomon Buber hat noch überdies Verdienste, welche von Wenigen getheilt werden. Er gehört durch seine Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft zu jenen seltenen Männern, die sich Anspruch auf den Dank des ganzen Judenthums erworben haben. Salomon Buber gehört dem Kaufmannsstande an, allein sein ganzes Herz, sein Denken und Fühlen gehört der jüdischen Wissenschaft, die er durch unermüdliche Arbeit uni viele Schätze bereichert hat. Er reiht sich noch jenen leuchtenden Erscheinungen des Judenthumes an, deren Lebensberuf in praktischen Gebieten wurzelt, die aber mit bewunderungswürdigem Idealismus nebenbei der Pflege der Wissenschaft sich widmen, die in ihnen die edelsten und erfolgreichsten Förderer gefunden. Vor nahezu drei Jahrzehnten erschien die erste größere Arbeit Buber's, durch welche die wissenschaftliche Welt auf die Größe seiner Gelehrsamkeit und die Tiefe seines kritischen Geistes aufmerksam wurde. Was Buber seit damals geschaffen und gearbeitet, ist mit unverlöschbaren Lettern in der Geschichte der jüdischen Literatur verzeichnet. Ein Verzeichniß seiner größeren Arbeiten gibt ein Bewunderung erregendes Zeugniß für den Fleiß und die Unermüdlichkeit dieses Gelehrten, das überwältigender wirkt, als alle rühmenden Worte es vermögen. Das Verzeichniß enthält 22 bedeutende hebräische Werke, welche wissenschaftliche Perlen bilden. Damit aber ist das geistige Lebenswerk Buber's noch nicht erschöpft. Er hat eine große Anzahl werthvoller Aufsätze in verschiedenen jüdischen Zeitschriften veröffentlicht und einige größere Arbeiten liegen in seinem Schreibtische vollendet und werden demnächst im Drucke erscheinen. Ein seltenes, dem Dienste der Wissenschaft und der Humanität geweihtes Leben ist das Buber's, auf das nur ein schwerer, düsterer Schatten gefallen ist durch den kürzlich erfolgten Tod seines Sohnes. Möge der edle Mann durch die Zeichen der allgemeinen Verehrung, die ihm anläßlich seines Jubiläums zukamen, Kraft und Verjüngung gefunden habeil zu weiteren Arbeiten und Schaffen, die ihm zur Freude und seiner Wissenschaft zur Ehre gereichen. Von der Akademie des „Ferienheim". Die jüngst stattgehabte Akademie des „Ferienheim" erinnert auch an die Worte Ernst Moritz Arndt's: „Der König rief und Alle, Alle kamen!" Das Präsidium des „Ferienheim" rief und sie kamen auch Alle, die ein Herz ft'ir die Armen haben, Alle, die, von echt nationalem Corpsgeist beseelt, es für ihre Pflicht halten, ein echt hunlanitäres Werk zu fördern. Man hat thatsächlich den Sofiensaal mit all seinen Nebenräumen noch nie so überfüllt gesehen, wie am Abend der „ Ferienheim" -Akademie. Für 9 Uhr war der Beginn der Vorträge angesagt, aber um halb 9 Uhr war der Saal schon derart überfüllt, daß kein Platz mehr zu erhalten war. Nach den Vorträgen sollte getanzt werden; dementsprechend hatten die jungen Damen zumeist Balltoiletten gewählt. Das Gesellschaftsbild war ein überaus anmutheirdes. Welch eine Fülle thaufrischer Mädchenblüthen, reizender junger Frauen in eleganteil Roben, wie sie schöner oft nicht auf Elitebällen gesehen lverdeu! Es tvar — wie ein alter Herr bezeichnend sagte — ein Jsra-Eliteball; auch die Patronessen fehlten nicht; man sah. zwar in deren Reihen keine hochgeborenen Fürstinnen, aber thatkrästige, seit Jahren unermüdet für ihr „Ferienheim" wirkende Frauen, die die Freude ob der regen Antheilnahme des Publicums an ihren Bestrebungen mit einem verzeihlichen Stolz erfüllte, mit einem Hochgefühl, um das sie manche in Diamanten strahlende, aber nur nominell tvirkende Patronesse beneiden möchte. Der Festabend wurde mit einer Ouvertüre zu „Rienzi" eröffnet. Dann betrat Alfted Grünfeld das Podium. Wer den Künstler je gehört, weiß, daß er der Gottbegnadeten Einer ist deren Spiel die Seele in ihren Tiefen erbeben macht, sie mit Wonneschauern der Andacht erfüllt. vV Hofschauspielerin Brion trug hernach einige Piecen vor, Kapellmeister Wilhelm Kral brachte Mozart's Larghetto zu meisterhafter Geltung. Von nicht endenwollendenl Beifall begrüßt, betrat alsdann Adolf Sonneuthal das Podium; er las in gewohnter Meist^- schaft eine Geschichte von Davis. Ganz reizend war die Scene, als, nachdem er geendet, ein großer Lorbeerbaum von zwei Feriencolonisten hereingeschoben wurde und ein fünfjähriges Bürschchen, stramm salutirend, mit den Worten vortrat: „Vielen Dank vom kleinsten Mann der Colonie dem größten Künstler." Sonnenthal bückte sich, küßte den kleinsten Mann und schien zu Thränen gerührt. Es folgten noch Vorträge vom Hofopernsänger H e s ch, von Frau Agnes P y l leman n-B ri ch t, vom Komiker Herzl, dann war der tanzfreudigen Jugend Gelegenheit geboten, sich beim Klange munterer Weisen zu vergnügen. Es wurde mit einer Verve getanzt, die unserer blasirten Jugend sonst oft fremd ist. Wer aber beobachtete, wie viel Hunderte pikanter Schönheiten, geistsprühender Frauen — deren Unterhaltung mehr als die sonst üblichen Ballphrasen bedeutete — im weitem Rund des großen Festsaales waren, konnte es wohl verstehen, daß selbst die blasirtesten Tänzer ihr Phlegma anfgaben und sich den Freuden Terpsichorens mit Vergnügen Hingaben. Man tanzte flott bis Früh nach 5 Uhr. bei der ersten Quadrille waren 524 Paare in Aufstellung, beim Cotillon kaum viel weniger. Das war, obschon es nur eine Akademie mit Tanz sein sollte, ein echtes Ballfest mit den üblichen Verliebungen und Verlobungen, die theils hier geschlossen, theils in Scene gesetzt wurden. Gott Amor, der lose Schalk, wußte ganz treffsicher zu zielen, oft mitten in's Herz hinein. Da man sich stets am „Ferienheim"-Kränzchen trefflich amusirt, ist der Besuch ein von Jahr zu Jahr steigender. Jni Jahre 1866 konnten aus den Ergebnissen der abgehaltenen Akademie 340 Pfleglinge in 7 Colonien untergebracht werden; das ist eine für den Menschenfreund herzerquickende Thatsache; 340 Kinder wurde draußen in freier Gotteswelt unter Fürsorge edler Menschen ein Heim bereitet! Da konnten sie, den Miethskasernen der Großstädte entrückt, in ozonreichen Wäldern die kleinen Lungen stärken, bei guter Pflege geistig und körperlich gedeihen. Wer das weiß, wie diese Kinder daheim oft in überfüllten, schlecht ventilirten Zimmern schlafen, in ach wie vielen Fällen während des ganzen Sommers keinen Waldbaum, kein Wiesengrün sehen würden, erkennt den Segen der Feriencolonie. Zu Hunderten führte man die kleinen blutleeren Knaben und Mägdlein hinaus, damit sie gesunden, damit bei guter Kost und frischer Lust die blassen, eingefallenen Wangen sich röthen. Und der Erfolg ist oft ein ganz phänomenaler. Wir sahen Kinder, die in 4 Wocheir um 4 Kilo Angenommen, andere, die bleich und siech hinausgingen, und so munter und rothwangig heimkehrten, daß man an ein Wunder hätte glauben mögen. Sagt nicht Nathan: „Der Wunder größtes ist, daß uns die echten, wahren Wunder nicht als solche scheinen." Ja, eine Wunderblüthe inmitten unserer materiellen Zeit ist das von den edlen Frauen gegründete „Ferienheim". Obgleich nur für jüdische Kinder bestimnlt, findet es doch Sympathie in allen Kreisen; so sahen wir am Festabend Fürstin Borghese, die Grafen S t o l b e r g, S o l m s, B a t t h y a n y, die Abgeordneten Wrabetz, Noske, General-Director Percival, Polizeirath Frankl «. A. Die echte Humanität kennt eben keinen Unterschied der Nationalität und Confession und bethätigt sich, wo edle Menschen zu gedeihlichem Wirken zusammentreten. Jda Barber.