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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-15 · 3 (15.1.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
3 (15.1.1897)
Date
1897-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Dr?Wlortz's Wortzenfttzrifl Seile 43 promittirt sind, sowie auf den vorgenannten Steuercommissär Arthur Steininger ausgedehnt und sind dieselben bereits einvernommen worden. Und es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß alle diese Arnienräthe, welche es mit ihrem' Gewissen vereinbarlich fanden, ihr Armenrathsmandat in so unverantwortlicher Weise auszuüben, Antisemiten, stramme Anhänger der Lueger'schen, Geßmann'schen, Schneider'schen Heilslehre sind. Vorläufig ist ein „Internationales Fiuanzblatt" trotz „Vertuschungsordre" und. trotz „Vertuschungsabsicht" in der Lage, mit einigen Details aufzuwarten, die ein eigenthümliches Licht, sowohl aus die Armenrüthe selbst, wie auch auf den Leichtsinn werfen, mit welchem dieselben die Pflichten ihrer Ehrenämter erfüllten. So besaß z. B. der provisorische Amtsdiener E l l i n g e r des Währinger Bezirksamtes von den Armenräthen C z e r n y und G o l l w i tz e r Vollmachten, welche ihn ermächtigten, Armenanweisungen auf Beträge in beliebiger Höhe und in beliebiger Anzahl, sowie an ihm genehme Personen äuszustellen und mit ihren Namen zu unterfertigen. Man kann sich denken, wie auf solche Weise die Interessen der Armen gewahrt wurden und wie viel von den angewiesenen Geldern wirklich in die Tasche der Armen floß. Doch das wird ja auch noch im Laufe der Untersuchung ans Tageslicht kommen. Die Herren Steininger, K o st k a und Glötzl übergaben hingegen mit ihrer Unterschrift versehene Anweisungen in bianco dem Hidl in von ihm gewünschter Menge, die dieser selbstverständlich auf Beträge ausfüllte, wie er wollte. H i d l war auch gar nicht scrupnlös, füllte diese Anweisungen oft auf Beträge von 50 fl., 80 fl. und darüber aus, liqnidirte dieselben und behob das Geld an der Armencasse, um selbes alsdann in seiner Tasche verschwinden zu lassen. Später stellte es sich heraus, daß H i d l sich auch noch eine zweite Methode zurechtgelegt hatte, um die Armencasse zu bestehlen. Er liquidirte nämlich Pfründnerbüchel von solchen Personen, die schon längst verstorben waren und cassirte die Pfründen ein für die, die schon lange im Grabe schlafen. Und nun wollen wir auch einige Details aus den mit den Armenräthen im Armendepartement im Rathhause ausgenommenen Protokollen sestnageln, da dieselben ein grelles Licht auf den Bildungsgrad und auf die Rechtsanschauungen derselben werfen. So hat beispielsweise einer der einvernommenen Armenräthe sich dahin zu rechtfertigen gesucht, er wisse nicht, was die - beanständeten Anweisungen enthalten, da seine Frau und seine j Tochter dieselben ausstellen und mit seinem Namen unterfertigen. Ein anderer Armenrath konnte seine Unterschriften nicht agnosciren, weil er, wie er angab, weder schreiben noch lesen könne und ein dritter Armenrath war erstaunt darüber, daß man i h n und nicht den Amtsdiener E l l i n g e r, dem er doch die Vollmacht gegeben hat, zur Verantwortung -flehen wolle. Die Untersuchung ist, wie gesagt, noch nicht beendet und finden noch fortwährend Einvernehmungen statt, und wenn Dr. Lueger den Auftrag gab, über diese Angelegenheit einen dichten Vertuschungsschleier zu ziehen, so finden wir denselben ganz begreiflich. Was sollen eben seine Anhänger von einer Partei halten, die solche Männer zu ihren 'Mitgliedern zählt? Und es ist merkwürdig, daß Malversationen und Diebstähle im Währinger Armenrathe fast immer von Antisenliten begangen werden, während, so lange diesk Körperschaft eine durchwegs liberale war, nie auch nur die geringsten Unzukömmlichkeiten sich ereigneten. Aus dieser Thatsache läßt sich ebenfalls, wie aus so manchen anderen ersehen, wie durch und durch corrupt, ohne Schamgefühl und ohne Rechtlichkeitssinn diese Partei ist, die sich die Partei der Anticorruptionisten zu nennen erdreistet. So sieht es mit dem Bildungsniveau aus, auf welchem die „Leibgardisten" Lueger's stehen und die Malversations-Affaire stellt diese „Blunzenmänner" in das richtige Licht. Der Einfluß des jüdischen Geistes auf die antike Welt, n. Die Heidenbekehrung als ein Werk der vorchristlichen jüdische» Diaspora. Schon um die Mtte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts eonstatirt die jüdische Sibylle, „daß jedes Land und jedes Meer von dem jüdischen Volk erfüllt sei".'') Bei Josephus berichtet Strabo, daß Sulla zur Zeit, als er nach Griechenland übersetzte, um Mithridates zu bekriegen (85 v. Chr.), den Lucullus ausgesandt habe, um den Aufstand der Juden in Cyrene zu unterdrücken, von welchem die ganze Welt voll war. Strabo sagt hier nämlich : „In der Stadt Cyrene gab es vier Classen von Einwohnern, Bürger, Ackerbauer, Beisassen und Juden. Diese Letzteren sind jetzt schon in jeder Stadt verbreitet, und m a n kann nicht leicht einen Ort finden, welcher dieses Volk nicht beherbergt . . ." IS) Und auf eineranderen Stelle: „Die jüdische Nation hat sich über die ganze Erde hin unter die Eingeborenen zerstreut". ’°) — Als Agrippa II. die Juden vom Kriege gegen die Römer abhalten wollte, betonte er in seiner Rede eindringlichst, sie mögen bedenken, daß die Gefahr nicht blos die Juden in Palästina, sondern auch jene in den anderen Staaten treffen würde. „Denn" — fügt er hinzu — „es gibt kein Volk auf der Erde, unter welchem nicht ein Theil euerer Stammesgenossen leben würde.""") Aehnlich bei Philo: „Die Juden", sagt er, „vermag wegen ihrer Menge e i n Land nicht zu fasten. Deshalb bewohnen sie die meisten blühendes! Städte auf dem Fe st lande und den Inseln Europas und Asiens. Sie halten zwar die heilige Stadt, da sich in ihr der Tempel des höchsten Gottes befindet, für die Metropole, aber das Land, wo sie seit der Väter und Urväter Zeit wohnen, betrachten sie als ihr Vaterland, da sie daselbst geboren uud erzogen wurden."-') In seinem Schreiben an Cajus Caligula sagt Agrippa I. unter Anderem: „Jerusalem ist die Hauptstadt nicht nur des Landes Judäa, sondern auch vieler anderer wegen der Colonien, die sie ausgesandt in die angrenzenden Länder: Egypten, Phönicien, Syrien, Cölesyrien, ferner nach den entlegenen, wie Pamphilien, Cilicien, in die meisten Theile von, Asien bis nach Bithynien und in die entlegensten Gegenden des Pontus. Sie hat ebenso nach Europa, und zwar nach Thessalien, Böotien, Makedonien. Aetolien Attika, Corinth und narf) den schönsten Theilen des Peloponnes Colönien versandt. Aber nicht blos das Festland ist voll von jüdischen Ansiedlungen, sondern auch die hervorragendsten Inseln, wie Euböa, Cypern, Kreta — nicht zu sprechen von jenen, welche jenseits des Euphrat sind. Denn mit Ausnahme eines unbedeutenden Theiles von Babylonien und einiger anderer Satrapien sind alle Städte, welche fruchtbares Land haben, von Juden bewohnt. Wenn also mcin Vaterland Deiner Gnade theilhaftig werden kann, wirst Du zu gleicher Zeit mit seiner Dank barkeit auch Rechte auf die in einer großen Anzahl in allen Ländern in Asien, Afrika, Europa, den Inseln an den Küsten und im Binnenlande gelegenen Städte Dir erworben haben."-0 Dieser Bericht enthält nicht nur keine Uebertreibung, er ist vielmehr, wie Delaunay -H richtig bemerkt, bescheiden abgefaßt, da er die cyrenäischen und italischen Colonien ganz übergangen hat. In geradezu eclatanter Weise wird die Thatsache, daß die Juden zur Zeit der Entstehung des Christenthums fast in der ganzen damaligen Welt verbreitet waren, von der Apostelgeschichte erhärtet. Es wird uns nämlich hier berichtet, daß die Jünger Jesu, inspirirt vom heiligen Geist, an dem Pfingstfeste, wo aus aller Herren Ländern Juden. Proselyten und Judengenossen in Jerusalem anwesend waren, „in Zungen" predigten. „Es waren aber", so heißt es da, „Juden, zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurde verstürzt; denn es hörte ein Jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber Alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese Alle, die da reden, aus Galiläa? Hören wir denn ein Jeder in seiner Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Cappadoeien, Pontus und Asien. Phrygien und Pamphilien, Egypten und an den Enden der Lydien bei Kyrene, und Ausländer von Rom. 'S) Atttiqq. XIV. 7, 2. '») Bell. Jud. VII. 3. 3. 20) Joseph. Bell. Jud. II, 16. 4. 2t) Philo, in Flace. II, 524. 22) Philo, legat ad. Cainm II, 587. 2S) Delaunay, Philon d'Alexandrie, p. 864, bemerkt zu obiger Stelle: Philon n’exagere rien, ob pent meme diie qu'il est modesto en cet endroit, il onblie les etablissements de la Cyrenaiqne et de Tltalie. ") Orac. Sib. III, 271.

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