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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-08 · 2 (8.1.1897) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 2 Seite 37 Vr. Bwch's »ochrnfchrtfi. führt und wird so rückhaltlos anerkannt wie bei uns in Italien. So wurde von den 100.000 Lire, die König Hnmbert anläßlich der Vermählung seilles Sohnes, unseres Kronprinzen, für die Armen unserer Stadt gespendet, ein entsprechellder Betrag dem Vorstände der hiesigen jüdischerl Gemeinde zur Vertheilung an jüdische Arme überwiesen. Petersburg. Ein neuer Ukas gestattet allen ausgedienten Soldaten jüdischen Glaubens das bedingungslose Recht, sich überall, an jedem beliebigen Orte des Reiches niederzulassen. Constantinopel. Die Baronin Hirsch hat verschiedenen jüdischen Wohlthntigkeitsanstalten hier 100.000 Francs übersendet. Das neue jüdische Krankenhaus, das im Ban begriffen ist, erhielt 50.000 Francs, das Uebrige der jüdische Frauenverein in Pera rc. Constantinopel. Der Sultan hat dem Präsidenten der sephardischen Gemeinde in Galata den Medjidje-Orden verliehen. Amsterdam. Herr Roelof Citroen, hier, ist gestorben. Er hat die besten Jahre seines Lebens der Wohlthütigkeit gewidmet. Seiner Energie war es hauptsächlich zu verdanken, daß eine jüdische Religionsschule hier gegründet wurde, er hat den Grundstein zu dem jüdischen Waisenhanse in Utrecht gelegt, er war ferner eine wahre Stütze der Alliance Jsraelite Universelle und stand jederzeit au der Spitze des einen oder des anderen wvhlthätigen Unternehmens. Bristol. Vergangenen Sonntag wurde hier eine Talmnd- Thora-Schnle eröffnet. Sunderland. Vergangenen Freitag gaben Stadtrath Richardson und Gemalin 600 armen Kindern das jährliche Diner, bestehend aus Roastbeef mit Kartoffeln, Rosinenpudding :c. Die Kinder hatten einen glücklichen Tag und liegen ihre Wohlthäter hoch leben, bevor sie nach Hanse zurückkehrten. New-Iork. Während im vergangeuen Jahre die Zahl der nach den Vereinigten Staaten eingewauderten Inden 33.000 betrug, erreichte sie Heuer nur 30.000. Die allgemeine Einwanderung des abgelaufenen Jahres beträgt etwa 360.000 Seelen, so daß davon 8'8 Percent aus die Inden kommen, während der Percentsatz im Jahre 1895 etwas mehr, 10'5, und das Jahr vorher, 1894, nur 8'5 Percent betrug. Tu"is. Am 12. December starb im Alter von 100 Jahren der Rabbiner von Biserta, Rabbi Israel Ayman. Eine ungeheure Menschenmenge folgte seinem Sarge. Eigenthümlicherweise wurden an seinem Grabe nicht die üblichen Todtengesänge, sondern fröhliche Lieder gesungen. Dies geschah ans den ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen, welcher es seinen Hinterbliebenen ans Herz gelegt hatte, diesen Wunsch, zu erfüllen. Rabbi Israel Ayman hat sein Amt ununterbrochen durch 80 Jahre innegehabt. _ Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verbitten.) (Schluß.) Da Costa war von der Niedrigkeit der Menschheit angeekelt und sein Genie entwarf drastischere Maßregeln. Nachdem er die sonntägliche Einnahme und so ziemlich sein ganzes Bargeld in seine Casse eingeschlossen hatte — denn um Ausgaben zu vermeiden, trug er selten Geld bei sich, außer solches, das er unterwegs einsammelte — begab er sich nach Bishopsgate, um mit der Post nach Clapton zu fahren. Es war ein heller Tag und er summte eine festliche Synagogenmelodie vor sich hin, während er, auf seinen Stock gelehnt, gemächlich durch die belebten Straßen hintrabte, die auf der einen Seite von Gemüseständen, auf der anderen von gezirkelten, mit grotesken Schildern behangenen Häusern begrenzt und von Spießbürgern in wollenen Anzügen erfüllt waren. Als er jedoch bei dem Gasthause anlangte, war die Postkutsche schon fort. Ohne sich dadurch bekümmern zu lassen, bestellte er in hochmüthigem Ton eine Postchaise, kritisirte die Pferde und fuhr dann, von einem Paar flinker Rosse gezogen, beim Klang des Posthorns im Staate nach Clapton. Bald ließen sie die engen Straßen, mit ihrer langsamen Procession von Karren, Kutschen und Sänften hinter sich und gelangten au das in frischem Frühlingsgrün prangende offene Land. Die Post chaise hielt bei dem „rothen Hanse", einer hübschen Billa, deren Faoade mit amerikanischer Weinrebe bedeckt war, die sich im Herbste röthlich färbte. Manasse war überrascht, mit welchem Geschmacke das Rasenparterre im italienischen Schl mit Grotten und Marmorfignren angelegt war. Als der Besitzer des Hauses das Posthorn horte, war cr der Meinung, daß eine hohe Persönlichkeit ihn besuche, und ließ sagen, daß er sich in den Händen seines Haarkräuslers befinde, aber in weniger als einer halben Stunde^ herabkommen würde. Das stimmte zu den 'Auskünften, die Manasse über den Mann erhalten hatte. Es war ein gewisser Belasco, der mit den großen Gecken wetteiferte, ein Liebhaber seidener Westen und neuartiger Schuhriemen. Manasse hatte ihn noch nie gesehen, da er sich nie die Blühe gegeben hatte, so weite Reisen zu unternehmen. Aber die hübsche 'Ans - stattnng der Vorhalle und der Treppe weissagte ihm das Beste. Die Gemächer waren noch mehr nach seinem Geschmacke; sie waren mit Eichenholz getäfelt und mit den kostbarsten Kunst- und Lnxusgegenständen angefüllt. Auf den Wänden des Salons befanden sich Freskengemülde. und von der Decke hing ein siebenarmiger, glänzender Kronleuchter herab. 'Nachdem Manasse die Möbel genügend betrachtet hatre, bekam er das Warten satt und begab sich in Belascv's Schlafgemach. „Entschuldigt Herr Belasco", sagte er, während er durch die halb offenstehende Tbür eintrat, „aber mein Geschäft ist sehr dringend". Der junge Geck, der vor dem Spiegel saß, blickte nicht auf, sondern sagte: „Seht Euch vor. Herr, Ihr habt meinen Haarkünstler beinahe erschreckt". „Ferne sei es von mir, einen Künstler mit Absicht zu stören", antwortete Manasse trocken. „Nach der Eleganz der Zeichnung zu schließen, glaube ich jedoch nicht, daß mein Kommen auch nur ein Haar breit Unterschied daran machen wird. — Ich komme wegen^ einer Angelegenheit, die der Sohn Benjamin Belascv's sicherlich für dringender halten wird als seine Toilette". „illicht doch Herr. Was kann wichtiger sein?" „Die Synagoge!" sprach Manasse streng. „Pah! Was redet Ihr da, Herr?" ries Jener und blickte zum erstenmale vorsichtig zu der malerischen Gestalt aus. „Was will die Synagoge von mir? Ich zahle meine Finta und jede Rechnung, die die Kerle mir schicken. Bei Gott, es sind ganz nette Sümmchen". „Aber Ihr laßt Euch nie dort sehen". „Nun, ein Weltmann kann nicht überall sein. Routs und Rigotti nehmen einem verteufelt viel Zeit weg". „Wie schade! Ihr geht sehr ab", antwortete Manasse ironisch. „Es ist kein sehr erbauliches Schauspiel — der schmutzige Pöbel hat Niemanden, der ihm das Beispiel des Geschmackes gäbe". In den Angen des blassen Stutzers leuchtete ein Schimmer des Interesses auf. „Ach, die Tölpel!" sagte er. „Nach Euerer Kleidung zu schließen, seid Ihr gewiß selbst ein Stutzer aus der exceutrischeu Schule; aber ich halte mich an die alten Traditionen der Eleganz". „Es wäre besser, wenn Ihr Euch an die alten Traditionen der Frömmigkeit halten würdet!" rief Manasse. Euer Vater war ein Heiliger, und Ihr seid ein Sünder in Israel! Kehret zur Synagoge zurück und verkündet Euere Rückkehr, indem Ihr zu ihren Ernknnften beiträgt. Sie hat eine dubiose Schuldsorderung und ich sammle Geld, um sie ihr zu ersetzen". Der junge Geck gähnte. „Ich weiß nicht, wer Ihr seid, aber sicherlich seid Ihr keiner von uns", sagte er endlich. „Was die Synagoge betrifft, so bin ich bereit, ihre Kleidung zu reformiren, aber verdammt will ich sein, wenn ich noch einen Schilling für ihre Finanzen hergebe. Das sollen Euere schmutzigen Handelsleute thun — ich kann mir den Luxus nicht gestatten". „Ihr könnt ihn Euch nicht gestatten?" „Nein, Ihr seht, ich habe solche verschwenderische Gelüste." „Aber ich gebe Euch ja die Gelegenheit zur Verschwendung," rief Manasse. „Gibt es einen größeren Luxus, als Gutes zu thun?" „Zum Teufel, Herr! Ich muß Euch bitten, zu gehen," sagte Belasco kalt. „Bemerkt Ihr nicht, daß Ihr meinen Haarkräusler ans der Fassung bringt?"

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