Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 2 (8.1.1897)
- Date
- 1897-01-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021171--06345-3030622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 36 Dr. VLvch's Wochrnschrist. Nr. 2 Krakau. Herr Jacob Kaufler, der als Secretär des Krakauer kaufmännischen Vereines zur Wahrung gemeinsamer Interessen durch eine Reihe von Jahren eine musterhafte Pflichttreue und erfolgreiche Thätigkeit entfaltete, wurde vom Wiener Creditorenverein zum commerciellen Vertreter für Galizien und die Bukowina gewählt. In Anerkennung der Verdienste und ausgezeichneten Leistungen des Genannten veranstaltete der Vorstand des hiesigen kaufmännischen Vereines zu dessen Ehren ein Abschiedsfest, welches am 27. December v. I. stattfaud. Zu dieser Abschiedsfeier erschienen der Vereinspräsident Handelskammerrath und Cultusvorsteher Herr Jacob Bober, der Bicepräsident und Handelskammerrath Herr Salomon Ritterman, Handelskammerrath Herr Eftaim Rakower, die Vorstandsmitglieder Herr Osias Kosches, Chef der Firma Kosches L Birnbaum, Herr Abraham Margulies, Chef der gleichnamigen bedeutenden Tuchwaarensirma, und Herr Sch. Landau, sowie fast sämmtliche Vereinsmitglieder. Der Präsident Herr Jacob Bober eröffnete die Feier durch eine Begrüßungsrede an die Gäste und würdigte die Verdienste des scheidenden Beamten. Unter den Toasten, deren Reigen Bicepräsident Herr Salomon Rittermann eröffnete, sind die geistreichen Ansprachen der Herren Osias Kosches und Abraham Margulies ganz besonders hervorzuheben. Tief gerührt dankte Herr Jacob Kaufler für die Ehrung und Anerkennung seiner Dienste. Proftnitz. (Trauung.) Am 5. d. M findet die Trauung der Tochter des Herrn Sigmund H a m b u r g e r mit einem Wiener Advocaten statt. Der feierliche Act wird nicht im Tempel,, sondern im Saale eines hiesigen Restaurants vor sich gehen. Man fragt sich allgemein, ob denn das öffentliche Gotteshaus von den betreffenden Familien nicht gut genug gefunden wird, und mit Recht macht sich die Befürchtung geltend, daß das böse Beispiel gute Schule machen könnte. In der Zeit der gegenwärtigen Strömung sollte insbesonders Alles vermieden werden, was Anlaß bieten könnte, die Hoffahrt und die Ueberhebung der reichen Juden der öffentlichen Kritik zu unterziehen. Der Brautvater, Herr Sigmund Hamburger, ist, horrible dictu, aber gerade Derjenige, dessen Werk es war, daß der hiesige Tempel modernisirt und mit einer Orgel ausgestattet worden ist, daher es das größte Befremden erregt, wenn er unser Gotteshaus wohl für die misera piebs gut genug, für seine Familie aber nicht r'aire findet. Hoffentlich genügen diese Zeilen, zu verhindern, daß nicht auch bei anderen Familien das Begehren sich regt, rein kirchliche Functionen in profanen Localen abhalten zu lassen und dadurch die ganze Gemeinde in ihren heiligsten Gefühlen zu verletzen. Neubiftritz, 1. Jänner 1897. Samstag, den 26. December 1896 feierte der Sohn des Herrn Ignatz W u r m f e l d in der hiesigen Synagoge seine Confirmation, bei welchem Anlasse der Vater 200 fl. Rente und die Mutter eine kostbare Altardecke spendeten. Der Confirmand wurde zu Mafrir gerufen und recitirte diese liturgische Uebung mit staunenswerther Unerschrockenheit und Geläufigkeit. Troppau. Die Generalversammlung des Jüdischen literarischen Vereines fand unter sehr zahlreicher Betheiligung seitens der Mitglieder im Vereinslocale statt. Nachdem der Obmann Herr Dr. S. E i b u s ch ü tz die Erschienenen herzlichst begrüßt hatte, wurde der Jahresbericht vom Schriftführer Herrn S. Cierer verlesen, demzufolge die Mitgliederzahl im ersten Vereinsjahre von 40 auf 180 gestiegen ist. Auch hat der Verein eine Bibliothek angelegt, welcher jetzt schon sehr viele der besten Werke jüdischer Literatur und jüdischer Geschichte einverlcibt sind. Den Spendern wurde der Dank der Versammlung ausgesprochen. Auch für jüdische Literatur hat der Verein Ausgiebiges geleistet, indem nicht weniger als neun (9) Vorträge mit darauffolgenden Discussionen abgehalten wurden. Insbesondere waren die Vorträge des Herrn Dr. Blument h a l aus Ratibor, welcher den Verein in jeder Weise unterstützt, zahlreich besucht. Nachdem noch dem Herrn I. Czuczka für die Cassagebahrung das Absolutorium ertheilt ward, wurde dem Ausschüsse und dem Obmanne einstimmig der Dank der Versammlung votirt. Ueber Antrag des Herrn M. Spiegel ernannte die Versammlung einstimmig Herrn Dr. Blumenthal aus Ratibor zum Ehrenmitgliede des Vereines. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl wurden die Herren Dr. S. E i b u s ch ü tz, Dr. A. E k st e i n, k. k. Rathssecretär, Hermann Knlka, L. Munk, S. Cierer, M. Spiegel, I. C z u c z k a, M. Blatt, Leopold L ö w y in den Ausschuß und die Herren Marc. Sonnenschein und Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. M. Blüh als Beiräthe gewählt. Sonntag, den 10. Jänner 1897, Abends 8 Uhr, findet im Vereinslocale ein Vortrags- und Discussionsabend des stud. jnr. Emil M arburg über das Thema: „Und sie bewegt sich doch" und „Allerhand Ketzergestalten" statt. Bekes-Csaba. Zum Leichenbegängniß des in Bekes- Csaba plötzlich gestorbenen Rabbiners der sephardischen Gemeinde, M. I. Teitelbaum, waren hier Tausende Anhänger des als Wunderrabbi bekannten Verblichenen eingetroffen. Jeder Eisenbahnzug brachte eine neue Schaar frommer Pilger von Nah und Fern. Das größte Contingent zu denselben lieferten die in den nordöstlichen Comitaten wohnenden, kulturfeindlichen Chassidäer. Am 31. v. M. waren hier mehr als dreißig Rabbinen aus jener Gegend angelangt. Die Anhänger des todten Wunderrabbi trugen sich mit dem Gedanken, dessen sterbliche Ueberreste im hiesigen alten, schon seit 46 Jahren behördlich gesperrten, nunmehr im Weichbilde der Stadt gelegenen jüdischen Friedhofe neben dem Grabe des Wunderrabbis Moses Teitelbaum, des Großvaters des Verblichenen, beizusetzen. Da aber die Behörde dies ans leicht begreiflichen Gründen nicht gestattete, wurde die Leiche, trotzdem die hiesige Chewra-Kadischa dem Todten in ihrem Friedhofe unentgeltlich einen Ehrenplatz einzuräumen beschlossen hatte, nach Marmaros-Sziget gebracht, wo die Leichenfeier von Mitternacht bis 5 Uhr Morgens gedauert hat. Gr.-Kanizsa, im December 1896. (A u s z e i ch n u n g.) Dem königlichen Commercienrath und Großgrundbesitzer Herrn Leopold E b e n s p a n g e r wurde in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um die Förderung des Rothen Kreuzvereines, von Ihrer Majestät als obersten. Schutzfrau dieses Vereines, die Allerhöchste Anerkennung in Form eines Ehrendiploms mit höchsteigener Unterschrift verliehen. Görz. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier der Advocat Herr Dr. Enrico L u z z a t t o, langjähriges Mitglied des Gemeinderathes und des israelitischen Cllltusvorstandes, der infolge seines öffentlichen Wirkens die allgemeinsten Sympathien genossen hatte. Friede seiner Asche! Lichtenftadt, 29. December. Die israelitische C u l t n s g e m e i n d e hat sich Sonntag constituirt. . Gewählt wurden die Herren: Fabrikant Siegfried Löw in Lichtenftadt zum Cultusvorsteher, Fabrikant Siegmund Binder in Lichtenftadt zum Vorsteher-Stellvertreter, Jsak Mayer in Lichtenftadt zum Tempelvorsteher, endlich zu Beiräthen die Herren Moritz Kreisch in Nendek, Eduard Weil in Nendek, David Kohn in Schlackenwerth und Alfred Samisch in Schlackenwerth. Berlin. Der 18jährige Herr stud. med Ludwig Müller - hat seinen im vorigen Jahre Heimgegangenen Vater, den unvergessenen Docenten Dr. Joel M ü l l e r nur um ein Jahr überlebt. Er wurde am 31. December unter der lebhaftesten Teilnahme der Gemeinde, welche sich selbst ehrte, indem sie ihn ehrte, zur letzten Ruhestätte begleitet. Er war ein begabter, vielverheißender Jüngling und wuchs, durch des Vaters Tod frühzeitig gereift, mit den höheren Zwecken, denn er fühlte sich berufen, der gramgebeugten Mutter Stütze zu werden. Der Herr hat es in seinem unerforschlichen Rathschlnsse anders gefügt. Paris. (Eine M i l l i o n e n s p e n d e.) Baronin Hirsch hat dem Institut P a st e u r zwei Millionen Francs gewidmet. Diese Summe langte gestern im Institute mit einem Begleitschreiben ein, in welchem Baronin Hirsch die Spende als Neujahrsgabe bezeichnet. Paris. M. Lippmann ist zum Präsidenten des Architektenvereines gewählt worden. Paris. Baronin Hirsch hat an Madame Coralie Cahen, die Präsidentin des jüdischen Versorgungshauses in Neuilly, 50.000 Francs gesendet. * Paris. Die Akademie der Wissenschaften hat an mehrere Glaubensgenossen Preise verliehen: An Dr. Joachimsthal in Berlin, an Dr. Netter in Paris, an Professor Jacques Hadamand in Bordeaux (3000 Francs). Rom, 28. December. Die Gleichberechtigung der Confessionen ist kaum in einem anderen Lande so gründlich durchge-