Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 2 (8.1.1897)
- Date
- 1897-01-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 2 Dr. Vlvch's WochrnschrM Seite 35 buches", zum Officier des bulgarischen Natioual-Ordeus für Civilverdienste eruaunt. Herr Josef Hann Salem aus Salonichi, ein noch ganz junger Beamter, ist zum Kanzler und Bice-Consul der Türkei in Brüssel ernannt worden. Desgleichen ist Herr I. Salami Effendi Gabbai, zu Constautinopel gebürtig und Präsident des Handelsgerichtes in Mersina, in den Rang eines Geheimrathes II. Classe erhoben worden. Orel. Es macht hier ein gewisser Gregoire Borissof viel von sich reden. Der Mann, hochgeschätzt von Allen, die ihn kennen, ist jetzt etwa 40 Jahre alt. Als lOjähriger Knabe wurde er mit einigen anderen Knaben gewaltsam zur orthodoxen Kirche bekehrt und in eine Militärschule gebracht. Später trat Borissof in den Militärdienst. Seit er erwachsen war, weigerte er sich, die vorgeschriebenen Andachtsübnngen vorzunehmen, sondern beobachtete auf's Strengste den jüdischen Glauben. Ec heiratete auch eine Jüdin und seine vier Kinder wurden als Juden erzogen. Er wurde schon mehrmals vor die kirchlichen Behörden vorgeladen und erhielt Verweise von den Priestern in Orel, aber nichts konnte ihn dazu bewegen, seinen Glauben zu ändern. Diese Verhältnisse dauern nun schon etwa zwanzig Jahre. Nun verlangte Borissof Geburtszeugnisse und Pässe für seine Kinder, aber dieselben wurden ihm unter dem Vorwände verweigert, daß die Religion seiner Kinder erst bestimmt werden müsse. Man erwartet mit Spannung die maßgebende Entscheidung, ob Borissof Jude bleiben darf, weil er gewaltsam getauft wurde, oder ob er Christ bleiben muß, weil er die Taufe empfangen hat. Algier. Ein Telegramm von Oran macht uns die Mittheilung, daß die städtischen Behörden den Beschluß gefaßt haben, sämmtliche in den Diensten dieser Körperschaft stehenden Juden zu entlassen. dien. (T r a u u n g.) Sonntag den 17. Jänner um 12 Uhr Mittags findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse 4, die Trauung von Fräulein Nelly Schwarz, Tochter des Herrn Julius Schwarz, mit dem rühmlichst bekannten Architekten Oscar M a r m o r e k statt. Wien. (Spenden für das Inserat: „In st ä n d i g st e Bitte!") Eine arme Familie, dessen Oberhaupt brustleidend ist und deshalb keinen Erwerb findet, um seine 9 Kinder zu ernähren, sind uns zu den bereits ausgewiesenen Spenden von 14 fl. von Frau Antoinette Schwa r z m a n n, Wien,!., Schottenring 35, 10 fl. und von Herrn Philipp I s l e r, Wien, Wieden, Freihaus, 2 fl., Lehrer Pick 1 fl., K. H., Brünn 2 fl., in Summa 29 fl. zugekommen, welche wir ihrer Bestimmung zugeführt haben. Wien. (Spende.) Bon Herrn David Schwa r zm a n n, in Firma D. S ch w a r z m a n u & Co., ist uns der Betrag von 30 fl. zugekommen als Beitrag zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und Asylhauses im Curorte Roznau, wofür dem hochherzigen Spender der wärmste Dank votirt wird. Wien. (Humanitärer G es e lli g k ei t s v erein „Rud o lfs bund".) Im Prachtsaale des „Hotel Continental" wurde die diesjährige Sylvesterfeier abgehalten. Lange vor Beginn des Festes war kein Platz mehr zu haben. Die Vorträge fanden ungetheilten Beifall, insbesondere wurden Herr W o l l e r vom Theater an der Wien, die jugendlichen Tauzduettisten Geschwister H e i m a n n, die Sängerin Fräulein Felix, sowie der Opernsänger Herr Vogel öfter gerufen. Die Tanzmusik, von der Capelle des k. und k. Infanterie- Regimentes Nr. 48 ans Preßburg beigestellt, leistete Vorzügliches. Getanzt lvurde bis in die frühe Morgenstunde. Dem Kinderbekleiduugsfonde dürfte eine namhafte Summe zufließen. Wien. Der Einzelverein Wien des „Zion"-Berbandes österreichischer Vereine zur Colonisatiou Palästinas und Syriens, II.. Rembrandtstraße 11, veranstaltet Donnerstag den 14. Jänner 1897 im Festsaale des „Hotel Central", II., Taborstraße 8, einen Vortragsabend, bei welchem Herr Professor Dr. Leon Kellner über das Thema „Juden und Puritaner" sprechen wird, mit nachfolgender Akademie und Tanzkränzchen. Wien. (Humanitärer Verein „Der Wiener D i n st m a n n".) Dieser rührige, erst seit zwei Jahren bestehende Verein hat nun nebst der Krankenversorgung und Leichenbestattung auch noch einen Pensiousfoud für Witwen und Waisen der Mitglieder activirt. Das nicht genug zu lobende Streben des aus 200 Mitgliedern bestehenden Vereines armer Männer, die von ihrem kärglichen Verdienst noch einige Kreuzer sich vom Munde absparen, um Wohlthätigkeiten üben zu können, verdient gewiß allseitige Unterstützung. — Als Vereinslocal haben die Leute s ch w e r e r A r b e i t nicht etwa ein Gasthaus aufgesucht, sondern im Haufe II., Raimundgaffe 2 ein Bctlocale activirt, welches am Sonntag den 3. Jänner eingeweiht wurde. Bei dieser Feier hat der Obercantor der türkischen Gemeinde, Herr Baller mit dem gesummten Chorpersonale, sowie Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Kohn in liebenswürdigster Weise unentgeltlich die Functionen verrichtet. Herr Obercantor Bauer leitete die Feier mit dem weihevollen „Muh Towu" ein, worauf der Umzug urit den Thorarollen erfolgte. Herr Rabbiner Kohn zündete das „ewige Licht" an und hielt hierauf die Festrede, die mit einem Segensspruch für das Gedeihen des Vereines schloß. Au diese reihte sich das von Herrn Bauer vorgetragene Gebet für den Landesvater und das gesummte Kaiserhaus und am Schlüsse desselben intonirte der Tempelchor der türkischen Gemeillde unter trefflicher Leitung des Dirigenten Herrn Löwit die Volkshymne, welche von der sehr zahlreichen Versammlung stehend angehört wurde. F. Wien. (Israelitischer B e t h a n s - V e r e i n, Brigittenau.) Bei der am 16. und 27. December v. I. abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung wurden nachbenannte Herren gewählt, und zwar: die Herren Hermann Ellbogen, David Spitz, Heinrich Weiner, Josef Wünsch, Adolf Feuer, Dr. Heinrich Schreiber, Dr. Hermann Deutsch, Toctor Ernst Rosenthal und David Pollatschek, und haben sich bei der am 29. December 1890 stattgefuudenen Sitzung wie folgt constituirt: Herr Hermann Ellbogen, Obmann; Herr Josef Wünsch, Obmann-Stellvertreter; Herr Dr. Ernst Rosenthal, Cassier; Herr Dr. Hermann Deutsch, Schriftführer; Herr David Pollatschek, Schriftführer-Stellvertreter: Herr David Spitz, Bethaus- Verwalter; Herr Jacob Goldner, Bethaus-Verwaltrr; Herr Jacob Kohn, Bethaus-Berwalter; Herr Dr. Heinrich Schreiber, Controlor; Herr Dr. Nathan Weinstein, Contrvlor; Herr Adolf Feuer, Tempelcommiffär und Herr Heinrich Weiner, Tempelcommissär. Wien. lC e n t r a l c o m missio n z u r E r f o r - s ch u n g de r K u lt stu n d historischen Denk m a l e.) Der Minister für Cnltus und Unterricht hat den Professor an der Wiener Universität Dr. Wilhelm N e n m a n n zum Mitglieds der Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale ernannt. Wien. (I ü d i s ch e R e i s e n d e in Rußland.) Nach Petersburger Meldungen wird ausländischen Commiffiouären jüdischer Confession. welche ausländische Getreide- und Hopfenfirmen vertreten, das Reisen in Rußland wieder gestattet werden. . Wr.-Neustadt. Die israelitische Cultusgemeinde Wr.- Neustadt ersucht uns um die Veröffentlichung der Nachricht, daß die Bewilligung zur Vornahme der Ziehung ihrcr Bethauslotterie, die am 31. December stattfinden sollte, vom hohen k. k. Finanzministerium noch nicht herabgelangt ist. Sobald die Erledigung erfolgt, was zuverlässig in wenigen Tagen der Fall sein wird, findet sofort die Ziehung statt; bis dahin wollen die zahlreichen Lvsbesitzer gefälligst Geduld haben, es wird jedem Reclamanten eine Liste zugehen. Prag, am 4. Jänner. Heute verschied hier im Alter von 87 Jahren Rabbiner Moses Singer. Derselbe hatte durch eine lange Reihe von Jahren in mehreren böhmischen Gemeinderl in ersprießlicher Weise als Rabbiner gewirkt. ' Bor vielen Jahren überfiedelte er nach Prag, wo er, bis ihn sein hohes Alter an's Haus fesselte, in der altehrwürdigen Hochsynagoge das Amt eines Synagogen-Rabbiners und Predigers verwaltete. Er war ein tüchtiger Talmudist und als erfahrener praktischer Rabbiner in Poskim, (rabbinischen Decisoren) sehr bewandert. Karlsbad. Unter sehr reger Betheiligung wurde der Procnrist des Bankhauses Alfred Schwalb, Herr Wilhelm Zimmer, zu Grabe getragen. Derselbe war durch 19 Jahre bei der erwähnten Firma thätig und erfteute sich einer allgemeinen Beliebtheit.