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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-08 · 2 (8.1.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2 Vr. Vloch's Wvchrnfchrifl Seite 31 Prinzipielle gehässige Verdächtigung alles dessen, was von jüdischer Seite kommt, weit von mir zurückweife und für unchristlich halte. Wenn die Juden früher nichts gaben, wurden sie ver- . dächtigt; jetzt werden sie verdächtigt, wenn sie etwas geben. Der „General-Anzeiger" trage als Aushängschild die Burg Hoheuzollern und als Motto die Worte „Vaterland, Monarchie, Chriftenthum". Sein Vaterland sei die wüsteste Demagogie; die Monarchie, den Thron und das Herrscherhaus bewerfe er mit i Koth, und sein Christenthum sei der Deckmantel, hinter dem sich die schändlichste Verleumdungssucht und fanatischer Haß gegen; seine Mitmenschen verbergen.! Freiherr von Mirbach äußerte sich auch in Bezug auf s den Geheimen Commercienrath Goldberger, dessen Borj ladnng Schweunhageu ebenfalls beantragt hatte. Irgend ein inl famer Artikel habe behauptet, Goldberger hätte das Hauptcapital für die Kaiser Wilhelms-Gedächtnißkirche gegeben. In Folge! dieses Artikels habe ihm Goldberger einen Brief geschrieben und , in demselben seiner Empörung darüber Ausdruck gegeben, wie in Berlin gelogen werden könne. Bei diesem Anlasse habe er! ihm, Zeugen, 1000 Mark als Beitrag für den bezüglichen Baufonds gesendet, an dem er sich sonst nicht betheiligt habe. Dem Anträge des Staatsanwaltes entsprechend, wurden Schweunhageu zu e i n e m I a h r e und Sedlaczek zu v i e r Monaten G e f ä n g n i ß v e r u r t h e i l t. Auf Antrag des Staatsanwaltes wurde S ch w e u n h a g e n, der früher nach einer Verurtheitung flüchtig geworden war, wegen Fluchtverdachtes sofort in H a f t genommen. Er erklärte, die Strafe sogleich antreten zu wollen. Zum Capitel „die Juden als Soldaten", wird ein Brief des Generals Freiherrn v. Puttkam er zur Verfügung gestellt, den dieser General an einen Sergeanten m osaischen Glaubens, einen jetzt in Stettin als Kaufmann lebenden Herrn A., richtete, und der gerade deshalb verdient, abgedruckt zu werden, weil er uns zeigt, daß die jüdischen Soldaten — auch selbst solche, die mit dem Eisernen Kreuze nicht haben decorirt werden können — sich die Hochachtung und die Liebe ihrer Vorgesetzten erworben haben. Freiherr v. P u t t- { n nt e r war Brigadegeneral der 9. Artilleriebrigade. 1866 befehligte er die Artillerie des 2. Corps als Oberst; jener Kauf-. mann stand schon damals unter feinem Commando und den deutsch-französischen Krieg machte er unter P u t t k a m e r's Commando als Sergeant nüt. Der eigenhändige Brief ist von Altona am 8. August 1871 datirt und lautet: „Verehrter Freund! Besten Dank für Ihren gütigen Brief vom 3. d. M. und Ihr Bild, das sehr gut ausgefallen ist. Leider haben wir weder nachträgliche Kreuze noch Hoffnung auf selbige erhalten, denn sonst würde ich mich bei Ihrer anerkannten Tüchtigkeit sehr freuen, wenn auch Sie diese wohl verdiente Auszeichnung erhalten könnten. Ich hoffe jetzt itur noch auf Einführung der Erbberechtigung, denn es restiren noch Viele, denen wir gerne das Kreuz verschaffen möchten. Trösten Sie sich also vorläufig mit dem Bewußtsein Ihres Werthes im eigenen Herzen, den ich gerne auch militärisch anerkenne. Da ich vorläufig noch fein diesjähriges Kriegsbild habe, so nehmen Sie wohl mit der Anlage vorlieb, mit welcher Sie in gütigem Andenken erhalten wollen Ihren Freund und General Freiherr v. P u t 1 k a m e r." Freiherr von P u t t k a m e r war späterhin Juspector der Artillerie des 7. und 8. Armeecorps in Koblenz und ist dort als Generallieutenant gestorben. Correspondenzen. hätte er den Muth, in einer Bezirks- oder Landes-Lehrerconferenz eine Geschäftsordnung aufstellen zu wollen? Die Eitelkeit, in einem Cvmit« sich breit machen zu können, oder gar die Sucht Einzelner, sich recht bemerkbar zu machen, darf nie und nimmer aus Kosten des Ansehens und der gesetzlichen Rechte der Schulinspectoren geschehen. Es ist darum auch unfaßbar, wie sich alte, bewährte Schulmänner diesem Anträge anschließen konnten, wiewohl die beiden anwesenden Schulinspectoren energischen Einspruch gegen den unsinnigen Antrag erhoben. Der Vorsitzende einer jeden Lehrer-Cvnferenz hat dafür zu sorgen, daß jede Debatte sachlich geführt wird, und ist er der Ansicht, die weiteste Redefreiheit gestatten zu sollen, so hat kein Mitglied dieser Conserenz das Recht, hierüber Kritik zu üben. Es steht ja Jedem frei, „Schluß der Debatte" zu beantragen, worüber die Versammlung dann zu entscheiden hat. Wir erwähnen dies vorläufig nur in Kürze, weil wir der Allsicht sind, daß der Religionslehrer die Verpflichtung hat, seinen Jnspector nicht minder zu respectiren, als er dies dem k. k. Bezirksschul - Fnspector gegenüber zu thun verpflichtet ist. ttebrigercs rverdele wir schon in nächster Nummer den israelitischerr Religionsunterricht einer eingehenden Besprechung würdigen und werden daher Gelegenheit haben, auf die Mängel der Lehrer - Conserenzen zurückzukommeu. Wien. Mit dem Empfangsabeud des Herrn Bürgermeisters ist es nichts, rein nichts. Ter Empfangsabeud findet nicht statt, da man die Absagen gefürchtet hat. Niemanden wird es so leid thun, als dem Herrn Bürgermeister. In der officiösen Rathhauscorrespondenz waren alle Festlichkeiten, bei welchen der Herr Bürgermeister zu „repräsentiren" hatte, aufgezahlt: Teutschmeisterjubiläum, Empfang des Czaren ec. Und nun, da er nicht nur die Gemeinde, sondern sich selbst, seine eigene Person am Empfangsabende so schön hätte „repräsentiren" können, fällt di? Freude ins Wasser. Wohl nur einen schwachen Ersatz hiefür konnte dem Herrn Bürgermeister das Präsidium im Curatorium der Kaiser Franz Josef-Stiftung zur Unterstützung des Kleingewerbes bieten. Es ist eine liberale Stiftung, um welche es sich handelt. Die Stadtvertretung hatte aus ihrem Säckel nur 50.000 fl. beigesteuert, die übrigen 350.000 fl. lvnrden im Wege der Subscription aufgebracht. Tie fortschrittliche Partei bat die Stiftung wie ihren Augapfel behandelt, der antisemitischen Partei war sie schon seit Langem em Dorn im Auge. Getreu den Worten der Schrift: „Aergert Dich Dein Auge, so reiße es aus!" schickt sich die antisemitische Majorität an, das Auge auszureißen. Es genirt sie nicht, daß die Stiftung einen Namen trägt, welcher allein scholl hinreichelt sollte, um zil verhindern, daß auch sie in den häßlichen Kampf hineingezvgen wird —die Liberalen müssen auch aus dieser ihrer Sch öpfung „hinausgeworfen" werden. Ein interessantes Schreiben. Wir reproduciren das nachstehende Schreiben, welches uns mit einer Spende von 5 fl. für einen wohlthätigen Zweck zugeschickt wurde, weil dasselbe ein charakteristisches Licht auf unsere öffentlichen Verhältnisse und die Anschauungen, die dieselben zeitigen, wirft. Das Schreiben lautet: Wien, 31. December 1896. Sehr geehrter Herr Redacteur! Aus Genugthnung und Freude über die mir gelungene Abfuhr eines judenfeindlichen Gegners in einem Rechtsstreite sende ich Ihnen, weil ich die Tendenzen Ihres Blattes seit Jahren ehre, beiliegenden Betrag zur Ausfvlgung an einen oder nach Zufall mehrere bedürftige und würdige Juden, wenn möglich an einen solchen, der wegen seines Glaubens und Stammes in Bedräugniß geratheu. Mögen die Verhältnisse sich dahin bessern, daß man als Jude wegen diesen Umstand einen ungünstigen Richterspruch nicht zu befürchten braucht. Hochachtungsvoll Wiener Lehrer-Conferenz. Inder am3.Jännerstattgefundenen Conserenz der israelitischen.Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen in Wien ivurde seitells eines Bürgerschullehrers der merkwürdige Antrag gestellt, für die Lehrer-Conferenzen eine eigene Geschäftsordnung aufzustellen. Es würde uns nicht wundern, wenn dieser Antrag von Seite eines Laien eingebracht worden wäre; daß aber ein Communallehrer noch nicht weiß, daß bei Lehrer-Cvufereuzeu der jeweilige Vorsitzende die Geschäftsordnung bestimmt, ist unbegreiflich. Würde der Herr Antragsteller in einer Local-Coufereuz jener Schule, an der erwirkt, es wagen, einen derartigen Antrag zu stellen? Oder N. N. Wir haben den eingesendeten Betrag von 5 fl. seiner Bestimmung zugeführt. Prag, den 4. Jänner. Heute ivurde nach altem Herkommen von der Beerdigungs-Brüderschaft die Wiederkehr des Gründungstages in würdiger Weise gefeiert. Tie übliche Predigt im Sitzungssaale hielt Religions-Professor, Gemeinde-Bibliothekar, Rabbiner Dr. Grün. Redner wies nach, daß der Verein während eines Dritteljahrtausends iso lauge bestehr derselbe» allen seinen heiligen Aufgaben gerecht wurde, lind schilderte drese — die Aufgaben — mit Hinweis auf Bibel- und Talmudstellen.

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