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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-08 · 2 (8.1.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 24 Dr Vloch's Wortzensttzrist Nr. uommen seien. In seinen weiteren Ausführungen motivirt er die wesentlichsten Bestimmungen der vorgelegten Statuten und schließt mit dem Anträge, die Versammlung möge sich auf Grund derselben als Verband constituiren. Nach kurzer Debatte wird dieser Antrag angenommen. Jedoch erklären einige anwesende mährische Collegen, daß sie sich mit Rücksicht daraus, daß gleichzeitig die Bildung eines mährischen Rabbinerverbandes im Zuge sei, den Beitritt zum Religionslchrerverbande für einen späteren Zeitpunkt Vorbehalten und sohin jetzt nicht mitstimmen wollen. Die Versammlung schreitet sohin auf Grund der angenommenen Statuten zur Constituirung des Verbandes. Im ersten Wahlgange wird mit 23 von 26 abgegebenen Stimmen Dr. Adolf Weiß (Wien) als Obmann gewählt. Nach Verkündigung dieses Ergebnisses erbittet sich Dr. Langs e l d e r (Wien) das Wort, um mit warmen Worten die Versammlung zu der von ihr getroffenen Wahl zu beglückwünschen, indem er aus die rastlose und hingebende Thätigkeit des gewählten Obmannes verweist, wie auch auf die nicht unerheblichen Erfolge, die derselbe durch seine bisherigen Bemühungen für die Verbesserung der materiellen Lage der Religionslehrer erzielt hat. Die Ausführungen des Redners werden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Dr. Weiß dantt dem geehrten Vorredner für seine freundlichen Worte und gelobt, seinen einzigen Ehrgeiz darein zu setzen, daß die Rechtsstellung der Collegen und das Ansehen des Standes gefördert und verbessert werde. Dafür wolle er seine ganze Kraft ausbieten, und in dieser Absicht dankt er der Versammlung für das ihm zugewendete Vertrauen. Im zweiten Wahlgauge wird mit 24 von 26 Stimmen Herr Dr. Potla k (Wien) als Schriftführer gewählt. Bei der Wahl von 7 Ausschußmitgliedern einigt sich die Versammlung auf folgende Herren, die mit einer Zahl von 21 bis 24 Stimmen gewählt werden (Die übrigen Stimmen zersplittern sich.): Rabbiner Dr. Feuchtwang (Nikolsburg) als Obmann- Stellvertreter; Dr. Goldhammer (Wien) als Cassier; Oberrabbiner Dr. Rosenfeld (Czernowitz); Jnspector Dr. Langfelder (Wien); Jnspector Dr. M. K a n i tz (Wien); Dr. M. Grünfeld (Brünn) und Rabbiner Dr. Landau (Krakau). Als Revisoren werden hierauf gewählt: Dr. H. Redisch (Brünn) und A. Kollek (Wien). Der Obmann erstattet nun den Bericht über die betreffs der Rechtsstellung der Religionslehrer an den Mittelschulen zu ergreifenden Schritte, an welchen sich eine eingehende Debatte schließt. Diese Verhandlung wird auf Wunsch der Versammlung nicht publicirt. Wegen vorgerückter Stunde mußte jedoch die Berathung dieses Gegenstandes unterbrochen und die Sitzung geschloffen werden. * Die dritte Sitzung wurde um 4 Uhr Nachmittags eröffnet. Zunächst wird die Vormittags nnterbrochene Debatte fortgesetzt und der einstimmige Beschluß gefaßt, eine Petition im Sinne des vom Referenten beantragten Petita und der vorhergegangenen Ausführungen desselben au die hohe Regierung zu richten. Die Beschlußfassung über die Form und Stylisirung wird dem Ausschüsse überlassen. Da Punkt 5 der Tagesordnung in Folge der Abwesenheit des durch seine Amtspflichten verhinderten Herrn Rabbiners Dr. Kisch (Prag) entfällt, so ergreift das Wort Der Obmann Dr. Weiß zu einem Vortrage: „Ueber die Stellung des israelitischen Religionsunterrichtes an den öffentlichen Mittelschulen." Der Vortragende, dessen Ausführungen lebhaften Beifall finden, schildert die Stellung des Religionslehrers zu seinen Schülern, zu seinem Lehrkörper und zu den Eltern der ihm an vertrauten Jugend und erblickt die Erklärung für viele allseitig empfundene Uebelstände in der dem Religionslehrer zugewiesenen untergeordneten Stellung einerseits, andererseits in der verhälrnißmäßigen Neuheit der Einrichtung desselben und in der mangelhaften pädagogischen Vorbildung vieler Religionslehrer. Ueber Antrag des Obmann-Stellvertreters Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang und des Gemeindesecretärs Herrn Dr. Oppenheim (Brünn) wird eine These, welche die Nothwendigkeit einer genügenden pädagogisch-didaktischen Ausbildung der Candidaten an den theologischen Lehranstalten und die Ersprießlichkeit der praktischen Einführung des künftigen Religionslehrers in die Mittelschule nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit stellt der Obmann den Anttag, daß die gemäß dem letzten Punkte der Tagesordnung zu stellenden Anträge der Versammlungstheilnehmer nicht sofort in Berathung gezogen, sondern dem Ausschüsse überwiesen werden mögen, der sie, falls er sie im eigenen Wirkungskreise vollziehen kann, erwägen und eventuell ausfübren, andernfalls aber sie vorberathen und auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung stellen wird. Dieser Anttag wird angenommen und sohin zwei vorliegende Anträge a) des Herrn Rabbiner Dr. Tauber (Prerau), wegen Schaffung voil Normallehrplänen für die Mittelschulen; d) des Herrn Rabbiner Dr. Bi ach (Brüx), wegen Herausgabe einer Fachzeitschrift dem Ausschüsse zugewiesen. In seiner Schlußrede dankt der Obmann Dr. Weiß allen Theilnehmern nochmals für ihr reges Interesse und für den ernsten und würdigen Ton, der in den Berathungen stets gewahrt worden sei, endlich für die Nachsicht, die die Versammlung dem Präsidium entgegengebracht habe. Er dankt dem Ehrengäste Herrn kaiserlichen Rath Mandl für seine ausdauernde Theilnahme, ferner dem Gemeindesecretär Dr. Oppenheim, der seine alte Liebe zum theologischen Lehrberufe nicht verleugnet und seine Erfahrungen der Versammlung in so ersprießlicher Weise zur Verfügung gestellt habe. Obmann-Stellvertreter Rabbiner Dr. Feuchtwang spricht in gewählten und herzlichen Worten dem Obmanne den Dan! der Versammlung sowohl für seine Mühewaltung als auch für die umsichtige Leitung der Verhandlungen aus und verspricht sich von der vollzogenen Vereinigung den besten Erfolg für die Religionslehrer und die Schule. Der Obmann Dr. Weiß dankte für die über sein Verdienst hinausgehenden Auszeichnungen und preist es als den sofort zu Tage tretenden Gewinn des Verbandes, daß die herzlichsten und freundschaftlichsten Beziehungen zu zahlreichen, höchst schätzenswerten Collegen und Männern der Wissenschaft angeknüpst wurden, die näher kennen gelernt zu haben allein schon den Werth der Versammlung ausmache. Auch er erwartet von dem Verbände sehr viel für die Zukunft des Standes und des Religionsunterrichtes. Herr kaiserlicher Rath Mandl spricht über den Verlauf der Versammlung herzliche und anerkennende Worte. Es sei ihm eine rechte Freude gewesen, dieser Versammlung beizuwohnen, deren Bestrebungen er von ganzem Herzen das Gelingen wünsche. Er dankt schließlich für die ihm erwiesenen Ehren. Unter erneuerten Hochrufen auf Se. Majestät den Kaiser wird die erste Versammlung, zugleich der erste Verbandstag der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen geschlossen. Der Einfluss des jüdischen Geistes auf die antike Welt. I. Motto: Introite, nam et beio Du sunt. Wer den Spuren jüdischer Einflüsse in der antiken Welt nachgeht, der darf das Auge nicht auf dem palästinensischen Judenthum haften lassen. Dieses, welches in dem feierlichen Tempeldienst seinen nationalen -Glanz gesehen, dem Begriffe eines weiteren Vaterlandes nicht zugänglich, hat mit ängstlicher Sorgfalt seine aus enge Grenzen zugeschnittenen Einrichtungen vertheihigt; es hat weder versucht, die Heiden an sich heranzuziehen. noch sich dem Heidenthume verständlich zu machen. Der Proselyt erschien ihm widerwärtig und schädlich. Das Judenthunl in der Diaspora dagegen hatte Gelegenheit, sich einen von Vorurtheilen befreiten Blick für die Culturhöhe, ein tieferes Verständniß für die zukunftsreiche Bedeutung der fortgeschritteneren classifchen Völker zu erwerben, mit welchem es dann bald durch intime geistige Beziehungen verbunden war. In seiner Mitte tvurde ein heißes Verlangen lebendig, innerhalb der nach Civilisation ringenden Menschheit die erhabenen Ideen des am Sinai offenbarten Mosaismus auszubreiten und durch sie das Völkerleben zu befruchten. Hier wurde für das Proselytenthum mit Eifer und merkwürdigen Erfolgen gewirkt, welche vor Allem dem späteren Christenthume und seinen Aposteln zu Gute gekommen sind. Ein getreues Bild des glühenden, nie ermüdenden Bekehrungseisers der griechisch gebildeten Juden der Diaspora in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten, bietet uns die älteste jüdische Sibylle. Diese Stimme aus dem Volke — nicht aus dessen obersten Regionen, in welchen die Träger des jüdischen Alexandrinismus thronten, sondern aus der breiten Mittelschichte, welche nur über eine Durchschnittsbildung verfügte und nur die praktischen Resultate der jüdisch-alexandrinifchen Religionsphilosophie in ihre Kreise zog während ihr die halachischen Traditionen *) Anders oie spätere, die verchristlichte Sibylle. Diese philosophirt schon ganz so, wie vormals die jüdischen Alexandriner, nur daß sie deren Lehre und Methode auf christliches Gebiet überträgt. Ganz so wie Justin Martyr, der gelehrigste Schüler des jüdischen Alexandrinismus, spricht beispielsweise die verchristlichte Sibylle von dem „Holz", welches „ein begehrliches, lebenspendendes Zeichen für die

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