Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 2 (8.1.1897)
- Date
- 1897-01-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021171--06332-3030609- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2 Br. Vlortz's Wochenschrift. Sette 23 Er verlangte nämlich, daß das christliche Cultusverniögen ' nur von solchen christlichen Mandataren verwaltet werde, welche lediglich von Christen gewählt wurden. Dadurch aber, daß man diese Verwaltung weiter dem Gemeinderathe überläßt und nur die Anzahl der christlichen Gemeinderäthe künstlich vermehrt, erreicht man dieses Ziel keineswegs, denn wenn nunmehr selbst lauter christliche Gemeinderäthe überall gewählt würden, so werden sie ja doch auch von Juden mitgewählt, während doch der Wille des Landtages ausdrücklich dahin geht, daß das christliche Vermögen nur von solchen christlichen Gewählten verwaltet werde, an deren Wahl Inden nicht participiren. Das angekündigte Project des galizischen Landesansschnsses entspricht daher weder der Gerechtigkeit noch der Weisung des Landtages, noch auch dem Wohlfahrtsinteresse der Städte selbst, und darum ist es zu erwarten, daß nicht allein die Juden Galiziens, sondern auch die autonomen Städteverwaltnngen als solche, wie auch alle anderen Factoren der Landesverwaltung, denen das Wohl der Gemeinden am Herzen liegt und die Feinde von Gewaltacten sind, dieses Attentat auf die politischen Rechte eines Drittels der Steuerzahler des Landes, welches unser Land in den Augen aller Rechtsstaaten schänden müßte, zurückweisen werden. In erster Linie aber ist es heilige Pflicht der Juden selbst und speciell Jener, die an der Spitze der Juden stehen und dieselben zu schützen berufen sind, rechtzeitig, bevor noch der Landtag wieder Zusammentritt, durch Vorstellungen, Petitionen und andere gesetzliche Mittel gegen die uns drohende Entrechtung anzukämpfen und die gesetzgebenden Factoren aitszufordern, uns gegen diese Rechtsberaubung zu schützen. Wehe uns, wenn wir weiter dem Fatalismus uns hingeben und warten werden, bis Andere fiir uns das thun, was uns zu thun obliegt. Wir sind dann unrettbar verloren. Dr. B l u menfel d. Versammlung der israelitiscken Nrligionslehrer an den österreichischen Mittelschulen in Brünn. Die am 27. und 28. December o. I. im Sitzungssaale der Cultusgemeinde in Brünn stattgefundene Versammlung der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschnlen war recht zahlreich besucht — es hatten sich 36 Teilnehmer in die Präsenzliste eingetragen— und nahm einen durchaus würdigen Verlaus. Die Versammlung wurde Sonntag den 27- December 6 Uhr Abends namens der Einberufer durch Dr- Adolf Weiß eröffnet, der in seiner Eröffnungsansprache die Versammelten herzlich begrüßte und der allgemeinen Befriedigung darüber Ausdruck gab, daß zu dieser Versammlung auch College» aus den entlegensten Kronländern, wie Oberrabbiner Dr. Rosen selb (Czernowitz), Professor Dr. H e r z l (B r o d y) und Dr. Landau (Krakau), erschienen seien. Namentlich aber seien die Versammlungstheilnehmer hocherfreut, in ihrer Mitte den hochansehnlichen Vertreter der Brunner Cultusgemeinde, Herrn kaiserlichen Rath Mandl, begrüßen zu können, durch dessen Erscheinen die Brünner Gemeinde einen Beweis ihres tiefen Verständnisses für die Wichtigkeit der Bestrebungen der Mittelschulreligionslehrer und deren Rückwirkung auf den Religionsunterricht gegeben, ein leuchtendes Beispiel, das von ersprießlichen Folgen für beide Theile sein werde. Nachdem Redner die Ziele und Aufgaben^ der Versammlung auseinandergesetzt hatte, verwies er auf die erhebende Thatsache, daß in unserem Vaterlande der israelitische Religionsunterricht sich der Fürsorge der Staatsbehörden zu erfreuen habe, und diese Thalsache sei der landesväterlichen Liebe und Gerechtigkeit zu verdanken, die Se. Majestät unser Kaiser allen Unterthanen ohne Unterschied des Bekenntnisses zuwende.Er könne daher nur den innigsten Empfindungen der Versammlung durch das Gebet Ausdruck geben: Gott erhalte, Gott schütze Se. Majestät, unfern Kaiser! Unter dreimaligen lebhaften Hochrufen auf' Se. Majestät erklärt Redner die erste Versammlung der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen für eröffnet und ladet die Versammlung ein, sich einen Vorsitzenden zu wählen. Auf Antrag des Herrn Dr. Grüns eld (Brünn) wird hierauf Dr Weiß mit Acclamation zum Vorsitzenden gewählt, der für die Bertrauenskundgebung der Versammlung dankt uno die Collegen bittet, Dr. G r ü n f e l d als Bicepräsidenteu, die Herren Dr. Redisch (Brünn) und Dr. P o l l a k (Wien) als Schriftführer zu acclamiren. Diese Anträge werden einstimmig angenommen. Der Vertreter der Brünner Cultusgemeinde, Herr kaiserlicher Rath Mandl, ergreift nunmehr das Wort, um die Versammlung namens der Cultusgemeinde zu begrüßen und ihren Beralhungen den besten Erfolg zu wünschen. Der Vorsitzende Dr. Weiß dankt nochmals in warmen Worten für die ehrenvolle Aufnahme, die die Cultusgemeinde in Brünn den Rellgionslehreru bereitet und nimmt die Ankündigung des Herrn kaiserlichen Rathes, sich an den Sitzungen betheitigen zu wollen, mit Befriedigung zur Kennturß. Hierauf stellt Herr Dr. G o l d h a m m e r (Wien) den Antrag, die Versammlung möge ein Huldigungsteiegramm an Se. Majestät absenden, welcher Antrag unter dem lebhaftesten Beifalle der Versammlung einstimmig angenommen und vom Präsidium vollzogen wird. Der Versammlung sind zahlreiche, theils briefliche, theils telegraphische Zustlmmungskundgebungen zugegangen, die der Vorsitzende zur Verlesung bringt, so namentlich von dem Mitgliede des nrederösterreichischen Landesschulrathes Herrn Dr. Gustav K o h n im Namen der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, von Herrn Landesrabbiner Dr. B. Placzek (Brünn), von Herrn Oberrabbi n er Dr. M. Güdemann «Wien), Oberr a b b i n e r Tr. N. E h r e n s e l d (Prag), Rabbiner Dr. A. S ch m i e d l (W i e n), R a b b i » e r u n d I n s p e e t o r Dr. I. Wolf (Äi e n), dem Mitgliede des vberösterreichischen Landesschulrathes Herrn R a b b i n e r M. F r i e d m a u n (L i n z), Rabbiner und Jnspector Dr. C a r o t (Lemberg», Rabbiner Dr. M ü h s a m (G r a z), Rabbiner Dr. I. I. U n g e r (I g l a u) und von sehr vielen Collegen, welche durch Berufspflichten oder durch ihren Gesundheitszustand am Erscheinen verhindert waren. Ihren Beitritt zu dem zu grünt enden Verbände haben schriftlich angemeldet die Herren: Rabbiner Dr. Blüh (T r o p p a u), Rabbiner Dr. B o n d y (Prag), Rabbiner D r. M. Friedman n (L i ii z), Rabbiner D r. N. G r ü n (P r a g), Rabbiner Dr. Hirsch (K a r o l i n e n t h a t), Jnspector K a u i tz (W i e n), R a b b l n e r St. Kohn (L e i t o m i s ch l), Rabbiner S. Popper (E g e r). Rabbiner D r. P o sn a n s k y (Pilsen), Rabbiner Ai. Stark (Prag), Rabbiner D r. Steiner (B i e l r tz), Rabbiner D r. W e i s l o w i tz (Tabor), R a b b i n e r D r. Ä i c s e :i (B ö h m.- L e i p a) und Rabbiner D r. Wolf (K l a t t a uj. Hierauf ertheilt der Vorsitzende das Wort deur Herrn Doctor G r ü n s e l d (Brünn) zu seinem Bortrage: „lieber den Jucenvgottesdieust". Oer Vortragende gibt in seinen Ausführungen die Gründe an, weshalb der Jugendgottesdienst nicht jene Wirkung erzielt, die von ihm als einem Bestandtheil der retigiös-sutlichen Erziehung erwartet werden müßte, und findet sie theils in der geringen activen Theitnahme der SaMer, die ihrerseits durch die mangelhafte Kenntniß des Hebräischen, durch die künstliche und vielstimmige Gesangsweise und ourch den Modus der Exhorten verursacht ist, theils in dem Umstande, daß demselben der obligatorische Charakter fehlt, begründet. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) An diesen Bortrag schließt sich eine sehr anregende und lehrreiche Debatte, an welcher sich die Herren R e i ch (B a d e n), Goldhammer (W i e n), H e r z l (B r o d y), Landau (Krakau), R o s e u s e l d (C z e r n o iv i tz), H i t i e t (Lei pn i k), F r e i m a n n (H o l l e s ch a u), R a b d i n v w i c; (W e i ßk i r ch e u), Tauber (P r e r a ti), A m sch lowrtz (I ä g e r nd o r s) und L a n g s e l d e r (Wien) berheiligeu und bei welcher die nur Wenigen bekannte, höchst betrübende Thatsache mitgelheitt wird, daß an vielen galizischen Lehranstalten durch Verfügungen der Schulbehörden das Hebräische aus dem Lehrpläne ausgeschlossen ist, daß die Kinder daselbst sogar ohne Kenntniß des Hebräischlesens aufwachsen. Der Vorsitzende glaubt empfehlen zu sollen, daß von Seiten der betheiligten Religionslehrer gegen derartige einseitige Verfügungen aus dem vorschriftsmäßigen Wege an den Landesschulrath recurrirt werde. Schließlich wird eine Resolution angenommen, welche den obligatorischeu Charakter für den Jugendgottesdienst fordert. Die Sitzung wird hierauf geschlossen. * In der zweiten Sitzung, die am 28. December, 10 Uhr Vormittags, stattfand, führte Dr. G r ü n s e l d (P r ü u n) den Vorsitz. Rach Mittheituug der Eiuläufe erhält das Wort Dr. Weiß (Wien», um über den zu gründenden Verband der Religionslehrer an den Mittelschulen zu referiren. Als Zwecke desselben bezeichnet der Redner zunächst die Vertretung der Standesinleressen, die bei der Regierung hinsichtlich der Rechtsstellung der Religionslehrer zu ergreifenden Schritte, die Herstellung geeigneter Beziehungen derselben zu den Gemeinden und die Aufklärung, respeclive Berichtigung der öffentlichen Meinung über den Religionsunterricht. Der Verband soll aber auch fachmännische Aeußerungen oder Gutachten über alle Fragen des Religionsunterrichtes auf Verlangen abgeben, und indem er die Führung dem Lehrerstande erwirbt, zugleich auf diesem Gebiete bewirken, daß manche sonst herrschende gegensätzliche Auffassung in religiöser Hinsicht gemildert werde. Dabei soll der Verband jedoch niemals Parteiflellung ergreifen und nur solche Beschlüsse enunciren, die keinem eittschiedeuen Widerspruche begegnen. (Beifall.) Endlich soll der Verein die Herausgabe geeigneter Lehrbücher und Lehrmittel fördern. Referent schildert die bisherigen Vorarbeiten und meldet, daß die Statuten des Verbandes von dem Ministerium des Innern bereits zur Kenntniß ge»