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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-01 · 1 (1.1.1897) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Air. 1 Dr. Vloch's WochruschrM. Seite 17 Kojetein, 28.December. Am 4. Immer 1807 (Nosch Chodesch Schewat) feiert der als gediegener Kanzelredner wie als verdienstvoller Schriftsteller in weitesten Kreisen bekannte Rabbiner der Judengemeinde Kremsier, Se. Ehrwürden Herr Dr. Adolf Frankl-Grü n, die Vollendung seines 50. Lebensjahres. Der bescheidene, seinen Forschungen und seinem geistlichen Wirkungskreise mit selbstlosein Eifer lebende Gelehrte verdient es, wie je ein Mann von so ausgezeichneter Vergangenheit, daß in weiteren Kreisen die Aufmerksamkeit aus seinen Jubilänmsgeburtstag gelenkt werde. Ein hervorragendes Verdienst um die jüdische Wissenschaft bedeutet sein im vorigen Jahre erschienenes Werk: „Die Geschichte der Judengemeinde Kremsier", dessen zweiter Band in Kürze erscheinen soll. Möge dem verehrten Jubilar, der auch in unserer Gemeinde als Rabbinatssubstitut in den Vacanzen nach den verstorbenen Rabbinern Jacob Brill und Dr. Salomon Fuchs durch seine Gelegenheitspredigten sich einen vorzüglichen Namen erworben hat, ein langes, wissenschaftlich ertragreiches, seiner Gemeinde segenstiftendes Dasein in ungetrübter Körper- und Geiftesfrische beschieden sein. Erwähnt sei noch, daß unser gegenwärtiger, sich allgemeiner Hochschätzung und Anerkennung erfreuende Rabbiner, Herr Dr. Nathan Steinhardt, seine rabbinische Vorbildung dem verehrten Jubilar zu danken hat. Aus Neutitschein erhalten wir eine acht große Seiten füllende Zuschrift, die mit „M o r i tz R e i ch" unterfertigt ist und eine Fülle von Klagen und Anklagen enthalt. Die Klagen beziehen sich auf die eigene Lage. Der Briefschreiber, der, wie er versichert, Vater einer zahlreichen Familie ist — darunter mehrere taubstumme Kinder — und als Hausirer fmuit das tägliche Brod verdienen kann, schreit vor Allem nach Hilfe; die Anklagen, die er vorbringt und deren Richtigkeit zu prüfen uns unmöglich ist, richten sich gegen alle Welt, gegen den Rabbiner, die Vorsteher und sämmtliche Gemeindemitglieder in Neutitschein. Er wirft ihnen nämlich Allen Herzlosigkeit und Humanitätslosigkeit vor. Stettin. Goldmark's Oper „Heimchen am Herd" hatte am 25. December bei seiner Erstaufführung einen seit Jahren hier nicht gesehenen Erfolg; die Hauptdarsteller der Oper, die Herren S z e n g e r y (John), Sohfing (Jakleton), die Damen Erich (Dot), Meißen (May) wurden mit dem Capellmeister Herrn Erdmann unzählige Male vor die Rampe gejubelt und 'Herr Director Goldberg, der das Werk glänzend inscenirte und ansgestattet hatte, dankte am Schluffe dem Publicum im Namen des leider nicht anwesenden Componisten. Paris. Eine sehr interessante Inschrift ist dem Museum im Louvre von einem Glaubensgenossen, M. Noöl B a r d a c, geschenkt worden. Die lange Inschrift umfaßt einen Zeitraum von vier Dynastien und erzählt den Krieg der Stadt Sirponta mit einem benachbarten Lande in uralter Zeit. Rom. Der König von Italien hat den Herausgeber des „Vessillo Israelitico beauftragt, seinen jüdischen ttnterthanen für die anläßlich der Bermalung des Prinzen von Neapel neuerdings bewiesene Anhänglichkeit an die königliche Familie seinen herzlichsten Dank auszusprechen. London. Biele Omnibuskutscher trugen zur Weihnachtszeit die Farben Mr. Leopold de Rothschild's zur Schau. Das geschieht aus Dankbarkeit für ein Geschenk Rothschild's, das sämmtliche Omnibusconducteure und Omnibuskutscher der Hauptrouten Londons schon seit zwanzig Jahren am Christabend erhalten. Das Geschenk besteht in einem Paar Fasane; die alten Kutscher und Conducteure erhalten außerdem noch eine Flasche Wein. London. Der Bürgermeister ist mit seiner Familie in das Mansion-House übersiedelt. Chicago. Der berühmte Pianist Moritz R o sen th a l ist leider noch immer krank. Er hatte einen Jnfluenzaanfall, verbunden mit typhösem Fieber. Nach einer kurzen Besserung trat ein Rückfall ein. Bombay. Der hiesige Verein der Getreidehändler, der sich hier zur Linderung der Hungersnot!) gebildet hat, hat Mrs. Flora S a s s o o n zum Director ernannt. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Bon I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) VI. Capitel. Zeigt, wie der König die Synagoge bereicherte. Die Synagoge war überfüllt — Mitglieder, Waisenknaben. Schnorrer, Alle versammelten sich zur Feier des Sabbaths. Aber der Vorsitzende des M a ch a m a d fehlte; er litt noch immer unter den Nachwirkungen seines Anfalls und hielt es für das Klügste, zu Hause zil bleiben. Der Rath der Fünf hatte sich nicht versammelt, seit ihn Mauasse aufgelöst hatte, und so blieb die Angelegenheit der Heirat seiner Tochter in der schwebe, was in der That nicht selten der Stand der von sephardischen Körperschaften erörterten Angelegenheiten war. Nachdem die Behörde sich derart passiv verhielt, machte es Manasse wenig Schwierigkeiten, den untergeordneten Beamten seinen Willen aufzuzwingen. Seine Tochter sollte unter dem sephardischen Tranhimmel getraut werden und dem Bräutigam kein Jota der synagogalen Ehren entzogen werden. An diesem Sabbath, dem letzten vor der Hochzeit, sollte Jankele wie ein echter Portugiese zum Lesen der Thora aufgerufen werden. Mit einem Gefühl feierlicher Ehrfurcht, das nicht gerade Manasses großartigen Schilderungen des alten Tempels entsprang, erschien er zum erstenmale in der Synagoge der Väter seiner Braut. Er durchschritt in leichtfertiger Stimmung den Hof, denn nach seinen früheren Erfahrungen mit seinem zukünftigen Schwiegervater war er halb darauf vorbereitet, daß die Pracht sich als unwahr erweisen würde. Ihre unerwartete Wirklichkeit schüchterte ihn ein, und er war froh, daß er seinen besten Anzug trug. Sein Velpelhnt, die grünen Beinkleider und der braune Rock stellten ihn den massiven Sänken, den funkelnden Armlenchtern und dem majestätischen Dache gleich. Was da Costa betraf, so hatte er an seiner Kleidung keinerlei Veränderung vorgenommen; aber er verlieh seinen schäbigen Gewändern Würde, indem er sie mit stolzer Männlichkeit ausfüllte und sein schnupftabackfarbenes Oberkleid wie ein Purpurgewand trug. Seine Kleidung hatte etwas Amtsmäßiges und war den Andächtigen ebenso vertrant wie der schwarze Talar und die weißen Bäffchen des Cantors. Es schien nur ganz natürlich zu sein, daß er als Erster zum Lesen der Thora aufgernfen wurde, ganz abgesehen von der Thatsache, daß er ein K v h e n, aus der Familie Arons, des hohen Priesters war — eine Abstammung, der vielleicht seine majestätische Haltung zuzuschreiben war. Als der Vorbeter mit kräftiger Stimme anstimmte: „Der gute Name — Manasse, der Sohn Judas, der Priester, soll sich erheben, um das Gesetz vorznlesen", wendeten sich alle Augen mit neu erregtem Interesse auf den zukünftigen Schwiegervater. Manasse erhob sich ruhig, warf den herunterlutschenden Gebetshawl über die linke Schulter und schritt auf das Lesepult zu, wo er die Segenssprüche hersagte und auf der rechten Seite des Vorbeters stehen blieb, während sein Abschnitt ans der heiligen Gesetzesrolle vorgelesen wurde. In der Gemeinde befand sich mancher stattliche Mann, aber Keiner, der sich auf der Plattform besser ausgenommen hätte. Es war ein schöner Anblick, als er der Gesetzesrolle seine Huldigung bezeigte; es erinnerte an die Begegnung zweier Herrscher. Der große Moment trat jedoch ein, als der Borbeter, nachdem der Abschnitt zu Ende war, Manasses Spenden für die Synagoge verkündigte. Der Betrag war in einen langen Segensspruch eingeschlossen, wie eine Münze, die in Papier gewickelt ist. Das war immer ein bedeutender Augenblick, selbst wenn es sich um unbedeutende Persönlichkeiten handelte. Vorher wurde über die Freigebigkeit eines Jeden speculirt und sie wllrde nachher commeutirt. Manasse, so war die Ansicht Aller, würde sich, obwohl er ein großer Schnorrer war, zur Höhe der Situation aufschwingen und gewiß siebeneinhalb Schillinge spenden. Die Schlaueren hatten eine Ahnung, daß er, um sich das Ansehen unerschöpflicher Freigebigkeit zu geben, die Summe in zwei oder drei besondere Spenden zersplittern würde. Die Schlaueren bekamen Recht und Unrecht, wie es gewöhnlich geschieht.

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