Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Dr. Block s Wochenschrift Nr. 1 Wien. (O r d e n s v e rlei hu n g.) Der Kaiser von Rußland hat den Borstand der laryngologischen Klinik an der Wiener Universität, Professor Dr. Karl Stör k, das Commandeurkreuz des Stanislaus-Ordens verliehen. Wien. Montag den 4. Jänner 1897, 2 Uhr Nachmittags, findet im Tempel des IX. Bezirkes, Müllnergasse 15, die Trauung des Frl. Rosa H i r s ch, Tochter des bekannten Bolkssä ngers A. H i r s ch, mit Herrn Leopold N e n m a n u statt. Wien. (Die große Wohlthätigkeits" A k a d e m i e d e s „F e r i e n h e i m".) Die große Wohl" thätigkeits-Akademie des außerordentlich Humanitär wirkenden Vereines „Ferienheim" findet, wie bekannt, am 5. Jänner in den Sophieusälen statt. Für. die Veranstaltung gibt sich in den vornehmsten Kreisen der Residenz das lebhafteste Interesse kund. In Anbetracht des außerordentlich wohlthätigen Zweckes haben die folgenden Künstler ihre Mitwirkung zugesagt: Hofschauspieler und Oberregisseur des k. u. k. Hofburgtheaters Adolf R. v. S o n n e n t h a l, Kammervirtuose Alfred G r ü n f e l d, Hofopernsänger H e s ch, das Quartett B e a m t, Hofopernsängerin Frl. v. Teleky, Frl. Lon Brion vom Hofburgtheater. Der Akademie folgt ein T a n z k r ä n z ch e n, dessen Arrangement Prof. Raben st einer übertragen wurde. Die Vorbereitungen zu dem Elitefest werden von dem Comite mit großem Eifer und unermüdlicher Rührigkeit getroffen. An der Spitze des Executivcomites stehen außer der Präsidentin Frau Dr. Sofie Grün seid, die Herren: Gemeinderath k. k. Baurath Theodor R. v. G o l d s ch m i d t. Kammerrath Schefftel, Stadtbaumeister M e l ch e r, Großindustrieller S. Hei t, Apotheker R o t h z i e g e l 2c. x. Wien. Am 24. December feierte Herr Commercialrath S. E i s e n b e r g e r in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Aus diesem freudigen Anlässe war er Gegenstand der herzlichsten Aufmerksamkeit vieler Kreise. Unter anderen vielen Gratulationen, die aus Nah und Fern einlangten, beglückwünschte ihn auch eine Deputation des Tempelvereines für.Mariahilf und Neubau, welche ihm unter Führung des Präsidentelt, Herrn Architekten Max Fleischer eine künstlerisch ausgesührte Adresse überreichte, in welcher die dem Vereine seit nahezu einem Lebensalter geleisteten Dienste und Opfer dankend anerkannt und seine, sowie seiner Gattin Wohlthätigkeitssinn, sein warmer Patriotismus, sowie endlich seine hervorragende Stellung als Industrieller rühmend erwähnt wurde. Dem Herrn Viceprasidenten S. E i s e n b e r g e r wurde gleichzeitig der neue Besuch der Deputation zu feinem 80. Geburtstage angemeldet. Wien. Am vergangenen Samstag fand im Tempel in der Müllnergasse eine solenne Barmizwahfeier statt, zu welcher eine große Anzahl von Andächtigen sich einfand. Drei Knaben, die Söhne der Herren M. T a u s k y, L. Siebenschein und Dr. F i a l l a, Präsidenten des Politischen Volksvereines, traten vor die Thora hin und recitirten mit heller Stimme die Segenssprüche. Herr Dr. Gelbhaus hielt eine Ansprache, welche einen tiefen Eindruck machte. Der Confirmand Alfred Fialla trug die Hafthora in schöner und correcter Weise vor. Nach dem Gottesdienste versammelten sich viele Gäste im Hause des Herrn Dr. F i a l l a zu einem festlichen Dejeuner. Der Confirmand hielt eine Ansprache an die Eltern und die Gäste, in welcher er dem Glauben Israels Treue gelobte. Hierauf ergriff Herr Julius K o p f st e i n das Wort und feierte als Freund des Hauses die Tugenden und Vorzüge der Familie Fialla. Ter ältere Bruder des Confirmanden, Gymnasiast Erwin Fialla, richtete innige Worte an den Barmizwah. Herr Dr. G e l b h a u s setzte auseinander, daß in unserer Zeit nur die Vereinigung von Religion und Bildung zu einem glücklichen Ziele führe nach der Lehre der Weisen: „Schön ist die Thora verbunden mit Weltsitte". Diese Harmonie findet sich in dem Hause der Gastgeber wovon auch die Feier Zeugniß gibt. Hierauf replicirte Herr Dr. Fialla in einerlängeren Rede, daß er und seine Lebensgefährtin stets mit Freude und Stolz zur Fahne des Jndenthums treu gehalten haben und bestrebt waren, ihre Kinder in derselben Gesinnung zu erziehen. Herr Dr. Josef Bloch wies darauf hin, daß das Judenthum nicht unter den materiellen Gesetzen der Natur stehe, sondern auf den Normen des Geistes basire, der Geist der Freundschaft ist es, der die Festgäste beseelt. Herr G. Bettelheim betonte, die unerschütterliche Grundlage des Judenthums bilde die religiöse jüdische Jugend, zu der der Barmizwah rühmlichst gezählt wird. Es folgten noch andere schöne Trinksprüche, welche die Feier zu einer erhebenden gestalteten. Wien. Donnerstag den 7. Jänner 1897, 8 Uhr Abends, findet im Ballsaale Ronacher ein Benefice-Soiree des ausgezeichneten Tanzmeisters Herrn Julius Singer, Leiter des bestbekannten Tanzinstitutes I. Heimann, statt. Wien. »Obessä «ebel Lwes« ist der Name eines in Wien seit 28 Jahren in aller Stille und Bescheidenheit wirkenden Kranken- und Witwen-Unterstiitzungsvereines, welcher auch alljährlich den Carneval dazu benützt, um die Humanität über die statuarischen Pflichten erfüllen zu können. Die Veranstaltung eines bereits sehr beliebt gewordenen Costume-Kränzchens versammelt stets die besten Kreise, um im fröhlichen Tanzvergnügen der Geselligkeit und Gemüthlichkeit wie auch der schönen humanen Tendenz dieses Abends ihren Tribut zu zollen, da das Erträgniß desselben der wahren Wohlthat zugeführt wird. Dem Arrangement dieses am 2. Februar im Ballsaale des Etablissement Ronacher stattfindenden Costume-Kränzchens stehen Herr Siegfried Beer und Frau Clotilde Fried vor, und verspricht dasselbe ebenso animirt als alle früheren Veranstaltungen zu werden. Wien. (V e r e i n s g r ü n d u n g.) Am 19. December d. I. hat sich der Verein der Ung.-Broder in Wien constituirt. Bei der im Restaurant Hauswirth, Praterstraße, äußerst zahlreich besuchten Generalversammlung wurden zum Obmanne Herr- Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Sigmund F i s ch e r und zum Obmann-Stellvertreter Herr Gustav R i e s e n f e l d, Manipulant der Firma Leon Abrahamer, per Acclamativn gewählt. Budapest. (A n s z e i ch n u n g.) Zu den anläßlich der Millenniumsausstellung Ausgezeichneten zählt auch der Oberingenieur der königlich-ungarischen Staatsbahn. Diesem wurde für seine vorzüglichen Leistungen das g o l d e n e B e r dienstkreuz mit der Krone von Sr. Majestät verliehen. Prag, 27. December. Soeben, S'/2 Uhr Morgens, verschied Josef SB itu s l, Chef der alten renommirten Firma S. I. Bunzl Söhne, eine in allen Kreisen der Stadt geachtete Persönlichkeit. Er war Mitglied der Prager Israelitischen Gemeinderepräsentauz, Mitglied der Prager Handelskammer, Vorsteher des Prager Handelsgremiums, Öbmaun-Stellvertreter des Centralvereines, Obmann der Spitalscommission rc. rc. Er verschied plötzlich, nachdem er einige Tage an einem Unwohlsein, dem keine Bedeutung beigelegt wurde, das Bett gehütet. Er gehörte einer alten Prager Familie an und schon dessen Großvater und Vater haben großartige Stiftungen in's Leben gerufen. Königgrätz. Unser verehrter Rabbiner Herr Abraham K o h n feierte am 31. December das Fest seiner Silberhochzeit mit der Frau Karoline, geb. Baudisch, im engsten Familienkreise. Zahlreiche Freunde und Verehrer des Herrn Rabbiners haben sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den verehrten Seelsorger Kundgebungen der Sympathien zuzumitteln. Lemberg. Mittwoch den 6. Jänner findet in Stanislau die Trauungsfeier des Herrn Akiwa Schreiber, des Sohnes der Frau Rabbiner Augusta S ch m e l k e s in Lemberg, mit Fräulein Anna H o r o w i tz statt. Hohenems, 20. December. Am 25. October l. I. wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Aron Tänze r, der bisher als Subrabbiner in Totis fungirte, mit Acclamativn zum Rabbiner unserer Gemeinde, der sämmtliche in Tirol und Vorarlberg lebende Israeliten unterstehen, gewählt. Nach erfolgter behördlicher Bestätigung fand am 10. December der feierliche Amtsantritt und am 16. l. M. die Vereidigung des neuen Rabbiners durch den k. k. Bezirkshauptmann Grafen von Schaffg o t t s ch statt. Der junge Rabbiner ist am 30. Jänner 1871 zu Preßburg geboren, hat daselbst die Rabbinatsschule und später, nach entsprechenden Vorstudien, die Universität zu Berlin absolvirt. Erschienen sind bis jetzt folgende Werke von demselben: „Die Religionsphilosophie Josef Albos'", 1. Theil. 1896. „Drei Neujahrspredigten". 1897. Beide im Berlage von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Die Antrittsrede desselben hier, welcher ob ihres patriotischen Inhaltes selbst Herr Graf Schaffgottsch seine unumwundene Anerkennung aussprach und die hier mit höchster Begeisterung ausgenommen wurde, wird demnächst in Druck erscheinen.