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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-01 · 1 (1.1.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Vlortz's Wochrnfttzrif). Seite 15 als der jüdischen Institutionen. Jüngst versah er sämmtliche Zeitungsbuben (das Zeitungsaustragen wird hier, wie überall in England und Amerika von Knaben besorgt) mit neuer Kleidung und spendete fiir den jüdischen Asylverein 1500 Dollars. New-Uork. 17. November. (Das Jubiläum der Achawath-Chesed-Gemeinde.) Einige Zeit vor dem Revolutionsjahre 1848, welches ein wenig Luft und Licht brachte, sah sich eine Reihe böhmischer Juden, die nach Freiheit schmachteten, veranlaßt, nach Amerika auszuwandern. Unter äußerst schwierigen Verhältnissen konnten sich diese Pionniere der böhmischen Judenschaft hier behaupten, unter unsäglichen Kämpfen gelang es ihnen, sich eine Existenz zu schaffen. Sie vergaßen aber im Kampfe um das Dasein nicht an den Gott ihrer Väter, und das Erste, was sie thaten, war die Gründung einer Gemeinde, die Schaffung eines Gotteshauses. Im November 1846 wurde die Achawath-Chesed-Gemeinde gegründet. Sie feierte am 14., 15. und 16. November ihr goldenes Jubiläum. In den ersten 25 Jahren versah Herr Ignaz S t e i n aus Strakonitz das Vorsteheramt. Ihm folgten die Brüder Abraham und Salomon Limm und jetzt amtirt der greise Herr Marcus K o h n e r, ein Bruder des Pester Cultusvorstehers Herrn Kohner. Der allgemein beliebte und noch unvergessene Dr. A. K n e b s ch war der erste Rabbiner. Er wirkte von 1866 bis 1884 (am Schmini Azereth desselben Jahres wurde er zu seinen Vätern abberufen). Dieser geniale, hochgelehrte Volksmann und Volksredner hob die Gemeinde unter die ersten des Landes. Ihm folgte Dr. Alex. K o h u t von 1884—1892. Und nun amtirt Herr Dr. D. Davidson. Herr Sam. Welsch war der erste musikalisch gebildete Cautor der Gemeinde. Seit seiner Rückkehr nach Europa amtirt Herr Theo. G ü n z b u r g, ein würdiger Nachfolger des ftüher beliebten Herrn Welsch. Das Programm der Jubiläumsfeier war ein entsprechendes, die Dekoration des prachtvollen Baues, Musik, Gesang, Andacht und Predigten waren der feierlichen Gelegenheit angemessen. Nur Eines muß schmerzlich berühren. Es ist kein bloßer Zufall, daß in dem gedruckten Festprogramm keines der hebräischen Gebete mit hebräischen Lettern angeführt wurde. Leider kann die Kenntniß der hebräischen Sprache bei den wenigsten Mitgliedern der Gemeinde vorausgesetzt werden. Das ist ein ebenso beschämendes als betrübendes Moment, welches zugleich beweist, wie berechtigt manche scharfe Bemerkung war, die am Congreß der jüdischen Frauen in dieser Beziehung fiel. Hoffentlich wird die Zukunft einen Wandel zum Besseren bringen und das nächste Jubiläum der Achawath-Chesed-Gemeinde blos zu freudigen Erwägungen Anlaß geben. New-Aork. Donnerstag starb hier im Alter von 47 Jahren der Senator Joseph C. Wolfs. In Besantzon von französischen Eltern geboren, kam er als Kind hieher. Er machte den Shenandoah-Feldzug mit. Nachdem der Krieg zu Ende war, studirte er Jus und wurde 1874 Advocat. 1892 wurde er mit großer Majorität gegen den Republikaner Jacob Nassinger in die gesetzgebende Versammlung, 1893 zum Senator gewählt. Er wa'' ein thätiges Mitglied aller bedeutenden Vereine und interessirte sich besonders für das Schulwesen. Deputationen aller Vereine und eine große Anzahl'von Schulkindern nahmen an dem Leichenzuge theil. Die Beerdigung fand unter Beobachtung freimaurerischen Ceremoniels statt. Der Verstorbene war ein Mann von ausgezeichneten Eigenschaften, liebenswürdigem Wesen und von dem Drange erftillt, Jedem, der der Hilfe bedurfte, zu helfen. New-Aork. Die beiden neuangebauten Flügel des Waisenhauses sind der Benützung übergeben worden; es werden nun 500 Kinder mehr untergebracht sein, als vorher. Die feierliche Eröffnung begann mit einem Festgottesdienst, bei welchem Dr. Hermann Barr die Predigt hielt. Es waren gegen 750 Kinder anwesend. Commodore Elbridge F. Gerry hielt eine Ansprache an die Kinder. Die schöne Feier schloß mit Musikvorträgen der Waisenhauscapelle. Bombay. Indien ist nach einer Pause von 20 Jahren wieder von der Hungersnoth heimgesucht morden. Tausende sterben. Die Armen leiden furchtbar. Gestern wurde in der Neuen Synagoge der B'ne Israel ein Gebet für die Unglücklichen verrichtet, und viele Mitglieder der Gemeinde zeichneten namhafte Beträge für ihre unglücklichen Glaubensgenossen. Baltimore. Der britische Dampfer „Henrietta H." ist soeben von Liverpool angekommen. Der Capitän des Schiffes ist Julius Berg, ein Jude. Er ist in Deutschland geboren und mit einer Amerikanerin verheiratet und lebt gewöhnlich in Philadelphia. Das Schiff wurde von I. Laing u. Co. in England gebaut und gehört I. de Hart in Newcastle. Wie es heißt, ist Capitän Berg der erste Jude, der als Befehlshaber eines Dampfers mit demselben in diesen Hafen eingelaufen ist. Baltimore. Vor einigen Tagen brachte ein hiesiges illustrirtes Wochenblatt einen Schmähartikel gegen die Juden. Das hiesige Blatt „Baltimore Sun" zog nun in seinen Spalten das Wochenblatt darüber zur Rechenschaft und charakterifirte den Angriff als ein grobes Vergehen gegen die Wahrheit, den Anstand und jedes kessere Gefühl. In ähnlicher Weife läßt sich ein anderes Blatt darüber vernehmen; wir theilen Ihnen aus dem betreffenden Artikel das Wichtigste mit. Es ist unbegreiflich, daß ein Blatt in unserem Staate sich dazu hergegeben hat, die Juden zu beleidigen. Dieselben haben sich mit dem Leben jedes einzelnen Staates so identificirt, daß sie den größten und berechtigten Einfluß in geschäftlicher und socialer Richtung ausüben. Sie gehen nie in beleidigender Weise gegen anders Gesinnte vor, sie unterwerfen sich stets dem Gesetze, sie fallen dem Staate niemals zur Last, sie sind fleißig und sparsam, voller Leben, sie sehen unglaublich rasch, wenn es sich um öffentliche Verbesserungen'handelt, tragen in fteigebigster Weise zu allen öffentlichen Unternehmungen bei, kurz, sie sind für jeden Staat eine höchst werthvolle Akquisition, und wenn ihnen, den besten Bürgern der Welt, die öffentliche Anerkennung für all' ihre ausgezeichneten Eigenschaften oft nur sparsam zu theil wird, so verdienen sie sie darum doch voll und ganz. Die Juden haben in unserem Staate stets das beste Feld zum Gedeihen gefunden, aber sie haben auch in ganz Europa im Laufe der letzten 100 Jahre sich die Anerkennung ihrer Fähigkeit und Vortrefflichkeit errungen. In Frankreich und ganz besonders in England sind sie den Christen gleichgestellt. Man denke nur an die Rothschild, die Hirsch, die Disraeli, man denke an den neuen Bürgermeister von London. Die Vereinigten Staaten können absolut die Energie, den Reichthunr, die Intelligenz und die gründliche Liebe der jüdischen Bevölkerung zu Amerika nicht entbehren, und nur ein beschränktes Blatt konnte einem Angriff auf ein solches Volk Ramn geben. Salisbury, Rhodefia. Bei der Empörung der Schwarzen in Mashoualand und Matabeleland waren 14 hiesige Juden in das britische Heer eingetreten und hatten wacker gegen die Schwarzen gekämpft. Einer von ihnen, ein ruffischer Jude von 28 Jahren, Namens Shapiro, fiel im Kampfe und hinterließ ein Vermögen von 5—600 Pfund. Vielleicht trägt diese Notiz dazu bei, etwaige Verwandte und Erben Shapiro's ausfindig zu machen. Nach seinem Tode liefen Briefe aus Zhagor (bei Kovno) mit der Unterschrift „Kwitz" und andere Briefe mit unleserlicher Unterschrift ein. Bevor Shapiro nach Afrika kam, lebte er einige Jahre in Chicago. Etwaige Verwandte mögen sich an folgende Adresse wenden: Office of the Master of the High Court of Matabeleland in Salisbury, Rhodefia, Südafrika. Hatherley bei Prätoria (Südafrika). Präsident Krüger eröffnete am 28. v. M. in feierlicher Weise die Glasfabrik der Herren Lewis und Marks und wünschte denselben das beste Gedeihen. Im Verlauf seiner Ansprache sprach der Präsident die Hoffnung aus, daß Mr. Sam. Marks, der so viel zur Hebung der Industrie in Transvaal gethan habe, auch recht bald eine Eisenfabrik errichten möge. Wien. (B e r l o b u n g.) Fräulein Minna Schwager, Tochter des Herrn Manuel Schwager, hat sich mit Herrn Benno Rosenberg verlobt. Wien. (Verlobung.) Frl. Ernestine G u t h, Tochter des in den weitesten Kreisen bekannten Restaurateurs M. Guth, hat sich mit Herrn Max R o b i t s ch e k, Vertreter der Schirmfabrik von Beer, Drab & Co. in Wien, verlobt. Wien. Der Israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein Brigittenau veranstaltet am 6. Jänner 1897, Abends 9 Uhr, im Festsaale des „Hotel Continental", II, Taborstraße, ein Tanzkränzchen, dessen Reinerträgniß den Bereinszwecken gewidmet ist.

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